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[Aktion] Writing Friday #8 – Das sprechende Buch

28. Juni 2018

#8 – KW26/2018


Diese Aktion ist von ELLIZYS #Writing Friday vom Blog Read Books And Fall In Love ins Leben gerufen worden.

Diese Aufgabe habe ich mir regelrecht aus den Rippen geschnitten! Mir fiel und fiel einfach keine Geschichte zum sprechenden Buch ein. Ich habe das Gefühl, dass meine Fantasie für so etwas nicht reicht. Zufrieden bin ich nicht wirklich. Bin sehr gespannt, wie meine Geschichte bei euch ankommt und ob ihr damit etwas anfangen könnt. Kommt ja nicht damit, dass ihr wissen wollt, wie es weitergehen wird! Ich werde an der Story nicht weiterschreiben! hihi


Die Regeln im Überblick

  • Jeden Freitag wird veröffentlicht
  • Wählt aus einem der vorgegeben Schreibthemen
  • Schreibt eine Geschichte / ein Gedicht / ein paar Zeilen – egal Hauptsache ihr übt euer kreatives Schreiben
  • Vergesst nicht den Hashtag #WritingFriday und den Header zu verwenden
  • Schaut unbedingt bei euren Schreibkameraden vorbei und lest euch die Geschichten durch!
  • Habt Spass und versucht voneinander zu lernen


Gewählte Aufgabe:  

Du findest auf der Strasse ein Buch, welches sehr mitgenommen aussieht, plötzlich fängt es an mit dir zu sprechen. Schreibe das Gespräch auf.

                                  _________________________________


“Hallo! Hier! Hier bin ich!” “Ja, Du! Dich meine ich! Komm her zu mir.”, hörte Jules eine ganz eigenartige Stimme rufen. Jules schaute sich um. Sie dachte, sie wäre hier oben ganz alleine. Hierher, auf den Dachboden, kam sie immer, wenn sie sich zurückziehen musste. Nur hier oben konnte sie unbemerkt weinen und ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Denn unten war das verboten. Unten wurde Traurigkeit unter Strafe gestellt. Bisher war sie in ihrem Versteck niemandem begegnet. Hatte jemand ihr geheimes Versteck entdeckt?

In der Ecke blitze etwas auf, das das letzte Mal noch nicht da gewesen war. Sie krabbelte vorsichtig zu diesem Etwas hin und sah ein dunkles Buch auf dem staubigen Boden liegen.  Es war schön. Es hatte zwar etwas Düsteres an sich und doch fühlte sie sich von dem Buch angezogen. Hatte das Buch gerade mit ihr gesprochen? “Erzähle mir eine Geschichte, aber nur eine traurige! Ich bin das -Buch der Traurigkeiten-“, flüsterte das kleine, dunkelgrüne Büchlein, auf dessen Buchdeckel winzige, hellblaue, fast durchsichtige Tränen zu sehen waren. Sie waren es, die Jules durch ihr Glitzern angelockt hatten. Jules kauerte sich in die Ecke des Dachbodens und nahm das Buch auf ihren Schoß. “Ein Buch für Traurigkeiten? Was soll das sein?”, fragte sie das Buch ganz überrascht. “Nein, nicht ein Buch FÜR Traurigkeiten! Ich bin das -Buch DER Traurigkeiten-!”, klärte das kleine Buch Jules auf. “Ich erscheine immer dann, wenn ein Menschlein mehr traurig als fröhlich ist. Und dich beobachte ich nun schon eine ganze Weile. Jetzt ist meine Zeit gekommen, für dich zu erscheinen, sichtbar zu werden und dir zu helfen.”, sprach das Buch. “Wie könntest du mir schon helfen? Du bist ein Buch, ein kleines noch dazu. Zwar dick, aber klein. Hast keinen Kopf und keine Augen, weder Hände noch Füße!”, entgegnete Jules. “Du hast recht und doch wieder nicht!”, meinte das -Buch der Traurigkeiten-. “Der Zeitpunkt ist gekommen, damit du dich von deiner Traurigkeit befreien sollst. Ich werde dir dabei helfen.” “Wirklich?”, zögerte Jules und wusste nicht, was sie von dem Ganzen halten sollte. Ein sprechendes Buch, das plötzlich erscheint und sie von ihrer Traurigkeit erlösen konnte? Wie sollte das gehen? Was ging hier vor?

“Du erzählst mir deine traurige Geschichte. Buchstabe für Buchstabe, Zeile für Zeile, Blatt für Blatt werden meine Seiten sich füllen, mich dicker werden lassen und du wirst damit von deiner Traurigkeit befreit werden. Und dann, dann hast du die Wahl. Doch entscheide weise! Willst du, dass deine Traurigkeit in etwas Schönes verwandelt wird oder willst du Rache üben an all denjenigen, die dich so traurig gemacht haben?”, fragte das Buch. “Wählst du das Schöne, dann wird dir eine zeitlang wundervolles Glück begegnen, voller Freude und Fröhlichkeit. Doch wählst du die Rache…”, das Buch unterbrach plötzlich seine Ausführungen. “Was dann?”, hakte Jules gespannt nach. Wie sollte sie sich entscheiden, wenn sie nicht alles wusste? “Doch wählst du die Rache, werden diejenigen bestraft, die du mir nennst. Und zwar alle! Jeden einzelnen Namen, den du mir nennst, für den wird es eine lange Zeit sehr schlimm werden. Ich werde dich nicht fragen, ob diese Menschen deine Rache verdient haben. Ich werde dir glauben und vertrauen. Bedenke aber, jeder einzelne Name wird eine Kerbe in deinem Herzen hinterlassen. Diese Kerbe wird dich immer dann sticheln und schmerzen, sobald du dich unendlich glücklich fühlst.”, beendete das dicke Buch seine Rede. “Und nun hast du die Wahl. Morgen, um die gleiche Zeit, werde ich dich genau hier, an dieser Stelle erwarten und nach deiner Entscheidung fragen. Wähle sorgfältig und mit Bedacht, hast du deine Entscheidung einmal ausgesprochen, kann sie nie mehr wieder zurückgenommen werden.”, sagte das Buch und löste sich auf.

“Aaaber,…”, Jules wollte noch weiter fragen, doch das Buch war weg. Ihre Hände griffen ins Leere. Ihr Schoß war leer. Hatte sie sich das alles bloß eingebildet? Hatte sie wirklich mit einem Buch gesprochen? Darauf gab es jetzt keine Antwort. Sie würde am nächsten Tag wiederkommen müssen. Vor ihr lag aber eine wichtige und schlaflose Nacht. Falls das alles wahr war, wie sollte sie sich entscheiden? Sollte sie an Mr. und Lady Church Rache üben, die sie einmal die Woche aus dem Waisenhaus holten und zu sich nahmen, um dem Heim zu zeigen, dass sie etwas Gutes taten? Am Anfang war es schön die Auserwählte zu sein. Diejenige zu sein, die einmal die Woche die tristen Räume des St. Peter Waisenhauses verlassen durfte. Doch um welchen Preis? Lady Church hatte an diesen Tagen immer weitere Verpflichtungen und ließ Jules mit Mr. Church allein. Schon der Gedanke daran verursachte Jules wieder Übelkeit, Krämpfe und schlimme Bauchschmerzen. Tränen sammelten sich in ihren Augen, die sie schnell mit dem Handrücken abwischte. Und was war mit der Leiterin des Waisenhauses? War Mrs. Debt unschuldig? Wusste sie wirklich nicht, was vor sich ging? Oder verschloss sie nur gekonnt ihre Augen davor? Drei Menschen, drei Kerben. Wie sehr konnten diese wehtun? Würde Jules diese Schmerzen ertragen können, wenn sie zum geschenkten Glück auch noch die süße Rache sehen und fühlen könnte?

Sie rappelte sich schwerfällig auf, die Qual der Wahl fing an sie zu erdrücken. Langsam schlurfte Jules zur Tür. Ihre Gedanken kreisten bereits wild umher. Sie musste gut überlegen, denn übermorgen war wieder Freitag. Übermorgen war wieder Ausgehtag…
© monerls



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  1. Aww, eine feiner Idee!
    Gefällt mir gut!
    Daraus könnte man eine kleine, feine Novelle schreiben :3

    Kam die letzten Wochen leider nicht zum schreiben und will ab nächster Woche wieder mit einsteigen 😀

    1. Schön, dass dir meine kleine Geschichte gefällt! Du könntest vielleicht daraus einen Novelle schreiben! hahaha Ich bin froh, dass mir das kleine Bisschen eingefallen ist. Hab nämlich keine Ahnung, wie´s weitergehen soll. 😛

      Freue mich, wenn du wieder beim #WritingFriday dabei bist. Vermisse dich schon! Aber ich bin ebenso sehr gespannt auf die Fotos der Näharbeiten, die du in letzter Zeit gefertigt hast!

