Aktionen | Writing Friday

[Aktion] Writing Friday #11 – Der Schreibtisch

19. Juli 2018

#11 – KW29/2018


Diese Aktion ist von ELLIZYS #Writing Friday vom Blog Read Books And Fall In Love ins Leben gerufen worden.

Nun darf auch endlich mein Schreibtisch seine Lebensgeschichte erzählen.  Er ist nicht glücklich und etwas frustiert. Deshalb sucht er einen neuen Job im neuen Wirkungskreis. Wie ist es, könnt ihr ihn verstehen? Was würdet ihr ihm raten? Ich hoffe, dass ich diesen Brief noch rechtzeitig abfangen kann und dass ich dabei nicht erwischt werde. Wir brauchen ihn! Wir wollen nicht, dass er uns bestraft und einknickt. Sonst müssten wir ihn ersetzten und er hätte auch nichts mehr davon…


Die Regeln im Überblick

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen


Schreibthemen / Schreibaufgaben Juli


Gewählte Aufgabe:  

Dein Schreibtisch erzählt aus seinem Alltag.

                                  _________________________________


Der Schreibtisch

Musterstr. 77                                                                                                                                            Fon: +49 176 0000001

12345 Musterstadt                                                                                                                 Mail: der.schreibtisch@gmax.com


Verlags Gmbh

z.Hd. Inni Inhaberin

Fantasiestr. 12

98765 Fantasia                                                                                                                                      Musterstadt, 20.07.2018

                                                                                                                                                  Sie brauchen einen übergroßen und stabilen “Schreibtisch”!

Sehr geehrte Frau Inhaberin,

vielen Dank für das freundliche Telefonat vom 16. Juli 2018. Im Anhang finden Sie meine versprochene Bewerbung. Wie Sie meinem Lebenslauf entnehmen können, stehe für Diversität, Durchsetzungskraft, Stabilität und Ausdauer verbunden mit beinahe 8 Jahren Berufserfahrung im Bereich Familienunternehmen. Ihr Veranstaltungskonzept spricht mich sehr an und passt sehr gut zu meinem immer professionelleren Anspruch eines Schreibtisches.

Meine konkreten Vorschläge zur Umsetzung – für die Zufriedenheit beider Seiten – habe ich dieser Initiativbewerbung beigefügt.

Bis dahin klingt alles ziemlich professionell, oder? Das freut mich sehr, denn ab jetzt kann ich diesen gehobenen Standard leider nicht halten. Es tut mir sehr leid für Sie, aber ich bin ein Jammerlappen und das muss nun endlich raus. Ich bin frustriert und habe genug! Genug von was, werden Sie sich jetzt fragen! Genug von dieser Behandlung! Ich bin ein SCHREIBtisch! Doch in dieser Familie wird das zunehmend vergessen. Ja, es wird schon noch darauf geschrieben aber eben nicht nur. Überwiegend bin ich ein Ablagetisch geworden. Und stellen Sie sich mal vor, ich habe ja bekanntlich Übergröße, WIE VIEL da auf mich drauf passt! JEDE MENGE, kann ich Ihnen da nur sagen. Es gibt kaum mehr einen Flecken, der frei ist von Büchern, Zetteln, Schreibutensilien, Ablagefächern, Katzenhaaren (ja, die gibt es auch immer wieder) usw. Lediglich der Teil, mittig zwischen Tastatur und Schreibtischkante, ist noch sichtbar. *schnief* Dabei war ich mal so schön weiß. Ich hatte ursprünglich elegante, silbrige Füße (dieses wurden mit Permanentstiften bekritzelt und verunstaltet) und eine wunderschöne, großen Platte (diese hat nun Macken und ist ebenso hier und da bekritzelt). Früher, ja früher, da gab es einen Monitor, eine Tastatur, einen Block und ein zwei Bücher auf mir drauf. Ich wurde täglich abgewischt und gestreichelt. Obwohl der Aschenbecher auf mir lag und natürlich hin und wieder überquoll und einiges an Asche auf mich überschwappte, kann ich behaupten, dass diese abgewischt wurden und man mich gepflegt hat. Den Geruch von Zigaretten vermisse ich nun nicht mehr, das gebe ich zu. Manchmal, wenn es Abend wurde, landeten während des Telefonierens auch mal Füße auf mir drauf. Aber das störte mich überhaupt nicht. Das gab mir das Gefühl geliebt zu werden.

