Der Raum in dem alles geschah
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Der Raum, in dem alles geschah: Aufzeichnungen des ehemaligen Sicherheitsberaters im Weißen Haus – JOHN BOLTON

4. November 2020

Heute ist der Tag danach, der 04. November 2020. Gestern waren die Präsidentschaftswahlen in den USA und die Gefahr ist noch nicht gebannt. Trump kann immer noch der wiedergewählte Präsident werden. Und ich bin deprimiert! Ich hatte so gehofft, dass wenn ich diese Rezension veröffentliche, ich mit diesem Buch eine Vergangenheit beschreiben würde. Doch leider ist das heute ein Wunschtraum! Durch das sowieso ungerechte und schwierige amerikanische Wahlrecht über die Wahlmänner, erschwert dieses Jahr zudem Corona die Situation und den Gang zur Urne. Es gab noch nie so viele Briefwähler in Amerika wie dieses Jahr. Deshalb wird sich die Auswertung der Stimmen noch eine Weile hinziehen. Doch Trump hat sich schon jetzt zum Sieger erklärt und hat ausgerufen, er wird gegen ein anders Ergebnis gerichtlich vorgehen. Ich sorge mich, wie das alles am Ende ausgehen wird!

 

#388 Rezension

 

Buchbeschreibung

John Bolton diente 519 Tage als Sicherheitsberater unter Donald Trump, zumeist »in dem Raum, in dem alles geschah«. Mit beinahe täglichen Treffen zählte er zu den engsten Vertrauten des US-Präsidenten. Doch was er da sah, überraschte ihn. Er musste erfahren, dass es Trump gar nicht um das Wohl der Nation geht, sondern immer nur um Selbstinszenierung und darum, mit allen Mitteln wiedergewählt zu werden.

In seinem Buch berichtet Bolton aus erster Hand über Trumps Verfehlungen, seine rechtswidrigen Aussagen und Handlungen. Der ehemalige Nationale Sicherheitsberater des Präsidenten verfügt über exklusives Detailwissen und Insiderinformationen bezüglich der Machenschaften des mächtigsten Mannes der Welt.

So beantwortet Bolton die Frage, inwieweit Trump manipulativ auf die Regierung von Kanzlerin Merkel einwirkt, und deckt zahlreiche streng geheime Informationen über Trumps Verwicklung in unzulässige Ermittlungen des Justizministeriums auf. Er verrät pikanteste Details aus dessen Verbindungen in die Unruheherde der Welt, beispielsweise Russland, Nordkorea und Syrien, und äußert sich detailliert zur Ukraine-Affäre. Er zeigt, wie Trump mit Hilfe des ukrainischen Präsidenten seine Gegner zu denunzieren versuchte.

Bolton enthüllt Trumps erschreckende Inkompetenz in außenpolitischen und Verfassungsfragen: Der Präsident bietet Diktatoren seine persönlichen Dienste an, lobt die chinesischen Internierungslager und überlegt laut, mehr als zwei Wahlperioden zu regieren. Er weiß nicht, dass Großbritannien über Atomwaffen verfügt und dass Finnland nicht zu Russland gehört. Ja, er überlegt, aus der NATO auszusteigen und in Venezuela einzumarschieren.

Diese Dokumentation aus dem innersten Kreis der Macht rechtfertigt ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump – weshalb das Weiße Haus seine Veröffentlichung mit allen Mitteln zu verhindern suchte.

 

Meine Meinung

Der Autor ist kein Unbekannter auf der amerikanischen Politikbühne. Wenn man sich seinen Lebenslauf und all die Ämter anschaut, die er schon inne hatte, wird einem schwindelig. Dabei fällt eines auf, John Bolton ist Republikaner durch und durch! Er teilt zum Großteil dieselben konservativen Werte mit Donald Trump. Oftmals hat er sogar noch strengere und konservativere Vorstellungen / Einstellungen, insbesondere zu den Themen Krieg, Beziehungen zum Iran usw. Meiner Meinung nach ist er ebenso wenig ein besonders offener und menschenfreundlicher Zeitgenosse, wenn man ihn mit Trump vergleicht.

Wenn man sich mit der Person John Bolton und seinem Hintergrund etwas intensiver beschäftigt, kann man seine Aussagen und Intentionen im Buch besser einordnen und verstehen.

