Das Versprechen des Bienenhüters
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[Buchvorstellung] Das Versprechen des Bienenhüters – CHRISTY LEFTERI

10. Oktober 2019

#312 Rezension
#WirLesenFrauen

 

Buchbeschreibung

Nuri ist Bienenhüter, mit seiner Familie führt er ein einfaches, aber erfülltes Leben im syrischen Aleppo. Bis das Undenkbare passiert und der Krieg ihr Zuhause erreicht. Nuris kleiner Sohn Sami wird bei einem Bombenanschlag getötet, seine Frau Afra erblindet. Sie müssen fliehen, um zumindest ihr eigenes Leben zu retten. Die Trauer um Sami und Erinnerungen an das einst glückliche Leben begleiten sie auf dem langen, gefährlichen Weg durch eine Welt, die nicht auf sie gewartet hat und selbst die Mutigsten in die Knie zwingt. Doch in England wartet Nuris Cousin Mustafa mit einem Bienenstock, der neuen Honig und neues Leben verspricht. Aber die größte Herausforderung liegt noch vor Nuri und Afra: wieder zueinander zu finden und gemeinsam die Hoffnung an ein neues Leben zu bewahren.

Sie haben alles verloren und glauben dennoch an einen Neuanfang: Diese Geschichte wird Sie berühren, erschüttern und doch hoffnungsvoll zurücklassen.

 

TRIGGERWARNUNG

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Kindstod, Totschlag, Vergewaltigung (nicht beschreibend)

Meine Meinung

Die Autorin nimmt die Leser*innen in ersten Handlungsstrang mit nach Syrien, in die Vergangenheit der Protagonisten bis zum Punkt des schrecklichen Krieges und der unumgänglichen Flucht.

Mit dem zweiten Handlungsstrang gibt es einen kleine Erzählstopp in Istanbul und dann wieder in Griechenland. Dort lernen wir  Hoffnungslosigkeit, Elend und Gewalt kennen, die verschiedene Flüchtlinge aus Syrien, dem afrikanischen Kontinent, Afghanistan usw. erleben. Es ist niederschmetternd und schrecklich! Gleichzeitig fragt man sich mit Nuri, welche Möglichkeiten noch bleiben, damit er und Afra noch nach England entkommen können. Es gibt wenige und der Preis ist hoch!

Der dritte Handlungsstrang spielt in England, im Flüchtlingsheim bzw. einer Pension, in der Nuri und Afra mit anderen Flüchtlingen untergekommen sind und mitten im Asyl-Beantragungsverfahren stecken.

Diese drei Perspektiven wechseln das ganze Buch über und machten es mir nicht so leicht emotional am Ball zu bleiben. Kaum war ich in einer “Geschichte” drin, wurde ich herausgerissen und in die nächste katapultiert.

Leider weiß man von Beginn an, dass Nuri und Afra es nach England schaffen. Diese Information tötet das Spannungsmoment. Denn nun gibt es nichts mehr, das einen so richtig am Ball bleiben lässt. Es gibt lediglich das “Dazwischen”, also, wie die Reise verlief und was ihnen dabei so alles widerfährt. Ja, auch das ist schlimm genug, wie oben bereits angerissen. Ich hätte mir jedoch noch etwas mehr Spannung gewünscht.

Sprachlich schön erzählt Christy Lefteri die Geschichte und nicht nur einmal ertappte ich mich bei dem Gedanken, dass die Sprache nicht an den Inhalt der Erzählung ranreicht. Dieser Gegensatz hat mich oftmals innehalten und überlegen lassen, was denn gerade passiert. Ein interessanter und spannender Kunstgriff, um Distanz zum Gesagten zu schaffen.

Leider konnten mich die Protagonisten nicht so ganz überzeugen. Ein schweres Leben, schwere Schicksale, die ihnen widerfahren und doch berührten sie mich nicht so richtig. Woran genau das lag, kann ich nicht genau sagen. Ich war dem Buch nicht so ganz verfallen, wie ich es eigentlich erwartet hatte. Nuri als auch Afra waren mir nicht nah genug. Ihre Charakterisierung hätte noch viel mehr Tiefe verdient.

 

Fazit

Eine traurige Fluchtgeschichte, die sich aus vielen echten Erlebnissen speist, denn die Autorin hat als freiwillige Helferin eine Zeit lang in Athen in einem Flüchtlingscamp ausgeholfen und so viele Geflüchtete kennengelernt, die ihr ihre Geschichten erzählt haben. Diese Echtheit und Kraft spürt man deutlich im Handlungsstrang in Griechenland, wo Nuri und Afra eine Weile festsitzen.

