Der Mann meines Bruders Reihe
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[Buchvorstellung] Der Mann meines Bruders – Reihe – GENGOROH TAGAME

4. Mai 2020

#357 Rezension

 

Buchbeschreibung

Der überraschende Besuch von Onkel Mike in dem beschaulichen japanischen Städtchen entzückt seine Nichte Kana, wirft den alleinerziehenden Vater Yaichi aber vollends aus den wohlgeordneten Bahnen seines Lebens. Denn der Kanadier Mike Flanagan ist der hinterbliebene Ehemann von Yaichis verstorbenen Zwillingsbruder Ryoji, der als Erwachsener die Akzeptanz seiner Sexualität im Ausland suchte. Mike will mit seinem Besuch endlich die japanische Verwandschaft kennenlernen und seine Trauer um Ryoji teilen, während Yaichi sich gedanklich seinem Zwillingsbruder erst wieder annähern muss. Hat er damals seinen Bruder genügend unterstützt, als der ihm seine Homosexualität gebeichtet hat? Oder fühlte sich Ryoji von ihm im Stich gelassen? Die ganze Nachbarschaft bebt unter Mikes Besuch, denn einen großen bärtigen Kanadier haben die wenigsten bisher in ihrem Zuhause gesehen und wer weiß schon, was alles passieren kann, wenn man mit der “Invasion des Fremden” konfrontiert wird!!

 

Meine Meinung

Auf diese Reihe bin ich beim Buchvogel gestolpert und war sofort Feuer und Flamme! Sogleich ging eine Bestellung an die Buchhandlung raus und ich freute mich sehr, als ich alle vier Bücher in Händen hielt.

Zu Band 1:
Im ersten Band lernen wir den alleinerziehenden Vater Yaichi und seine kleine Tochter Kana kennen als der Kanadier Mike eines Tages vor ihrer Tür steht und ihnen mitteilt, dass er der Ehemann des verstorbenen Ryoji ist.

Gengoroh Tangame behandelt in diesem Band die Vorurteile der (japanischen) Gesellschaft über gleichgeschlechtliche Paare und zeigt die Berührungsängste, die viele cis-Männer mit Schwulen haben. Yaichi macht sich Sorgen darüber, was die Nachbarn sagen werden, dass Mike ihn anmachen würde, dass Mike ein schlechtes Vorbild für Kana sein könnte, wogegen Kana in ihrer offenen, herzlichen und kindlichen Art Mike sofort als Onkel annehmen kann. Yaichi wusste über die sexuelle Neigung seines Zwillingsbruders Bescheid aber er hat sich nie aktiv damit auseinandergesetzt und lieber in Kauf genommen, sich von seinem Bruder zu entfernen, als sich dem zu stellen und mit Ryoji darüber zu sprechen.

Zu Band 2:
Im zweiten Teil sehen wir kleine Fortschritte im Denken und Handeln von Yaichi. Es erfolgt eine Sensibilisierung. Yaichi denkt über die Pflichten von Eltern nach und wie es Kindern / Jugendlichen ergeht, die sich niemandem, nicht einmal ihren Eltern, anvertrauen können. So schließt sich die Brücke zu seinem Bruder. Yaichi überlegt, wie es für seinen Bruder sein musste, zu wissen, dass er Männer liebte, sich in Japan aber mit dieser sexuellen Neigung im Schatten halten musste, um nicht diskriminiert und abgelehnt zu werden. Was wäre, wenn Kana eines Tages ihrem Vater eröffnen würde, dass sie eine Freundin hat und diese heiraten möchte? Dieser Gedanke schwirrt auch in Yaichis Kopf herum, er möchte sich ihm aber noch nicht stellen.

Der Mann meines Bruders 1
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Der Mann meines Bruders 1
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Der Mann meines Bruders 1
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag

Zu Band 3:
Hier stellt der Künstler die etwas andere Familie vor und dass es auch so funktionieren kann. Mike wohnt als schwuler Onkel immer noch bei dem alleinerziehenden Vater. Doch es gibt auch noch die Mutter von Kana. Natskuki und Yaichi sind geschieden, doch ihre Tochter lebt beim Vater. So macht eines Tages diese ungewöhnliche Familie zusammen einen Kurzurlaub. Yaichi macht sich Gedanken darüber, wie diese Familie auf andere wirkt. Kana dagegen hat ihren Onkel sehr ins Herz geschlossen und vermisst ihn sehr, wenn Mike auch mal einen Abend alleine verbringt.

Zu Band 4:
Yaichi wird in diesem Band damit konfrontiert, dass das Umfeld, als auch die Schule von Kana darüber Bescheid wissen, dass Kana einen Onkel aus Kanada hat, der mit ihrem verstorbenen Onkel verheiratet war. In der Schule spricht er öffentlich aus, dass Mike Kanas Onkel ist und dass er sich von dem Lehrer wünscht, dass er sich für Kana einsetzt und sie vor Mobbing schützt. Hier ist deutlich zu erkennen, dass Yaichi Mike akzeptiert hat und ihn zur Familie zählt. Die Zeit mit Mike und das gegenseitige Kennenlernen hat Yaichi die Angst vor Mike und dem Thema genommen. Für Yaichi ist Mike mittlerweile einfach ein Mensch, egal welcher sexuellen Neigung. Yaichi ist nun in der Lage mit Mike über seinen Bruder zu sprechen und ihn durch Mikes Augen als Erwachenen neu zu entdecken und sich Bilder aus dem gemeinsamen Leben mit Mike anzuschauen. Der Urlaub von Mike endet und Yaichi und Kana müssen sich von Onkel Mike verabschieden. So traurig die beiden waren, so schwer war auch mein Herz. Es fiel mir nach diesen vier Bänden sehr schwer, mich von all den liebgewonnenen Figuren zu trennen.

