Jimmy Liao
Interviews

AutorenINTERVIEW – Jimmy Liao

18. Juni 2019

#Autoreninterview

 

Zum Autor

Jimmy Liao wurde am 15. November 1958 im Landkreis Yilan in Taiwan geboren. Sein Geburtsname lautet Fubin Liao. Nach seinem Abschluss in Kunst an der Chinese Culture University arbeitete er zwölf Jahre für eine Werbefirma. Anschließend illustrierte er für Zeitungen und Magazine.

Er zählt zu den weltweit bedeutendsten und einflussreichsten Bilderbuchkünstler, er hat einen neuen Trend begründet, der ganz Ostasien erfasst hat: Bilderbücher für ein erwachsenes Publikum. Zahlreiche seiner Bücher wurden zu Filmen, Theaterstücken oder Musicals adaptiert. Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Er ist Preisträger zahlreicher Auszeichnungen, u.a. des belgischen Literaturpreises Le Prix Versele und des schwedischen Peter Pan’s Silver Star Award. Auch wurde er zudem bereits viele Male für den schwedischen Astrid Lindgren Memorial Award nominiert.

Jimmy Liao veröffentlichte 1998 im Alter von 40 Jahren seine ersten Werke. Auslöser für sein kreatives Schaffen war ein Kampf gegen Leukämie, den er nur knapp überlebte. Sein erstes Bilderbuch sollte ein Abschiedsgeschenk an seine Familie sein, bildete aber den Start für eine fulminante Karriere. Häufige Themen sind Einsamkeit, Isolation, Abschiednehmen, ungestillte Sehnsucht nach Glück und die Flüchtigkeit jedes menschlichen Glücks. Die Figuren sind oft Kinder, die entfremdet sind von ihrer Umgebung.

Am Samstag, den 15. Juni 2019 bekam ich die Gelegenheit den Künstler und Autoren Jimmy Liao in der Buchhandlung Weltenleser in Frankfurt vor seiner Lesung zu treffen, kennenzulernen und ihm ein paar Fragen zu sich und zu seinem Buch  zu stellen.

Die Fragen haben überwiegend die Leser*innen gestellt, die am Gewinnspiel mitgemacht haben. Nochmals vielen Dank dafür!

 

Jimmy Liao im Gespräch mit Monerl:

Tausendlexi: Was hat den Autor bewogen über ein blindes Mädchen zu schreiben?

Die Blindheit des Mädchens hat der Autor als Kunstgriff benutzt. Dadurch konnte er ausdrücken, wie das Mädchen sich alles vorstellt. Weil es nicht sehen dann, hatte er die Möglichkeit Fantasieelemente und Surrealität in die Geschichte einzubringen.


Petrissa: War sein Zeichen- / Kunstunterricht damals sehr streng?

Damals, zu seiner Zeit, war es in der Schule in Taiwan nicht so streng, wie es heute der Fall ist. Er hat gute Erinnerungen an seine Schulzeit. Die Grundschule war noch recht angenehm und mit wenig Druck. Der steigerte sich dann etwas in der Mittelschule.

 

Mabel: Wie kam der Autor auf das Rilke-Gedicht?

Der Autor hatte die feste Absicht am Ende mit einem Gedicht abzuschließen. Dafür hat er sehr lange gesucht und ist irgendwann auf Rilke gestoßen, da es in dem Gedicht um ein blindes Mädchen und den Tod geht, so wie in seinem Buch.

(Anmerkung der Übersetzerin:
Die Ärzte sagten dem Autor, dass wenn er nach seiner Krebsbehandlung 5 Jahre gesund und ohne weitere Symptome bleibt, dann könnte er davon ausgehen, dass er ganz gesund ist und es auch bleibt. Jimmy Liao bangte in dieser Zeit und hatte Hoffnung, dass er es schafft. Der Klang der Farben hat er im 5. Jahr geschrieben, also in dem Jahr, in dem er noch bangen musste, ob die Krankheit wieder ausbricht. Daher beschäftigt sich das Buch mit dem Tod und Hoffnung.)

 

Daniela Buchvogel: Hat der Autor ein Faible für Treppen? Verbindet er damit etwas spezielles?

Die vielen Treppen sind der Ausdruck der Orientierungslosigkeit. Wenn man in eine U-Bahn geht und wieder herauskommt, befinden sich da immer Treppen. Das ist dann der Zusammenhang.

 

Sun Ny: Sieht sich der Autor (manchmal) selbst als großes oder erwachsenes Kind, da seine Figuren oft von der Umgebung entfremdete Kinder sind?

Ja. Jimmy Liao meint, er hätte Charaktereigenschaften, die recht kindlich sind.

 

Gisela: Ist Blindheit eine Thematik, die in der Familie des Autors präsent ist? Welches ist sein Lieblingsbuch?

Nein, es gibt keine Blindheit in seiner Familie.
Er hat kein Lieblingsbuch aber er liest derzeit “A little Life”, auf Deutsch “Ein wenig Leben” von Hanya Yanagihara, einer Amerikanerin mit Japanisch-Koranischen Wurzeln. Es gegällt ihm sehr gut.

 

Hilly: Verfügt der Künstler über Synästhesie, ob er Farben hören kann oder jemanden kennt, der, wenn er etwas hört, bestimmte Farben vor Augen hat - oder auch umgekehrt?

Leider konnte diese Frage nicht beantwortet werden. Die Übersetzerin hätte das Wort nachschlagen müssen. Aus zeitlichen Gründen haben wir sie dann ausgelassen.

