Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Alles Licht, das wir nicht sehen – ANTHONY DOERR

23. August 2018

Buchbeschreibung

Saint-Malo 1944: Die erblindete Marie-Laure flieht mit ihrem Vater, einem Angestellten des „Muséum National d’Histoire Naturelle“, aus dem besetzten Paris zu ihrem kauzigen Onkel in die Stadt am Meer. Verborgen in ihrem Gepäck führen sie den wahrscheinlich kostbarsten Schatz des Museums mit sich.

Werner Hausner, ein schmächtiger Waisenjunge aus dem Ruhrgebiet, wird wegen seiner technischen Begabung gefördert und landet auf Umwegen in einer Spezialeinheit der Wehrmacht, die die Feindsender der Widerstandskämpfer aufzuspüren versucht. Während
Marie-Laures Vater von den Deutschen verschleppt und verhört wird, dringt Werners Einheit nach Saint-Malo vor, auf der Suche nach dem Sender, der die Résistance mit Daten versorgt … Hochspannend und mit einer außergewöhnlichen Sprachkunst erzählt Anthony Doerr die berührende Geschichte von Marie-Laure und Werner, deren Lebenswege sich für einen schicksalsträchtigen Augenblick kreuzen.


Meine Meinung

Der Autor katapultiert den Leser mitten in den Zweiten Weltkrieg hinein. Frankreich ist von Deutschland besetzt, doch die amerikanischen Befreier stehen vor den Toren der Stadt. Es kann sich nur noch um Stunden handeln, bis die Deutschen zurückgedrängt werden und St. Malo befreit ist. Die Stadt ist in großer Angst, denn es regnet erst Flugblätter und dann Bomben…

Bis es aber mit der Befreiung soweit ist lernt man die beiden Prtagonisten, das blinde, französische Mädchen Marie-Laure LeBlanc und den klugen, deutschen Tüftlerjungen Werner Hausner kennen. Ihre Wege werden sich kreuzen. Im Guten oder im Schlechten?

Diese Ungewissheit übte auf mich eine Art Spannung aus. Mairie-Laure hat in ihren jungen Jahren bereits ein schweres Schicksal zu ertragen. Sie erblindet als kleines Mädchen sehr schnell und muss sich nun in der Welt zurechtfinden. Als wäre das nicht schon schwer genug, bricht der Zweite Weltkrieg aus und Marie-Laure muss mit ihrem Vater, ihre Mutter ist im Kindbett gestorben, aus Paris flüchten. Fort aus der Wohnung und der Stadt, in dem das Mädchen sich auch blind auskennt.

Aber auch Werner hat es nie leicht gehabt. Er wächst mit seiner jüngeren Schwester Jutta im Waisenhaus auf dem Gelände der Zeche Zollverein auf, das von einer französischen Nonne aus dem Elsass, Frau Elena genannt, beaufsichtigt wird. Somit haben die beiden Geschwister bereits als Kinder einen Bezug zu Frankreich. Sie hören die Sprache und singen französische Volkslieder.

Der Vater von Werner und Jutta ist bei einem Arbeitsunfall unter Tage ums Leben gekommen. Über die Mutter erfährt man nichts näheres. Werner sammelt alle Arten von Gegenständen, tüftelt und bastelt damit, repariert Dinge des Alltags und ist im Allgemeinen ein sehr kluger Kopf, der ein ausgeprägtes mathematisches als auch naturwissenschaftliches Verständnis hat. Werner begeistert sich für Radios und kann diese zudem reparieren. Das kommt den Nazis zu Ohren. Er darf in die Naumburger Schulpforta gehen, in der begabte Schüler gefördert werden. Dort erhält er ebenso eine Art militärische Ausbildung für den Krieg, der nun bereits ausgebrochen ist.

In kurzen bis sehr kurzen Kapiteln springt nun der Autor zwischen den Handlungssträngen um Marie-Laure und Werner und innerhalb diesen auch noch zeitlich in die Vergangenheit ab 1934 und die Gegenwart vom 07. bis 12. August 1944. Ebenso wird dem Leser ein kleiner Ausblick nach 1945, 1974 und 2014 gewährt. Somit ist die Geschichte abgerundet und kaum eine Frage bleibt offen. 

Anthony Doerr spielt sehr gekonnt mit Emotionen. Er schafft es, gleichzeitig Sympathien für beide Protagonisten zu wecken. Ihm gelingt es, ein Buch über den Zweiten Weltkrieg zu schreiben, ohne dabei hauptsächlich auf die Thematik der Judenverfolgung einzugehen und ohne große Kriegsschauplätze darzustellen. Dieses Buch fängt einen auf die leise Art ein. Es gewinnt zunehmend an großer Spannung um die Frage, wann und wie Marie-Laure und Werner aufeinander treffen, und was das alles mit einem Reinhold von Rumpel und dem äußerst wertvollem Diamanten “Das Meer der Flammen”, zu tun hat.


Fazit

Ein historischer Roman der etwas anderen Art. Manchmal düster und gruselig und dann wieder spannend und sehr interessant. Ein Roman über manche Hilflosigkeit, der aber im Gegensatz das mutige Schaffen der Widerständler entgegensteht. Ein Buch über familiäre Bande, Begabungen, Träume, Ängste, Gewalt und den Tod.