Der Mann meines Bruders 1
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Der Mann meines Bruders 2
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag

Zur Buchgestaltung:
Dies ist eine sehr schöne Manga-Reihe. Sie wird nach der japanischen Leserichtung von hinten nach vorne gelesen. Wer das nicht weiß, wird auf der ersten Seite darüber aufgeklärt, dass man zum vermeintlichen “Ende” blättern soll und dass dort die Geschichte beginnt. Die ersten beiden Seiten sind in Farbe, der Rest schwarz-weiß. Der Zeichenstil Gengoroh Tagames ist sehr schön. Es machte mir großen Spaß die Bilder zu betrachten. Der Zeichenstil ist nicht verkünstelt, was mir sehr gefiel. Oftmals sind mir japanische Manga künstlerisch zu lieblich. Diese meistens groß gezeichneten Augen wirken auf mich sehr kindlich.

Zur Aufklärung:
In jedem Band gibt es zwei Kurse, in denen der Autor auf wichtige Themen aus dem Bereich LGBTQ eingeht und leicht verständlich erklärt. Im Band 1 z.B. geht es um die gleichgeschlechtliche Ehe und die Bedeutung des Rosa Winkel, “The Pink Triangle”. Das finde ich sehr gelungen. Hier konnte auch ich dazulernen.

Fazit

Eine sehr gelungene, herzerwärmende Reihe, die zur Aufklärung einen guten Beitrag leistet, ohne unangenehm zu belehren. Traurig, humorvoll und auch realitätsnah wird das Thema Homosexualität behandelt. Eine wunderbare Reihe, die sich sehr gut dazu eignet, sie gemeinsam mit seinem Kind zu lesen und über das Thema zu sprechen. Absolute Kauf- und Leseempfehlung!

 

Die Reihe

Der Mann meines Bruders 1
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Der Mann meines Bruders 2
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Der Mann meines Bruders 3
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Der Mann meines Bruders 4
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag

Demnächst erscheinen

© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Unsere Farben 2
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag

Über Gengoroh Tagame

Geboren 1964, Mangaka, Gay Erotic Artist

1986 schloss Gengoroh Tagame die Kunsthochschule  Tama ab und wurde Art Director. Neben dieser Arbeit veröffentlichte er bereits verschiedene Manga in Schwulenmagazinen und illustrierte Romane. Seit 1994 arbeitet Tagame hauptberuflich als Autor und veröffentlichte zahlreiche Yaoi-Manga, viele davon auch in andere Sprachen wie Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch.

Gengoroh Tagame ist als Künstler vorwiegend ausserhalb Japans aktiv. Er nahm an Austellungen in Paris Berlin und New York teil. Zahlreiche seiner Werke finden sich ausserdem in verschiedenen Anthologien und Artbooks wieder.

Der studierte Grafiker kam schon 1982 zum Manga zeichnen. In „Der Mann meines Bruders“ war es ihm als offen lebender Homosexueller ein Bedürfnis, seine Mitbürger für die Rechte von Schwulen und Lesen zu sensibilisieren. Dies ist seine erste All-Age-Serie, die einem breiten Publikum bekannt wurde.

 

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  1. Was ist ein Mangastil? XD
    das gibts nicht wirklich, zumal man Manga auch in deutscher Leserichtung kaufen kann, ist also eher japanische Leserichtung richtig 😛

    Hab die Reihe mal im Podcast vorgegestellt. Freu mich schon auf die neue Reihe von dem Mangaka :3

    1. Ich dachte, dass ein echter Manga grundsätzlich von hinten nach vorne gelesen wird. Wenn man einen Manga in deutscher Leserichtung kaufen kann, dann ist das extra für den deutschen Markt so gemacht worden. Wenn das nicht stimmt, werde ich das oben korriegieren. 😀 So lernt man immer dazu!
      Kann ich diesen Podcast noch finden? Wenn ja, werde ich ihn sehr gerne oben verlinken. Das würde gut passen.

      Ich freue mich auch total auf die nächste Reihe. Werde sie sofort kaufen, sobald sie zu haben ist. 🙂
      GlG, monerl

      1. Mir geht es um das Wort “Mangastil” egal ob echt oder unecht, selbst wenn es für den deutschen Markt gemacht wurde.
        Es heißt “japanische Leserichtung”, zumindest gehst damit sicher.
        Theoretisch gelten auch Comics als Manga, wenn deren Stil und Erzählung sehr stark dem japanischen Vorbild ähneln: also wenn ein dt. Künstler so einen Comic herausbringt, spricht man auch von auch Manga.

        und hier hab ich die Reihe vorgestellt: joah … kann hier nix reinkopieren, hast du gesperrt XD
        Comicklatsch Folge 14

        1. Alles klar, danke für die Info. Werde das dann oben ändern. 🙂

          Ich habe das Kopieren auf der Seite gesperrt wegen Hotlinking gesperrt. Leider wird damit auch das Einfügen von kopierten Texten oder Links gesperrt. Bisher kann man das nicht separat zulassen. Wollt ich mal hinschreiben und anfragen, ob das geändert werden könnte. Ich suche mal nach der Folge…

          1. reagier immer n bissl allergisch, wenn ich über so was stolper, mein das auch nie böse 😛
            Mag diese Eindeutschung nicht – zB kann mann Mangas sagen, ist man aber ein Obernerd (hüst) und mag die japanische Sprache, sagt man auch in Deutschland Manga, wenn man die Mehrzahl sagt. Warum? Das japanische Wort “Mangas” gibt es nicht. Einzahl = Mehrzahl. Im englischen hab ich das bsw. auch noch nicht gesehn.

            Unnötiges Wissen zum Donnerstag XD

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