Wir erfahren, wie der Autor ins Team des damals neu gewählten amerikanischen Präsidenten gekommen ist. Der Weg war nicht unbedingt gradlinig, wie man der damaligen Berichterstattung entnehmen kann.

Bolton erzählt recht ausführlich wie Politik mit und unter Trump gemacht wird und es ist irgendwie genau so, wie man es sich gedacht hat hat: Von eine bestimmten Riege in seinem Umfeld fühlt er sich bevormundet, mit dem anderen Teil gibt es Besprechungen und Absprachen, die er wieder in Eigenregie teilweise nach Lust und Laune zunichte macht und seine Um-Entscheidung per Twitter für alle verteilt. Jeder neue Tag ist für die Regierungsmitglieder eine Art Überraschungsei. Wenn sie aufwachen, schauen sie Nachrichten und in Twitter, um zu sehen, ob Donald nicht etwas furchtbares fabriziert hat.

Nach all diesen Seiten wird deutlich, dass der Autor ebenso von sich überzeugt ist, wie wir es von Trump kennen. Bolton ist sehr von sich überzeugt, von seiner Intelligenz und seinem strategischen Können. Aus dieser Sicht war es deshalb sehr interessant als auch sehr beängstigend zu lesen, wie mit den heißen Themen Beziehungen zu China und Russland, Umgang mit dem Iran, der damalige Konflikt in Venezuela, Verhandlungen mit Nordkorea usw. umgegangen wurde und wer wie wann etwas zu sagen hatte.

Die Quintessenz dessen, die alle, die sich für Politik interessieren, schon geahnt haben, bekommen hier von John Bolton bestätigt: Donald Trump geht es nur um ihn selbst. Er versucht sich gut dastehen zu lassen, wie auch seine Familie. Bringt ein “Deal” ihn oder seine Familienmitglieder positiv ins Rampenlicht, war das Geschäft erfolgreich. Alles andere an Politik interessiert ihn nicht. Er hat kein echtes historischen Wissen und auch keine Ahnung von Geografie. Weltpolitische Abhängigkeiten begreift er ohne intensives Briefing kaum. Sein Verhandlungsgeschick ist begrenzt und man kann sogar dankbar sein, dass er manchmal so unenschlossen und sprunghaft handelt und entscheidet, denn das brachte es mit sich, dass unter Trump kaum Kriege geführt wurden. Wäre es nämlich nach Bolton gegangen, hätte es mindestens einen Krieg, nämlich mit dem Iran, gegeben, wie man seinen Worten im Buch entehmen kann.

 

Fazit

Ein Buch, von dem ich mir mehr versprochen hatte. Dennoch ist es nicht umsonst gewesen, sich durch all die Seiten zu lesen. Eine Qual war es nicht, keineswegs. Es war eher sehr beängstigend, wie ein absolut unfähiger Mann sich dennoch so lange auf dem Präsidentenstuhl halten konnte. Was noch schlimmer ist, alle wissen es, alle leiden mit und unter ihm und dennoch lassen sie es weiter zu, dass so jemand das einst bewundernswerte Land zerstört.

 

Weitere Rezensionen

– wird nachgetragen –

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Ich danke Agentur Literaturtest sowie dem Verlag Das Neue Berlin, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Hallöchen,
    das hört sich nach einem netten, süßen Büchlein an. Du schreibst, dass Du den Preis etwas überzogen siehst. Du hast aber keinen Preis genannt oder geschrieben, was angemessen wäre…. 72 Seiten für 4-Jährige finde ich ordentlich…..
    Gruß Hilly
    Danke für die nette Vorstellung mit Erfahrung durch Deine “Kleinen” .

    1. Liebe Hilly,
      du hast deinen Kommentar unter das falsche Buch geschrieben. Würdest du ihn nochmal unter “Knubbels Geschichten” schreiben, dann könnte ich dir dort antworten und diesen Kommi würde ich löschen. 🙂
      GlG, monerl

    1. Hallo Anette,
      er klammert sich an seinen Posten wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Ich habe große Sorge, was er alles noch anrichten wird, bis er (hoffentlich) das Zepter abgeben muss.
      GlG, monerl

    1. Liebe Karin,
      ja, kommt nicht drum herum um das Thema. Ich persönlich bin lieber von verschiedenen Seiten informiert als mich abzuschotten, auch wenn es manchmal, so wie hier, wehtut. Hoffen wir das Beste, die Stimmauszählungen sind noch nicht vorbei.
      GlG, monerl

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