Der Kartograph
Graphic Novel / Comic / Bildband | Rezensionen

[Buchvorstellung] Der Kartograph – JIRO TANIGUCHI

27. März 2020

#347 Rezension
#7 #ComicMärz

Nun mal wieder ein Comic / eine Graphic Novel mit etwas leichterem Thema. Hier geht es um die Vermessung der Stadt Tokio, damals Edo genannt.

 

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Buchbeschreibung

Japan zu Beginn des 19. Jahrhunderts…
Neugier, Wissensdrang und ein hohes Maß an Achtsamkeit bestimmen die Schritte des Mannes, dessen Messungen, Notizen und Zeichnungen sich zur ersten Landkarte Japans zusammenfügen.

Jiro Taniguchi nimmt Leben und Wirken des Kartographen Ino Tadataka zum Anlass, die Edo-Periode zu porträtieren. Neben berühmten Malern und Holzschnitzern wie Hokusai oder Hiroshige prägten Haiku-Dichter wie Basho und moderne Spielarten des Theaters wie das Joruri diese Zeit des Aufbruchs. Mit konzentriertem und liebevollem Blick lenkt Jiro Taniguchi die Aufmerksamkeit auf das Gesellschafts- und Alltagsleben im historischen Edo, dem heutigen Tokyo.

DER KARTOGRAPH überrascht mit neuen Perspektiven: zu Lande, zu Wasser und in der Luft – jedes Element erweckt die Leidenschaft des Wissenschaftlers. Und wie kein anderer versteht es Jiro Taniguchi, die Entdeckungen des Kartographen zu Erfahrungen des Lesers und Betrachters zu machen.

 

Meine Meinung

Mit dieser Graphic Novel begeben wir uns nach Japan, besser gesagt nach Edo, wie das heutige Tokio damals hieß.

Jiro Taniguchi gibt Einblicke in das Tokio aus dem 18. Jahrhundert wieder. Dabei folgen wir dem Kartographen Ino Tadataka, der die Stadt damals zu Fuß vermaß. Auf seinen vielen verschiedenen Wegen durch die Stadt, lernen wir etwas die Menschen und die Kultur kennen, die sich bis heute noch ziemlich von unserer westlich-europäischen unterscheidet.

Der Kartograph
© Carlsen Verlag
Der Kartograph
© Carlsen Verlag

Die Zeichnungen sind klar, sehr detailliert und wirklich wunderschön! Jiro Taniguchis Zeichenstil ist einer der schönsten, die ich bisher gesehen habe! Ich bin verliebt in diese feinen Striche, schönen Gesichter und kleinen Menschlein. Auch reine Naturbilder zu betrachten sind eine wahre Wonne!

Auf vier Seiten, recht weit am Anfang, findet man colorierte Bilder. Und ich persönlich finde sie noch schöner als die schwarz-weiß Zeichnungen. Sehr schade, dass die gesamte Graphic Novel nicht in diesem farbigen Stil herausgegeben wurde.

 

Der Kartograph
© Carlsen Verlag
Der Kartograph
© Carlsen Verlag

Leider ist der Inhalt der Graphic Novel recht langweilig. Irrtümlich vermittelt der Titel “Der Kartograph” die Vorstellung, man würde hier eine graphische Biografie von Ino Tadataka lesen. Dem ist jedoch nicht so. Ein wenig erfährt man über den Kartographen, doch dem Grunde nach liest man sich durch eine Sammlung von Kurzgeschichten über Edo aus Sicht von Ino Tadataka. Nicht schlecht aber auch nicht besonders fesselnd.

Oftmals ist nicht klar zu erkennen, wer gerade das sagt, das man in einer Sprechblase lesen kann. Hin und wieder hat mich das gestört. Gerade, wenn ein Bild eine Menschenansammlung zeigte, hätte ich mir eine Zuordnung der Sprechblasen gewünscht.

Sehr gut gefallen hat mir das Glossar am Ende, das die historischen und kulturellen Ereignisse, Namen, Begebenheiten… näher erklärt.

 

Fazit

Eine wunderschön gezeichnete Graphic Novel, von der ich jedoch etwas mehr erwartet hatte. Das Potential war hoch, insbesondere, was die Figur des Kartographen angeht. Eine zusammenhängende Erzählung mit etwas mehr Spannung hätte ich ganz toll gefunden.

 

Weitere Recherche zu Ino Tadataka

– Beitrag in Wikipedia.
– Betrag “Alte Ino Tadataka Residenz” in Japan Hoppers.
– Beitrag “Map of Japan by Ino Tadataka” in nkh world – japan vom 15.10.2015
– Beitrag “Mapping a Nation: Japan’s Most Famous Cartographer, Inō Tadataka” in nippon.com vom 30.01.2020

Über Jiro Taniguchi

Jiro Taniguchi wurde 1947 in Tottori, Japan, geboren und gilt heute weltweit als einer der renommiertesten Mangazeichner. Seine Karriere als Zeichner startete er 1972 mit dem Manga »Kareta Heya«. Ab 1974 entstanden unter der Mitarbeit des Journalisten Natsuo Sekikawa Kriminalstorys, zu Beginn der 1980er Jahre schuf er mit Szenarist Carib Marley mehrere Boxergeschichten. An der Serie »Botchan no Jidai Kara« (dt. etwa »In der Zeit von Botchan«), einem Werk über das intellektuelle Leben in Japan gegen Ende des 19. Jahrhunderts, arbeitete der Zeichner ab 1986 und wurde mit Erscheinen des fünften Bandes im Jahr 1998 dafür mit dem Osamu-Tezuka-Culture-Award geehrt.

Neben weiteren Genre-Arbeiten wie »NY no Benkei« (übers. »Benkei in New York«, 1994) begann Taniguchi in den 1990er-Jahren seinen Geschichten einen persönlichen Ton zu geben und aus dem Alltäglichen heraus zu erzählen. So entstand neben »Inu o Kau« (dt. TRÄUME VON GLÜCK), einer einfühlsamen Schilderung des Sterbens eines Haustieres, die Kurzgeschichtensammlung »Aruku Hito« (dt. DER SPAZIERENDE MANN). 1994 folgte »Chichi no Koyomi« (dt. DIE SICHT DER DINGE), 1997 erschien der Band »Harukana Machi-E«, für den er auf dem internationalen Comicfestival in Angoulême 2003 als bester Szenarist ausgezeichnet wurde. Dieses Schlüsselwerk erschien unter dem Titel VERTRAUTE FREMDE 2007 bei Carlsen und wurde auch in Deutschland bereits zweimal prämiert: als »Comic des Jahres 2007« sowie – auf dem Comic-Salon Erlangen 2008 – mit dem Max-und-Moritz-Preis als »Bester Manga«. Weitere Titel folgten, darunter der autobiografisch inspirierte Band EIN TOD IM WINTER über einen aufstrebenden Manga-Zeichner, den es in die Metropole Tokio zieht, sowie DER KARTOGRAPH, eine im historischen Edo angesiedelte Geschichte.

Jiro Taniguchi gilt heute weltweit als einer der renommiertesten Manga-Zeichner, dessen Werke auf Deutsch bei Carlsen und Schreiber und Leser erscheinen. Für einige Geschichten arbeitete er mit anderen Autoren wie Masayuki Kusumi (DER GEHEIME GARTEN VOM NAKANO BROADWAY und DER GOURMET) oder Autorinnen wie Hiromi Kawakami (DER HIMMEL IST BLAU, DIE ERDE IST WEISS) zusammen. Mit DIE WÄCHTER DES LOUVRE schuf Taniguchi 2014 ein großformatiges Album als Auftragsarbeit des Museum Louvre, das jährlich in Zusammenarbeit mit dem französischen Verlag Futuropolis berühmten Comickünstlern einen eigenen Blick auf die ehrwürdige Kulturinstitution gewähren lässt. Im Jahr 2016 erschien IHR NAME WAR TOMOJI, die Lebensgeschichte Tomoji Uchidas, die in den 1930er-Jahren den buddhistischen Shojushin-Tempel in Tachikawa gründete. Sensibel und eindringlich beschreibt Taniguchi ihre Kindheit und Jugend in einem Dorf am Fuße des Yatsugatake während der Taisho-Epoche (1912-1926).

2016 ehrte der Comic-Salon Erlangen den Künstler mit einer großen Ausstellung. Sein mit einer kleinen Rahmenhandlung versehener, komplett farbiger Bildband VENEDIG (der zunächst als Buchedition exklusiv für Louis Vuitton entstand), ist 2017 als reguläre deutsche Buchhandelsausgabe bei Carlsen erschienen.

Am 11. Februar 2017 verstarb Jiro Taniguchi im Alter von 69 Jahren. (Quelle: Carlsen Verlag)


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    1. Freut mich, dass ich dir was zeigen konnte, das dein Interesse geweckt hat!
      Jede*r, der*die die Beiträge vom #ComicMärz kommentiert, landet automatisch in Lostopf. Solltest du gewinnen, kannst du dir ja dieses Buch wünschen. 🙂
      GlG, monerl

  1. Danke für deine Rezension! Das Buch steht auch auf meiner Wunschliste, ist jetzt jedoch ein bisschen weiter nach unten gerutscht, da ich mir auch mehr davon versprochen hatte.
    Liebe Grüße
    Kerstin

    1. Vielleicht kannst du irgendwo mal in das Buch reinschauen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ob es was für dich ist. Den Zeichenstil bewundere ich! Ich finde ihn wirklich total schön. Deshalb bin ich auch ziemlich geknickt, dass mich die Story nicht mitreißen konnte. Die Bilder anschauen macht großen Spaß. Am meisten gefallen hat mir die letzte Geschichte mit den Ameisen. Der Rest ist nicht unbedingt schlecht aber riss mich halt nicht wirklich vom Hocker.
      GlG, monerl

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