Moses Wolff
Interviews

AutorenINTERVIEW – Moses Wolff

28. August 2020

Ihr Lieben,

hier ist es nun, das schon ersehnte Interview mit dem Autor Moses Wolff. Er hatte glücklicherweise Lust mit mir ein wenig über sich und sein neues Buch zu reden. Hierzu gab es kürzlich ein Gewinnspiel. Ihr habt interessante Fragen an Moses und die darf er nun gerne beantworten.

Moses Wolff
© Michael Tinnefeld
Liebe machen
© Piper Verlag

Klappentext

Die Sternstunden der Popkultur und eine schicksalhafte Liebe

Als die zwanzigjährige Dagmar in einer lauen Kölner Nacht im März 1970 aus dem Schlaf hochschreckt, ahnt sie nicht, dass in Hamburg ein junger Mann, Götz, ebenfalls wach liegt und denselben Traum träumt wie sie. Und vor allem ahnen weder Dagmar noch Götz, dass das Schicksal sie füreinander bestimmt hat … Noch im selben Jahr werden sie sich auf dem Oktoberfest begegnen, sich verlieben – und dann für lange Zeit aus den Augen zu verlieren, ohne zu wissen, wie nah sie sich eigentlich die ganzen Jahre über sind.

 

Hallo Moses! Schön, dass Du da bist und Lust hast, mit mir ein bisschen zu plaudern! Bitte stelle Dich, wenn möglich, in drei bis vier Sätzen kurz vor.

Moses:  Hallo Monerl, sehr gern! Ich bin ein eher übermütiger Mensch, mache gerne Scherze und Faxen, liebe meine lieben Freunde, meine Eltern, das Leben, die Berge, das Meer und die Lust. Ich arbeite als Schriftsteller, Musiker, Regisseur und Schauspieler, was den Vorteil hat, dass ich meine selbstverfassten satirischen Theaterstücke inszeniere und meist auch selbst darin mitwirke.

Am 3. August 2020 erschien “Liebe machen”. Das ist nicht Dein erstes Buch. Was für ein Gefühl war es dennoch, als Du das erste Belegexemplar in den Händen gehalten hast?

Moses: Es ist jedes Mal wieder ein unfassbares Glücksgefühl, wenn ich ein von mir geschriebenes Buch als erste Person in der Hand halten darf, oft, wenn es gerade frisch aus der Druckpresse kommt. Ich würde es als eine Mischung aus Vorfreude, Aufregung und Euphorie beschreiben.

„Liebe machen“ lautet der Titel. Ist er von Dir oder war das ein Vorschlag des Verlags?

Moses:  Der Titel ist von mir, der Verlag war von vorneherein damit einverstanden. Es spielt ja viel in den 1970er Jahren und der Hippie-Zeit, da fand ich die Brücke zu „Make love not war“ sehr passend.

Von Lindal: Erzählen Deine Eltern ganz offen über ihr Liebes- und Sexualleben in den Siebzigern? Haben sie Dich dazu inspiriert auch offen mit Liebe und Sex umzugehen?

Moses:  Meine Eltern sind schon immer neben der Eigenschaft, dass mein Vater mich gezeugt und meine Mutter mich geboren hat, sehr gute Freunde von mir. Wir verbringen viel Zeit miteinander, telefonieren oft, haben so etwas wie eine südländische Familie, das heißt: wir halten immer zusammen und stehen füreinander ein. Es ist eher eine spirituelle Verbindung. Meine Mutter hat schon immer ziemlich offen über alle möglichen persönlichen Dinge gesprochen, mein Vater ist da eher zurückhaltend. Aber generell hatte ich immer viele Freiheiten und konnte einen, wie ich glaube, ziemlich gesunden Bezug zu Liebes- und Sex-Dingen entwickeln. Da halte ich es mit dem großen Harald Juhnke: seh ich in Augen die Liebe stehen, dann muss ich immer auch in Liebe gehen.

Musik und das Oktoberfest spielen im Buch eine große Rolle. Sind das große Leidenschaften von Dir?

Moses: Ja, absolut. Ich höre sehr viel Musik, überwiegend übrigens Old School Hip Hop wie Beastie Boys, Wu Tang Clan, Gang Starr, Public Enemy, NWA, Ice-T, Eminem, Snoop Dogg und Cypress Hill, aber auch viel Deutschsprachigen Rap von Retrogott, Kreiml & Samurai oder Fünf Sterne De Luxe. Und das Oktoberfest ist ein sehr wichtiger Teil von mir. Es betrübt mich sehr, dass es dieses Jahr nicht stattfinden wird. Neben der Wiesn fehlen mir auch meine Bühnenauftritte. Hoffentlich findet die Wissenschaft bald irgendetwas, damit Kunst, Tradition und Kultur wieder in die Gänge kommen.

