Der Weizen gedeiht im Süden
Fantasy / Sci-Fi / Dystopie / Steampunk | Rezensionen

[Buchvorstellung] Der Weizen gedeiht im Süden – ERIK D. SCHULZ

23. Juni 2020

#364Rezension

 

Buchbeschreibung

Ein Atomkrieg hat das Leben in der nördlichen Hemisphäre vernichtet. In einem hochtechnisierten Bunker in den Schweizer Alpen hoffen 300 Überlebende auf eine Zukunft. Doch Getreidepest und ein soziopathischer Killer nehmen dem Bunker die Lebensgrundlagen. Verzweifelt wagt Dr. Oliver Bertram zusammen mit seiner Tochter und einer kleinen Gruppe die gefährliche Flucht hinaus in den nuklearen Winter. Ihr Ziel ist Afrika, der einzige Ort, an dem menschenwürdiges Leben noch möglich scheint. Eine lange Reise durch einen lebensfeindlichen Kontinent liegt vor ihnen, die die Flüchtlinge nicht ohne Opfer hinter sich bringen können.

Erik Schulz engagiert sich in der Organisation der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges. Seine Expertise für Bunkeranlagen und die Folgen nuklearer Katastrophen sorgt dafür, dass seine Geschichte erschreckend authentisch wirkt.

 

Meine Meinung

Dies ist eines dieser Bücher, die unscheinbar daherkommen und wenn man sie gelesen hat, lange nachwirken.

Es geht hier um Endzeit, die Postapokalypse in Europa. Durch politische Unstimmigkeiten und verbale Kriege kommt es zum Äußersten, womit keiner gerechnet hat. Die Finger am roten Knopf widerstanden nicht, sondern drückten ihn. Der Atomkrieg zerstörte ganz Europa. Dass dies geschehen könnte dachten sich ein paar kluge Köpfe und bauten an verschiedenen Standorten Bunker, in denen eine Anzahl von Menschen sich für sehr teures Geld ihren Platz in der Zukunft sichern konnten. Der erste Teil spielt in so einem Bunker in der Schweiz.

Weniger Leute, als Plätze erkauft wurden, befinden sich darin, denn nicht jede*r schaffte es rechtzeitig dorthin. Diese Bunker versorgen sich autark. Es wurden rechtzeitig Vorräte reingeschafft, die ein langes Überleben unter Tage sichern sollen, mindestens, bis die Radioaktivität weniger geworden ist, sich die Ozonschicht etwas erholt hat und man evtl. wieder an eine Rückkehr an die Oberfläche denken könnte.

Wir lernen in diesem ersten Teil das Leben im Bunker und die wichtigsten Bewohner kennen. Und auch hier findet sich leider ein “Diktator”, der die vollumfängliche Macht an sich gerissen hat. Es stellt sich heraus, dass das Leben im Bunker nicht mehr sicher ist. Eine kleine Gruppe Menschen wagt den Widerstand und die Flucht nach oben.

Glücklicherweise ist Milizkommandant Haemmerli Teil der Gruppe. Er ist ortskundig und sieht sich in der Lage die Gruppe auf ihrer Flucht über die Alpen und dann weiter nach Afrika zu führen.

Als die Gruppe es dann endlich nach oben schafft, trifft nicht nur sie der Schlag. Der Autor hat das postapokalyptische Europa sehr gut dargestellt. Die verseuchte Landschaft, die extreme Kälte und der radioaktive Schnee, all das wirkt sehr authentisch und deshalb so beängstigend!

Die unterschiedlichen Charaktere mit ihren verschiedenen Eigenschaften reagieren natürlich nicht gleich auf die aufkommenden Strapazen und auch hin und wieder notwendige Gewalt. Es geht hier ums nackte Überleben, da kann man sich nur bedingt Empathie und Herzensgüte leisten.

Obwohl Teil 2 der schlimmste war, was das Überleben und die Gewalt der Natur angeht, übertrifft der dritte und letzte Teil für mich alles. Es ging mir psychisch nahe. Denn dort, in Afrika angekommen, erlebt der Rest der Gruppe, der es in den Sudan geschafft hat, ebenso schreckliche Zustände und teilweise unwürdige Behandlung, wie die heutigen Flüchtlinge in den verschiedenen Flüchtlingcamps quer durch Europa!

