Graphic Novel / Comic | Rezensionen

[Buchvorstellung] Die Adoption: Qinaya – ZIDROU / MONIN

6. August 2018

#243 Rezension


Buchbeschreibung

Wozu Weihnachten, wenn man kein Kind hat, mit dem zusammen man dieses Familienfest schlechthin feiern könnte? Für Lynette und Alain, Mitte vierzig, gehört diese Frage der Vergangenheit an. Nach einem verheerenden Erdbeben in Peru hoffen zahllose Waisen auf ein neues Zuhause, und das bis dahin kinderlose Paar adoptiert die kleine Qinaya. Die Ankunft der aufgeweckten Vierjährigen mit den großen, staunenden Augen wirbelt natürlich sofort das Leben aller Beteiligter durcheinander. Aber während sich einige mit Begeisterung in ihre neuen Rollen als Eltern oder Großmutter stürzen, erweckt bei Gabriel der Umstand, plötzlich Opa zu sein, allenfalls gemischte Gefühle. Ob es daran liegt, dass er nie die Zeit gefunden hatte, ein richtiger Vater zu sein? Die liebevoll erzählte und illustrierte Geschichte einer allmählichen Annäherung zweier Charaktere, wie sie unterschiedlicher kaum sein können, und eines alten Griesgrams an sich selbst.

Eine Geschichte voller überraschender Momente, die unweigerlich berühren.


Meine Meinung

Seit Kurzem habe ich meine Liebe für Comics bzw. für Graphic Novels wieder entdeckt. Ich weiß nicht genau, welche Definition diese beiden unterscheidet, doch das ist letztendlich zweitrangig.

Ganz sanft, fröhlich und positiv kommt die Geschichte daher. Ein schweres Unglück ist geschehen, viele Menschen sind gestorben und Familien wurden entzweigerissen. So auch Qinayas. Doch das kleine 4jährige Mädchen hat großes Glück! Es gibt eine französische Familie, die sie adoptiert hat und sich mit ihr so gerne als Familie vergrößern möchte. Alle empfangen Qinaya mit offenen Armen, nur der vermeintliche Großvater Gabriel nicht. Er muss sich erst daran gewöhnen, dass sein Sohn, nun auch schon Mitte 40, ein Mädchen aus einem so fremden Land als Tochter auf- und angenommen hat. Zu Beginn fällt es ihm sehr schwer. Doch es ist wunderschön zu beobachten und zu begleiten, wie die Kleine sein Herz erobert, sich dort einnistet und er sie nie mehr wieder gehen lassen möchte.  Ein schlimmes Ereignis droht nämlich die Familie auseinanderzureißen…

Wenn man sich in die Geschichte und die Bilder fallen lassen kann, dann erhält man hier eine wundervolle Story, die durch den feinen und farblich absolut getroffenen und auf die jeweilige Stimmung abgestimmten Zeichenstil, schön abgerundet wird. Oftmals sind keine Worte nötig, denn die Bilder sprechen ihre eigene Sprache. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Die Sequenzen zum Schmunzeln lockern die Geschichte auf, die am Ende nichts mehr zum Lachen übrig hat.

Mir hat sehr gut gefallen, dass die Geschichte auch Vorurteile der Gesellschaft Fremden gegenüber aufzeigt. So wird ein paar Mal mit Sprüchen auf Qinayas Herkunft eingegangen, wie sie üblicherweise so salopp von Menschen alltäglich eingeworfen werden, die entweder verletzen wollen oder ihre Worte nicht reflektieren und nicht merken, dass sie rassistisch sind.

Das erste Mal habe ich größeren Wert auf den Text gelegt, um zu verstehen, um was es geht. Im zweiten Durchgang habe ich mich auf die Feinheiten der Zeichnungen konzentriert und dabei sehr viele Kleinigkeiten entdeckt, die darlegen, wie intensiv sich der Zeichner mit der Geschichte und ihrer Ausstrahlung auseinandergesetzt hat. Bravourös!


© Splitter Verlag
© Splitter Verlag
© Splitter Verlag
© Splitter Verlag

Fazit

Wer eine Geschichte mit Tiefe auch mal aus einem anderen Blickwinkel entdecken möchte und dabei auf Worte verzichten kann, wird hier für seinen Mut belohnt. Wer auf visuelle Entdeckungsreise gehen will, der wird sich von dieser Graphic Novel / diesem Comic nicht mehr so schnell lösen und gleich Band 2 bestellen wollen. So wie ich. Denn Qinaya ist herzerwärmend und man möchte sie glücklich sehen.