Von Ines: Wo fühlst Du Dich am meisten zu Hause: Auf der Theaterbühne, vor der Kamera, beim Bücher schreiben, bei Poetry Slams, auf der Kabarettbühne oder vielleicht einfach auf der Wiesn? Wie bringst Du dieses „Nicht-Wiesn-Jahr“ rum? 

Moses: Dies alles ist meine Heimat. Ich realisiere sehr gerne künstlerische Projekte, es ist essentiell für mich, an Musik, Texten, Projekten zu arbeiten und das Ganze auf Bühnen oder in Filmen darzubieten, bzw. vorzuführen. Ich werde während der Wiesn-Zeit oft bei meinen lieben Wirten Toni und Thomas Roiderer, die das Hackerzelt auf dem Oktoberfest betreiben, verbringen. Sie haben ein schönes Wirtshaus, den Wildpark Strasslach, dort werden einige Freunde und ich versuchen, uns mental mit Maßkrügen voller gutem Wiesnbier und Livemusik von den Kirchdorfern und den Cagey Strings, den Hausbands, die sonst immer auf dem Oktoberfest spielen. Darauf freue ich mich extrem.

Von Manfred: Du warst beim Fehmarn Festival erst 15 Monate alt. Wenn wir uns den erwachsenen Moses vorstellen, der sich zwischen dem Fehmarn Festival und dem Münchner Oktoberfest entscheiden müsste, was wäre 1970 Deine Präferenz gewesen? Liebe machen auf der Ostseeinsel oder die Maß im Hackerzelt genießen?

Moses: Da das Festival ja vierzehn Tage vor dem Anstich auf dem Oktoberfest war, hätte ich mich vermutlich weise für beides entschieden. Wie übrigens auch die Heldin und der Held meines Romans. 😊 Und man kann ja sowohl auf Festivals, als auch auf der Wiesn wunderbar flirten und schmusen. Liebe mache ich dann lieber daheim oder im Hotel.

Von Lena: Warum hast Du ein Buch geschrieben, das seinen Ausgangspunkt 1970 hat und u.a. von der Musik der 1970er-Jahre handelt, obwohl Du selbst 1969 geboren bist und deshalb diese Zeit gar nicht bewusst erlebt hast?

Moses:  Ich kann mich an sehr viele Stimmungen und Momente aus meinen frühen Kindertagen erinnern, meine Eltern haben damals den ganzen Tag Musik gehört, Janis Joplin, Led Zeppelin, Ton Steine Scherben, Mikis Theodorakis, Konstantin Wecker, aber auch Peter Alexander und Udo Jürgens. Ich bin mit sehr vielfältigen Eindrücken aufgewachsen, daher habe ich diese Zeit sehr wohl bewusst erlebt.

Von Angela: Stimmt es, dass man die richtige Weißwurst-temperatur ermittelt, indem man die Wurst an die Innenseite des Handgelenks hält?

Moses:  Das habe ich noch nie gehört, meine Weißwürste werden an den seltenen Vormittagen des Jahres, wo ich sie verzehre, stets kesselfrisch in einer mit heißem Wasser gefüllten Schüssel serviert und haben daher immer exakt die perfekte Temperatur, weil man sie mit einer Greifzange aus dem Wasser fischt und dann sofort verzehrt, sprich: zuzelt. Dazu ein schönes Weißbier von Schneider oder Paulaner – besser kann man einen Tag nicht starten.

Von Helke: Glaubst Du an „das Schicksal“, an Vorbe-stimmungen im Leben? 

Moses: Ich bin sehr gläubig und davon überzeugt, dass GOTT uns leitet und unsere Herzen verbindet. Mir begegnen so oft solch großartige Menschen, mit denen ich mich dann auch auf Anhieb fabelhaft verstehe, dass ich es meistens gar nicht fassen kann. Mein Leben ist schon wunderschön!

Von Karin: Hast Du für Dein Schreiben irgendwelche Vorbilder, vielleicht im Familien-/Freundeskreis oder woher kommen die Einfälle/Ideen zu Deinen Romanen? Erkennen sich die Leute möglicherweise in Deinen Geschichten wieder?

Moses: Ich erfinde die Figuren in meinem Romanen immer komplett. Die Ideen entspringen meinem quirligen Hirn. Von originellen Menschen lasse ich mich natürlich schon inspirieren, manchmal baue ich ein paar selbsterlebte Episoden ein, aber nur sehr dezent und so verändert, dass sie nur diejenigen erkennen, die wirklich dabei gewesen sind.

Was hat Dir beim Schreiben am meisten Probleme bereitet? Gab es etwas während des Schreibprozesses, was Du vorher unterschätzt hast?

