Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] artgerecht – Das andere Kleinkinderbuch – NICOLA SCHMIDT

6. Juli 2018

#235 Rezension


Buchbeschreibung

Im Alter zwischen 2 und 6 Jahren sind Kinder zum Fressen süß und entdecken mit großen Augen die Welt. Aber warum essen sie kein Gemüse, finden abends nicht in den Schlaf und schreien im Supermarkt?

Nicola Schmidt zeigt mit vielen praktischen Tipps, wie Eltern auch heute der Biologie ihrer Kleinkinder gerecht werden können, obwohl die sich seit der Steinzeit kaum verändert hat.

Wenn Eltern verstehen, was in Körper und Gehirn ihrer Kinder passiert, sehen sie ihren Alltag plötzlich mit anderen Augen – und wissen, was zu tun ist.

Erziehungswissen in Bestform: klug recherchiert, wissenschaftlich handfest, humorvoll und erfrischend undogmatisch.


Meine Meinung

Nachdem ich nun dieses Buch in Händen halte, tut es mir leid, nicht vorher (als meine Kinder noch Babys waren) auch das Vorgängerbuch “artgerecht – Das andere Baby-Buch” gelesen zu haben. Denn die Autorin hat einen ganz schönen, verständlichen und sinnvollen Überblick zu den wichtigsten Themen (artgerecht: essen, schlafen, sauber, spielen Familie sein, eigenständig werden, betreuen, leben), die Eltern mit Kindern im Alter 2 – 6 Jahren berühren und umtreiben, gemacht.

“artgerecht”, das klingt im ersten Moment etwas seltsam. Denkt man bei dem Begriff “Art” zuerst an Tiere, an verschiedene Tierarten. Auf den zweiten Blick finde ich ihn aber richtig passend! Oftmals wird im Alltag und dem ganzen Stress, Familie, Beruf, Freunde, Verwandte, Wünsche und Ziele unter einen Hut zu bekommen, das außer Augen verloren, welche Rolle Kinder dabei spielen, was für sie am wichtigsten ist und wie man mit ihnen am besten umgehen sollte, damit sie zwar vollständig als kleine Menschlein wahrgenommen werden, dabei aber auch Kinder bleiben dürfen.

Auch aus diesem Buch nehem ich wieder viele Denkanstöße mit, die ich mir mit vielen Post-Its markiert habe. Schnell vergisst man und muss sich erinnern, dass kleine Kinder mitmachen wollen, nur nicht alles so ausführen können, wie wir Erwachsene das wollen und es uns vorstellen. Als Eltern möchte man so wenige Fehler machen, wie es nur geht. Oftmals sind uns die Konsequenzen unserer “Fehler” nicht bewusst. Dabei erhält man durch die Autorin viel Hilfestellung und Aufklärung. Manchmal ist es sogar viel einfacher wieder eine gute Stimmung herbeizuführen, als man denkt.

“Wenn das Kind keinen Blumenkohl im Auflauf mag, wies nicht eine Ecke mit Brokkoli machen?” (S. 46)

“Immer wenn wir versuchen, es als Kleinfamilie perfekt hinzukriegen, versuchen wir etwas Utopisches.” (S. 156)

“Gleichzeitig müssen wir uns bewusst sein, dass das Gehirn unserer Kinder sich noch stark entwickelt – richtig ausgewachsen ist es überhaupt erst, wenn der Mensch Mitte zwanzig ist” (S. 160)


Unsere Umwelt hat sich verändert, die Wissenschaft und Forschung ist weiter fortgeschritten und deshalb wissen wir heute mehr als früher und sind in der Lage darauf einzugehen, wenn wir wollen. Vieles, was damals absurd war, ist heute versändlich. Wir müssen als Eltern deutlich mehr Selbstvertrauen entwickeln und uns weniger schämen, wenn unsere Kinder sich öffentlich anders behehmen, als die Mitmenschen von ihnen erwarten. Wir alle schleppen unsere (oft konservative uns stringente) Erziehung mit uns herum. Es ist schwer, sich davon freizumachen. Doch Nicola Schmidt macht es einem leichter. Sie macht uns Eltern nochmals bewusst, dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sein müssen. Kinder sollen und dürfen Entscheidungen treffen. In manchen Situationen aber müssen Eltern wieder die Entscheidungsgewalt an sich reißen, auch wenn es Stress und Streit bedeutet. Denn auch diese  Erfahrungen müssen Kinder lernen und sie durchleben. Heute leben wir glücklicherweise in recht schönen Zeiten für Kinder. Viele Wünsche werden und können erfüllt werden. Doch auch hier müssen Grenzen gesetzt werden. Die Autorin hilft dabei aufzuzeigen, wie man etwas ablehnen und das Kind mit seinem Frust begleiten kann, damit es das nicht mit sich selber ausmachen muss.