Alleine schon wegen des dritten Teils ist dieses Buch sehr lesenswert! Es bringt die Flüchtlingssituation zu den Europäern, die erstmals am eigenen Leibe erfahren wie es ist, nicht als vollwertiger Mensch behandelt zu werden. Wie es ist, einen Drecksplatz zugewiesen zu bekommen und sich um ein paar Nahrungsmittel zu prügeln, zu wissen, dass nur eine kleine Gruppe von Menschen es schaffen wird von dort wegzukommen und die Restlichen für Monate, sogar Jahre, ohne Zukunft dort festsitzen werden. Dafür lobe ich Erik D. Schulz!

Wahrscheinlich werden dieses Buch leider nicht die Lesen, die es lesen sollten, um über ihr Verhalten nachzudenken. Dennoch ist dieses Buch wichtig und gelungen!

Ich bin durch die Seiten geflogen und kann mir schließlich vorstellen, dass dieses Buch auch verfilmt wird. Als Film würde es funktionieren und ein breiteres Publikum ansprechen.

Meine kleine Kritik ist, dass es gut und gerne ein paar Kämpfe und Verstrickungen mehr hätte geben dürfen. Manchmal war es ein bisschen zu glatt. Ich hätte auch sehr gerne mehr über jeden Abschnitt erfahren! Diese Geschichte hätte noch intensiver und umfassender erzählt werden können, als auf 400 Seiten passte. Eventuell wäre der Stoff sogar für eine Trilogie geeignet gewesen, mit Buch 1 “Im Bunker”, Buch 2 “Das neue Europa” und Buch 3 “Als Flüchtlinge in Afrika”.

 

Fazit

Toller Plot, spannend und authentisch geschrieben, mit unterschiedlichen und interessanten Protagonisten gespickt, die viel durchmachen müssen, nahestehende Menschen sterben sehen und mehr als einmal aufgeben wollten. Und doch schafft es der Autor ein rundes Buch abzuliefern, das neben schlimmen auch schöne und hoffnungsvolle Zeiten zeigt. Absolut lesenswert, gerade in der jetzigen Zeit!

 

Weitere Rezensionen

____________________________

Ich danke der Agentur Buch Contact sowie dem acabus Verlag, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

____________________________

 

Mit diesem Buch mache ich mit bei der Linkparty Juni von Andreas Lesezimmer.

 

Vielleicht interessiert dich auch

Loading Likes...

Only registered users can comment.

  1. Ich hatte den Beitrag vor kurzem schon gelesen, aber am Handy komme ich immer nicht zum Kommentieren. Gut, dass ich jetzt einen Feedreader im Browser am PC habe und noch einmal über die Rezension stolpere. 🙂
    Das Buch war mir bis dahin gar nicht präsent, klingt aber sehr interessant!

    Liebe Grüße
    Mona

    1. Liebe Mona,
      irgendwie komme ich mit den Feedreadern nicht klar. Weiß auch nicht, warum ich die nicht so praktisch finde. Aber, wenn du dadurch öfters was kommentierst, finde ich das super! Muss ich auch wieder viel, viel öfters machen. Die letzten Monate klappte das nicht so. 🙁
      Das Buch ist wirklich super! Ich habe es verschlungen! Hoffentlich bekommt es mehr Aufmerksamkeit.
      GlG, monerl

  2. Hallo meine liebe, ich hab es ja geahnt, deine Rezension hat mich jetzt endgültig überzeugt, trotz deiner kleinen Kritikpunkte. Hab es eben bestellt….weiß zwar nicht wann ich zum Lesen komme, aber dann ist es wenigstens schon mal da *lach*
    Hab Dank für diese schöne Vorstellung, werde sie auch bei unserem Fremdlesen-Beitrag der am 28.06. online geht erwähnen.
    Eine schöne Restwoche noch für dich, liebe Grüße
    Kerstin:-*