Moses: „Liebe machen“ ist ja schon mein zehntes Buch, da stellt sich im Lauf der Jahre schon eine gewisse Routine ein: Struktur, Dialoge, der „große Bogen“, die sogenannten „Heldenreisen“. Ich schreibe meine Romane eigentlich immer wie Drehbücher. Während des Schreibprozesses bin ich in einer völlig anderen Welt, da bestehe ich nur noch aus Geist und fast nicht aus Körper. Erst abends, beim Bier im Wirtshaus, vereinen sich dann wieder Körper, Geist und Seele. Bei „Liebe machen“ habe ich unterschätzt, dass sich die Welt durch gewisse Ereignisse schlagartig verändern kann. Das Oktoberfest 2020 findet in meinem Roman statt. Es hätte nicht gepasst, wenn ich das Thema Corona hineingebracht hätte, aber ich habe natürlich lange darüber nachgedacht, mich aber dann anders entschieden. Ich bin nach wie vor sehr froh über diese Entscheidung.

Von Rose: Hattest Du schon als Kind oder Teenager Ambitionen zum Schreiben, Schauspielern oder als Komiker und wie haben sich diese Interessen gezeigt? Vermischen sie sich untereinander oder beeinflussen sie sich gegenseitig?

Moses: Als Kind habe ich immer alle wahnsinnig gemacht, weil ich den ganzen Tag Loriot, Otto Waalkes und Gerhard Polt zitieren wollte. In der Schule hab ich eigentlich durchgehend gezeichnet, Karikaturen von meinen Lehrern und Mitschülern gemacht. Gab es mal ein Theaterstück, habe ich mich sofort gemeldet und mitgespielt. Meine ersten Auftritte hatte ich vor meinen Klassenkameraden. Unsere liebe Deutschlehrerin, mit der ich bis heute eng vertraut bin – sie ist inzwischen 93 Jahre alt – hat meinem Freund Ralf und mir manchmal gestattet, die letzten zehn Minuten des Deutschunterrichtes für kleine satirische Parodien vor unseren Mitschülern aufzuführen. Das kam gut an, da entwickelte ich schon in jungen Jahren ein gewisses Bühnen-Timing.

Dein Buch ist ja beim Piper Verlag erschienen. Könntest Du Dir vorstellen, ein Buch als Selfpublisher zu veröffentlichen? Wenn „nein“, warum nicht?

Moses: Ich habe ja schon mal ein Buch als Selfpublisher veröffentlicht. Das Problem daran ist die Logistik. Ein großer Verlag wie Piper übernimmt alle organisatorischen und strategischen Arbeiten, schickt Vertreter in die Buchhandlungen, bemustert die Geschäfte, druckt Vorschauen, etc. Wenn man es selbst macht, hat man eben all diese Tätigkeiten selbst zu verrichten, da gilt es, ein großes Pensum zu schaffen. Und wenn sich das Buch nicht gut verkauft, hockt man dann auf vielen Kisten voller Romane.

Von Sarah: Welches Buch hat Dich so fasziniert, welches findest Du so gut, dass Du wünschtest, Du hättest es geschrieben?

Moses: „Das schlimmste kommt noch – oder fast eine Jugend“ von Charles Bukowski, „Wir sind Gefangene“ von Oskar Maria Graf, „Auf Schwimmen-zwei-Vögel“ von Flann O´Brien und alle Krimis von Agatha Christie.

Gibt es ein Buch, das (gefühlt) alle lieben und Du findest es schrecklich?

Moses: Ja. “Der Zauberberg” von Thomas Mann.

Als letztes noch ein paar Assoziationsfragen:

Berge oder Meer: Beides liebe ich von ganzem Herzen
Tee oder Kaffee: Tee
Holz oder Stein: Stein
blau oder grün: grün
fliegen oder schwimmen: schwimmen
schwarz-weiß oder bunt: schwarz-weiß
Games spielen oder lesen: lesen

Lieber Moses, 

herzlichen Dank, dass Du Dir für mich, meine und die Fragen der Blogleser*innen Zeit genommen hast. Es hat mir großen Spaß gemacht! Ich hoffe, dass die Geschichte von Dagmar und Götz sehr viele Leser*innen erfreuen wird!

Herzliche Grüße,

das Monerl  

Buchtrailer “Liebe machen” von Moses Wolff

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  1. Hallo und guten Tag,

    Danke an Monerl für das geführte Interview und ein ebenso herzliches Danke an den Autor Moses Wolff für die Beantwortung der gestellten Fragen.

    LG…Karin..

    1. Liebe Karin,
      danke fürs Mitmachen und deine beigesteuerte Frage sowie dein Interesse an der gesamten Aktion! Hab ein tolles Wochenende!
      GlG, monerl

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