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[Buchvorstellung] Das rote Adressbuch – SOFIA LUNDBERG

10. September 2018

#247 Rezension


Buchbeschreibung

Eine bewegende Reise durch ein Meer von Erinnerungen – und eine Hommage an das Leben und die Liebe.

Doris wächst in einfachen Verhältnissen im Stockholm der Zwanzigerjahre auf. Als sie zehn Jahre alt wird, macht ihr Vater ihr ein besonderes Geschenk: ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Jahrzehnte später hütet Doris das kleine Buch noch immer wie einen Schatz. Und eines Tages beschließt sie, anhand der Einträge ihre Geschichte niederzuschreiben. So reist sie zurück in ihr bewegtes Leben, quer über Ozeane und Kontinente, vom mondänen Paris der Dreißigerjahre nach New York und England – zurück nach Schweden und zu dem Mann, den sie einst verlor, aber nie vergessen konnte.


Meine Meinung

Dieses Buch hat mich sehr überrascht! Und zwar im positiven Sinne! Es hat mich aber auch ganz tief ge-/berührt.

Wir lernen Doris kennen, eine 96 jährige Frau, die ein buntes Leben gelebt hat und am Ende ihres irdischen Weges steht. Das ist ihr bewusst. Deshalb hatte sie vor einger Zeit angefangen ihr Leben für ihre Großnichte Jenny niederzuschreiben. Dies macht sie anhand der Menschen, die ihr im Laufe der Zeit über den Weg gelaufen sind und die in irgendeiner Form eine gewichtige Rolle für sie gespielt haben. Alle Namen sind fein säuberlich dem ABC nach in ihrem roten Adressbuch notiert, das Doris damals mit 10 Jahren von ihrem Vater zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Mit 96 hat man leider die meisten geliebten Menschen bereits hinter sich gelassen. So auch Doris. Bis auf Jenny ist niemand mehr am Leben, der ihr etwas bedeutet. Fast jeder Name im Adressbuch ist durchgestrichen. Dahinter hat Doris immer “TOT” vermerkt.

So erfahren wir in angenehmen kurzen Kapiteln, wie Doris als sehr junges Mädchen von ihrer Mutter fortgeschickt wird, warum sie nach Paris gelangt und wie sie Allan, die große Liebe ihres Lebens, kennenlernt. Doch die schönen Zeiten sind bald vorüber, der Zweite Weltkrieg bricht aus. Auch Frankreich und Paris sind betroffen. Doris nächster Weg führt sie nach Amerika, wo sie schwere Schicksalsschläge hinnehmen muss. Über einen ungewollten Umweg über England gelangt sie schließlich wieder nach Schweden, in ihre alte Heimat.

Die Autorin hat ein wundervolles, einfühlsames und berührendes Buch geschrieben. Sie zeigt ehrlich und nachvollziehbar die Probleme und das Leid eines sehr alten Menschen auf, dessen Umwelt ihn nicht mehr richtig warhnimmt und ihn nicht mehr als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft betrachtet. Ja, alte Menschen können auch stur und eigensinnig sein. Doch dahinter verbirgt sich auch ofmals der Frust, nicht mehr so aktiv sein zu können wie früher. Sehr schön stellte Sofia Lundberg dieses Thema dar und beschreibt, wie angestrengt sich Doris gegen die Bevormundung wehren muss, nicht gegen ihren Willen ins Pflegeheim abgeschoben zu werden. Wenn man sich Zeit lässt über solche Sachen nachzudenken, erkennt man, wie realitätsnah diese Szenen beschrieben sind. Somit kratzt das Buch in seiner Tiefe auch an aktuellen Problemen, die wir derzeit auch in Deutschland haben.

Ohne den Krieg zu groß zu thematisieren bringt die Autorin in ihrem Buch den Zweiten Weltkrieg unter und positioniert darin einen lebenslange Liebe, die mir am Ende richtiggehend ans Herz ging.

Wenn auch keine fordernde Literatur, so ist dieser Roman doch große Unterhaltungsliteratur, die das hält, was sie verspricht. Ein interessantes Debüt, das einen fragen lässt: Wie viele solcher Geschichten verbergen sich in den Leben der alten Menschen, die (leider) nie ihren Weg nach außen finden werden?


