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[Buchvorstellung] Der Circle – DAVE EGGERS

22. Dezember 2014
#67 Rezension
3 von 5 Sternen

 

Utopie – Dystopie – Nahe Realität- Realität???


Erschreckend real fühlt sich diese Geschichte an! Von Beginn an schob sich vor mein inneres Auge “der Circle” als eine Kombination von Ebay+Apple+Amazon+Facebook+You-Tube. Ständig hatte ich das Gefühl, dieses Unternehmen ist gar nicht so weit entfernt in der Zukunft. Daher fiel der Einstieg ins Buch ziemlich leicht. Vieles kennt man doch irgendwie irgendwoher, oder?!

Ich fühlte mit Protagonistin Mae die Freude, als sie es endlich geschafft hat, beide Füße in den beliebten Circle zu bekommen. Endlich in einem modernen Unternehmen angekommen, das sich um seine Mitarbeiter kümmert, ja, sie regelrecht bemuttert! Für alles ist gesorgt, ein Rundum-Paket von sozialen Leistungen, tollem Gehalt, einem Campus für Freizeit, Hobby und Vergnügen und noch viel, viel mehr. Und was muss sie tun? Einfach nur an der Gemeinschaft teilnehmen, sich sozial angagieren, innen wie außen, und KOMMUNIZIEREN. Ist doch einfach! Wer kommuniziert denn heute nicht sowieso ständig, ob aktiv oder passiv, reden, posten, liken… Wer wünscht sich denn nicht einfach das neueste Handy geschenkt zu bekommen, den besten Laptop, 5 Bildschirme am Arbeitsplatz, eine Wohnung am Campus, wenn´s mal länger dauert, weil die Firmenparty so klasse war und weil doch so viele tolle Firmenparties stattfinden. Denn DAS KOLLEKTIV ist die neue Privatsphäre! Ungeteilte Erlebnisse, Wissen und alles andere ist purer Egoismus, der Gemeinschaft gegenüber! Auf subtile Art und Weise schafft es der Circle seine Mitarbeiter an sich zu binden und jeden noch so kleinen Zweifel auszumerzen.


Der Circle will für alle da sein, den Bürger, den Prominenten, den Politiker, den Gesunden, den Kranken und für alle die, die wollen und nicht wollen. Und da fängt das Problem wohl an. Für manche Leser mag Mae im Laufe der Geschichte wohl als ziemlich dumm und naiv erscheinen. Aber vergessen wir nicht, dass wir als Leser in der glücklichen Lage sind, Außenperspektive einnehmen können. Wir fühlen, wohin das hinführt. Doch welche Chance hat Mae? Wie kann sie sich ihrer so grandiosen und positiven Zukunft erwehren?


So begeistert ich bis hierhin klinge, so leid tut es mir, dass mich die permanente Kommunikation im mittleren Drittel des Buches nicht mehr fesseln konnte. Zu viel Gerede, zu viel hin und her, zu viel Unnötiges, das die Geschichte nicht richtig vorangebracht hat. Ich fing an, schneller zu lesen, nur um diesem Posten, Liken, Ranking, Überwachen… schneller zu entkommen.


Dieser Einbruch meiner ursprünglichen Begeisterung, schlägt sich auch in der Bewertung nieder. Denn leider konnte das recht gute und überzeugende Ende, mich nicht mehr an die ursprüngliche Begeisterung heranführen.


Durch das ehrliche und unkitschige Ende ist dem Autor ein Buch gelungen, mit dem ich zwar zufrieden war, aber mich nicht überwältigen konnte. Ein interessantes und durchaus wichtiges Thema unserer Computer-Internet-Online-Zeit, das für meinen Geschmack etwas fesselnder hätte umgesetzt werden dürfen.

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Kiepenheuer&Witsch Verlag
Fester Einband
ISBN: 9783462046755
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  1. Hi!