In 2013 bekam ich dann endlich meine wohlverdiente, gehobene Stellung. Ich kam in ein Arbeitszimmer! Aus Freizeitlektüre und Sprachbüchern wurde schwere Lektüre aus dem geisteswissenschaftlichen Bereich. Tabellen tummelten sich auf meiner Oberfläche, in Leder gebundene Buchbände und die eine oder andere Tasse Schwarztee mit Minze. Ich genoss es sehr, dass meine Übergröße so viel Positives bewirkte und man sich auf mir aus- sowie entfalten konnte.

Dann kam der Einbruch. Ich hatte am Rande mitbekommen, dass sich die Familie vergrößert hatte, doch machte ich mir darüber keine wirklichen Gedanken, geschweige denn Sorgen. Und eines Tages schallte es im Raum: „Das Arbeitszimmer wird jetzt Kinderzimmer“. Noch immer konnte ich die Bedeutung dieser Worte nicht begreifen. Ich bin ja nur ein Schreibtisch. Aber eines Tages packten mich Hände und trugen mich ins Wohnzimmer. Ich wehrte mich mit allen mir möglichen Mitteln; machte mich breit, machte mich lang, machte mich schwer. Leider wurde ich dennoch besiegt. Wieder einmal wurden meine Füße ab- und im neuen Zimmer angeschraubt. Ich hatte verloren. Seitdem spüre ich meine Degradierung und sie lastet schwer auf meinem Gemüt. Ich wiederhole mich ungern. Falls Sie vergessen haben, was dann kam, können Sie alles sehr gerne am Anfang des Briefes nachlesen und dann nochmals hierher zurückkommen…

So, jetzt haben Sie alles nachgelesen, aufgefrischt und haben mein derzeitiges Leid wieder direkt vor Augen.

Ich bin in mich gegangen und habe überlegt, wie ich meine derzeitige Situation verändern könnte. Immer wieder höre ich, die Familie möchte sehr gerne wieder ein Arbeitszimmer haben. Aber das dauert mir einfach zu lange! Meine Fähigkeiten werden ausgenutzt, denn ich habe derzeit überhaupt keine Ruhephasen. Fast rund um die Uhr werde ich belastet, die Doktorarbeit muss fertig werden. Doch wer weiß, wie lange das noch geht. Zudem möchte ich einen erneuten Aufstieg erfahren! Ich bin dazu bereit. Ich möchte ein Bürotisch werden. Ein Tisch, auf dem keine Katzenhaare, keine Essens- und sonstigen undefinierbaren Reste zu finden sind. Mein weiß soll wieder glänzen und meine Größe und Schönheit sich entfalten. Nach all den lauten Tagen benötige ich jetzt eine ruhigere Phase. Thematisch bin ich flexibel. Ob Zahlen, Worte oder musikalische Notenblätter – Hauptsache, sie werden am Ende eines Tages wieder abgeräumt, sodass ich in Frieden meinen Feiertag, ganz abgeräumt und abgewischt genießen kann. Ich möchte Ihr Messe-Schreibtisch werden! Ich möchte mit Ihnen in fremde Länder reisen, Ihnen dort stets zu Diensten sein und abends in meinen Erinnerungen des jeweiligen Tages schwelgen.

Jetzt bin ich gespannt, ob Sie es geschafft haben, bis hierher durchzuhalten und alles zu lesen. Ich wünsche es mir sehr! Zeigen Sie mir, dass Träume keine Schäume sind sondern wahr werden können! Mögliche Rückfragen beantworte ich am liebsten im persönlichen Gespräch. Darf ich Sie nächsten Dienstag um 7:30 Uhr anrufen, um einen Termin zu vereinbaren? Da habe ich Ruhe, zu dieser Zeit schlafen alle noch.

 Herzliche Grüße nach Fantasia

Der Schreibtisch

Anlage

Umsetzungs-Konzepte

© monerls


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  1. Liebe Monerl,

    tolle Idee mit dem Beschwerdebrief, der auch so viele Details beinhaltet. Ich nehme mal an, dass die Kinder ihn so schön an den Beinen verziert haben 😀
    Ich glaube meine Schreibtisch würde ähnliches sagen. Aber er ist ja nicht mal ein richtiger Schreibtisch, sondern nur eine Art Zusatzteil zu einem Größeren.