Hervorheben möchte ich auch unbedingt das tolle Format des Buches. Es ist schön groß und als Hardcover liegt es stabil in der Hand und man kann oft vor und zurückblättern, ohne dass das Buch nach kurzer Zeit abgegriffen wirkt. Gerade bei Ratgebern, in die man öfters rein- und etwas nachschauen möchte, ist diese Bindung von großem Vorteil.


Fazit

Ein Buch, das nicht in die eigene Erziehung eingreifen, sondern einen dabei begleiten möchte. Mit vielen Erklärungen, Erörterungen von möglichen Problemen, Hilfestellungen und Gastbeiträgen, fühlt man sich gut aufgehoben ohne verurteilt zu werden, wenn man merkt, dass der bisherige Weg bestimmte nachteilige Konsequenzen mit sich bringen würde. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!


Weitere Rezensionen

Video zum Vorgängerbuch "artgerecht - Das andere Baby-Buch"

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Nicola Schmidt erklärt in diesem Autorenporträt, warum sie in ihrem Buch von  Steinzeitbabys spricht, was es für sie heißt, naturnah zu erziehen und weshalb ihr Buch bereits vor der Geburt gelesen werden sollte. Das Autorenporträt produzierte Literaturfilm im Auftrag des Kösel Verlags und besuchte dafür gemeinsam mit der Autorin die NABU-Naturschutzstation in Berlin-Marienfelde. (veröffentlicht am 20.10.2015 / Literaturfilm)


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Ich danke dem Kösel Verlag und auch dem Bloggerportal, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Hallo Monerl,

    meine Kinder sind bereits groß, aus Erfahrung kann ich sagen, manche Kinder brauchen eng gesteckte Grenzen, andere nicht so sehr.
    Das ist alles individuell verschieden und wenn man als Eltern ein wenig auf sein Herz und seinen Verstand hört, kann man eigentlich nicht viel falsch machen.
    Und zum Essen möchte ich anmerken, wenn Kinder registrieren, wieviel Arbeit z. B. beim Gemüseanbau nötig ist, schmeckt es ihnen vielleicht doch ein wenig besser. Vor allem, wenn sie dabei mithelfen.

    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Hallo liebe Barbara,
      da gebe ich dir recht, dass jedes Kind anders ist und auch eine andere Erziehung braucht. Meine beiden sind so total gegensätzlich. Was bei der einen geht, nimmt die andere nicht an. Wo ich bei der einen in einer Sache kämpfe, flutscht es mit der anderen. Deshalb lese ich sehr gerne solche Bücher und nehme immer wieder mal was mit, wo ich merke, dass es bei mir hakt. Gibt ja nichts besseres, wenn einem bewusst wird, wo das Problem liegt und mal von selbst nie darauf gekommen wäre. Meine kleine Tochter ist sehr, sehr schwer. Das eine oder andere Buch hat mir sehr dabei geholfen, sie zu verstehen. Wir kommen immer besser miteinader klar und das freut uns alle. 😀
      Meine beiden helfen sehr gerne mit. Ich lasse sie, wo ich kann. Es freut mich ja auch sehr, wenn ich merke, dass sie stolz auf sich sind, dass sie mir zur Hand gehen konnten. Das finde ich toll. Ich finde auch immer sehr schade, wenn Mütter ihre Kinder, die helfen wollen aber aufgrund des Alters noch nicht so richtig können, vom helfen abhalten.
      GlG, monerl

  2. Liebe monerl,

    dashört sich sehr spannend an! Wird denn auch erklärt, wie es gehinphysiologisch abläuft? So was finde ich immer total spannend.
    Also das Jugendliche zB, auf Grund dessen, dass ihr ganzes Gehirn umstrukturiert wird, gar nicht in der Lage sind, Anweisungen auszuführen, weil es oft einfach nach 2 min schlicht aus dem Kopf weg ist.

    Ja, als Erwachsene im Umgang mit Kindern muss man sich immer wieder bewusst machen, was man gerade tut. Was man fühlt und evt aufs Kind übrträgt bzw an dem Kind auslässt.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      es gibt den einen oder anderen Satz, der wissenschaftlich hinterlegt ist. Aber das meiste ist nicht so, sondern sehr verständlich. Das, was du erwartest, ist eher im “Wunschkindbuch” zu finden, das unten in der Rezi zu finden ist unter “Vielleicht interessiert dich auch!
      GlG, monerl

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