Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Die Frau des Zoodirektors – DIANE ACKERMAN

28. Juni 2018

#233 Rezension
#VomSuBbefreit #GegenDasVergessen #GehörtUndGelesen


Buchbeschreibung

Eine wahre Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg

Während der Zweite Weltkrieg tobt, wird der Warschauer Zoo Schauplatz einer dramatischen Rettungsaktion, die über 300 Juden vor dem sicheren Tod bewahrt. Als Jan und Antonina Żabiński, der Zoodirektor und seine Frau, mitansehen, wie die Nazis in Polen einmarschieren, ist ihr Entsetzen groß. Die jüdische Bevölkerung wird im Warschauer Ghetto zusammengepfercht. Zeitgleich beginnen die Nazis den Zoo für ihre Zwecke zu nutzen, um ausgestorbene Tierarten rückzuzüchten. Als die Nazis den brachliegenden Zoo verlassen, nutzen die Żabińskis die Situation und schmuggeln Juden aus dem Warschauer Ghetto auf das Zoogelände, wo sie die Todgeweihten in den leeren Tierkäfigen verstecken. Sie retten ihnen damit das Leben.


Meine Meinung

Es hat sehr, sehr lange gedauert, doch ich hab es geschafft, dieses Buch zu beenden. Meine Kritik diesmal gleich zu Beginn, da dieser Punkt mein eigentliches und einziges Problem mit dem Buch darstellt: Das Genre. Die Autorin konnte sich nicht so richtig entscheiden, ob sie einen Roman auf wahren Begebenheiten erzählen möchte, oder ob sie ein Sachbuch schreiben soll. Herausgekommen ist für mich ein Sachbuch in Romanform, das mir persönlich nicht so gut lag.

Der Schreibstil ist sehr sachlich, die meiste Zeit informativ aber auch sehr distanziert. Die Autorin nimmt Bezug auf viele Quellen und auch Tagebücher von Antonina Żabiński. Dabei schreibt Diane Ackerman sehr ausufernd. Am Anfang verliert sie sich m.M.n. in unnötigen Beschreibungen der Tieraufzucht. Seitenweise wird der*die Leser*in über den Zoo und seine Tiere aufgeklärt. Bis sie zum Kernpunkt der Geschichte kam, hatte ich das erste Mal schon die Lust auf das Buch verloren. Ich erwartete eine Leidensgeschichte einer Familie im 2. Weltkrieg, die unter schlilmmsten Umständen trotzdem den Mut hatte, sich gegen das Belagerungsregime der Nazis in Warschau / Polen zu stellen und Juden zu helfen. Das bekam ich auch, aber erst musste ich mich durch viele wissenschaftliche Beschreibungen und Erklärungen quälen.

Jan Żabiński riskierte ständig sein Leben und schmuggelte Juden aus dem Warschauer Ghetto und brachte sie in den Zoo. Antonina, seine Frau, und auch sein Sohn kümmerten sich dann in der Villa um sie. Sie versteckten die Geflohenen und gaben ihnen eine Art Zuhause und Gemeinschaftsgefühl. Und das alles unter der Beobachtung und Besetzung des Zoos, über Jahre hinweg. Mit ihrem großen Einfallsreichtum gelang es ihnen auf diese Art und Weise ca. 300 Menschen das Leben zu retten!

“Retter schienen enscheidungsfreudig zu sein, konnten schnell denken, waren risikofreudig, unabhängig, abenteuerlustig, offenherzig, rebellisch und ungewöhnlich flexibel – imstande, Pläne schnell zu ändern, Gewohnheiten abzulegen und eingeschliffene Routinen von einem Moment zum anderen zu verändern. Sie  neigen dazu, unangepasst zu sein, und obwohl viele Retter bereit waren, für ihre Prinzipien zu sterben, betrachteten sie sich nicht als heldenhaft.” (eBook, S. 351)


Es ist unglaublich, was diese Familie und ihre Helfer geleistet haben! Und ich ertappe mich bei dem Gedanken und dem Wunsch, falls es je wieder nötig wäre, Menschen vor der Regierung und anderen Menschen (be)schützen zu müssen, den Mut zu haben und es den Żabińskis nachmachen zu können.

“Die Frau des Zoodirektors” ist ein sehr lesenswertes Buch! Es zeigt einen Ausschnitt der Gräueltaten des Krieges, wie sie sich im Nachbarland Polen zugetragen haben. Oftmals liest man Bücher über den 2. WK, doch meistens spielen sie in Deutschland. Für mich war dieses Buch deshalb ein interessanter Perspektivenwechsel.


Zum Hörbuch

Da ich mit dem Buch eine sehr lange Zeit pausiert habe, suchte ich die Motivation, um weiter zu machen, im Hörbuch. Das Hörbuch ist gekürzt und von Bibiana Beglau eingesprochen. Ihre Stimme und Lesart brachte mir den Spaß am Buch zurück. Die Sanftheit, mit der die Sprecherin das Buch las, brachte mir den Romancharakter zurück. So hörte ich das Buch und las parallel mit. Immer, wenn Textpassagen im Hörbuch ausgelassen wurden, machte ich stopp und las diese erst und machte dann wieder weiter mit dem Hörbuch.