    Liebe Grüße,
    Gina

    1. Liebe Gina,
      du hast richtig geraten. Die Kleine war das, die die Tischfüße verschönert hat. Wir haben es erst lange Zeit nicht gemerkt.haha
      Oh je, Zusatzteil!? Das hast du aber hoffentlich nicht laut vor ihm gesagt, oder? Nicht, dass dir das gleiche passiert wie uns. 😀
      GlG, monerl

  2. Ein Beschwerdebrief XD
    Also darauf wär ich nicht gekommen. Fein umgesetzt.
    Irgendwie erleiden hier viele Schreibtische ein ähnliches Schicksal, müssten die nicht dann längst durch den Buschfunk wissen, was mit ihnen passiert. Immer diese gefrusteten Möbel 😛

    1. Scheinbar hat der Buschfunk nicht richtig funktioniert! 😛 Vielleicht treffen wir sie ja alle in einer Gruppentherapie. So einen Text kann ich mir auch gut vorstellen! hahahaha
      GlG, monerl

  3. Hi monerl,
    das ist mal mega kreativ und gut geschrieben.
    Das ist genau die Art Beitrag, weshalb ich den Writing-Friday so liebe, eure guten Ideen inspirieren mich dann auch.
    Beste Grüße
    Daniela
    Mein Beitrag findest du hier.
    PS: Was ist denn das für eine Doktorarbeit?? Erzähl mal 🙂

    1. Liebe Daniela,
      so schön zu hören, was du sagst! Und ich stimme dir zu, die anderen Beiträge motivieren und inspirieren mich auch. Ich werde oftmals in eine Richtung gelenkt, an die ich ursprüngich gar nicht gedacht hätte, wie z.B. dieser hier. 🙂
      Über die Doktorarbeit können wir uns privat austauschen, wenn du magst. 😉
      GlG, monerl

  4. Hey monerl,
    Super Idee mit der Bewerbung, v.a. die Details mit Briefkopf etc finde ich klasse.
    Da können sich unsere Schreibtische wohl zusammentun. Die haben es aber auch schwer mit ihren Besitzern. 😉
    Grüße, Katharina.

    1. Hey Katherina,
      es sollte ja echt wirken. Und der Schreibtisch hatte schon einige solcher Briefe auf seiner Platte liegen gehabt. 😉
      Ich möchte auch nicht mit unseren Schreibtischen tauschen. Lieber dann ein Tausch mit dem Bett. hahaha
      GlG, monerl

  5. Huhu,
    ohje der arme Schreibtisch! Da hat er doch noch mehr zu leiden als meiner. Nun ja, aber das seine Beine mit Permanentmarkern angemalt wurden, kann auch ein Zeichen der Zuneigung sein 😉 ich hoffe sehr, dass du den Brief noch unbemerkt abfangen kannst!

    Liebe Grüße 🙂

    1. Leider sieht er das mit dem Gekritzel nicht so wie du. Ich werde es ihm aber ausrichten. 😉
      Schlimmer geht immer, das kannst du jetzt zumindest deinem Schreibtisch sagen und ihm die Geschichte meines Schreibtisches vorlesen. hihi
      GlG, monerl

  6. Huhu monerl!

    Der arme, arme Schreibtisch. Er tat mir wirklich ein wenig leid, und ich musste zugegebernmaßen an meinen eigenen daheim denken, dem es wohl ähnlich ergeht, ersetzt man Katzenhaare mit herumfliegenden Mopshaaren. Ich hoffe, er wird glücklich, wo auch immer her hinkommen mag oder vielleicht auch, wenn er bei seiner Familie bleibt!

    Liebe Grüße und ein wunderbares Wochenende!
    Gabriela

    1. Liebe Gabriela,

      dann rate ich dir, auf jeden Fall die Augen offenzuhalten! Nicht, dass das dein Schreibtisch auch so etwas vor hat. Nimm die Briefe darauf gut in Augenschein. 😉
      Unserer hat mittlerweile seine Bewerbung wieder zurückgezogen. Gott sei Dank! Die lieben Worte seines unbekannten Freundes (siehe zwei Kommentare weiter unten) ist ihm sehr nahe gegangen und hat ihm die Augen geöffnet.