    Ja, da sehen wir das doch recht ähnlich 🙂
    Wobei ich ab der Hälfte jetzt nicht den Wunsch hatte, schneller voranzukommen. Den Aufbau fand ich sehr gut.
    Die Naivität der Prota hatte mich ja auch genervt, aber wie ich schon geschrieben hab: vielleicht wollte der Autor wirklich sehr, sehr deutlich zeigen, wie leicht man sich durch solche “Szenen” wie dem Circle verführen lässt.
    Ja, wir schauen von außen drauf, aber man hofft doch, dass Menschen genug “Verstand” oder wie man es auch immer nennen mag haben, um sich zu wehren, sobald sie ein schlechtes Gefühl bekommen. Das wird aber hier recht schnell weggewischt durch die vielen Einflüsse – es ist sicher schwer, da rauszufinden. Auch wenn ich glaube, dass ich (in meinem Alter *lach*) mich da nicht mehr mit reinziehen lassen würde.

    Aber man weiß ja wie schnell so ein Herdentrieb wirken kann …

    Liebste Grüße, Aleshanee

    1. HLiebe Aleshanee,
      danke für deinen so ausführlichen Kommentar! 🙂
      Ja, man denkt immer, man ist alt und reif genug, sowas zu durchschauen. Ich würde meine Hand aber dafür nicht ins Feuer legen. Jeder hat seinen Preis und bestimmte Knöpfe, die gedrückt werden müsste und dann sind wir ebenso gefangen wie Mae. Natürlich hoffe ich, dass uns sowas erspart bleibt.
      GlG, monerl

  2. Hallo Monerl, da kommen wir ja beide zu ganz ähnlichen Urteilen. Mich hat ja hauptsächlich diese himmelschreiende Naivität der Hauptperson genervt. Aber vielleicht als Schullektüre zur Diskussionsgrundlage ganz gut geeignet, das Buch ist vermutlich auch für Wenig-Leser kein Problem 😉 Liebe GrüßeThomas

    1. Hallo Thomas,kann deine Worte auch gut nachvollziehen. Mich hat Mae auch genervt, konnte mir das dann aber noch einigermaßen plausibel, wie oben beschrieben, erklären. Als Schullektüre kann ich mir das Buch auch gut vorstellen. Die jüngere Generation ist bzgl. dieser Thematik manchmal zu unbedarft. Das Buch wird ja demnächst als Film in den Kinos anlaufen. Den möchte ich mir auf jeden Fall anschauen. Vor allem, da die Hauptdarstellerin Mae von Emma Watson und der Firmengründer Eamon Bailey von Tom Hanks dargestellt werden!http://www.filmstarts.de/kritiken/234164.htmlGlG vom monerl

  3. Ich habe im Herbst auch beide Bücher gelesen (und als drittes noch "Drohnenland"). Hätte ich damals schon Rezis geschrieben, hätten wahrscheinlich beide Bücher 3 Sterne von mir bekommen, denn ZERO hatte zwar eine sehr spannende Story, wahr aber meiner Meinung nach nicht so gut geschrieben (und ich mag das Präsens als Erzählform einfach nicht, brrrr).Liebe GrüßeAscari vom Leseratz Blog

    1. liebe Ascari, danke für deinen kommentar! 🙂 dann sind wir gar nicht so weit auseinander mit unseren meinungen. ich fand ZERO ja auch spannend, und zwar spannender als DER CIRCLE. bei präsens als erzählform stört mich immer nur, wenn´s insgesamt nicht passt oder der autor sich damit verhaspelt. hier fand ich´s in ordnung.

    2. Ich kann mich erinnern, dass den "Circle" mit einem gewissen Schaudern gelesen habe … So nach dem Motto: "Mädchen, schalt doch mal deinen Verstand ein". Und das erste Mal, wo sie gemaßregelt wird, dass sie nicht ihr ganzes Leben mit der Community teilen will – oh Mann! Was ich damit sagen will: Der "Circle" hat die Thematik meiner Meinung nach besser rübergebracht, auch wenn das Buch überzogen war und meiner Meinung nach eher für amerikanische Leser geschrieben, die ja mit dem Thema Datenschutz nicht so viel am Hut haben wie wir Europäer.

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