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[Blogger-Adventskalender + GEWINNSPIEL] Socke 5 – Interview Martine Lombard

5. Dezember 2019

Ihr Lieben,

der heutige Bartzipfel ist eine Socke, denn heute macht der Blogger-Adventskalender von Mona Tintenhain Halt bei mir! Dieser Adventskalender ist schon seit vielen Jahren fester Bestandteil der Bloggerwelt und ich freue mich, auch dieses Jahr wieder ein Teil davon zu sein.

Was bzw. wer versteckt sich in der heutigen Socke?

Ich möchte euch die Autorin Martine Lombard vorstellen. Sie hat mit „Wir schenken uns nichts“ ihr Debüt herausgebracht, das ich euch gestern in meiner Rezension zum Buch vorgestellt habe.

Lernt nun Martine kennen und wenn ihr mögt, könnt ihr am Ende noch in den Lostopf für 2 Exemplare ihres Debüts springen und mit etwas Glück gehört es in einer Woche euch und wird (hoffentlich) pünktlich zu Weihnachten unter eurem Baum liegen.

Martine Lombard
© Laurence Mouillet
Wir schenken uns nichts
© mitteldeutscher Verlag

Klappentext
Johanna hat alles im Griff. Eigentlich. Die erfolgreiche Marketingfrau lebt und arbeitet seit Jahren mit ihrem noch erfolgreicheren Mann in einer westdeutschen Stadt. Doch als sie erfährt, dass ihre Schwester Alma nun mit ihrem unangepassten Jugendfreund Felix aus Dresden zusammen ist und ihr in der DDR lustlos absolviertes Kunststudium auf Schiebung beruhte, gerät ihr Leben aus den Fugen. Beherrscht von Eifersucht, Missgunst, Partnerpro­blemen, Verzweiflung und Angst verausgabt sie sich beruflich wie privat an der falschen Front.

Martine Lombard erzählt von Geschlechterkampf und weiblicher Konkurrenz in einer männerdominierten Arbeitswelt, von der Macht der Familienbande und davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart bestimmt.

Bitte stelle Dich, wenn möglich, in drei bis vier Sätzen kurz vor.

Martine: Ich bin in Dresden geboren und lebe mit meiner fünfköpfigen Familie in Straßburg. Zunächst habe ich in Ostberlin ein Anglistik- und Romanistikstudium begonnen, aber 1986 abgebrochen, um erstmal zu arbeiten und dann auszureisen, und zwar nach Paris. Dort habe ich fertigstudiert und bin Konferenzdolmetscherin und Übersetzerin geworden. Ich lebe in einem sehr dichten Umfeld aus Familie, der Arbeit beim Kultursender Arte und freiberuflicher Tätigkeit. Man könnte meinen, da gäbe es keine Zeit zum Schreiben. Aber das Gegenteil ist der Fall. Genau diese Dichte animiert und inspiriert mich.

“Wir schenken uns nichts” ist ja Dein Debüt. Was für ein Gefühl war das, als Du das erste Belegexemplar in den Händen gehalten hast?

Martine: Es war kein besonders „lautes“ Gefühl, als mir der Verleger das Buch überreicht hat. Die größte Freude war seine Zusage gewesen, und diese Freude hat mich durch alle nachfolgenden Arbeitsetappen begleitet und meinen selbstkritischen Blick so geschärft, dass ich die Nerven des Verlags in der Lektoratsphase sehr strapaziert habe. All das eingepresst zwischen zwei Buchdeckeln in der Hand zu halten, hatte für mich etwas sehr Konkretes und auch etwas Verletzliches, denn damit geht man dann in die Welt hinaus. 

Wie lange hatte die Idee in Dir gereift, ein bzw. dieses Buch zu schreiben?

Martine:  Mehrere Jahre.

Hatte sich das Buch während des Schreibens noch beachtlich geändert? 

Martine:  Teilweise Ja. Die Figur Vaubier war beispielsweise nicht geplant. Ein unscheinbarer Typ, der sich aber letztlich als das Alter Ego der Protagonistin Johanna entpuppt, ohne dass sie es so recht erkennt – und auch ich habe es erst ziemlich spät bemerkt.

Welche Figur hat Dir während des Schreibens am meisten “Probleme” gemacht?

Martine: Probleme nicht direkt. Ich habe versucht, alle zu verstehen, vor allem Johanna. Alle anderen sind aus Johannas Augen beschrieben, so dass niemand rundweg sympathisch wirkt – sie im Übrigen auch nicht, weil sie ständig mit sich und den anderen hadert. Es geht mir vor allem um das Verständnis dieser Zerrissenheiten, weniger darum, unbedingt Sympathie zu wecken.

Gab es Themen im Buch, für die Du intensiv recherchieren musstest? Ist Dir das leicht gefallen?