      Dir auch ein schönes Wochenende,
      GlG, monerl

    1. Lieber Sebastian,

      wenn schon, denn schon! Der Schreibtisch hatte genug Gelegenheiten sich in acht Jahren Bewerbungsschreiben anzuschauen und sich alle Formalitäten zu merken. Er ist halt ein cleveres, aber leider meckerndes Kerlchen. 😉

      GlG, monerl

  7. Hallo Schreibtisch,

    als Freund kann ich Dir nur empfehelen: Ziehe Deine Bewerbung schnell zurück. Ich bin nun fast 25 Jahre im Dienst, schon etwas wackelig in den Holzknochen, der Lack ist, im wahresten Sinne des Wortes, ab. Natürlich gibt es Hoch und Tiefs, so ist das Leben, nicht nur bei den Menschen. Aber glaube mir, wenn ich Dir sage: Deine schönste Zeit kommt noch. Wenn die Kinder älter sind, sie das erste mal ihren Namen auf Dir schreiben. Welches Gefühl ist schöner?! Du kannst von Glück reden, dass Du in den Genuß von Nachwuchs in der Familie gekommen bist!
    Und was hast Du gegen Katzenhaare? Bist Du allergisch? Ich würde zu gerne eine Katze mein Eigen nennen, die sich auf mir räckelt, mit mir kuschelt und mir die Geheimnisse ihrer Welt erzählt.
    Wenn Dir KInder älter sind, wirst Du vielleicht sogar in den Genuß kommen, einen jungen Schreibtishc einzuweißen, Ihm Tipps und Tricks für das Leben mit auf dem Weg geben.

    Ich selbst liebe das Chaos auf mir, denn so weiß ich, ich werde gebraucht! Ich will gar kein abgeleckter Schreibtisch sein!
    Noch einen Trick will ich Dir mitgeben: Schiebe ab und zu Postkarten in Deine Mitte, leg den Stift daneben. Wenn sie die Karte zur Seite räumt, schiebe sie wieder dezent in die Mitte. Das gleiche geht auch mit Briefumschlägen oder dem Adressbuch. Man muss behaarlich sein, aber es erinnert den Menschen, mal wieder zum Stift zu greifen.

    Das mit dem Ausland überlege Dir gut. Dort im Ausland ist es heiß und staubig. Ich habe sogar gehört, dass da im Ausland schwere Eisenkugeln vom Himmel fallen und unsereins in viele kleine Splitter zerschlagen. In manchem Ausland soll es sogar giftige Tiere geben. Das könnte ein Problem werden, wenn Du schon die Katze nicht leiden magst.

    Beste Grüße
    Ein unbekannter Freund

    1. Liebster unbekannter Freund,
      ich glaube mich erinnern zu können, dich mal gesehen zu haben! Stimmt´s? Von Herzen DANKE für diese Zeilen! Ich habe sie an unseren Schreibtisch weitergeleitet und er hat tatsächlich seine Bewerbung zurückgezogen! So weit in die Zukunft hat er gar nicht gedacht, meinte er beschämend. Nun freut er sich auf die Zukunft und die ersten Buchstaben, die auf ihm geschrieben werden. Er kann´s kaum erwarten, ich musste ihn bremsen! haha
      Er ist gegen Katzenhaare nicht allergisch, kann sich damit dennoch nicht anfreunden. Ok, wir werden versuchen ihn davon zu erlösen. Jeder hat so seine eigenen Flausen im Kopf, niemand ist perfekt. Mit diesem Kompromiss war er einverstanden. *Puh*
      Liebster unbekannter Freund, wenn ich dich das nächste Mal erspähe, werde ich mich zu erkennen geben, dich streicheln und dir eine Postkarte auf deine Oberfläche legen. Das hat mich sehr berührt, welch wunderbare Tipps du für uns und den Schreibtisch hattest, damit wir seinen Ursprung nicht vergessen!
      Gehab dich wohl und hoffentlich bis bald!
      Beste Grüße zurück,
      die Familie

  8. Hallo liebe Monerl, welch coole Idee den Schreibtisch so zu Wort kommen zu lassen 😀 es ist schon erstaunlich, wie oft wir diesen als Ablagefläche missbrauchen und wie selten wir wirklich darauf schreiben! Wünsche dir ein tolles Wochenende!

    1. Danke! Ja, meistens ist er eher Ablagefläche als Schreibunterlage. Traurig aber wahr. Und auf unserem ist wirklich VIEL Ablagefläche vorhanden. hahaha
      Auch für dich ein schönes Wochenende!
      GlG, monerl

    1. Liebe Annie,
      das freut mich! Ich habe lange überlegt, wie ich meinen Schreibtisch zu Wort kommen lassen soll. Ursprünglich hatte ich einen Lebenslauf entworfen. Aber der gab nicht so viel her. Dann kam mir die Idee mit dem Bewerbungsschreiben. 😉
      GlG, monerl

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