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[Buchvorstellung] – Anne Frank Tagebuch – ANNE FRANK

23. Februar 2018

 5 von 5 Sternen


Buchbeschreibung:

Im März 1945 starb Anne Frank im Alter von fünfzehn Jahren im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Gut zwei Jahre später wurde Het Achterhuis. Dagboekbrieven (Das Hinterhaus. Tagebuchbriefe) veröffentlicht. Für Anne Frank war ihr Tagebuch in der Enge des Verstecks Ersatz für eine Freundin und Gesprächspartnerin, Ventil für Sorgen und Unmutsausbrüche, zugleich Übungsfeld für ihre schriftstellerischen Talente. Für uns ist und bleibt es das eindringlichste und bewegendste Dokument der Judenverfolgung im Nationalsozialismus.

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Das Schicksal von Anne Frank und all jenen, denen es wie ihr ergangen ist, kann man kaum fassen, so schrecklich und grausam ist es! Vor diesem Buch habe ich mich lange Zeit gefürchtet und habe abgewartet, bis der richtige Zeitpunkt gekommen war. Nur war ich soweit, mich auf die Worte und Gedanken dieses damals so jungen Mädchens einzulassen.

Es schmerzte mich mir vorzustellen, dass dieses junge Mädchen sich entscheiden musste, was sie bei ihrer Flucht mitnehmen konnte / musste und dass sie all das mit einem schlechten Gewissen machte, weil sie und ihre Familie es geschafft hatten sich zu verstecken und andere geliebte Menschen nicht.

Ich trauerte während des Hörens um das Mädchen, das an eine Zukunft geglaubt hatte, die ihr jedoch so früh auf grausame Weise geraubt wurde. So viele Monate hatte sie ausgehalten in dieser Enge, in ein paar wenigen Zimmern im einem Hinterhaus, aus dem es für sehr lange Zeit kein Entkommen gab. All den Launen der unterschiedlichen Bewohner ausgeliefert, auch wenn knapp die Hälfte davon ihre Familie war. Wie schlimm muss es sein, sich nur zu einer bestimmten Tages- und Nachtzeit etwas freier bewegen zu dürfen, seine Emotionen kontrollieren zu müssen, ihnen nie dann freien Lauf lassen zu können, wenn einem danach ist. Konflikte auszufechten, denen man in Freiheit hätte aus dem Weg gehen können.

Die einzige “Freundin”, der Anne alles anvertrauen und sich von der Seele schreiben konnte, war “Kitty”, ihr Tagebuch. Wie schlimm muss es sein, in einem Versteck in die Pubertät zu kommen, in dem man sich ausschließlich mit Büchern und lernen vom Schrecken in der Welt ablenken kann. Obwohl Anne fleißig war und sehr gerne las und lernte, hatte sie keinen weiteren Ausgleich, den sie so dringend benötigt hätte.

Leider war zudem Annes Beziehung zu ihrer Mutter keine wirklich tiefe und liebevolle. Jeder Tag war ein Spagat zwischen -die Stimmung im Versteck auf einem bestimmten Level zu halten- und -doch so viel sagen, dass es einen nicht ganz kaputt macht-.

In der Zeit, in der Anne in dem Hinterhaus gelebt hatte, kann man durch ihre Tagebucheinträge deutlich vernehmen, wie dieses Eingesperrtsein an den Nerven und der Psyche zerrt! Und dennoch hatte sie sich reflektiert, ihre Art, ihren Umgang mit den anderen und konnte eigene Fehler einsehen. Sie war ein sehr kluges, einfühlsames und aufnahmefähiges Mädchen und ich wünschte, sie hätte sich ihre Träume erfüllen können.

Das Nachwort hat mich sehr mitgenommen! Darin wird unter anderem erzählt, wie das Hinterhaus verraten und entdeckt wurde und was mit den Bewohnern passiert war.
Otto H. Frank hat im Gegensatz zu seiner Frau und seinen beiden Töchtern den Holocaust überlebt. Ihm wurden später die gefundenen Tagebücher seine Tochter Anne übergeben. Wie schrecklich muss es für ihn als Vater gewesen sein, die Gedanken und Worte seiner verstorbenen Tochter zu lesen! Er fand den Mut und die Kraft dazu und hat dieses Tagebuch aus dem Niederländisch ins Deutsche übersetzt und veröffentlicht. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er uns an den intimen Gedanken seiner Tochter teilnehmen ließ.

Ich fühle mich durch das Tagebuch Anne Frank sehr nah. Nicht zuletzt, da ich jetzt hier in Hessen sitze und Frankfurt am Main, Annes Geburtsstadt, ein paar Minuten von mir entfernt ist. Das nächste Mal, wenn ich nach Frankfurt gehe, werde ich die Stadt mit einem anderen Gefühl wahrnehmen und ein paar Minuten an Anne und ihre Familie denken.

