Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Das Mädchen mit dem Edelweiß – JILLIAN CANTOR

8. Januar 2019

#265 Rezension
#GegenDasVergessen

 

Buchbeschreibung

Ein fast vergessener Brief, der Mut zweier Menschen und eine grenzenlose Liebe

Schon als Kind war Katie mit ihrem Vater auf Flohmärkten, um nach Briefmarken zu suchen. Immer hoffte er, eines Tages einen ganz besonderen Schatz unter ihnen zu finden. Doch daran erinnert er sich schon lange nicht mehr. Um ihrem an Alzheimer erkrankten Vater eine Freude zu bereiten, bringt Katie seine Sammlung zu dem Philatelist Benjamin. Er soll herausfinden, ob sich unter den vielen Marken eine ganz besondere befindet. Und tatsächlich entdeckt Benjamin einen ungeöffneten Brief, der mit einer seltenen Briefmarke aus den Dreißigerjahren versehen ist. Darauf zu sehen: der Stephansdom, in den ein Edelweiß eingelassen ist. Katie und Benjamin beschließen, dem Geheimnis des Briefs auf die Spur zu gehen und dessen Adressaten zu finden. Doch was sie nicht ahnen: Ihre Suche wird sie ins Österreich des Jahres 1938 führen. An den Ort, wo ein junges Paar sich einst begegnete und sich ewige Liebe versprach.

 

Meine Meinung

Reine Liebesgeschichten lese ich selten und nicht so gerne. Ist sie aber ein Bindeglied für eine tiefergehende Geschichte, dann ist das etwas anderes. So wie hier. Durch die Autorin lernen wir im historischen Erzählstrang Elena und Christoph kennen. Zwischen ihnen entwickelt sich Liebe, obwohl sie jüdisch ist und er nicht und obwohl es 1939 ist und Österreich sich Deutschland anschließt, Hitler unterwirft und Elena als Jüdin in großer Gefahr schwebt.

Christoph stellt in Österreich Briefmarken her, er graviert die Platten dafür. Dieses Handwerk ist sehr selten und somit ist Christoph für die Nationalsozialisten und Hitler ein interessanter und wichtiger Mann.

Welche Verbinung gibt es zwischen dem historischen Erzählstrang aus 1939 in Österreich und Katies besonderem Brief, der ihr 1989 in Los Angeles in die Finger fällt?

Auf dem Weg zur Auflösung entspannt sich eine recht schnelle und immer spannender werdende Geschichte, in der die beiden Handlungsstränge sehr gut miteinander verwoben wurden. In recht kurzen Kapiteln springt Jillian Cantor zwischen dem Jahr 1939 und 1989, die beide historisch von großer Bedeutung sind. Denn auch der Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands spielen eine Rolle, die Auswirkungen auf Katies Familie in den USA hat.

Jillian Cantor hat sehr gut recherchiert, was das Lesen zu einem Genuss macht. Ich habe insbesondere viel über Briefmarken und ihre Herstellung gelernt, worüber ich mir bisher so gar keine Gedanken gemacht hatte. Briefe waren damals ein sehr wichtiges Kommunikationsmittel. Durch Worte konnte man Informationen sende, sie verschleiern und kodieren. Briefe haben damals vielen Menschen das Leben gerettet.

Obwohl die Geschichte sehr flüssig und flott erzählt wird, beinhaltet sie viele wichtige und interessante Themen. Leider werden die meisten jedoch nicht allzu sehr vertieft. Sobald man mehr wissen wollte, endete der Teil und ging zum nächsten über. Dies ist auch mein größter Kritikpunkt am vorliegenden Buch. Ich hätte oftmals gerne mehr erfahren, insbesondere, da mich der Handlungsstrang aus 1939 sehr interessierte und er vom Grundsatz her viel Potential hatte.