      1. Ach du, ne Novelle – puuuh, glaub da warten grad ein paar äußerst wichtige Termine auf mich XD
        der dtv Verlag (?) hat aber mal wieder einen Schreibwettbewerb gestartet, Rubrik Fantasy – also RAN AN DEN SPECK!

        Beitrag kommt!
        Wir reden heut beim Podcast über die Con und ich will in den nächsten beiden Tagen einen Beitrag fertig machen 🙂

  2. Liebe Monerl,

    das ist eine wunderschöne Geschichte, die ans Herz geht.
    Kein Grund für Selbtkritik. ♥
    Ich würde auch keine Fortsetzung schreiben. Denn fiel spannender ist doch, wie würde man sich selber entscheiden. Ich denke, jeder kennt Situationen, wo man sich gerne rächen würde. Aber erträgt man es, dass das Herz dadurch weniger wird? Und sei es nur in Form einer Kerbe.

    Liebste Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      ich freue mich sehr, dass ihr alle doch recht gut mit dem offenen Ende leben könnt und mich nicht zum Weiterschreiben drängt! hihi
      Die wahre Größe ist ja zu verzeihen. Nicht alles ist verzeihbar und nicht alles kann man vergessen. Aber ein krankes Herz macht auch nicht glücklich, stimmt´s?
      GlG, monerl

  3. Liebe Monerl,

    krasse Geschichte und sehr gut geschrieben. Ich war sofort drin und konnte mich auch gut in Jules Emotionen hineinversetzen. Das offene Ende lässt den Leser selbst die Entscheidung für Jules treffen, was ich gut finde Ich persönlich würde mich gegen die Rache entscheiden, denn ich bin fürs Loslassen. Selbst wenn es nur drei Kerben im Herzen wären, es wären immer drei Kerben, die mich daran erinnern würden. So würde ich mich für das Glück ohne Rache entscheiden um weiter zu machen und das Geschehene hinter mich zu lassen.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße, Gina

    1. Liebe Gina,
      danke für deine lieben Worte! So eine Entscheidung und das Loslassen ist nicht immer leicht. Drei Kerben sind letztendlich auch nicht so wenig. Keiner kann sagen, wie groß wir den Schmerz, den sie verursachen, empfinden würden. Auf der anderen Seite widerfahren Jules wirklich ganz schlimme Sachen. Wenn sie sich dafür rächen würde, ich würde es ihr nicht verübeln können. 😉
      Danke, dass du erzählt hast, wie du dich entscheiden würdest. Hat mir Spaß gemacht!
      Dir wünsche ich einen guten Start in die neue Woche,
      GlG vom monerl

  4. Hey Monerl,
    deine Geschichte ist sehr fantasievoll und ich hatte nie das Gefühl, dass es dir schwer fiel zu schreiben. Im Gegenteil ich habe den Text schnell verschlungen.
    Jules’ Dilemma sehr spannend, aber auch sehr schwierig. Schön, dass man am Ende darüber Grübeln muss, wie sich Jules entscheiden soll.
    Grüße, Katharina.

    1. Hey Katharina,
      super, dass der Text auf dich so wirkt, als wäre er mir ganz leicht aus der Feder geflutscht. 🙂 Wir alle wünschen uns ja, dass man am Ende die Stärke besitzt, nicht nach Rache aus zu sein. Aber so leicht ist das in vielen Situationen gar nicht, gell!?
      Glg, monerl

    1. Hallo Norbert,
      freue mich, dass Jules und ihr Verhalten stimmig auf dich wirken. Mr. Church ist ein schrecklicher Mensch. Ich wollte gar nicht weiter überlegen, wie solche Tage im Detail aussehen. Als Autor muss man manchmal echt Schlimmes ertragen.
      GlG, monerl

  5. Liebe Monerl,

    das ist sehr schön, dialogstark, und spannend wie am Anfang das Buch Stück für Stück ins Licht gerückt wird (Erst ein Etwas, dann ein Buch, dann ein bestimmtes Buch). Mich hätte brennend das zweite Gespräch zwischen Jules und dem Buch interessiert, aber so ist es auch gut, denn eine positive Wirkung scheint das Buch in jedem Fall bereits entfaltet zu haben.

