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[Buchvorstellung] Das Geheimnis des Kalligraphen – RAFIK SCHAMI

11. Dezember 2017
#30 Kurzmeinung
#Vom SuB befreit

3 von 5 Sternen

 

 

Widmung des Autors: “Für Ibn Muqla, (886 – 940) den größten Architekten der Buchstaben und seines Unglücks”

Buchbeschreibung:

Eine bunte Erzählarabeske – sinnlich wie die Kalligraphie
Ein Gerücht breitet sich aus wie ein Lauffeuer in den verwinkelten Gassen der Altstadt von Damaskus: Die schöne Nura soll ihren Mann, den berühmten Kalligraphen Hamid Farsi, verlassen haben. Unerhört im Jahr 1957 in Syrien. Warum sollte sie ein Leben aufgeben, um das viele sie
beneiden? Wurde sie womöglich von den Gegnern ihres Mannes entführt? Schließlich arbeitet Farsi an einer radikalen Reform der arabischen Sprache. Dass sein ehrgeiziges Projekt in den Augen der religiösen Fundamentalisten höchst frevelhaft ist und ihn in Lebensgefahr bringt,
übersieht er in seinem Eifer. Ebenso, dass sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung entsponnen hat zwischen seiner vernachlässigten Ehefrau und seinem Lehrling Salman, einem Christen …
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Kurzmeinung:

  • Genre: Roman
  • Handlung: Der Autor nimmt den Leser wieder nach Syrien mit, in die Hauptstadt Damaskus und erschafft, wenn man sich mit Schamis Erzählkunst ein bisschen auskennt, ein großes Gemenge aus verschiedenen Protagonisten aus unterschiedlichem Stand, verschiedenen Religionen, Wünschen… Die Geschichte enthält Intriegen, Gewalt, Verwicklungen, Eifersucht, Liebe, Familie … und kommt wegen einigen Längen sehr spät zum titelgebendem Geheimnis. Alles rankt sich um Hamid, den Kalligraphen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die arabische Schrift umzugestalten, sie durch Vereinfachung zu reformieren. Dabei bleibt seine Frau Nura, sein und ihr soziales Leben, völlig auf der Strecke.
  • Charaktere: Hamid, Nura, Salman – die Protagonisten. Es wird viel über ihr Leben erzählt. Nach und nach entfaltet sich das Gesamtbild und man bekommt die Figuren etwas zu fassen. Doch konnte ich zu keiner eine Art Nähe spüren. Hamid war immer ein sehr arroganter, klischeebehafteter Typ. Aber auch seine leidgeplagte Ehefrau Nura nahm mich nicht für sich ein. Trotz ihres unschönen Lebens, bedauerte ich sie nicht, und fühlte auch nicht ihr Glück als Salman zu ihrem Geliebten geworden ist. Salman nahm ich als ziemlich blass wahr. Zudem gibt es zahlreiche Nebencharaktere, die den Roman vervollständigen, ihn aber auch manchmal unnötig aufblähen.
  • Spannung: In diesem Roman ist der Titel irreführend und sehr schlecht gewählt. Ich wartete auf ein spezielles Geheimnis, das sich aufzudecken lohnt. Darauf baute sich meine Spannung auf. Nachdem es aber kein Geheimnis in dieser Form gab, quälte ich mich immer wieder durch viele Längen durch die Geschichte.
  • Schreibstil: Der Autor ist sich in seiner Erzähl- und Schreibweise treu, die für den Leser Wiedererkennungswert hat. Hier hat mich aber gestört, dass es zum Ende noch einen zweiten Teil gab, der, für einen schönen Lesefluss, in den großen ersten Hauptteil hätte eingewebt werden sollen. So fühlte sich das Ganze für mich etwas zerpflückt an.
  • Ende: Zum Schluss ist alles klar und keine Fragen bleiben offen. Viele Geschichten, die das große Ganze bilden, wurden auserzählt. Aber so richtig begeistern konnte mich dieser Roman nicht. Er war gut aber es reichte nicht zu einer herausragenden Geschichte, wie ich sie bei “Sophia oder der Anfang aller Geschichten” oder auch bei “Die dunkle Seite der Liebe” vorgefunden hatte. Der Fokus auf die arabische Schrift und ihre Entwicklung und die Kalligraphie war mir zu unausgewogen. Insbesondere deshalb, da ich darauf in dieser Art, durch Titel und Klappentext, nicht gefasst / vorbereitet war.
  • Zugabe: Am Ende des Buches gibt es eine tolle Zugabe über die islamische Kalligraphie und ihre Kunstwerke, die islamische Schrift und das arabische Alphabet. Da ich die arabische Schrift liebe, sie wunderschön finde und sie gerne schreibe und zu optimieren versuche, ist das ein großes Highlight für mich. Aber ich dachte nicht, dass das mitunter das eigentliche Thema des Buches ist.
  • Fazit: Ein typischer und ausschweifender arabischer Roman mit Themenschwerpunkten, die damals wie auch heute noch, in der arabischen Welt aktuell sind. Zu viele Geschichten in der Geschichte haben hier den Roman aufgebauscht. Ganz nett, doch Schami kann es besser.
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Rafik Schami
© dtv
ISBN: 9783423139182

