Couchsurfing im Iran
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Couchsurfing im Iran – STEPHAN ORTH

9. Januar 2020

#327 Rezension
#VomSuBbefreit

 

Buchbeschreibung

Obwohl es offiziell verboten ist, reist Stephan Orth als Couchsurfer 9000 Kilometer durch den Iran und erlebt dabei irrwitzige Abenteuer – und ein Land, das so gar nicht zum Bild des Schurkenstaates passt. Er schläft auf Dutzenden von Perserteppichen, bricht täglich Gesetze, lebt, feiert und trauert mit dem gastfreundlichsten Volk der Welt. Und lernt den Iran dabei von einer ganz anderen Seite kennen. Denn hinter verschlossenen Türen ist das Leben bunt und rebellisch. Hier ist Platz für Sehnsüchte und Träume. Hier tut sich eine Welt auf, wie sie spannender nicht sein könnte.

 

Meine Meinung

Der Autor reist als Couchsurfer in den Iran, um den “echten” Iran kennenzulernen. Er möchte auf diese Weise Iraner*innen begegnen, die ihn  in ihr Leben und Alltag mitnehmen, fernab von typischen, touristischen Plätzen.

Obwohl das Vergeben von Privatunterkünften an Touristen “verboten” ist, gibt es eine große Anzahl an Angeboten, aus denen der Autor schöpfen kann. Mit dem Handy hält er über SMS mit den Menschen Kontakt, die ihm die Couch bzw. den Perserteppich zum Schlafen angeboten haben. Einige SMS sind im Buch abgedruckt.

“Ich bin auf der Suche nach den kleinen und großen Freiheiten der Iraner. Ich will dem Land seine Geheimnisse entlocken und herausfinden, was hinter blinden Fenstern und verschlossenen Türen passiert.” (Buch S. 17)

 

Und es erstaunte nicht nur mich als Leserin, wie die Iraner*innen Verbote umgehen und auch brechen, um in diesem vollkommen kontrollierten Staat das Maximum an Freiheit für sich rauszuholen.

Natürlich ist dies nicht repräsentativ für den gesamten Iran. Die Couchsurfing-Anbieter sind eine Gruppe von oftmals sehr jungen Leuten, die sich für den Westen interessieren, einen überdurchschnittlich hohen und sehr guten Bildungsabschluss vorweisen und sich auf Englisch unterhalten können.

Stephan Orth bringt den Leser*innen die Gastfreundlichkeit und den Hunger nach Freiheit sehr amüsant und sympathisch rüber. Ich folgte ihm sehr gerne und gespannt lesend die 9.000 km durch den Iran.

Die 24 Seiten in der Mitte des Buches sind mit wunderschönen, bunten Fotos bestückt, die mir den Iran bildlich vor Augen geführt und den Wunsch geweckt haben, irgendwann auch mal dieses Land zu entdecken. Doch auch ich wundere mich über die Bilder mit den Gesichtern einiger Gastgeber, da ich dem Reiseberichtvon Stephan Orth entnommen habe, dass dies ja eigentlich nicht erlaubt ist.

Zudem wunderte ich mich hin und wieder über die Naivität des Autors, was Heirat und  Kennenlernen im Iran betrifft. An einigen Stellen dachte ich, das hätte er doch ganz leicht recherchieren können, er ist doch Journalist. Solche Punkte gehören für mich zur Vorbereitung auf so ein Land wie den Iran.

Die Situationen mit den zweimaligen Visaverlängerungen hörten sich für mich auch nicht so ganz echt an. Kann mir kaum vorstellen, dass bei der Visavergabe die Zuständigen nicht in der Lage waren herauszufinden, dass Stephan Orth ein deutscher Journalist ist. Man muss lediglich eine deutsche Suchmaschine aufrufen, seinen Namen eingeben und sofort ist das Ergebnis da.