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  1. Hallo Monerl,

    ich bin mir nicht mal sicher, ob es überhaupt einen (großen) Unterschied zwischen Comics und Graphic Novels gibt. Ich habe häufig das Gefühl, Buchmenschen benutzen lieber das Wort “Graphic Novel”, weil es nach mehr klingt. Das hört sich nach einer anspruchsvollen Geschichte, mit aufwendig gezeichnetene Bildern an. Bei Comics dagegen denkt man oft noch an das Lustige Taschenbuch oder Asterix und Obelix. So jedenfalls mein Eindruck.

    Aber zum Buch:
    Den Inhalt finde ich sehr ansprechend und auch die beispielhaften Zeichnungen sprechen mich an. Ich habe bisher nicht viel Erfahrung in dem Genre, aber dieser Graphic Novel wandert auf jeden Fall auf die Wunschliste.

    In der nächsten Woche werde ich einen Beitrag zu Aleshanees Stöberrundenaktion posten. Da werde ich deine Rezension auf jeden Fall verlinken 🙂

    Liebe Grüße
    Julia

    1. Liebe Julia,
      entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Hab gerade a bissl Stress…

      Dein Gedankengang kommt mir bekannt vor! 😉 Wobei ich nun wirklich viele Graphic Novels gesehen und gekauft habe, die sich mit ernsteren Themen beschäftigen. Nur das alleine kann nicht die Erklärung sein. Es gibt ja auch vielzählige Märchenadaptionen, die ebenfalls als GN betittelt werden. Weiß auch nicht… Ich jedenfalls hätte irgendwie schon gerne eine Definition, die verständlich ist. Was auch immer, ich mag die Umsetzung von Büchern durch dieses Format.

      Herzlichen Dank, dass dir der Beitrag so gefällt, dass du ihn in deiner heutigen Stöberrunde verlinkt hast! :-*
      GlG, monerl

    1. DU hast mich eigentlich wieder auf solche Bücher gebracht. hihi Lange Zeit sind die total an mir vorbeigegangen. Mit Mangas komme ich nicht so klar. Da passt mir in erster Linie der Zeichenstil nicht. Und dann reizt mich meistens auch der Inhalt nicht. Aber es gibt ja glücklicherweise auch andere Stile und Arten. Hab die Tage 3 spannende GNs bestellt, die erstere Themen behandeln. Bin gespannt wie ein Flitzebogen!

      Hab gestern den zweiten Band gelesen. Der ist sogar noch besser als dieser 1. Teil. Meine Besprechung kommt die Tage… 🙂
      GlG, monerl

      1. Aw, nun fühl ich mich geehrt :3
        Da wirst bald sicher neue Inspirationen bekommen für Käufe!

        Und ich bin auf deine Bestellungen gespannt 😀
        (Bd 2 hab ich übrigens auch schon geordert, müsste diese Woche ankommen)

        1. Ja, ich habe viele neue Inspirationen, nur nicht genug Geld! Die meisten solcher Bücher sind sooo teuer! 🙁

          Bin schon gespannt, wie dir Band 2 gefallen wird!

  2. Sehr berührend, Deine Buchvorstellung, liebes monerl. Ich mag ja illustrierte Bücher sehr gerne, aber mit den Graphic Novels (ich glaube fast, es ist nur ein gehobeneres Wort, um sie auch Erwachsenen anbieten zu können; Comics waren ja doch immer mehr etwas für Kinder) kann ich mich nicht so recht anfreunden. Ich habe es wahrlich versucht, habe einige über Sherlock Holmes oder von Agatha Christie, auch von Reinhard Kleist (“Der Boxer”). Aber ich bin gespannt, was Du in Zukunft noch so entdecken wirst.

    1. Liebe Anne,
      da magst du mit der Begrifflichkeit recht haben. Ich weiß es nicht. Aber ein anderer Name würde ja nichts am Inhalt ändern. Und wer keine Comics mag, der mag wohl auch keine GN. Da hilft eben nichts. Vielleicht befassen sich GN mit ernsteren Themen des Alltags und bilden diese visuell ab. Wenn ich an Comics denke, habe ich eher Geschichten mit mehr Humor vor Augen. Vielleicht könnte das ein Unterschied sein. Wenn dem so wäre, dann fände ich es auch ok. So weiß man, auf was man sich einlässt. Bis jetzt habe ich Anne Franks Tagebuch in dieser Art gelesen, wie auch Art Spiegelmans “Maus”. Zum Letzteren steht meine Rezi noch aus. Bei beiden habe ich jedenfalls gestaunt, wie gut und eindringlich diese schweren Themen bildlich eingefangen und umgesetzt wurden.
      Schade, dass du mit diesen Büchern nicht so gut zurecht kommst. Vielleicht waren nur noch nicht die richtigen dabei! Wer weiß, evtl. finde ich eins, das dich absolut begeistern wird. 😉
      GlG, monerl

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