(Meine Einschätzung aber ist, dass er nicht über Synästhesie verfügt oder jemanden kennt. Aus dem Gespräch heraus wurde klar, dass er das Thema Blindheit und Farben einfach deshalb so gewählt hat, weil es am besten zu seiner Geschichte passte. Es kristallisierte sich nicht heraus, dass er aus bestimmten Gründen über das Thema gestolpert war.)

 

Kathrin: Wenn er über ein Thema einen 5 minütigen Vortrag halten sollte (statt malen), welches wäre das? Welche Botschaft würde er den Menschen als wichtigste mitgeben wollen?

Weiterleben, so glücklich wie nur möglich!

 

Tizia B.: Hat der Autor Kinder? An welchem Ort findet die Geschichte statt?

Jimmy Liao hat eine Tochter. Sie war im jugendlichen Alter, als viele Bücher zu dieser Zeit entstanden sind. Mit ihr hat er viel gesprochen und durch sie viel gelernt, wie Jugendliche denken.
(Die zweite Frage wurde vergessen, ist untergegangen.)

 

Hat der Autor noch einen Brotjob?

Nein, dies ist sein Hauptberuf. Er befindet sich in der glücklichen Lage, dass er sich durch das Malen und Bücherschreiben den Lebensunterhalt verdienen kann. Er ist einer der wenigen sehr erfolgreichen Künster und Autoren aus diesem Bereich, die seine Leidenschaft zum Beruf machen konnten.

 

Gibt es für ihn Auflagen, dass er auf Reisen gehen darf?

Nein, Taiwaner*innen werden in Punkto reisen nicht reglementiert.

(Anmerkung: Taiwan gehört zu den privilegierte Staaten, mit denen auf europäischer Ebene die Visumsfreiheit vereinbart worden ist.)

 

Welches Land, welche Länder mochte er am meisten?

Heutzutage reist Jimmy Liao nicht mehr sehr gerne. Nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, wie z.B. jetzt, da er auf Lesereise ist. So eine Reise unterbricht seinen Schaffensprozess, was ihm nicht gefällt.
Früher, als er noch um einiges jünger war, ist er aber sehr gerne verreist. Von den asiatischen Ländern gefällt ihm Japan sehr. Aus Europa nannte er die Schweiz, Deutschland, Frankreich, England, Spanien, Italien, Tschechien, Österreich und Ungarn.

 

____________________________

Ich bedanke mich bei Frau Wolf vom chinabooks Verlag, die das Interview mit Jimmy Liao möglich gemacht hat. Ebenso gilt mein Dank der Buchhandlung Weltenleser in Frankurt a.M., die ihren Verkaufsraum für das Interview zur Verfügung gestellt hat. Wer mal nach Frankfurt kommt, sollte unbedingt in die Buchhandlung reinschauen. Die Damen sind ausgesprochen freundlich, gesprächsbereit und es herrscht eine ganz angenehme Atmosphäre. Auch der Name ist Programm, da alle Bücher in der Buchhandlung Weltenleser nach Regionen sortiert sind. So fällt es dem*r Leser*in auf der literarischen Weltreise nicht schwer, das nächste Buch auszuwählen! (Ich konnte nicht widerstehen und habe mir nach dem Interview sogleich zwei tolle Bücher gekauft und zudem noch besondere Lesetipps erhalten!)

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Written and Illustrated by Jimmy Liao Book Talk and Read Aloud: Elizabeth Fisher (in Englisch)

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  1. Hi monerl,
    was für eine unglaublich tolle Gelegenheit, ihn zu interviewen. Die Zeit ist begrenzt, das ist schon klar, aber er kommt sympathisches rüber. Eine tolle Geschichte hinter der Geschichte!
    LG
    Daniela

  2. Liebe Monerl,

    ach, er kommt aus Taiwan! Da Du immer von ChinaBooks gesprochen hast, dachte ich irgendwie, er wäre Chinese. Ok, dann ist es logisch, dass er nicht ganz so reglementiert wird.
    Mir gefällt das Interview, auch wenn es schade ist, dass es nicht etwas ausführlicher ist. Aber ich sehe schon, dass es ein Zeitproblem war.

    Ja, und jetzt verrate mal, was für Bücher Du mitgenommen hast!

    Liebe Grüße
    Petrissa

    Ich lese ja gerade Couchsurfing in China. Krass, krass, sage ich nur.

    1. Liebe Petrissa,
      ja, es ist Taiwaner. 😉 Chinabooks ist halt der Verlag, bei dem er in der Schweiz unter Vertrag ist.
      Die Zeit ist leider immer eine Begrenzung. Zudem hatte er noch am Flughafen Frankfurt ein weiteres Interview mit einer anderen Bloggerin. Nach meinem war dann die Lesung. Das ist schon ziemlich viel Programm für einen Tag. Die Verlagsmitarbeiterin, die gleichzeitig übersetzt hat, benötigte auch noch eine Pause vor der Lesung, in der sie permanent übersetzten musste.
      Ein schriftliches Interview ist deshalb ausführlicher, da der*die Autor*in sich für die Antworten Zeit nehmen kann. Somit fallen diese auch ausführlicher aus. 🙂
      GlG, monerl

      PS.: Gekauft habe ich “Das Geständnis der Löwin” von Mia Couto und “Der letzte Bruder” von Nathacha Appanah. Beide aus dem Unionsverlag. Einmal reise ich nach Mosambik und das andere Mal nach Mauritius. 😀

      Kann mir vorstellen, dass Couchsurfing in China nicht ganz so leicht ist. Bin sehr gespannt auf deine Rezension!

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