 

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  1. Liebe Petrissa,ich hoffe sehr, dass dir "Die dunkle Seite der Liebe" gefällt, insbesondere, da ich es so toll fand! Deine Meinung zum Kalligraph würde ich auch gerne wissen. Evtl. gefällt es dir ja besser als mir… Bei diesem Buch sieht man mal wieder, wie wichtig ein Klappentext sein kann!GlG, monerl(Stimmt, im andern Post hast du Lilly geschrieben. Gut, dass du das jetzt eindeutig gesagt hast. Bin nämlich manchmal unsicher, wie ich dich anreden soll. Hihi)

    1. Liebe Anja,ich würde jetzt nicht sagen, dass die anderen Romane hochwertiger geschrieben wurden, aber in sich runder, stimmiger. Alles ist eine ganze Geschichte. Hier, in diesem Buch, ist es die Geschichte von Hamid usw. und die Geschichte der Kalligraphie, um die es eigentlich geht. Mein Lieblingsbuch ist eindeutig "Die dunkle Seite der Liebe"! Ein gewaltiger Epos, voller Liebe und Leidenschaft für das damalige Syrien und Damaskus! Das neue Buch des Autors "Sami und der Wunsch nach Freiheit" möchte ich auch bald lesen. Mal sehen, ob ich mich Petrissas Meinung anschließen werde! Herzliche Grüße, monerl

    2. Ja prima, wenn wir eigentlich das Gleiche meinen! hihi Freue mich auf deine erste Rafik Schami – Rezension und bin sehr gespannt, welches Buch du aussuchen wirst. Er hat ja noch sooo viele andere Bücher geschrieben. Musst mal schauen gehen, vielleicht ist auch da was für dich dabei. :-)Liebe Grüße, monerl

    1. Hallo Daniela,"Ibn Muqla", dem das Buch gewidmet ist, lebte tatsächlich und war der wichtigste persische Kalligraf am Hof der Abbasiden. HIER und HIER kannst du in Wikipedia ein bisschen nachlesen, falls es dich interessiert. Im diesem Extra / Zusatz in dieser Taschenbuchausgabe erzählt der Autor die Geschichte von der Schönheit der Schrift. Abgedruckt sind Kalligraphien von Ismat Amiralai. Das ist das Besondere an dieser Taschenbuchausgabe.Meine Enttäuschung über das Buch kommt in erster Linie durch die falsche Vorstellung der Geschichte. Somit hatte ich eine ganz andere Erwartungshaltung! Schuld daran sind tatsächlich der Titel und der Klappentext. Eigentlich geht es um die Kalligraphie und die Entwicklung der arabischen Schrift. Hätte man sich darauf konzentriert und das auch kommuniziert, wäre alles gut gewesen. Ich aber hatte eine Erzählung mit einem Geheimnis erwartet, das es so nicht gab. Ganz am Anfang schreibt Schami: "Da die Wahrheit aber keine simple Aprikose ist, hat sie einen zweiten Kern, von dem nicht einmal Nura etwas wusste. Der zweite Kern dieser Geschichte war das Geheimnis des Kalligraphen." (Seite 13, letzter Abschnitt). Da fängt der zweite Teil an, den ich oben in meiner Rezension erwähnt habe. Dieser bezieht sich ausschließlich auf die Kalligraphie und ihr Bezug zu Hamid und was das in seinem Leben für eine Bedeutung hatte. Das ist der eigentliche Inhalt, der Kern des Buches. Und das ist kein Geheimnis im Sinne des Verständnisses, wie ich es zu Anfang hatte (falls du meinen Worten folgen kannst). Hätte ich ein Buch über die Kalligraphie und die Entwicklung der arabischen Schrift lesen wollen, dann wäre ich hier richtig gewesen. 😉 Ich hoffe, ich drehe mich nun nicht im Kreis, mit der Beantwortung deiner Frage und meiner Rezi oben. hahahaGlG, monerl

  2. Hallo!Mein Reiseleiter im Iran hat unsere Namen kaligraphiert und ein bisschen über die Kunst erzählt. Sehr spannend!Das Buch wäre mir schon zu sehr in der Vergangenheit obwohl deine Rezi Lust macht. Da bin ich irgendwie eigen.Liebe Grüße Sabrina

    1. Hallo Sabrina,kann mir sehr gut vorstellen, wie toll das war, als dein Reiseleiter über die Kalligraphie berichet hat. Ich bewundere diese Kunstwerke ja sehr! In Ägypten kann man ja auch Vieles sehen und bestaunen. Die Menschen sind auch sehr stolz auf diese Art von Kunst. Ich finde, das können sie auch sein. Diese Besonderheit der arabischen Sprache hatte mich ja damals dazu verführt, arabisch schreiben, lesen und sprechen zu wollen. :-)Ich liebe ja historische Romane. Diesen würde ich jetzt nicht unbedingt dazu zählen, dazu ist er noch zu jung. 1950 ist noch nicht so lange her. hihiAber es kommt natürlich immer darauf an, wo man seine persönliche Grenze zieht. Vielleicht liest du das Buch ja doch noch irgendwann mal. So in paar Jahren. ;-)GlG, monerl

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