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[Buchvorstellung] – 13 Stufen – KAZUAKI TAKANO

30. Januar 2018

5 von 5 Sternen

 

Widmung des Autors: “Meinem Vater, meiner Mutter und meinem Bruder gewidmet.”

Buchbeschreibung:

Das Erstlingswerk von Kazuaki Takano, der mit “Extinction” weltberühmt wurde.

Ein unschuldig wegen Mordes zum Tod Verurteilter soll hingerichtet werden. Der ehemalige Gefängnisaufseher Nango und der auf Bewährung entlassene Jun’ichi erhalten den Auftrag, den wahren Täter zu finden. Für das ungleiche Ermittlerduo beginnt damit nicht nur ein dramatischer Wettlauf gegen die Zeit, sondern beide müssen sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Bestsellerautor Kazuaki Takano erzählt eine fesselnde Geschichte voller unerwarteter Wendungen und falscher Fährten bis hin zum furiosen Showdown.

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So muss ein spannder Krimi aussehen! Das muss ich gleich vorab anmerken. Ich habe vor 2 Jahren bereits “Extinction” von Kazaki Takano als Hörbuch genossen und mir den Autor gemerkt. Mit “13 Stufen” legt er nochmals einen drauf, obwohl dieses Buch sein eigentliches Debüt war, das jetzt erst ins Deutsche übersetzt wurde.

„Dreizehn Personen.
Der Staatsanwalt rechnete nach, wie viele Formalitäten erledigt werden mussten, bis die Verkündung des Todesurteils zur Vollstreckung gelangte.  Es waren 13 Schritte.
Dreizehn Stufen.
Ein Synonym für den Aufstieg zum Galgen.“ (Seite 39)

 

Mit “13 Stufen” spannt der Autor einen sehr aufregenden und dramatischen Krimi um das schwere Thema Todesstrafe. Wer kennt sie nicht, diese Gewissensfrage, ob man für oder wider sie ist. Je nach Straftat und eigener psychischer Stabilität schwankt meine Entscheidung. Kazuaki Takano beläuchtet diese Thematik aus Sicht eines unschuldig zu Tode Verurteilten, der kurz davor steht, dass sein Todesurteil vollstreckt wird. Er zeigt uns auch den Blickwinkel eines Gefängniswärters, der bereits gefangene und verurteilte Mörder getötet hat aber auch die Sicht von Eltern und Hinterbliebenen, die ihr Kind oder einen lieben Menschen durch eine Tötung verloren haben. Ein jeder Blickwinkel bringt anderes zum Vorschein und lässt das (schlechte) Gewissen immer irgendwo unter der Oberfläche brodeln. Und neben einem gut konstruierten Krimi, einem wichtigen und aktuellen Thema erfährt der Leser auch noch einiges zum japanischen Rechtssystem.

Unglaublich eindrücklich schafft es Takano den Leser in die größten Leiden und Todesängste eines Menschen mitzunehmen! Sätze wie die folgenden nehmen einen gefangen und man versinkt tief in die Geschichte.:

“Ihn überfiel ein unkontrollierbarer Handrang.
Als die Schritte sich weiter näherten, fingen auch seine Beine an zu beben. Im gleichen Monent sackte ihm der Kopf, klatschnass von kaltem, klebrigem Schweiß, unwillkürlich auf die Brust.” (Seite 7)

“In den paar Sekunden, als die Schritte auf Kiharas Zelle zusteuerten, weiteten sich sämtliche Gefäße in seinem Körper, bis sein schier zerberstendes Herz das Blut durch die Adern jagte und jedes einzelne Körperhaar erzittern ließ” (Seite 7)

 

Ein außergewöhnliches Duo, der ehemalige Gefängnisaufseher Shoji Nango und der ehemalige Sträfling Jun’ichi Mikami werden damit betraut Beweise zu finden, um im letzten Augenblick den unschuldig zum Tode verurteilten Nummer 270 Ryo Kihara, vor dem Galgen zu retten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn der Vollstreckungsschein von Kihara ist schon fast bei der letzten Stufe angelangt. Wird er dort unterzeichnet, kann ihn quasi nichts mehr retten. Doch wer ist dieser ominöse Auftraggeber, der geheim bleiben will und warum redet Jun’ichi nicht gerne über seinen Tripp, den er als Jugendlicher einmal mit seiner damaligen Freundin gemacht hat?

Es gibt einige schöne Rätsel zu lösen. Dabei baut der Autor immer wieder interessante Wendungen ein, mit denen man nicht unbedingt rechnen kann. Die Spannung steigt, die Zeit rennt und am Ende ist alles anders als man gedacht hat. Erstaunt verfolgte ich die Logik und bewunderte, wie schön doch alles zusammen passt und ineinander verwoben ist.

Oftmals musste ich aber auch über das Gesagte nachdenken. Zu intensiv ist man hier in die Thematik und ihre Konsequenzen verstrickt. Die große Frage über allem ist die, was ist, wenn einem zu unrecht verurteilten Menschen die letzten Minuten vor Augen ablaufen?! Wäre es dann nicht besser, es gäbe keine Todesstrafe sondern lieber ein Lebenslänglich? Was ist, wenn -Lebenslänglich- aber nach 14 Jahren absessen ist und der Verurteilte danach wieder auf Bewährung frei kommt? Hat er es verdient? Kann er wieder eingegliedert werden? Wie gehen die Verwandten und Hinterbliebenen mit dieser Tatsache um? Welche Gefühle werden sie dabei haben?

Als herausragend empfinde ich den Epilog. In diesem wird alles Wichtige zusammengefasst und aufgelöst, sodass keine Fragen übrig bleiben. Und immer noch schwebt eine einzelne Frage über uns allen: Todesstrafe: ja oder nein!?

Zum Hörbuch:
Wie man es von Sascha Rotermund gewohnt ist, macht er auch dieses Hörbuch zu einem Hörgenuss! Er lässt das Kopfkino aufleben und peitscht den Hörer durch gesteigerte Spannung gekonnt bis zum erlösenden Ende! Es ist im Hörbuch nicht immer leicht, die japanischen Namen voneinander zu unterscheiden, da manche sich doch etwas ähneln. Im gedruckten Buch ist es wahrscheinlich leichter, die Übersicht zu behalten, da man immer wieder vor- und zurückblättern kann.

Fazit:
Ein Buch, das mich absolut gefesselt hat und ich es nur schwer und unwillig weglegen konnte. Ein Krimi mit Thrill und Tiefgang, der mir lange in Erinnerung bleiben wird. Ein Buch, das einen zum Nachdenken bringt und gleichzeitig aufrüttelt. Wie weit dürfen wir gehen, wenn wir andere bestrafen und verurteilen? Das soll ein jeder versuchen für sich selbst zu klären! Für mich ist dieses Buch ein Krimi-Highlight!

Weitere Rezensionen:
+   KeJas-Blogbuch
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+   Irve liest (HB)

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Gelesen von: Sascha Rotermund

Spieldauer: 10 Stunden 05 Minuten
Version: ungekürzt© Audible / Der Hörverlag
Erscheinungsdatum: 10. November 2017
Originaltitel: Jusan Kaidan
Originalsprache: japanisch
Übersetzer: Sabine Mangold

 

 

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  1. Du siehst ich drehe gerade eine Runde bei dir und ich werde überall fündig
    Du hast 13 Stufen auch gelesen und so toll gefunden. Das Buch war wirklich richtig gut und deine Rezension spiegelt das so richtig wieder.
    In Sachen japanischer Literatur komme ich immer mehr auf den Geschmack
    Liebe Grüße
    Kerstin

  2. Liebes Monerl, ich bin von diesem tiefgründigen Thriller auch mehr als begeistert und sehr nachdenklich angeregt. Super, dass auch dieses eigentliche Erstlingswerk nun für uns verfügbar ist. Extinction war schon wirklich superklasse, aber dieses Buch toppt es tatsächlich noch! Meine Rezi folgt demnächst und ich werde dich gerne verlinken!!Liebe Grüße, Heike