    1. Hey Kerstin,
      das ist ja toll, dass du das Buch nun gekauft hast! Bin sehr auf deine Meinung gespannt. Was für den*die einen funktioniert, tut es das nicht unbedingt auch für den*die anderen. Aber ich bin fast sicher, dass auch du begeistert sein wirst, auch wenn das Buch noch ein bisschen warten muss, bis es dran ist. 😉
      Jetzt schon ganz lieben Dank für die Erwähnung in eurem Fremdlesen-Beitrag! :-*
      Mein “Urlaub” geht morgen zu Ende, dann habe ich hoffentlich wieder mehr Lesezeit. hahaha
      GlG, monerl

        1. Dann bin ich froh, dass das nicht seltsam für dich klang! 😀 Bei mir ist es nicht der Garten, sondern die Kinder. Bin am Abend dann selbst so ausgepowert, sodass ich mit ihnen einschlafe und nicht mehr aufwache. Erst so gegen 2 Uhr oder so, dann ist es zu spät, um wieder aufzustehen…

  3. Hallo Monerl

    Zur Zeit gibt es viele Bücher, die von der Apokalypse handeln. Das Schlimme, es könnte täglich passieren. Einen bissigen Virus haben wir ja schon. Ein Knöpfchen bräuchte nur noch gedrückt werden, dann bekommen wir den Rest. So Bunker mögen ja für viele reichen Menschen erstrebenswert sein. Vor vielen Jahren wurde mal ein Test durchgeführt. Man hat einige Menschen eine Zeit lang in so einen Bunker gesteckt. Die sind fast alle durchgedreht.

    Wie du schon erwähnt hast, es werden wieder nicht die richtigen Leute lesen.

    Liebe Grüße,
    Gisela

    1. Hallo Gisela,
      ich lese mittlerweile Fantasy und Dystopien od. Entdzeit-/Apokalyptische Romane sehr selten. Deshalb habe ich auch gar nicht so richtig mitbekommen, dass die wieder “In” sind. Kannst du mir ein paar nennen, die dir aufgefallen sind?
      Ja, man kann nicht lange in so nem Bunker leben. Die meisten Menschen bekommen einen Lagerkoller. Der wird auch hier im Bunker thematisiert. Es gibt dann immer wieder Leute, die versuchen an die Oberfläche zu kommen. Kann sie verstehen, es ist total schwer unter der Erde und dauerhaft im künstlichen Licht zu leben. Zudem noch mit einer bestimmten Gruppe, die man sich nicht ausgesucht hat.
      Das Buch ist wirklich super, kann es dir nur empfehlen!
      GlG, monerl

      1. “Leben” von Uwe Laub soll auch sehr gut sein. Sobald ich es gelesen habe, geb ich dir Bescheid. Sämtliche Bücher handeln von tödlichen Viren, verseuchter Erde und dem Aussterben sämtlicher Tierarten. Ich habe “Wuhan Diary” gelesen. Das fand ich echt auch schlimm. Vor allem weil es die ganze Welt betrifft. Aber das zählt halt nicht zu Dystopien. Das ist ein Jetzt Drama, welches die ganze Welt betrifft. Ansonsten “Anna” von Ammanti. Das ist auch sehr heftig. Auch da wird wieder alles auf dem Rücken junger Menschen ausgetragen. Wenn mir noch was einfällt, gebe ich dir Bescheid. Monerl, wir sollten was Lustiges lesen 😉

        1. Ach ja, Uwe Laub. Seine Bücher sind nichts für mich. Schon sein letztes hat mich nicht so angemacht.
          “Anna”, gut dass du mich an das Buch erinnerst. Das hab ich auf dem SuB. Das könnte ich hervorholen. Hab seit drei Monaten den SuB gänzlich vernachlässigt. Deshalb konnte ich auch nichts bei Manuela rückmelden. Ist die Challenge noch aktiv? Konnte keine neue Aufgabe bei ihr finden…
          Deine Rezi zu “Wuhan Diary” wollte ich noch lesen. Kam nicht dazu. Interessiert mich, wie du das Buch fandest.
          Mein Interesse an Büchern hat sich seit Corona nicht verändert. Mir macht das nichts aus. Hab nur viel, viel weniger Lesezeit seitdem, deswegen höre ich gerade fast ausschließlich. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu