Der Gesang der Flusskrebse
Rezensionen | Roman / Gegenwartsliteratur / Liebe / Romantik / Chick-Lit

[Buchvorstellung] Der Gesang der Flusskrebse – DELIA OWENS

13. September 2019

#310 Rezension
#WirLesenFrauen

 

Buchbeschreibung

Die Geschichte einer eigenwilligen Außenseiterin – einfühlsam und packend gelesen von Luise Helm.

In den 1960er-Jahren schwirren viele Gerüchte über Kya Clark durch die ruhige Küstenstadt Barkley Cove. Isoliert lebt sie im Marschland mit seinen Salzwiesen, Sandbänken, Buchten. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Zwei junge Männer werden auf die wilde Schöne aufmerksam, und Kya öffnet sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen. Als einer der beiden tot aufgefunden wird, sind sich die Bewohner sicher: Das “Marschmädchen” ist schuld. Delia Owens erzählt intensiv und atmosphärisch davon, dass wir für immer die Kinder bleiben, die wir einmal waren. Und den Geheimnissen und der Gewalt der Natur nichts entgegensetzen können.

 

Meine Meinung

Gleich vorab sei erwähnt, auch ich reihe mich in die Schlange derjenigen ein, die überschwänglich dieses Buch anpreisen! Denn der Autorin ist eine wunderbare Genre-Mix-Geschichte gelungen, die recht leise, dafür sehr intensiv, eindringlich und berührend die Geschichte eines kleinen Mädchens erzählt, das zur Frau wird, und, obwohl von allen verlassen, seinen Weg findet glücklich und geliebt zu werden. Kya muss nicht nur Steine auf diesem Weg räumen, nein, es sind sogar Felsen und teilweise Berge, die sie im Laufe der Jahre bewegt, um langsam wieder Menschen zu vertrauen, um dann doch erkennen zu müssen, dass sie nie in die Gesellschaft wird passen können, weil die Leute sie ausgrenzen und unter  sich gar nicht haben wollen.

Delia Owens schafft es eine enge emotionale Bindung zwischen Leser*innen und der Protagonistin zu kreieren. Sehr nah geht einem das Schicksal, wenn die kleine Kya davon erzählt, wie erst ihre Mutter die Familie verläst, ohne sich umzudrehen, dann nach und nach die anderen Geschwister verschwinden und zu allerletzt auch noch ihr Vater. In der Schule ausgelacht entscheidet Kya nach dem ersten Tag nicht mehr hinzugehen und ist deshalb lange Analphabetin, bis der einstige Kinderfreund Tate sich (wieder) mit ihr anfreundet und ihr das Lesen und Schreiben beibringt, Gefühle in ihr weckt und wie alle anderen auch irgendwann verlässt.

Kya hatte in all der Zeit, in der sie alleine war, das Marschland erobert, studiert und zu ihrer Heimat gemacht. Da sie nicht lesen und schreiben konnte, förderte sie ihre Kreativität im Malen und wurde darin so kunstfertig, sodass sie in der Lage war die Natur des Marschlands samt seiner Tiere und Pflanzen so detailliert zu zeichnen und zu malen, sodass sie später Enzyklopädien über das Marschland herausbringen konnte, was ihr eine finanzielle Unabhängigkeit gab.

Sie war glücklich und zufrieden, bis sie eines Tages im Jahre 1969 beschuldigt, ins Gefängnis gesteckt und ihr der Prozess am Mord von Chase Andrews gemacht wurde.

In zwei Handlungssträngen lernen wir in Rückblicken nach 1952 die 6jährige Kay kennen und verfolgen in 1969 den Fortgang des Prozesses. Beide Handlungsstränge treffen dann irgendwann aufeinander und ergeben einen interessanten Zukunftsstrang, den ich von Beginn an ahnte, kurzzeitig in die Irre geleitet wurde, um mich dann doch schmunzelnd am Ende bestätigt wusste.

