Das Lied des Paradiesvogels
Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Das Lied des Paradiesvogels – REBECCA MALY

24. Juni 2019

#291 Rezension
#WirLesenFrauen

 

Buchbeschreibung

Hamburg, 1890. Die Zwillinge Thea und Daniel sind unzertrennlich. Als Daniel vom Vater auf eine Expedition in die deutschen Südseegebiete geschickt werden soll, erscheint allein der Gedanke an Trennung den Geschwistern kaum vorstellbar. Sie fassen einen Entschluss:
Wenn sie gehen, dann nur gemeinsam und so schmieden sie einen gefährlichen Plan …

Auch der junge Hamburger Reeder Leopold Saarner macht sich mit dem Schiff auf den Weg nach Polynesien. Er muss auf der fernen Insel seinen unehelichen Halbbruder finden und zu seinem Vater bringen. Aber er hat eigentlich kein Interesse daran, sein Erbe zu teilen… Der in Richtung Südsee fahrende Dreimaster beherbergt die Hoffnungen, Wünsche und Ängste der Hamburger – es beginnt eine lange Fahrt in eine ungewisse Zukunft.

 

Meine Meinung

Ein spannender, historischer Abenteuerroman, mit dem uns die Autorin Rebecca Maly nach Polynesien mitnimmt, nach 1890 ins deutsche Protektorat Papua-Neuguinea.

Dem voraus lernen wir das Zwillings-Geschwisterpaar Thea und Daniel kennen. Thea liebt nicht nur das Fotografieren, sie kann es sogar sehr gut, sie hat ein Auge dafür. Ihre Bilder bestehen die Maßstäbe des strengen Vaters. Nur leider denkt dieser, dass die tollen Bilder Daniel gemacht hat. Er ist der Sohn und auch der Erbe des Fotostudios. Doch Daniel liebt das Malen. Dafür hat nämlich er ein Auge und das Können. Leider schätzt sein Vater die Malerei nicht. Und die Zeit ist noch nicht reif für emanzipierte Frauen, die Unternehmen leiten. Dabei bringt Thea alles mit, was eine erfolgreiche Unternehmerin ausmacht. Sie ist mutig, spitzfindig, voller Elan und Charakterstärke. Der Vater möchte jedoch nichts von Theas Ambitionen wissen. So leiden die Zwillinge immer wieder unter Vaters Entscheidung und Willen und erkämpfen sich für eine Zeit lang ihre Freiheit durch einen Trick, der nicht ohne Folgen bleiben wird. Dabei erleidet insbesondere der sanfte und sensible Daniel einen schweren Schicksalsschlag.

Auch Leopold Saarner versucht sein Schicksal in seine eigenen Hände zu nehmen. Seine Mutter ist gestorben und hat ein lang gehütetes Geheimnis auf ihrem Sterbebett offenbart. Leopold hat über seinen Vater einen Halbbruder und sie möchte, dass er ihn kennenlernt. Obwohl er das nicht möchte, stimmt er seinem Vater zu, nach seinem Halbbruder in Papua-Neuguinea zu suchen. Leopold möchte endlich aus Hamburg raus, er möchte die Welt sehen und erkunden.

Über Adam, der auch Baptiste genannt wird, lernen wir das Leben der Einheimischen sowie der Kolonialisten kennen. Denn Adam lebt in beiden Welten, mal mehr mal weniger parallel. Als Ziehsohn der Oudebooms wird er christlich und deutsch-europäisch erzogen. Die Oudebooms gaben ihm ein Heim und eine Schulbildung. Doch, sobald er kann, verschwindet er von der Plantage und lebt mit und beim Stamm seiner Mutter und lernt die Traditionen der indigenen Bevölkerung, zu der er sich zugehöriger fühlt als zu seinen Zieheltern. Sein sehnlichster Wunsch ist dennoch, endlich seinen deutschen Vater kennenzulernen und von ihm anerkannt zu werden und Deutschland zu sehen.

Über diese vier Protagonisten schafft es die Autorin die damalige Zeit auf den*die Leser*in zu transportieren. Während des Lesens fühlte ich mich mit allen sehr verbunden. Sie sind sehr gut ausgearbeitet, auch wenn der Fokus letztendlich auf Thea und Adam/Baptiste liegt. Beide Figuren erfahren eine intensive und nachvollziebare Entwicklung. Sie reifen an ihren Aufgaben.

Historisch gesehen erfahren wir über die damalige Missionierung der indigenen Menschen, wie Kolonialisten in der Fremde gelebt haben und sich arrangieren mussten und wie und welche Unternehmen nach Kaiser-Wilhelms-Land gegangen sind. Anhand von Adam/Baptiste versucht Rebecca Maly auch aufzuzeigen, mit welchen Schwierigkeiten “Mischlingskinder” zu kämpfen hatten.

Ich bin sehr gerne in Rebecca Malys Geschichte eingetaucht und habe mich in das Abenteuer Südsee gestürzt. Durch die schönen, landschaftlichen Beschreibungen fühlte ich mich auf die Insel versetzt. Es war keine leichte Zeit damals. Einheimische verloren ihren Grund und Boden, ihre Lebensgewohnheiten und mussten Fremdbestimmung dulden. Viele solcher Kinder wie Adam/Babtiste waren zerrissen und nirgendwo richtig anerkannt.

Auch wenn das Buch größtenteils vorhersehbar war, gefiel mir der Schreibstil der Autorin sehr, wie auch die eine oder andere Überraschung und das runde Ende.

 

Fazit

Wer gerne Auswandererromane im Stil von Sarah Lark oder auch Patricia Shaw liest, wird diese Saga lieben. Sie bietet historische, gesellschaftliche Strukturen, Abenteuer, indigene Völker, ein bisschen Liebe und das alles in richtiger Dosierung. Ich freue mich schon sehr auf das nächste Abenteuer aus der Feder der Autorin!

Weitere Rezensionen

wird nachgetragen

 

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Ich danke dem Verlag EDEL Elements, der mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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  1. Hi monerl,
    das hat mich ja richtig neugierig gemacht, vor allem wegen der zwei Hauptcharaktere; Thea und Adam/Bapitste hören sich wirklich interessant an.
    Südsee lockt mich ja im echten Leben gar nicht so (literarisch kann ich aber durchaus dahin reisen), ich bin halt ein Kind des Nordens 😀
    LG
    Dani

    1. Hey Daniela,
      da dir das Buch von Julia Drosten gefallen hat, bin ich quasi sicher, dass du dieses auch mögen wirst. EBooks liest du ja auch viel. Von demher würde ich dir das Buch als Tipp empfehlen. Um die Liebe geht es hier natürlich auch, aber alles ganz spannend und interessant. 🙂
      GlG, monerl

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