18 Tage im Sinai
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] 18 Tage im Sinai – MICHAEL OBERT

29. August 2019

#307 Rezension

 

Buchbeschreibung

Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel werden Tausende afrikanische Migranten gefoltert auf ihrem Weg in ein besseres Leben. Mit seiner Reise zu Folterknechten und Opfern legt Michael Obert unvorstellbares Leid offen, und er zeigt auf: Auch im Angesicht des größten Schreckens sind Hilfe und Hoffnung möglich.

 

Meine Meinung

Triggerwarnung: Folter / Misshandlung

Der Sinai in Ägypten, bekannt als Urlaubsparadies für Sonnenanbeter und Taucher. Im Süden genießt man im Norden wird gefoltert.  Die zwei Seiten der ägyptischen Halbinsel, die östlich an Israel grenzt.

Der Journalist und Autor Michael Obert berichtet über die vielen Foltercamps der Beduinen, in denen afrikanische Flüchtlinge verschleppt werden, um damit von ihren Angehörigen Lösegeld zu erpressen. Zusätzlich geht man auch von organisiertem Organhandel aus, der dort mit den Flüchtlingen betrieben wird.

In einem kleinen Café im Süden von Tel Aviv trifft Michael Obert Selomon. Er ist so ein Flüchtling, der die Folter überlebt hat und glücklicherweise von seiner Schwester freigekauft werden konnte.  Nun sitzt er mit dem Autor zusammen und erzählt ihm seine Foltergeschichte. Er hat keine Finger mehr. Seine Hände sind verstümmelt. Selomon ist Eriträer, war in den Sudan geflohen und dort aus einem Flüchtlingscamp gekidnappt und nach Ägypten ins Folgercamp gebracht worden.

In diesem kleinen Buch erzählt der Autor von den Foltercamps. Er hat sich vor Ort begeben und suchte nach Kontakt zu den Beduinenstämmen. Er traf auf Scheich Ibrahim Al-Manei, der scheinbar zu den Beduinenführer gehört, die den Menschenhandel ablehnen und den afrikanischen Flüchtingen helfen, sie versorgen und sie nach Kairo den verschiedenen Hilfsorganisationen übergeben. Al-Manei bestreitet, dass es den Organhandel gibt, obwohl ausgehölte Leichen ohne Organe gefunden wurden.

In der nördlichen Region des Sinai gibt es nichts und die Menschen haben keine Perspektiven. Die Diktaturen haben sie eingeschränkt und so den Hass geschürt. Jetzt helfen sich die Stämme selber, indem sie Menschen foltern und damit Geld verdienen. Diese fehlende Empathie und Moral ist wirklich ekelerregend! Wenn sogar ein 15jähriger Beduinenjunge auf die Frage, was er nach der Schule machen möchte, antowortet:

»Afrikaner foltern«, sagt der Junge plötzlich. Wir steigen nicht darauf ein. Vielleicht hat er gehört, dass wir an dem Thema interessiert sind, und will uns imponieren. Aber Abu geht mit leuchtenden Augen ins Detail: »Ihnen glühende Nägel durch die Hände schlagen, sie mit kochendem Wasser übergießen« – die Kleinen kreischen vor Vergnügen – »30 000 Dollar Lösegeld kassieren und sie dann für 5000 Dollar weiterverkaufen.« (S. 47)

 

Dieser Bericht, auch wenn er recht kurz ist, ist nichts für schwache Gemüter. Kurz, knapp aber trefflich beschreibt Michael Obert, was vielen afrikanischen Flüchtlingen widerfahren ist.

Selomon hat am Ende noch großes Glück. Heute lebt und arbeitet er in München und kann seine Hände, vielen Operationen und Spendern sei Dank, wieder benutzen, schreiben, sich selbst versorgen und ein eigenständiges Leben führen.

 

Fazit

Ein schmerzhafter aber informativer Einblick in die Zustände des Menschenhandels auf dem Sinai. Trotz dem, dass wir im 21. Jahrhundert leben, überdecken solche Zustände und Machenschaften unser scheinbar so fortschrittliches Leben. Wer mehr über die Welt wissen will, liest auch dieses Buch aus der Reihe “True Tales”.

 

Weitere Rezensionen

Weitere Recherche

Bericht “Im Reich des Todes” aus SZ vom 22.07.2013

Interview / Gespräch mit Michael Obert und Christoph Heinemann, Deutschlandfunk vom 02.08.2013

Webseite Michael Obert

 

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Ich danke dem DuMont Reiseverlag, der mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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  1. Hi monerl,
    nein, über Folter und Organhandel habe ich nichts mitbekommen.
    Mag sein, dass ich es überlesen habe. In dieser ganzen Schlechtigkeit, die in der Welt herrscht, da muss ich manchmal aus Selbstschutz Teile davon auslassen. So unfair es gegenüber den Opfern auch ist.
    Als ich angefangen habe, Tagesschau zu sehen, war ich weit über 20. Davor hab ich es emotional einfach nicht ertragen, ständig diese Katastrophennachrichten zu hören.
    Ich bin auch jemand, der dann gerne konkret etwas tun möchte. Es einfach nur zur Kenntnis nehmen, ist ja nur erste Schritt. Was folgt dann, was kann man tun? Aufrufe an Politiker, Firmen, Petitionen, Boykotte…
    Ganz schlimm ist es, wenn man nichts tun kann. So ist es wahrscheinlich im Fall von Sinai auch 🙁

    1. Kann dich absolut verstehen. Man ist täglich vielen furchtbaren Nachrichten ausgesetzt, ohne dass man weiß, wie man sich und andere liebe Menschen schützen könnte. Diese Hilflosigkeit stresst mich auch oft.
      Ja, als Einzelner kann man in dem Fall wohl nichts tun. Die Politik ist gefragt. Und seit die ägyptische Armee im Nordsinai mehr patrouilliert und diese Machenschaften versucht zu bekämpfen, hat sich dieser “Mafiaring”, wie ich ihn mal nenne, in den Sudan verlagert und nun von dort operiert. 🙁
      GlG, monerl

    1. Hey Daniela,
      hattest du das in der Presse bisher noch nicht mitbekommen? Es ist schlimm, gell! Wie Menschen so unmenschnlich sein können, geht so gar nicht an mich ran.
      GlG, monerl

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