Während all dieser Zeit fühlt man sich ins Marschland und dieser wahnsinnig schönen und beruhigenden Natur hineingezogen und streift mit Kya durch die Gegend, um die dortige Vielfalt kennenzulernen.

Die Entwickliung des Buches fand ich großartig und absolut gelungen. Meisterhaft zusammengefügt, insbesondere, wenn man bedenkt, dass dies ein Debüt ist! Sprach- und bildgewaltig erzählt Delia Owens eine kleine Kriminalgeschichte, die, während sie langsam aufgelöst wird,  die Liebe zur Natur offenlegt und die Protagonistin charakteresiert.

Ich fühlte mich zu keiner Zeit gelangweilt, obwohl die Erzählweise sehr langsam ist und immer nur wenig nach und nach offenbart wird

Obwohl viele Leser*innen das Ende kritisieren gefällt es mir sehr gut. Es ist rund, es ist poetisch und für mein persönliches Empfinden gerecht.

 

Zum Hörbuch

Luise Helm gehört zu meinen liebsten Sprecherinnen und ich bin sehr froh, das Buch gehört zu haben! Wegen ihr habe ich mich fürs Hörbuch entschieden, denn ich lausche so gerne ihrer Stimme, die mich so ganz ins Buch hineinzuziehen vermag!

 

Fazit

Ein wunderschöner Roman, den man in dieser Art sehr selten findet. Deshalb auch so besonders, da viel Erfahrung der Autorin, die lange weg vom Trubel der Gesellschaft als Zoologin gelebt hat und somit all die tollen Bilder der Natur und ihren Beschreibungen im Buch zum Leben erwecken konnte. Ein Roman, auf dessen Verfilmung ich mich schon sehr freue!

 

Weitere Rezensionen

Video Anzeigen?

Wenn du eingebettete Videos auf dieser Seiten sehen möchtest, werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an den Betreiber des Videoportals gesendet. Daher ist es möglich, dass der Videoanbieter deine Zugriffe speichert und dein Verhalten analysieren kann.

Wenn du den Link hier unten anklickst, wird ein Cookie auf deinem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass du der Anzeigen von eingebetteten Videos in deinem Browser zugestimmt hast. Dieses Cookie speichert keine personenbezogenen Daten, es erkennt lediglich, dass eine Einwilligung für die Anzeige der Videos in deinem Browser erfolgt ist.

Erfahre mehr über diesen Aspekt der Datenschutzeinstellungen auf dieser Seite: Datenschutzerklärung

Videos anzeigen

Alternativ kannst du auch diesen Link benutzen, der dich direkt zum Video auf die Website des Videoanbieters bringt: https://youtu.be/ES6f7mI203o

Delia Owens stellt ihren Roman “Der Gesang der Flusskrebse” im Video persönlich vor.
Am 14.06.2019 von HanserVerlag veröffentlicht.

 

Vielleicht interessiert dich auch

Loading Likes...

Only registered users can comment.

  1. Hi, komisch, ich dachte, ich hätte schon kommentiert. Na, dann aber jetzt.
    Wie du ja bestimmt weißt, mag ich diese langsamen, leisen Geschichten mit innerer Entwicklung total gerne. Zudem kommt, dass ich mir als Kind auch Geschichten ausgemalt habe, in denen Menschen alleine im Wald leben 😀
    Das Buch hab ich mir definitiv notiert.
    Was würdest du sagen – Buch oder Hörbuch?
    LG
    Daniela

  2. Hey! Super, dass du das auch rezensiert hast! Ich muss zugeben, als ich es das erste Mal in der Bücherei sah, sprachen mich Titel und Klappentext nicht an, auch in Buchgruppen scrollte ich weiter. Nachdem dasCover aber immer häufiger zu sehen war und die Leute ja scheinbar sehr begeistert sind, hat es nun doch meine Aufmerksamkeit. Deine Rezi und der Satz, einfach nicht in diese Welt passen zu können (genauso fühle ich mich manchmal) machen mich aber nun auch sehr neugierig drauf! Lg, Kathrin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu