Interview M. Zimmermann
Interviews

AutorenINTERVIEW – Matthias A. K. Zimmermann

14. März 2020

#13 Autoreninterview
#Bücherhamstern
#LBMatHome

 

Ihr Lieben,

die Leipziger Buchmesse ist leider ausgefallen. Viele hatten in Planung, vom 12. bis 15. März ihrer Buchleidenschaft dort vor Ort zu frönen. Nun muss Ersatz her und deshalb versuchen wir uns nun vorzustellen, ich wäre auf dem Messegelände am Stand des Kulturverlag Kadmos und würde nun bei einem leckeren Kaffee (oder Latte Macchiato, ich trinke nur Latte Macchiato) neben dem Autor Matthias A. K. Zimmermann sitzen und mich mit ihm über sein Debüt „Kryonium“ unterhalten…

 

Matthias A. K. Zimmermann
© privat
Kryonium
© Kulturverlag Kadmos

Klappentext
Gefangen an einem unbekannten Ort, schmiedet der Erzähler heimlich Fluchtpläne. Die Tatsache, ohne Erinnerungen zu sein, erschwert das Vorhaben. Doch der Drang, endlich auszubrechen aus diesem furchteinflößenden, schneeverwobenen Schloss, lässt ihn jedes Risiko eingehen. Und so gerät der Erzähler immer tiefer hinein in einen wirren Strudel aus rätselhaften Begegnungen und magischer Paranoia, die er spielerisch zu entschlüsseln hofft, was ihn letztlich zum Ursprung seiner Erinnerungen führt. Der All-Age-Roman ist ein technoides Märchen, das sich mit Virtualität auseinandersetzt und die Frage aufwirft, was Erinnerungen sind und was sie bedeuten. Nichts ist so, wie es scheint in der Geschichte und die Frage, was Realität ist, muss immer wieder neu überdacht werden.

Hallo Matthias! Schön, dass Du da bist und so spontan Zeit gefunden hast! Bitte stelle Dich, wenn möglich, in drei bis vier Sätzen kurz vor.

Matthias:  Hallo Monika. Ich würde mich beschreiben als einen gemütlichen Typen, eher ruhig, ein leidenschaftlicher Teehaus- und Indischrestaurant-Gast, aber auch ein Herbstwaldwanderer, ein Sonntagsleser und einer, der gerne Dokumentationen über das Weltall guckt – ein wenig nerdig also.

“Kryonium” ist ja Dein Debüt. Was für ein Gefühl war das, als Du das erste Belegexemplar in den Händen gehalten hast?

Matthias: Supercalifragilisticexpialigetisch!

„Kryonium“ lautet der Titel. Was ist das eigentlich für ein Wort? Wo kommt es her?

Matthias:  KRYONIUM ist ein von mir ausgetüfteltes Kunstwort, dessen Bedeutung erst am Ende entschlüsselt wird. Was man dem Wort aber entnehmen kann, ist, dass es sich bei „KRYO“ um „Kälte“ handelt. Und in der Geschichte schneit es ja ständig, der Winter ist allgegenwärtig. Und dann wäre da noch die Sache mit diesen geheimnisvollen Schneekugeln.

Wann hattest Du entschieden, dass Du ein Buch schreiben willst?

Matthias: Nachdem ich an der Hochschule einen Kurs über Storytelling besucht hatte. Eigentlich wollte ich was ganz anderes machen. Wurde dann aber bei diesem Kurs eingeteilt. Zuerst dachte ich: Neeeeeee! Das darf doch nicht war sein! War dann aber hell begeistert vom Inhalt. Das hatte alles verändert und ich habe mich gleich in mehrere Storytelling-Bücher vertieft und verliebt.  

Hattest Du gleich das Thema im Kopf oder hat sich das nach und nach noch während des Schreibens verändert? 

Matthias:  Mein Ziel war es von Anfang an, eine Geschichte zum Thema „Virtualität“ zu schreiben, die den Leser schrittweise das Virtuelle entdecken lässt – denn so einen Roman habe ich bisher noch nirgendwo gesehen.  

Was hat Dir beim Schreiben am meisten Probleme bereitet? Gab es etwas während des Schreibprozesses, das Du vorher unterschätzt hast?

Matthias: Als Problem würde ich das jetzt nicht bezeichnen, vielmehr als eine Herausforderung: Ich komme ja von der Malerei und Digitalkunst her. Als Künstler sucht man per se nach neuen Innovationen, versucht gängige Muster zu durchbrechen und neue Wege zu finden. Mein Ziel war es also, eine Geschichte entgegen der gängigen Muster zu entwerfen. Das brachte mich auf die Idee, die Erzählstränge wie ein Uhrwerk zusammenzusetzen, in dem jedes Objekt, jede Figur, jeder Raum und einfach alles miteinander verflochten ist. Die Zeit ist dann auch wie ein Klebstoff, der das Erzählkonstrukt zusammenhält – und es in sich zusammenbrechen lässt, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ich habe viele Skizzen angefertigt und den Roman bis ins letzte durchdacht. Das alles war sehr Zeitaufwendig, die Jahre rauschten nur so an mir vorbei – aber es hat viel Freude gemacht.

Ich stelle mir vor, dass ein gelungenes und rundes Ende fast die größte Herausforderung für Autor*innen ist. Wie war es hier bei Dir?

Matthias: Tatsächlich habe ich „Kryonium“ von hinten nach vorne geschrieben. Ich habe also mit dem Ende begonnen und mich dann Kapitel für Kapitel zum Anfang vorgearbeitet. Ich mache das übrigens immer so, auch andere Manuskripte von mir sind immer von hinten nach vorne geschrieben, dann klappt es auch mit dem gelungenen, runden Ende 😉

Ich bewundere ja, wie ausgeklügelt Deine Geschichte ist und dass am Ende wirklich alles zusammenpasst! Wie viele Leute aus Deinem privaten Umfeld hast Du Deine Geschichte vorab lesen lassen, damit sie auf Herz und Nieren geprüft wird? 

Matthias: Eine einzige Person.

Wie ist das, wenn man sein Buch-Baby in die Welt entlässt? Hast Du Angst vor schlechten Rezensionen und / oder Verrissen?

Matthias: Schlechte Rezensionen, gute Rezensionen. Das ist Teil des Spiels. Man kann es auch so sehen, dass jede Rezension eine gute Rezension ist, denn sie macht aufmerksam und zeigt: da hat sich jemand mit deinen textgewordenen Gedanken auseinandergesetzt. Zudem finde ich es ja auch sehr spannend, was andere Leute über meinen Roman denken. Ich bin da sehr offen für Kritik. 

Dein Buch ist ja beim Kulturverlag Kadmos erschienen. Könntest Du Dir vorstellen, ein Buch als Selfpublisher zu veröffentlichen?

Matthias: Offengestanden, ich liebe das Verlagslogo von Kadmos über alles, seinen griechischen Schrifttyp und die Vorstellung, dass mein Buch Teil eines Großen Ganzen ist. In einem Verlag zu sein, fühlt sich ein wenig so an, wie Teil einer Familie zu sein. Als Selfpublisher würde ich mir wohl etwas einsam vorkommen – und eben, das Verlagslogo würde mir sehr fehlen.

Du bist auch Maler und Musiker. Wie unterscheidet sich für Dich z.B. der Schaffensprozess eines Bildes im Vergleich zu dem eines Buches?

Matthias: Ein Bild ist ja ein vollendetes Kunstwerk, jeder sieht, wenn er es betrachtet, das gleiche. Ein Roman hingegen ist ein offenes System, eine Anleitung für die Fantasie. Jeder und Jede hat wieder ganz andere Bilder im Kopf beim Lesen. Bei einer Malerei sehen wir alle das gleiche Gemälde. Und so ist eben auch der Schaffensprozess ganz unterschiedlich.

Verrate uns Bücherwürmern doch bitte, was Dein Lieblingsbuch ist?!

Matthias: „Momo“ von Michael Ende. Ein geniales Buch, wie ich finde, das uns eine neue Sicht auf die Zeit und das moderne Leben gibt.

Gibt es ein Buch, das (gefühlt) alle lieben und Du findest es schrecklich?

Matthias: Der Haken bei einer Antwort hier ist, dass ich keine Bücher lese, die mir nicht gefallen. Ich blättere durch die Seiten und merke recht schnell, ob es mich anspricht. Ich könnte mir vorstellen, dass mir vielleicht „Fifty Shades of Grey“ nicht so zusagen könnte. Vielleicht.

Als letztes noch ein paar Assoziationsfragen:

Berge oder Meer: Meer
Tee oder Kaffee:
Tee
Holz oder Stein:
Holz
blau oder grün:
blau
fliegen oder schwimmen:
fliegen
schwarz-weiß oder bunt:
schwarz-weiß
Games spielen oder lesen:
lesen

Lieber Matthias,

ganz lieben Dank, dass Du Dir für mich und meine Fragen Zeit genommen hast. Es hat mir großen Spaß gemacht! Ich hoffe, dass wir nicht zu lange auf Dein nächstes Buch warten müssen!

Herzliche Grüße,
das Monerl

 

#Bücherhamstern

Und weil jetzt viele kleine und unabhängige Verlage sowie Autor*innen, die fest mit der Leipziger Buchmesse 2020 gerechnet haben, eine schwere Zeit durchmachen müssen, ist es an uns, sie zu unterstützen! Überall im Netz findet sich der Hashtag #Bücherhamstern. Wieso nur Nudeln und Klopapier hamstern? Warum nicht auch Bücher?

Deshalb hoffe ich, dass ich euch Matthias und sein Buchdebüt „Kryonium“ schmackhaft machen konnte und ihr nun alle losgeht (online geht auch) und euch ein Exemplar dieses wundervollen und außergewöhnlichen Buches besorgt! Ihr werdet es nicht bereuen!

Und wer sich über das Buch noch nicht genug informiert fühlt, kann hier auch gleich zu meiner Rezension springen und sich aufgleisen. Ich habe nichts gespoilert, versprochen!

 

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