Martine: Die Welt des Fertighausbaus habe ich mir durch häufige Firmen- und Werkstattbesuche erschlossen. Das hat mir großen Spaß gemacht. Mit Firmen komme ich auch durch das Dolmetschen häufig in Berührung. Diese Arbeitswelten interessieren mich sehr, es hat auch immer etwas Detektivisches.

Ich stelle mir vor, dass ein gelungenes und rundes Ende fast die größte Herausforderung für Autor*innen ist. Wie war es hier bei Dir?

Martine: Ich wollte kein rundes Ende, sondern einen Abbruch, in dessen Bewegtheit die Möglichkeit eines Neuanfangs liegt.

Hattest Du eine Schreibroutine entwickelt oder wie hattest Du Deinen Brotjob mit dem Schreiben zusammengebracht? 

Martine: Meine Schreibroutinen bestehen im Frühaufstehen und Spätinsbettgehen, das war schon immer so. Und in der Fähigkeit, mich mit dem Schreiben auch in die kleinsten Zeitfenster zu quetschen. Dazu brauche ich immer auch Natur. Das Laufen durch die Natur. Auf vieles andere kann ich verzichten.

Wir sind natürlich alle neugierig! Wird es bald ein weiteres Buch von Dir geben?

Martine: Ich arbeite an mehreren Projekten. Manchmal könnte ich explodieren, weil die Zeit eben nicht endlos dehnbar ist. Wenn ich schlafen gehe, freue ich mich schon auf den nächsten Tag.

Hast Du das Gefühl, dass Dir mit dem zweiten Buch das Schreiben, Plotten und Recherchieren leichter fällt?

Martine: Manches fällt etwas leichter. Es ist eine gewisse Sicherheit dazugekommen, der Blick geschärft. Aber die Zeiteinteilung ist noch komplizierter geworden. Lesungen, der Literaturbetrieb, mit dem stillen Vorsichhinschreiben ist es vorbei.

Dein Buch ist ja beim Mitteldeutscher Verlag erschienen. Könntest Du Dir vorstellen, ein Buch als Selfpublisherin zu veröffentlichen?

Martine:  Nicht so sehr. Ich mag es, von einem traditionellen Verlag betreut zu werden. Ein Selfpublisher vereint sehr viele Berufe in sich, was wir ohnehin überall erleben. Ich möchte so nahe wie möglich am reinen Schreiben bleiben und bin froh, wenn ich mich z.B. auf die Kompetenzen ausgebildeter Marketingspezialisten stützen kann. Vielleicht wäre das anders, wenn ich keinen Brotjob mehr hätte.

Aus Deiner bisherigen Erfahrung heraus, was würdest Du jemandem raten, der auch ein Buch schreiben möchte?

Martine: Einfach dranbleiben. Seinen Weg gehen. Nur auf das hören, was einem nützt. Sich nicht durch Statistiken und Absagen beirren lassen.

Verrate uns Bücherwürmern doch bitte, was Dein Lieblingsbuch ist!

Martine: Im Moment „Die Liebe im Ernstfall“ von Daniela Krien.

Dein Name klingt so wunderschön! Ist es eventuell ein Pseudonym?

Martine:  Nein. Mein Vater heißt Martin, und meine Eltern haben sich ohne jegliche Französischkenntnisse für „Martine“ entschieden. Und Lombard ist durch meine Ehe dazu gekommen. Ganz klassisch.

Und da unser Gespräch Teil eines Adventskalenders ist, jetzt noch ein paar weihnachtliche Fragen:

Liest Du Weihnachtsbücher? Wenn ja, welchen Tipp kannst Du uns geben?

Martine: Reine Weihnachtsbücher eigentlich nur, wenn ich sie Kindern vorlesen soll. „A Christmas Carol“ habe ich oft vorgelesen, im Theater und auch als Hörspiel erlebt. Das würde ich auch in Zukunft lesen, hören oder sehen wollen.

Isst Du gerne Weihnachtsplätzchen? Welche magst Du am liebsten?

Martine: Die mit Mandeln und Schokoladenglasur, mit etwas Zitrone drin. Beim Antworten bekomme ich sofort Appetit, die habe ich nämlich seit Jahren nicht mehr gegessen!

Stellst Du einen Weihnachtsbaum auf?

Martine: Klar, unbedingt immer. Und mit richtigen Kerzen natürlich.

Gibt es am Heiligen Abend einen speziellen Ablauf, der sich jährlich so oder so ähnlich wiederholt?

Martine: Nein, er ist immer wechselnd, da wir mal mit der deutschen, mal mit der französischen Familie feiern oder auch alle zusammen. Auch das Essen kann deutsch, orientalisch, französisch oder improvisiert sein. Das mag ich am liebsten: wenn durch die Vermischung die Traditionen durcheinandergebracht werden und sich möglicherweise neue herausbilden.