Obwohl mich das Buch nicht voll und ganz überzeugen konnte, empfehle ich es weiter. Denn die im Buch beschriebenen Schicksale erleiden täglich auch heute noch sehr viele Menschen. Und es darf nicht vergessen werden, was so vielen Menschen passiert und was sie durchleben und erleiden müssen!

 

Weitere Rezensionen

+      Mundolibris

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Ich danke dem Limes Verlag sowie dem Bloggerportal, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Hi monerl,
    ohne das Buch gelesen zu haben, denke ich, dass die Distanz von der sehr kunstvollen Sprache her kommt.
    Das mit den drei Zeitebenen, das kommt immer darauf an, wie gut es gemacht ist. Meistens geht es mir wie dir und ich komme eher aus den einzelnen Geschichten raus. Und drei Ebenen finde ich auch sehr anspruchsvoll für eine Geschichte.
    Vielleicht ist das die Schwachstelle, das Buch ist zu anspruchsvoll und berührt deshalb zuwenig die Emotionen.
    Um jetzt mal nur Stilkritik zu betreiben
    LG
    Daniela

    1. Liebe Daniela,
      manchmal ist zu distanzierte Sprache kontraproduktiv. Das ist natürlich immer subjektiv. Manche Leute brauchen das, um das Geschehen nicht zu nah an sich ranzulassen. Ich bin das Gegenteil, ich will fühlen und mit den Menschen in der Geschichte mitleiden. Das ist für mich das Größte, auch wenn es dann sehr negative Gefühle sind. Ich hätte gerne eine Ebene ausgelassen und diese nicht im Rückblick erzählt bekommen sondern “live” miterleben wollen.
      GlG, monerl

  2. Liebe Monerl,
    ich lese immer noch an dem Buch und komme einfach nicht vorwärts. Ich kann jedes deiner Worte nachvollziehen und bestätigen. Die Geschichte ist wichtig und auch irgendwie sehr berührend, aber sie fesselt nicht. Ich habe das Gefühl, dass der Schreibstil, die Sprache einfach zu distanziert sind, um Emotionen zu erzeugen. Es zieht sich für mich leider wie Kaugummi.
    Hab einen schönen Abend
    LG
    Yvonne

    1. Liebe Yvonne,
      so erging es mir auch. Zu Beginn gefiel es mir super und dann hatte ich keine so richtig Lust mehr auf die Geschichte, weil sie so oft Erzählsprünge machte. Nach ner Pause ging es wieder aber so ganz warm wurde ich nie.
      Gib mir Beischeid, wenn du durch bist, dann verlinke ich deine Rezi hier sehr gerne. Es gibt ja kaum kritische Rezensionen.
      GlG, monerl

        1. @Martina
          Ja, wir haben tatsächlich das Buch ganz gleich empfunden. Habe deine Rezi oben verlinkt. 🙂

          @Yvonne
          Wollte gerade nach deiner Rezi schauen und diese ebenso verlinken, aber du hast das Buch immer noch nicht durch, oder? hihi
          Gib mir Bescheid, wenn du soweit bist.

          GlG, monerl

            1. Ach je, wenn es dich so quält, breche es ab! Nicht, dass du noch in ‘ne ungewollte Leseflaute reinrutscht. Wie auch immer du dich entscheidest, bin gespannt auf deine Rezi. 🙂
              GlG, monerl

  3. Liebes Monerl,

    deine Rezension habe ich gern gelesen, mir scheint, ich hätte das Buch schon gut erklärt bekommen. Bisher habe ich mehrheitlich von positiven Meinungen gelesen, deine Kritik zeigt mir, dass ich das Buch wohl lieber nicht lesen werde. Denn sogern ich auch Perspektivwechsel mag, so ungern mag ich sprunghaftes Hin und Her zwischen Personen und wenn ich ihnen nicht nahe kommen kann. Die Schicksale sind sicherlich durch die Tragik das Interessante und gleichzeitig auch das Reale an der Geschichte.
    Danke für deine Rezension.

    Liebe Grüße
    Barbara

    1. Liebe Barbara,
      die Mehrheit ist vom Buch ja begeister. Es ist ja gut und auch wichtig und doch schleppte ich mich streckenweise sehr durch die Geschichte. Der Schreibstil lag mir nicht so. Wäre es etwas flüssiger im Erzählen gewesen, ohne diese vielen Rückblicke, dann hätte es mir sehr gut gefallen. Dann wäre man als Leser*in voll dabei gewesen und hätte Nähe spüren können. So war für mich alles zu distanziert. Aus meiner Sicht sage ich, du kannst das Buch auslassen. 😉
      GlG, monerl

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