 

Fazit

Dennoch insgesamt ein gelungenes und interessantes Buch, das den Iran und die Iraner*innen von einer ganz anderen Seite zeigt, als man es in den Medien gewohnt ist. Ein gutes und in einfacher Sprache verfasstes Buch, das durchaus zur Vorbereitung für eine eigene Reise dorthin dienen kann.

 

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“Teheran – Pharrell Williams’ Song “Happy” ist ein globaler Hit. Hobbyfilmer in vielen Teilen der Welt haben das Gute-Laune-Video zu dem Lied auf den Straßen ihrer Stadt nachgetanzt, ob in Peking oder an der Uni Marburg. Nichts anderes haben nun sechs iranische Jugendliche getan – doch sie sind im Gefängnis gelandet.” (Bericht auf Spiegel.de vom 09.03.2015)

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  1. Hallo Monerl

    Trotz deiner Kritikpunkte hast du mich neugierig gemacht. Dass die Iraner gastfreundlich sind, hat man ja schon in anderen Büchern gelesen. Bei “Nicht ohne meine Tochter” kommt das ganz klar zum Vorschein. Dort hatten die Frauen eine wahre Freude daran, heimlich zu helfen. Es war ein Iraner der Betty gefangengehalten hat. Es waren viele Iraner, die ihr den Weg nach Hause ermöglicht haben. Man sollte nie alle Menschen über einen Kamm kehren. Das Land würde mich schon auch mal interessieren. Aber ich denke, dazu braucht man viel Mut. Abenteuerlust! Auch unser Staat hat Schurken, gelle!?

    Liebe Grüße,
    Gisela

    1. Liebe Gisela,
      an das Buch “Nicht ohne meine Tochter” erinnere ich mich nicht mehr so gut, der Film ist mir präsenter vor Augen. Aber wie du sagst, wenn Menschen Menschen nicht helfen, geht es nicht vorwärts auf dieser Welt. Umso mehr erschüttern mich wieder diese traurigen Nachrichten aus dem Iran. Ich wünsche insbesondere der jungen Bevölkerung, dass sie endlich befreiter und eigenbestimmter leben dürfen, denn sie lieben ihr Land eigentlich sehr.
      Trotz meiner Kritikpunkte, empfehle ich dieses Buch mit 4 Sternen gerne weiter, da es sehr gut Zeigt, dass diese Gruppe von Iraner*innen nicht anders sind, als die Jugend und junge Mensche woanders auf der Welt.
      Jeder Staat, jede Nation hat ihre Schurken, das sollte man nie vergessen. Wenn du magst, schicke ich dir gerne das Buch zu. Es ist gelesen und mit Leserillen, da ich es schon gebraucht erworben habe. Falls dich das beim Lesen nicht stört, gib mir einfach Bescheid. 🙂
      GlG, monerl

        1. Alles klar, sehr gerne! Passt es dir jetzt oder willst du mir lieber mitteilen, wann du Zeit fürs Buch hast?
          Gut´s Nächtle auch für dich. 🙂

  2. Das Buch habe ich noch auf dem Stapel mit Leihbüchern liegen und so recht spricht es mich nicht an. Nach deiner Rezi werde ich es vermutlich wirklich nicht mehr lesen, denn du kritisiert einige Punkte, die mir schon bei einem ersten Reinlesen aufgefallen sind und die mich abgeschreckt hatten. Gerade bei Reiseberichten werde ich schnell ungnädig, wenn die Autoren Dinge schreiben, die mich irritieren oder die ich unstimmig finde.

