Der erste Kaiser
Graphic Novel / Comic | Rezensionen

[Buchvorstellung] Der erste Kaiser 始皇 (中文简体德文双语版) – CHEN UEN 郑问

6. April 2019

#276 Rezension

 

Buchbeschreibung

Der Grossmeister der asiatischen Comic-Kunst, Chen Uen, begibt sich in dieser Comic-Biographie auf die Spuren von Qin Shihuang, dem ersten Kaiser und Reichseiniger von China.

Ying Zheng ging unter dem Titel Qin Shihuang als erster Kaiser von China in die chinesische Geschichte ein, er war der erste Herrscher in der chinesischen Geschichte, der sich selbst den Titel eines Kaisers gab. Im Alter von nur 13 Jahren kam er in seinem Heimatstaat Qin auf den Thron, im Alter von 39 Jahren vereinte er China, in dem er sechs Nachbarländer in eine Reihe blutiger Feldzügen eroberte, und errichtete somit die Qin-Dynastie.

Er schuf in China die Grundlagen für eine kulturelle und administrative Einheit, indem er die Schriftsysteme der einstmals unabhängigen Länder zu einem Schriftsystem vereinheitlichte und indem er Masseinheiten vereinheitlichte. Er schaffte das Feudalwesen ab und setzte Verwaltungspräfekten anstelle der Lebensfürsten ein. Er erbaute zur Verteidigung gegen Invasionen von Nomadenstämmen die Grosse Mauer.

Er befahl aber auch, konfuzianische Schriften und Schriften anderer Denkschulen zu verbrennen und liess konfuzianische Gelehrte bei lebendigem Leibe begraben. Daher gilt er trotz vieler Verdienste bis heute vielen als Inbegriff eines Tyrannen.

In seinen späteren Lebensjahren verfiel der Kaiser dem Aberglauben und suchte nach einem alchemistischen Mittel zur Erlangung der Unsterblichkeit.

In dem vorliegenden Band schildert Chen Uen im ersten Teil die Beziehung und Freundschaft Ying Zhengs zum Staatsphilosophen Han Feizi. Im zweiten Teil trifft Ying Zheng bei seinen Eroberungsbestrebungen auf den starken Widerstand des Generals Li Mu des Staates Zhao. Li Mu wird zum wichtigsten Gegenspieler und Kontrahenten von Ying Zheng und seinen Ambitionen. Zwischen den beiden wird sich ein dramatischer Showdown entwickeln, von dessen Ausgang über die weitere Zukunft Chinas entschieden wird.

 

Meine Meinung

Chinesische Literatur, ob aus der / über die Gegenwart oder die Historie ist ein schwarzer Fleck auf meinem Blog und auch in meinem allgemeinen Lesen. Ich weiß nichts über chinesische Mythen, Legenden oder auch Helden. Dies wollte ich ändern und das Ganze dabei behutsam angehen. Ein anderer Kulturkreis mit anderer Schrift und schwer einprägsamen Namen führte dazu, dass ich dachte, ich gehe das Schließen meiner Wissenslücke bildhaft an. So entschied ich mich für diese Comic-Biografie über den ersten Kaiser Chinas.

Im vorliegenden Comic zeigt Chen Uen, wie es der junge Herrscher, der König von Qin, der 223 v. Chr. 26 Jahre alt war, geschafft hatte alle einzelnen Reiche zu einem großen Chinesischen Reich zu vereinen.

 

Der erste Kaiser
© Chinabooks Verlag
Der erste Kaiser
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Der erste Kaiser
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Der erste Kaiser
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Es gibt insgesamt 10 vollständig farbige Seiten, der Rest ist schwarz-weiß. Der Zeichenstil wechselt von klaren und weichen Zeichnungen bis zur festen Strichführung und minimalistischer Darstellung, in der z.B. Gesichter sehr aggressiv und fokusiert abgebildet sind.

Chen Uen gelingt es unglaublich gut in kriegerischen Handlungen und Intrigen die Gewalt als auch den Schmerz in die Bilder zu zeichnen. Als Leser*in bzw. Betrachter*in der Zeichnungen konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie furchtbar diese Zeit war und in welcher Angst die Menschen gelebt haben.

Um einen Überblick über die agierenden Personen zu haben, musste ich immer wieder ein paar Seiten zurück blättern, da für meine Ohren viele Namenssilben sehr ähnlich klangen. Aber es war nicht schwierig, sich in dieser Hinsicht schnell wieder aufzugleisen.

 

© Chinabooks Verlag
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Sehr gut gefällt mir auch zu Beginn das Vorwort zur Neuausgabe, in der man erfährt, wie Chen Uen dazu kam über den ersten Kaiser zu erzählen, wie er die Figur zeichnerisch entwickelt hat und welchen Problemen er sich dabei stellen musste.

Am Ende gibt es noch eine Zeittafel, die sehr schön eine Übersicht über das Leben des ersten Kaisers bietet. Sie wird mir als Grundlage für meine weiter Recherche dienen. Ich hätte mir noch eine schöne, große Karte gewüscht, in der die verschiedenen Reiche, die der erste Kaiser vereint hat, abgebildet sind. Manchmal fiel es mir schwer mir vorzustellen, welches Reich gerade überfallen wurde und wie Qin Shihuang sich ausgebreitet hat.

 

© Chinabooks Verlag

Das Buch wendet sich auch an Chinesischlernende, denn der Comic ist auf Deutsch und auf Chinesisch vorhanden. Man liest das Buch untypischerweise von “hinten” nach “vorne”. Die erste Hälfte ist auf Deutsch, die zweite auf Chinesisch.

Ganz am Ende gibt es noch einen Zusatz, in dem aufmerksam gemacht wird, dass Chinesischlerner auf der Webseite www.manhua.ch Vokalbellisten chinesischer Wörter mit deutscher Übersetzung sowie Inhaltszusammenfassungen in einfacher Sprache für den chinesischsprachigen Teil dieses Buches finden.

 

Fazit

Nachdem ich mich mit dem Umgang des Buches vertraut gemacht hatte und wusste, dass man das Buch von rechts nach links lesen muss, hatte ich sehr gut hineingefunden. Ich konnte mich einfach auf die Geschichte bzw. diese Comic-Biografie einlassen. Durch die aussagekräftigen Bilder und die sehr gute Übersetzung ins Deutsche, hatte ich keine Probleme dem Geschehn zu folgen. Was der Comic auslässt, verfollständigt die Zeittafel. Ich habe nun ein gutes Gefühl, den ersten Schritt in Chinas Historie erfolgreich gemeistert zu haben.

Als nächstes werde ich mich der Trilogie “Helden der Östlichen Zhou-Zeit” widmen. Im ersten Band “Wege zum Ruhm” (–> Leseprobe) geht es um die (schwierige) Kindheit des ersten Kaisers sowie die Intrigen seiner Widersacher und interne Machtkämpfe während seiner ersten Herrscherjahre auf dem Thron des Reiches Qin, als seine Herrschermacht noch nicht gefestigt war. Diese Trilogie ist ebenso von Chen Uen und ich bin schon sehr gespannt!

 

Über Chen Uen

Chen Uen (Pinyin: Zheng Wen) wurde 1958 in Taiwan geboren und verstarb 2017. Er gilt in Ostasien als eine Art Jahrhundertgenie.

In vielen seiner Werke widmete er sich historischen Stoffen aus der langen chinesischen Geschichte. Sein technisch meisterhafter Zeichenstil weist starke Einflüsse der traditionellen chinesischen Tuschemalerei auf.

Den großen Durchbruch schaffte er in Japan in den frühen 1990er Jahren, als dort seine Reihe „Helden der Östlichen Zhou-Zeit“ von Kodansha serialisiert wurde. Die renommierte japanische Tageszeitung Asahi Shimbun schrieb über ihn als ein „Genie“ – innerhalb der letzten 20 Jahre sei in der Comicwelt kein Künstler hervorgetreten, der sich mit Chen Uen messen könne.

Japanische Medien betitelten ihn als einen „Schatz Asiens“. Nach seinem Tod gelangten Klassiker Chen Uens in Taiwan wieder ganz vorne auf die Bestsellerlisten. In Taiwan, Hongkong, Japan und China wurde nach Chen Uens Ableben umfangreich im Fernsehen und anderen Medien Nachrufe auf den Künstler gesendet. (Quelle: manhua.ch)

 

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Buchvogel

 


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  1. Hi monerl,
    über China, seine Mythen und seine Geschichte, weiß ich auch noch gar nichts. Dieser Comicband klingt wirklich interessant. Blöde Frage: Liest man die einzelnen Seiten von links oben nach rechts unten, oder ist auch das “andersrum”?
    Du hast in mir jedenfalls den Wunsch geweckt, mein Genre auch auszudehnen.
    LG
    Daniela

    1. Hey Daniela,
      das finde ich total genial, dass ich dich mit diesem Buch für Neues interessieren konnte! Aus meiner Sicht ist über diese Comics ein erster Zugang zur chinesischen Historie möglich. Wenn du magst, bring ich dir im Mai die Bücher mit. Hab noch einen weitern Comic, den ich gerade lese und bald hier vorstellen werde.

      Zu deiner Frage: Man liest tatsächlich von rechts oben nach links, dann wieder von rechts Mitte nach links und dann von rechts unten nach links. Das Gute ist, dass im Buch darauf hingewiesen wird, wie genau man es lesen muss. Fand ich super!
      GlG, monerl

        1. Klingt verwirrend, ist aber ganz leicht. In meiner nächsten Rezi veröffentliche ich ein Bild aus dem Comic, auf dem man sehen kann, wie man lesen muss. 😉 Dann wird dir alles sofort klar sein.
          Erinnere mich bitte nochmals kurz bevor wir uns sehen, dass ich die Bücher einpacke… Ich bin nämlich sowas von vergesslich!
          GlG und ein schönes WE für dich,
          monerl

  2. Ich habs hier liegen und noch nicht gelesen. Mal schaun, wann ich dazu kommen.
    Hab nur einmal durchgeblättert und weiß noch nicht, was ich vom Zeichenstil halten soll 😛 Ich lass mich mal die Tage berieseln 😀

    1. Hey, dann bin ich mal gespannt, was du sagen wirst! Der Zeichenstil ist sehr “erwachsen”. Aber ich war erstaunt, wie detailliert viele Bilder waren. Ich finde, der Stil passt zum Thema und zur Herkunft des Autors. Es ist kein weicher Mangastil, der hätte nicht gepasst.
      GlG, monerl

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