    Viele Grüße
    Sebastian

    1. Lieber Sebastian,
      ganz lieben Dank für deinen schönen Kommentar! Ich merke, wie schwer Dialoge sind. Seit ich bei dieser Aktion mitmache, achte ich in Büchern explizit viel mehr auf solche Sachen. Das Gespräch von Jules und dem Buch habe ich einige Mal überarbeiten müssen, bis ich dachte, das liest sich flüssig. Sehr, sehr interessant, wie diese Aktion mich fordert und mir zugleich auch großen Spaß macht. Insbesondere freue ich mich auch ganz arg auf all die Schreibaufgaben von den anderen Teilnehmern. 🙂
      Die Sache mit dem zweiten Gespräch, das von Jules Entscheidung handeln würde, ist wirklich sehr schwer. Dazu müsste ich mir mehr Gedanken über Jules machen. Wer sie ist und wie sie werden soll und welchen Fortgang ihr Leben nehmen könnte oder sollte. Deshalb habe ich hier Schluss gemacht und jeder kann sich fragen, wie man selbst entscheiden würde. 😉
      GlG, monerl

        1. Bisher weiß ich, dass ich bei bestimmten Büchern ein gefühl hatte, dass das Lesen nicht so richtig flutscht. Jetzt merke ich explizit, wenn mir Dialoge nicht gefallen und sie künstlich und zu konstruiert wirken. Wenn so gar kein Gefühl aufkommt, dass die Figuren miteinander reden. Dialoge schreiben ist deshalb wirklich sehr, sehr schwer. Viele Autoren scheuen sich auch zu viele und zu lange Dialoge in ihren Büchern einzubauen. Genau aus diesem Grund. Aber manchmal kann man es halt nicht umgehen…

  6. Hi monerl,
    nein, ich würde an deiner Stelle keine Fortsetzung schreiben, ich finde die Geschichte mit dem offenen Ende perfekt. Genau richtig, um zu überlegen, wie würde man selber sich entscheiden. Die drei verdienen es wohl, bestraft zu werden, andererseits fällt die Rache immer auf einen selbst zurück.
    Schöne Idee, dass auch dein Buch besondere Fähigkeiten hat. Das Buch der Traurigkeiten, eine wirklich gute Idee.
    Liebe Grüße
    Daniela
    Bei mir geht es um einen Glitzer-Gold-Bikini.

    1. Liebe Daniela,
      freut mich, dass du mich von einer Fortsetzung befreist! haha
      So, wie du das Ende verstanden hast, wollte ich es haben. Jeder sollte überlegen und in diesen Konflikt kommen (wie Jules), wie er selber entscheiden würde. 😉 Der Fortgang der Geschichte hängt in meinen Augen dann an der Charakterisierung von Jules. Und soweit bin ich noch lange nicht…
      GlG, monerl

  7. Waahahh…. Wie geht es weiter? Für was hat Sie sich entschieden??!!
    Das ist aber fies…
    Ich bin hin und weg, eine gute Geschichte… welche einen kleinen Funken Schwermut in meinen Herzen geweckt hat! Aber das ist okay, ich mag Schwermut!
    Sag bescheid, wenn Jules sich entschieden hat!

    1. Hahaha, liebe Annie! Ich habe doch gesagt, ihr sollt mich nicht nach der Fortsetzung fragen! 😛 Ich weiß nämlich selber nicht, wie Jules sich entscheiden wird. Es gibt vieles, das abgewägt werden muss. Mal sehen, ob in Zukunft je wieder ein Thmema so passen würde, dass ich an diese Geschichte anknüpfen könnte. Eventuell, EVENTUELL, würde ich weiter schreiben….
      Danke für deinen Kommentar, habe mich sehr gefreut!
      GlG, monerl

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