Katies Geschichte in der Gegenwart von 1989 ist der Ausgangspunkt. Mit ihr bin ich nicht so richtig warm geworden. Wo die Alzheimererkrankung ihres Vaters mich noch sehr interessierte, blieb ich bei Katies Trennungsgeschichte recht unberührt. Da fehlte mir ein bisschen die Tiefe.

 

Fazit

Insgesamt ein spannendes Buch, das den eigenen Horizont auf verschiedenen Ebenen erweitern kann. Ein Buch, das gut unterhält und an Historisches erinnert. Eine schöne Liebesgeschichte, die nicht ins Seichte abdriftet und ich deshalb auch sehr gerne empfehle!

 

Weitere Rezensionen

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Ich danke dem Heyne Verlag, der mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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  1. Liebes Monerl,

    sollte ich dich auf den Roman aufmerksam gemacht haben? Schliesslich hast du meine Rezi verlinkt, worüber ich mich freue. 🙂
    Von diesem Buch habe ich zunächst gar nicht viel erwartet, da es ein Gewinn auf Lovelybooks war, wollte ich es gern lesen, ehe es auf dem SuB vor sich hinschmort.
    Und dann konnte ich nur noch eintauchen in diese ergreifende Geschichte.

    Wie schön, dass es dir auch gut gefallen hat.
    Liebe Grüße und falls noch nicht geschehen, ein frohes neues Jahr mit vielen Büchern wünsche ich dir,
    Barbara

    1. Liebe Barbara,
      ich habe deine Rezi Ende Dezember gelesen und gedacht, ach, die Barbara hat das Buch auch gelesen. hihi Ich habe es im August als Rezi-Ex angeboten bekommen. Die Geschichte fand ich interessant und ich wollte sie gerne lesen. Leider habe ich aber erst Ende November Zeit zum Lesen gefunden. Und im Dezember habe ich keine Rezis geschrieben, das hab ich jetzt nachgeholt und mich dabei erinnert, dass ich deine und auch Martinas damals sehr gut fand. 🙂 Ich verlinke deine Rezis immer wieder gerne, wenn´s passt.
      Auch für dich ein frohes neues Jahr mit großen Leseabenteuern!
      GlG, monerl

  2. Hallo monerl,

    die Geschichte an sich macht mich nicht so an, bis auf das Thema Briefmarken. Ich hab früher mit meinem Opa zusammen gesammelt. Mein erstes Sachbuch war aus der Reihe WAS IST WAS und es war über Briefmarken. Da stand auch drin, wie man sie druckt, was die berühmtesten sind, ihre Rolle in der Geschichte usw. 🙂 Schöne Erinnerungen.

    Heute ist das Hobby aber Geschichte…

    1. Hallo Daniela,
      ich lese ja total gerne Geschichten, die zeitlich mehrere Handlungsebenen haben. Und wenn sich dahinter ein Geheimnis versteckt, das mich begeistert und dessen Auflösung gelungen ist, dann hatte ich ein tolles Leseerlebnis! 🙂 Mist gerade beim Rezischreiben aufgefallen, dass ich in letzter Zeit sogar einige solcher Bücher hatte, die in einer Ebene eine Story im Bereich #GegenDasVergessen hatten. Ich glaube, jetzt brauche ich wieder etwas Abstand davon. Wobei ich dieses Buch schon Anfang Dezeber gelesen hatte, nur im Dezember keine Zeit zum Rezensieren fand.

      Spannend, dass du dich für Briefmarken interessiert hast und den Hintergrund des Handwerks dazu kanntest. Freue mich, dass ich mit meiner Rezi schöne Erinnerungen wecken konnte! Auch ich habe mal ne Zeit lang als Kind Briefmarken gesammelt. Ich war nur nicht allzu pedantisch genug für das Hobby. Ich fand´s einfach schön, die Marken von Briefen abzumachen und in das Sammelbuch zu stecken. hihi
      Heute wird anders gesammelt. Briefmarken gibt es ja noch. Habe aber nie darüber nachgedacht.

      GlG, monerl

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