    1. Ich bin etwas zwiegespalten, was das Buch angeht. Trotz meiner Kritik habe ich am Ende doch noch 4 Sterne vergeben, weil es auf seine eigene Art und Weise die jungen Leute im Iran zeigt / sichtbar macht, die nicht allzu gläubig und demütig sind und das Leben genießen wollen, TROTZ aller Umstände. Sie haben Sichtbarkeit verdient. Sie sind ebenso Iraner*innen, die sich verletzt fühlen, wenn in den westlichen Medien ausschließlich schlecht über ihr Land berichtet wird. Ich war in der Tat überrascht, wie aktiv diese Menschen sind, welchen Lebenshunger sie haben. Es freute mich sehr zu lesen, dass es eine Gruppe von Menschen gibt, die noch alles unternehmen, um zu leben.
      Aus dieser Sicht betrachtet, finde ich das Buch dennoch lesenswert. Vielleicht überlegst du es dir nochmal und liest es doch. 🙂

      Habe noch ein anderes Sachbuch über den Iran hier liegen, auf das ich mich schon sehr freue! Ich habe es hier bereits seit 2,5 Jahren liegen. Habe es total vergessen. Doch die aktuellen Nachrichten zum Iran und dieser Reisebericht haben es mir wieder in Erinnerung gerufen. Falls du dich für den Iran interessierst, wäre das evtl. was für dich: “Der neue Iran” von Charlotte Wiedemann. Ich kenne die Autorin und Journalistin schon seit vielen Jahren persönlich und weiß, dass sie sehr intensiv für ihre Bücher recherchiert, auch vor Ort.
      GlG, monerl

      1. Ich glaube, ich lese über den Teil des Irans dann doch lieber (weiter) in Artikeln, die ich online finde. Ich rege mich einfach zu sehr beim Lesen auf, wenn ich erst einmal einen Punkt gefunden habe, über den ich mich bei einem Autor ärgern kann.

        “Der neue Iran” hingegen halte ich mal im Hinterkopf. Ich fühle mich zwar gerade etwas von meinem Sachbuch-SuB erschlagen (und habe natürlich trotzdem noch ein dickes Sachbuch in der Bibliothek vorgemerkt), aber so ein bisschen Abwechslung braucht man ja beim Sachbuchlesen und mein SuB gibt momentan fast nur englischsprachige Titel her.

        1. Kann dich verstehen. Wenn du dich so gut einschätzen kannst, dann ist es besser, du liest es nicht.
          Mein SuB ist insgesamt mächtig, es lagern dort neben Romanen auch viele Sachbücher unterschiedlicher Themen. Doch auch ich kann oftmals nicht NEIN sagen, wenn mir ein grandioses Buch über den Weg läuft. Aber ist doch gut so. 😉
          Sachbücher lese ich bisher ausschließlich auf Deutsch. Bisher hab ich mich noch nicht getraut, in einer anderen Sprache zu lesen. Vielleicht ändere ich das ja, wenn ich deine Buchbesprechungen zu den englischsprachigen Titeln sehen werde…

          1. Die Sachbücher habe ich bewusst nicht in meiner SuB-Liste aufgeführt, weil ich weiß, dass ich da einige Titel habe, für die ich Ruhe und Konzentration brauche, weshalb sie nun mal längere Zeit liegenbleiben. Ich wüsste also nicht genau, wieviele ungelesene Sachbücher hier sind. *g*

            Ich habe auf jeden Fall vor einigen Jahren entdeckt, dass mir englische Sachbücher deutlich mehr Spaß machen, weil sie unterhaltsamer geschrieben sind und Wissen zugänglicher machen als die meisten deutschsprachigen Titel.

            1. Hast du eine öffentliche SuB-Liste? Ich muss mal bei dir schauen gehen…
              Ich liste bei mir alles auf, wobei ich nicht mehr aktuell bin. Seit 2 Jahren möchte ich all meine Bücher neu aufnehmen, finde aber neben Arbeit und Kindern einfach keine Zeit.

              Bin sehr gespannt, was du dieses Jahr so alles an Sachbüchern lesen wirst. Ich werde mir vornehmen, auch mal englischsprachige zu entdecken. Vielleicht erkenne ich den Unterschied zu deutschen, wie du ihm beschreibst.

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