    1. Meine liebe Heike,ich bin sehr glücklich, dass wir auch dieses Buch gemeinsam überzeugend fanden! Ich wundere mich, dass die Verlage erst die Rechte am "Extinction" gekauft hatten und nach diesem Erfolg sich auch noch "13 Stufen" holten, obwohl das Debüt noch besser ist. Das kann und muss man wohl nicht verstehen… Aber stell dir vor, wäre das zweite Buch nicht so erfolgreich gewesen, wären wir nie in den Genuss dieses Highlights gekommen. Irgendwie erschreckend! Ich muss wohl doch anfangen, mehr auf englisch zu lesen / hören. Freue mich schon auf deine Rezi! Werde sie sehr gerne dann auch oben verlinken. :-)GlG vom monerl

  3. Hallo Monerl!Das klingt nach einem unfassbar tollen Buch. Spannung und dabei auch noch etwas über eine fremde Kultur zu lernen (selbst wenn es nur ein Teil wie das Rechtssystem ist). Das mag ich immer gerne. Man merkt, dass dich das Buch bewegt hat und du auch noch nach dem Lesen einige Gedanken in geordnete Bahnen bringen musst. Herrlich wenn Bücher so etwas schaffen. Und das dann noch bei so einem Thema wie der Todesstrafe…Liebe GrüßeSabrina

    1. Liebe Sabrina,was ich bei diesem Buch auch noch so herausragend finde ist, dass es das Debüt des Autors ist! Ich kenne sein nachfolgendes Buch. Es war super, aber dieses hier ist noch besser. Zudem passte es auch noch super in die Japan-Aktion! Man merkt japanischen Büchern an, dass sie etwas anders (geschrieben) sind. "13 Stufen" ist wirklich lesens- und bewundernswert.GlG vom monerl

  4. Liebe(s) Monerl, vielen Dank für diese interessante Empfehlung. Obwohl das Grundthema ja nicht neu ist, scheint Kazaki Takano es ja perfekt umgesetzt zu haben. Zumindest mir hat deine Rezension Appetit gemacht und das Buch landed auf meiner Wunschliste 🙂 Danke! LG, Jürgen

    1. Lieber Jürgen,du hast recht, es ist nicht das erste Buch, das dieses Thema verarbeitet. Kazuaki Takano hat aber Fingerspitzengefühl bewiesen, als er die Thematik mit seiner Story verbunden hat. Bin sehr gespannt, ob du meiner Meinung sein wirst, sobald du es gelesen hast! Gib mir Bescheid, wenn du soweit bist. :-)GlG vom monerl

  5. Wow, du haust aber auch immer wieder Bücher mit interessanten Themen raus:) Das Thema Todesstrafe hört sich wirklich spannend an, als Hintergundthema im Krimi-Thriller. Kennst du eigentlich die Bücher von Jodi Picoult? Daran musste ich beim Lesen deiner Zeilen gerade denken. Sie hat auch oft solche Themen, die gesellschaftlich kontrovers diskutiert werden. Über die Todesstrafe gehts auch in ihrem Roman "Das Herz ihrer Tochter"(bei ihr gibt es oft Gerichtsverhandlungen im Verlauf der Geschichte, liest sich auch immer recht spannend)… Sehr schöne Rezension übrigens!

    1. Liebe Kathrin,so soll es doch sein! Ich will euch doch den Mund wässrig machen mit den Bücher, von denen ich absolut überzeugt bin! :-)Jodi Picoult kenne ich auch, wobei ich schon sehr lange nichts mehr von ihr gelesen habe. Deine Buchtipp werde ich mir auch mal anschauen und vormerken. Das Thema interessiert mich sehr.GlG vom monerl

  6. Liebe Monerl,das klingt ja sehr spannend und interessant. Pro und Contra Todesstrafe gehört sicherlich zu den Themen, die sehr kontrovers diskutiert werden, auch wenn ich eine klare Gegnerin der Todesstrafe bin. Dieses Hörbuch merke ich mir unbedingt vor – dazu passt gut "Kindswohl" von Ian McEwan, hervorragend von Iris Berben gelesen!GLG Tina

    1. Liebe Tina,schön, dass ich dir das Buch schmackhaft machen konnte. Aber ich denke, dass du es auch mögen wirst, egal über welches Medium. :-)Danke für deinen Tipp! Den werde ich mir auch mal auf meine Merkliste setzen, den Ian McEwan steht schon länger auf meiner Wollte-ich-schon-immer-mal-was-von-lesen-Liste! hihiGlG vom monerl

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