Das Wunder
Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Das Wunder – EMMA DONOGHUE

10. Juli 2019

#296 Rezension
#WirLesenFrauen

Buchbeschreibung

Irland Mitte des 19. Jahrhunderts: In einem kleinen Dorf, dessen Bewohner tief im katholischen Glauben verwurzelt sind, staunt man über ein leibhaftiges Wunder. Seit vier Monaten hat die kleine Anna O’Donnell keine Nahrung zu sich genommen und ist doch durch Gottes Gnade gesund und munter. Die unglaubliche Geschichte lockt viele Gläubige an, aber es gibt auch Zweifler. Schließlich beauftragt man die resolute englische Krankenschwester Lib Wright, das elfjährige Mädchen zu überwachen. Auch ein Journalist reist an, um über den Fall zu berichten. Werden sie Zeugen eines ausgeklügelten Schwindels oder einer Offenbarung göttlicher Macht?

 

Meine Meinung

Ein sehr außergwöhnliches Buch, das durch sein Aussehen, den Schreibstil sowie den Inhalt besticht!

Wir befinden uns in Irland im 19. Jahrhundert. Der Glaube an das kleine Volk, die Feen, ist trotz der tiefen, katholischen Religiosiät nicht gebrochen. Beides existiert nebeneinander. Die Autorin presst sodann Gläubige und die ungläubige englische Krankenschwester Lib auf engstem Raum zusammen. Sie und die Nonne, Schwester Michael, werden beauftragt Wärterinnen zu sein, um festzustellen, ob die kleine 11-jährige Anna auch wirklich keine Nahrung zu sich nimmt. Sie scheint ein Wunder zu sein, das heiliggesprochen werden soll, falls die Umstände es zulassen.

Als Leser*in begleitet man Lib auf ihrer Suche  nach einer Möglichkeit, wie Anna an Nahrungsmittel kommt, denn sie muss doch von irgend jemandem gefüttert werden oder etwa nicht? Ist es wirklich möglich, dass sich dieses kleine Mädchen nur von himmlischem Manna ernährt, wie sie behauptet? Kann so tiefer Glaube das Körperliche überwinden, den Hunger tilgen und Nahrung obsolet machen? Lib glaubt nicht daran und sucht während ihren Schichten akribisch jeden Winkel ab, wo Essbares versteckt werden könnte.

Dabei gibt es viele Gespräche über Gott, seinen Willen, Gebete und frömmiges Gerede, was nicht religiöse Leser*innen zur Verzweiflung bringen könnte. Hierbei kommen sich Lib und Anna immer näher und die abgeklärte und intelligente Krankenschwester findet Gefallen an der kleinen “Hochstaplerin”, denn an Wunder glaubt sie nicht. Die Tatsache, dass sie tagelang nichts findet, bringt Lib an den Punkt, dass es so sein muss, dass das Kind nun seit Tagen wohl nichts mehr gegessen hat. Wenn dem so ist, könnte es sein, dass Anna dann verhungert?

Die Autorin reisst nach und nach all den Beteiligten die Masken vom Gesicht und dennoch ändert es nichts an Annas Glauben und Vorsatz. Die Eltern, der Arzt, der Priester und auch die Dorfbewohner wollen an “ihr” Wunder glauben. Die einzige aufgeklärte und noch normal denkende Person scheint der Journalist William Byrne zu sein, denn mit ihm kann Lib die Situation besprechen und sie von außen betrachten. Dabei wird ihr immer mehr und mehr klar, dass hier etwas nicht stimmt.

Was viele Autor*innen dann nicht schaffen, gelingt Emma Donoghue mit Leichtigkeit: Ein Showdown der sich sehen lassen kann! Die Story wendet sich plötzlich und man kann kaum glauben, was alles dahinter steckt.

Die Protagonisten sind alle durchdacht und spielen ihre Rolle wunderbar. Lib erfährt eine ganz besondere Entwicklung und wurde mir zunehmed sympathischer. Dabei gibt es mehr als ein Geheimnis zu entdecken.