Zum Hörbuch:
Fritzi Haberland ist die Bestbesetzung für Annes Tagebucheinträge. Sie konnte sie für die Zeit des Hörens für mich wieder lebendig werden lassen. Mit ihrer Stimme stellte sie die verschiedenen Stimmungswechsel Annes, die sich aus ihren Tagebucheinträgen ableiten ließen, sehr gut dar. Durch ihre passende Stimmfärbung kann man sich Anne als junges Mädchen sehr gut vorstellen.

Fazit:
Ein wichtiges Buch, dass immer und immer wieder daran erinnern als auch die Erinnerung daran wachhalten soll, was der Zweite Weltkrieg und die Nazis den Menschen angetan haben! Durch diese intensiven und oftmals klugen Worte eines Mädchens, dessen Träume und Wünsche gestohlen wurden, für die es kein Morgen mehr gab müssen wir verinnerlichen, damit so etwas nie mehr wieder geschehen kann! Nie mehr wieder sollte ein Vater ein Leben lang traurig sein, eine dermaßen schwere Bürde tragen und ein schlechtes Gewissen haben müssen, dass er seine Familie nicht retten konnte und er sie überlebt hatte.

Ergänzung:
Dieses Hörbuch hat mir gezeigt, dass ich noch mehr möchte, als nur die Worte im Ohr zu haben. Ich möchte sie nachlesen, immer wenn mir danach ist. Markieren, was mir wichtig ist. Ich habe vor Kurzem die Gesamtausgabe aus dem Fischer Verlag entdeckt, in der nicht nur die Tagebücher veröffentlicht wurden. Darin gibt es weitere Erzählungen von Anne, Briefe, Poesienträge, Fotos, Dokumente und den Hintergrund zu alledem. Ich halte das Buch in Händen und finde es fantastisch! Es ist genau so wie ich es mir vorgestellt habe!

INTERVIEW mit der Sprecherin Fritzi Haberland in 2009 zur Erstveröffentlichung des Hörbuchs. (Quelle: Argon Verlag)

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Gelesen von: Fritzi Haberlandt
Spieldauer: 10 Stunden 33 Minuten
Version: ungekürzt
© Argon Verlag
Erscheinungsdatum: 13. Mai 2009
Originaltitel: De Dagboeken van Anne Frank
Originalsprache: niederländisch
Übersetzer: Otto H. Frank, Mirjam Pressler
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  1. Hey :)Ich hinke derzeit einfach hoffnungslos mit dem Kommentieren hinterher, es ist eine Schande … Aber gut, dank RSS Reader vergesse ich wenigstens nicht darauf, weil ich mir alle Beiträge, wo ich kommentieren möchte, immer in den Favoriten speichere :D.Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das Tagebuch das erste Mal gelesen habe. Ich fürchte, das ist schon sehr, sehr lange her … Mittlerweile gibt es ja eine recht neue Verfilmung davon, die ich mir noch ansehen möchte – hast du die mal gesehen? Auf jeden Fall ist es die perfekte Wahl für die #WiderDasVergessen Challenge :).Liebe GrüßeAscari

    1. Hey meine Liebe,das ist ja nicht schlimm! Die Rezis verschwinden hoffentlich nicht einfach so. Ich finde es auch schön, wenn ältere Rezis neue Kommentare bekommen. ;-)Die Verfilmung habe ich noch gar nie gesehen. Da muss ich mal nach schauen. Danke für den Tipp! Hach, ich habe gerade viele Filme auf meiner Merkliste. Wann soll ich das alles schaffen?! hihiGlG, monerl

  2. Liebe Monerl,leider habe ich es nicht so mit Hörbüchern, aber von Anne Frank habe ich vor Urzeiten das Tagebuch gelesen und auf der Buchmesse 2017 ist mir die Comic Version in die Finger geraten. Nun müsste ich mich irgendwie mal aufmachen, diese zu lesen, womit du mich mit deinem Beitrag daran erinnert hast. Ob zum Hören, zum Lesen im normalen Druck oder mit Sprechblasen, so mÜsste doch tatsächlich für jeden etwas dabei sein. GlG, Mira

    1. Liebe Mira,du hast recht, es gibt so viel Auswahl und für jeden sollte etwas dabei sein! Aus Zeitgründen höre ich sehr viel, sonst käme ich gar nicht dazu, so viele Geschichten verschlingen zu können. Mittlerweile schätze ich aber all die Hörbücher. Und es gibt einige Bücher wo ich sage, die Geschichte entfaltet sich erst als Hörbuch so richtig. Es gibt einige klasse Sprecher, die einen wahrlich mit ihrer sprachlichen Interpretation verzaubern können!Zum Nachschlagen und immer wieder lesen habe ich mir ja die Gesamtausgabe gekauft. Sie ist auch wunderschön! Den Comic, also das Graphic Diary, habe ich letztes Jahr gekauft und werde es kommende Woche auf dem Blog vorstellen. Es ist eine ganz besondere Ausgabe des Tagebuchs. Ich liebe sie, da sie zeichnerisch so fantastisch gelungen ist. Freue mich schon auf deine Meinung! Lass sie nicht zu lange liegen. :-)GlG, monerl