Fazit

Wer gerne eine Liebesgeschichte der etwas anderen Art lesen möchte, der ist bei Lundbergs Buch genau richtig. Manchmal sachlich, manchmal rührend und dann wieder überaus traurig – all das findet man in dieser Geschichte. Sie ist so, wie das Leben selbst, unbeeinflussbar und überraschend. Man sollte sich darauf einlassen und genießen. Prädikat: absolut lesenswert!


Weitere Rezensionen

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Ich danke dem Goldmann Verlag, der mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

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    1. Hallo liebe Heike,
      ich bin schon sehr gespannt, was du sagen wirst! Kann mir aber sehr gut vorstellen, dass du meine Begeisterung teilen wirst!
      GlG, monerl

  1. Hi monerl,
    mit 94 anhand so eines Adressbuches auf sein Leben zurückgucken, das stell ich mir interessant vor. Ich denke eh, dass man besser lebt, wenn man sozusagen sein Leben vom Ende her lebt, nachdenkt, was wird mit 94 bleiben, was wird wichtig sein und was war irrelevant.
    LG
    Daniela

    1. Hey Daniela,
      ich denke, als junger Mensch kann man nicht an das Ende denken. Es fehlt natürlich die Erfahrung, vieles entsprechend bewerten zu können. Man muss wohl in weitläufigen Lebensabschnitten innehalten und die Vergangenheit bewerten als auch überlegen, welche Zukunft man sich wünscht und dann sein Leben und Handeln danach ausrichten. Im Laufe der Zeit verändert man sich doch öfters, Umstände verändern sich und was mal ging, geht evtl. nicht mehr oder sogar bestenfalls umgekehrt.
      Kann mir aber sehr gut vorstellen, wie traurig es auch sein kann, eine Rückschau auf sein Leben anhand eines Adressbuches zu machen. Doris war sehr traurig. Sie war ja auch fast die Letzte.
      GlG, monerl

      1. JA, das ist mein Albtraum, als letzte übrigbleiben, und dann das Adressbuch betrachten, wer alles schon von uns gegangen ist, wenn man nur noch denkt “wieder einer weniger”.
        Du hast auch recht, Umstände verändern sich und manches von dem, was man sich wünscht, geht z.B. umständehalber vielleicht nicht. Das zu überwinden ist nicht leicht und wahrscheinlich die große Herausfordung, der sich die Meisten stellen müssen.

  2. Das klingt nach einem tollen Buch, wenn auch auf den ersten Blick eher “unspektakulär”. Aber ein Buch braucht ja auch keinen spannenden Plot um dem Leser etwas zu geben und hierauf bin ich nun wirklich gespannt, nachdem ich nicht nur in deiner Rezension, sondern auch schon vorher eine absolute Empfehlung gelesen habe.

    1. Bei diesem Buch hat es mich erstaunt, wie stark es letztendlich doch polarisiert. Ich z.B. fand es gar nicht kitschig, sondern sehr realitätsnah. Genau so hätte sich ein Leben entwickeln können. Das einzig Kitschige für mich ist das Cover! hihi Ich hätte mir für das Buch ein eher zurückhaltenderes gewünscht. Aber ok, wichtig ist, was drinnen ist… Wenn du dich für Geschichten interessierst, die über das Leben schreiben, etwas Liebe enthalten und auch noch die eine oder andere Überraschung aufbieten können, dann bist du bei diesem Buch absollut richtig! Wenn du es mal gelesen hast, lass mich wissen, wie es dir gefallen hat!
      GlG, monerl

  3. Oh, auf dieses Buch bin ich auch schon gespannt! Ich mag es doch so gern emotional berührend;) (übrigens hab ich nun auch Eine Geschichte des Wassers durch, das war mir auch etwas trocken, obwohl thematisch eigentlich schon interessant:)) liebe Grüße

    1. Liebe Kathrin,
      ich kann mir sehr gut vorstellen, dass du das Buch mögen wirst! Lies es!

      Ja, das Thema im Wasserbuch ist eigentlich total wichtig. Hätte es so gern gehabt, wenn mich das Buch hätte überzeugen können!
      GlG, monerl

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