Fazit

Ein wundervolles Buch, das ganz ohne Effekthascherei seine Genialität ausbreitet. Dabei erfährt man viel über das damalige Irland, die Religiosität im 19. Jhdt als auch über die sich damals entwickelnde Krankenpflege und Schwesternausbildung bei und mit Florence Nightingale. Ein fiktiver Roman, der auf wahren Begebenheiten von damaligen “Fastenmädchen” beruht. Absolute Leseempfehlung!


Weitere Rezensionen

Weitere Recherche

– Beitrag “Florence Nightingale” in Wikipedia.

– Beitrag “Große Hungersnot in Irland” in Wikipedia.

 

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Ich danke dem Wunderraum Verlag sowie dem Bloggerportal, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Huhu meine Feine (=

    Ich fand “Raum” von der Autorin sehr gelungen und einnehmend und eigentlich hast du mich mit deinen Eindrücken stark angezuckert. Jedoch halten mich die Themen Gott und Gebete und deinen Nebensatz dazu doch stark ab, es lesen zu wollen. Im Kleinen störte s mich nicht, aber anscheinend nimmt dies viel Raum ein und ich glaube nicht das ich daran meine Freude hätte …

    Mukkelige Grüße!

    1. Hey Janna!

      “Raum” hatte mich leider etwas enttäuscht. MIr gefiel dieses Kindliche nicht so gut und das gerede über sahnige Milch, ob die linke Brust besser ist als die rechte, ging mir echt auf die Nerven. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Buch genau dann damals gelesen hatte, als ich frisch meine Große geboren und gestillt hatte. Vielleicht war das too much für mich, da ich nie mit größter Freude die “Milchkuh” war. hihi Gestillt habe ich nämlich nie gerne, auch nicht bei der Zweiten. Eine Rezi gibt´s deshalb auch nicht, weil ich keine Zeit für Rezis hatte. Damals war ich in der Blogpause.
      Den Film habe ich letztes Jahr geschaut und war TOTAL begeitert. Film gefiehl mir um Längen besser! Kennst du ihn?

      Wenn dir das Thema Gott und tiefe Gläubigkeit auf den Zeiger geht, rate ich dir ab vom Buch. Denn das ist der Kern-, Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. 80% des Buches macht dieses Thema sowie beten und Gebete und Gerede über Gott aus. Im 19. Jhdt war Irland tief gläubig. Ist auch heute noch sehr katholisch, soweit ich weiß. Ein tolles Buch aber es könnte einem auch auf die Nerven gehen… 😉

      GlG, monerl

  2. Liebe Monerl,

    um das Buch schleiche ich schon eine Weile herum…. Vielen Dank für deine begeisternde Buchvorstellung! Jetzt werde ich es mir definitiv zulegen, nachdem es nun auch kürzlich als Taschenbuch erschienen ist. Allerdings mag ich die Hardcover aus dem Wunderraum-Verlag sehr gerne…. Vielleicht hole ich mir dann doch noch die gebundene Ausgabe davon. 🙂

    Liebe Grüße
    Lena

    1. Liebe Lena,
      kann dich schon verstehen, dass du lieber das Wunderraum-Hardcover möchtest. 🙂 Aber egal wie du es liest, es ist ein außergewöhnliches Buch! Gib mir Bescheid, wie du es gefunden hast! 🙂
      GlG, monerl

    1. Liebe Daniela,
      das Buch ist echt klasse! Und man ahnt während der ersten Hälte nicht, wie grandios es endet! Absolute Leseempfehlung! Es lohnt sich total das Geheimnis zu erkunden! 😀
      GlG, monerl

  3. Ach ja, das ist ein Buch, dass Du schon vor längerem gelesen hast, gelle? Ich denke immer, ich will es lesen, weil “Wunderraum” und so hübsches Cover… Aber gerade reizt mich wenig, was nicht Fantasy ist.
    Aber schön, dass es Dir so gut gefallen hat.

    Herzlichst
    Petrissa

    1. Ne, das habe ich ganz frisch erst gelesen. Es musste nen Ticken warten, bis es dran war. Erst dachte ich, was eine religös-fanatische Geschichte und war fast enttäuscht. Doch dann wechselt der Plot und man versteht alles, warum das Ganze Blabla vorher notwendig war und der Schluss ist TOLL! Sehr lesenswert!
      GlG, monerl

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