  3. Liebe Monerl,einen wichtigen Beitrag gegen das Vergessen hast du dir da zum Hören ausgesucht – ein Klassiker, der immer noch sehr betroffen macht. Im Rahmen einer Lehrfahrt habe ich das Anne-Frank-Haus in Amsterdam besucht – ein nachhaltiges Erlebnis.Den Ort zu sehen, an dem sie "eingesperrt" war und von einem anderen Leben geträumt hat, führt einem vor Augen, wie Menschen verachtend die Nationalsozialisten mit den Juden umgegangen sind, wie unfassbar deren Vernichtung ist. Das dürfen wir nie vergessen,ganz liebe GrüßeTina

    1. Liebe Tina,das ist toll, dass du bereits die Gelegenheit hattest, dir in Amsterdam das Anne-Frank-Haus anzuschauen. Kann mir sehr gut vorstellen, wie ergreifend dieses Erlebnis gewesen ist. Ich möchte auch so gerne mal da hin. Ich hoffe, dass es irgendwann mal klappt. Vielleicht, wenn die Kinder etwas älter sind.Absolut, das darf NIEMALS vergessen werden! Und darf auch so oder in anderer Form niemals wieder passieren!GlG, monerl

  4. Liebe Monerl,Anne Franks Tagebuch lese ich immer mal wieder und es beeindruckt und berührt mich jedes mal aufs Neue. Ich möchte unbedingt mal das Museum besuchen, aber ich glaube dass das ein äußerst emotionales Erlebnis wäre.Viele liebe GrüßeAnja

    1. Liebe Anja,deswegen habe ich mir die Gesamtausgabe gekauft. Die ist in dieser Hinsicht ganz, ganz toll! Hast du die auch?Wenn du ins Museum gehst, melde dich vorher bei mir. Vielleicht kann ich euch begleiten. Es wird gerade renoviert. In 2019 wird das Haupthaus wieder eröffnet. Schau mal HIER. Da habe ich unter dem Punkt "Museen" die Links zum Museum eingefügt, auf die ich Herba aufmerksam gemacht hat.GlG, monerl

    2. Nein, die Ausgabe habe ich leider nicht. Ich habe eine limitierte Sonderausgabe des Fischer Verlags von 1998.Schade dass das nicht ums Eck ist, aber ich werde es mir merken, dass ich dann vorher kontaktiere ;-).Schönes Wochenende und liebe GrüßeAnja

    3. Nach deiner Ausgabe muss ich mal googeln. Meine stelle ich hoffentlich hier noch vor. :-)Ja, oftmals sind die, die man so gerne treffen möchte, immer so weit entfernt. Aber wer weiß…Dir auch ein schönes Wochenende noch,glG, monerl

  5. Moin, liebes monerl,bewundernd, traurig, wütend – so ging es mir beim Lesen von Annes Tagebuch. Ich habe es damals gelesen, als ich in ihrem Alter war, als sie starb. Es sollte auf jedem Geburtstags-/Weihnachtstisch liegen.Liebe Grüße, Anne

    1. Moin, moin Anne,das war sicherlich nochmal ein ganz anderes Gefühl für dich, weil du im gleichen Alter warst. Ich trauere darüber, dass sie keine Zukunft hatte. Wie muss es wohl gewesen sein das gleiche Alter zu haben und zu wissen, dass Anne nicht älter wird!?Du hast recht, jeder sollte eigentlich viel früher über Anne Bescheid wissen und ihre Tagebücher lesen. Meine Kinder haben jetzt alles hier und werden sicherlich nicht erst 40 werden müssen, um Anne kennenzulernen.GlG, monerl

  6. Danke für diese Rezension.Falls Du noch mehr zu Anne Frank's Wurzeln in Frankfurt erfahren möchtest, kann ich die Online-Ausstellung des Jüdischen Museums Frankfurt empfehlenhttps://www.google.com/culturalinstitute/beta/exhibit/CAICnOLtC0lDLgLiebe GrüßeHerba

    1. Liebe Herba,dein Link ist wundervoll! Ich danke dir! Bei nächster Gelegenheit werde ich mir dieses Museum in Frankfurt auch live anschauen, wohne ich doch nur ein paar Minuten davon entfernt. Ich freue mich sehr. :-)GlG, monerl

    2. Das Jüdische Museum ist auf jeden Fall immer einen Besuch wert! Aber Achtung, das Haupthaus ist zur Zeit wegen Umbau geschlossen, man kann daher nur ins Museum Judengasse.LG Herba

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