Austausch mit Mira

Da Mira Urlaub hatte, konnte sie diesen dicken Roman sehr schnell verschlingen. Ich bin nicht ganz so flott hinterhergekommen. Dennoch muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich die kanpp 520 Seiten an sechs Abenden ausgelesen habe! Für mich ist das quasi ein Turbolesen! Mira und ich werden nun einen Termin suchen, um uns telefonisch über das Buch und unsere Eindrücke dazu, auszutauschen. Ich freue mich schon sehr darauf!


Weitere Rezensionen

Weitere Recherche

– Beitrag über Landesschule Pforta Naumburg in Wikipedia.

– Beitrag über die französische Stadt Saint-Malo in Wikipedia.


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Auf der Karte ist die Straße und das Haus markiert, in dem sich Marie-Laure zu Beginn der Geschichte befindet: 4, Rue Vauborel, Saint-Malo, Frankreich


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  1. Liebe Monerl,
    dieses Buch steht auch schon lange auf meiner Wunschliste. Schön, dass es dir gefallen hat! Da wir ja einen ähnlichen Buchgeschmack haben, sollte ich es mir wirklich bald zulegen. Wäre da nicht noch der Stapel ungelesener Bücher und die vielen neuen tollen Romane, die aktuell erschienen sind.

    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
    LG
    Lena

    1. Liebe Lena,
      ich freue mich sehr über deinen Besuch! Das Buch kann ich dir absolut empfehlen! Ich mache dir einen Vorschlag: Wenn du das Buch lesen willst, schicke ich es dir gegen Porto. Es hat etwas gelitten, falls dich das nicht stört. Zum Lesen ist es aber dennoch absolut in Ordnung. Ist ein Hardcover-Leseexemplar. Hatte es damals als Spende für einen guten Zweck gekauft. Kannst es ja weiter geben nach dem Lesen. Ich wollte mein Exemplar nämlich in den Bücherschrank stellen, damit jemand anders es lesen kann. Gib mir einfach Bescheid, falls du das Buch haben möchtest.
      GlG und einen guten Start in die neue und kurze Woche!
      monerl

  2. Hallo monerl!

    Schon, dass du “Alles Licht, das wir nicht sehen”, dass ich zu meinen Lieblingsbüchern zähle nun auch gelesen hast.

    Du kurzen Kapitel und diese Darstellung des Kriegs, ohne die großen Grauen zu zeigen oder gar reißerisch zu sein und trotzdem den Leser gefangen zu nehmen, hat mir wahnsinnig gut gefallen. Ich freue mich, dass die Anthony Doerr ebenfalls erreichen konnte.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Liebe Sabrina,
      ich freue mich auch, dass meine Erwartungen erfüllt wurden. Gerade bei so einem Buch, das viele Leute, die man kennt, mögen, möchte man auch, dass es einem gefällt! 😀 Es sticht thematisch in diesem Genre heraus. Das fand ich ganz prima!
      GlG, monerl

  3. Liebe Monerl,

    schön, dass Dir das Buch so gut gefallen hat.
    Es ist eine besondere Geschichte, die der Autor erzählt. Ich erinnere mich noch, dass ich es bewundert habe mit welcher Leichtigkeit der Autor es geschafft hat einem zu zeigen, dass nicht alle Deutschen schlecht und nicht alle Franzosen gut sind.
    Ich hatte damals das Hörbuch und war auch sehr angetan.

    Ich glaube dazu habe ich nie eine richtiges Rezension geschrieben, was auch nicht schlimm ist.
    LG Anja

    1. Liebe Anja,
      es ist wirklich eine besondere Geschichte, insbesondere was das Genre betrifft! Sowas in der Art habe ich noch nie gelesen. Der Aspekt, den du hervorhebst, ist sehr spannend! Das ist mir so gar nicht aufgefallen, aber du hast recht. Die Charaktere sind nicht klischeehaft besetzt. Es gibt auf beiden Seiten Gute wie auch Schlechte.
      Deine Rezi hätte mich natürlich interessiert. Aber manchmal passt es einfach nicht. Während meinen beiden Schwangerschaften und der Elternzeit habe ich auch sehr viel gelesen aber keine einzige Rezension geschrieben. Ist halt so. 😉
      GlG, monerl

    1. Hey Mona,
      irgendwie ist es auch toll, wenn man den Geschmack von einigen Leute bestimmen kann, oder? hihi Freut mich, dass ich dich nicht enttäuscht habe! Sehr lustig, was du zur weiteren Recherche schreibst. Aber es bietet sich natürlich an. Irgendwann kam mir so der Gedanken, dass ich für alle festhalte, was mich nach dem Lesen noch so interessiert hat und was ich dazu gefunden habe. 🙂
      GlG, monerl

  4. Hallo Monerl,
    ich bin überhaupt noch nicht gut hinterhergekommen, aber zumindest erinnert mich das Cover auf meiner Seite an das Lesen. In den nächsten Wochen stehen Renovierungsarbeiten bei uns an und ich werde gezwungenermassen weniger lesen…..
    GLG Angela

    1. Hallo Angela,
      hast du überhaupt schon angefangen oder noch gar nicht? Mir ging es nämlich so, dass ich nie wusste, wann ich aufhören sollte. Die Kapitel sind oftmals sooo kurz, sodass man sich immer wieder sagt: “Ich les noch ein Kapitel, ach, noch eins, und noch eins…”. Und so ist man dann wieder 50 Seiten weiter. hahaha
      Ui, da habt ihr aber viel Arbeit vor euch! Drücke dir / euch die Daumen, dass ihr schnell fertig und mit dem Ergebnis zufrieden sein werdet!
      GlG, monerl

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