Dies ermöglicht mir nun auch sehr gut den Vergleich zwischen Buch und Hörbuch. Abschließend kann ich deshalb sagen, dass, wenn man sich lediglich auf den Kern der Geschichte konzentrieren möchte, das Hörbuch zu bevorzugen ist. Im Hörbuch sind die Längen und die Ausführungen, die mich nicht so sehr interessierten, gekonnt herausgekürzt worden.


Fazit

Ein sehr interessantes Buch über eine faszinierende Familie, die ihr Leben für hilfsbedürftige Menschen auf Spiel gesetzt hat und sich selbst und den eigenen Werten treu geblieben ist. Ein Buch, das ganz deutlich aufzeigt, dass so etwas nie mehr wieder passieren darf und was es bedeutet, wenn die Meschlichkeit verloren geht.


Weitere Rezensionen

+     Leckere Kekse

+/-  Literameer

–      Ein Kunde auf Amazon


Zum Film

Video Anzeigen?

Wenn du eingebettete Videos auf dieser Seiten sehen möchtest, werden personenbezogene Daten (IP-Adresse) an den Betreiber des Videoportals gesendet. Daher ist es möglich, dass der Videoanbieter deine Zugriffe speichert und dein Verhalten analysieren kann.

Wenn du den Link hier unten anklickst, wird ein Cookie auf deinem Computer gesetzt, sodass die Website weiß, dass du der Anzeigen von eingebetteten Videos in deinem Browser zugestimmt hast. Dieses Cookie speichert keine personenbezogenen Daten, es erkennt lediglich, dass eine Einwilligung für die Anzeige der Videos in deinem Browser erfolgt ist.

Erfahre mehr über diesen Aspekt der Datenschutzeinstellungen auf dieser Seite: Datenschutzerklärung

Videos anzeigen

Alternativ kannst du auch diesen Link benutzen, der dich direkt zum Video auf die Website des Videoanbieters bringt: https://youtu.be/JFIcB0cZxFo


Vergleich Buch ./. Film

Grundsätzlich bevorzuge ich das Buch. Doch in diesem Fall ist es umgekehrt. Der Film ist genau so, wie ich mir das Buch vorgestellt hatte: Eine greifbare Geschichte, die zu Herz rührt und dennoch sehr invormativ ist. Den Film habe ich sehr gerne gesehen und kann ihn weiterempfehlen.


Vielleicht interessiert dich auch

Loading Likes...

Only registered users can comment.

  1. Hallo Monerl,
    Um das Buch schleiche ich schon eine Weile herum. Es klingt wirklich toll und inspirierend. Besonders neugierig macht mich, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt.
    Der Schreibstil scheint ja sehr besonders zu sein, wenn du so deine Schwierigkeiten damit hattest. Hast du “Schindlers Liste” gelesen? Das hat sich für mich auch eher wie ein Sachbuch oder eine Dokumentation gelesen, was ich bei diesem krassen und sehr emotionalen Thema aber gerade gut fand. Sonst hätte ich das Lesen vielleicht gar nicht ertragen.
    Danke auf jeden Fall für die interessante Rezension.
    Liebe Grüße, Julia

    1. Hallo Julia,

      eigentlich kann ich dir das Buch wirklich empfehlen! Ich finde man sollte gelesen haben, was die Menschen damals alles so getan haben, um andere Menschenleben zu retten und dabe ihr eigenes und das der Familie aufs Spiel gesetzt haben. Ich finde halt, das Buch hätte etwas straffer sein sollen. Es gibt genug Details, die man sich hätte sparen können. Im Großen und Ganzen konnte mich das Buch sehr begeistern. Ich lese ja viele Sachbücher, doch hier hätte m.M.n. die Romanform die Story interesanter gemacht (siehe Film, den finde ich super gelungen!)
      “Schindlers Liste” habe ich nur als Film gesehen, leider nicht gelesen. Will ich schon immer mal machen, hatte das Buch aber wieder aus den Augen verloren.
      Ich freue mich, wenn dich meine Rezension doch noch überzeugen kann, das Buch zu lesen. Gib mir Bescheid, wenn du es dann mal durch hast! Danke für deinen Besuch hier!

      Wünsche dir ein schönes Wochenende,
      glG, monerl

      1. Liebe Monerl,
        Danke für deine Antwort. Das hat mich jetzt noch mal mehr überzeugt. Werde nächste Woche gleich mal schauen, ob unsere Stadtbücherei das Buch hat. Melde mich dann natürlich gern. 🙂
        Schindlers Liste kann ich dir auch als Buch sehr empfehlen. Ich habe den Film noch nicht gesehen, deswegen kann ich da keinen Vergleich ziehen. Aber das Buch ist wirklich beeindruckend. Gibt auch eine Rezension auf meinem Blog… 😉
        LG

        1. Liebe Julia,
          sehr interessant, dass du Schindlers Liste gelesen aber nicht gesehen hast. Du bist die erste, von der ich das weiß. Alle anderen, die ich kenne, habe damals den Film geschaut. Ich übrigens mit der Schule. Weiß nicht mehr, in welcher Klasse das war. Aber es war ein schulischer Kinobesuch, der für immer in Erinnerung geblieben ist. Deine Rezi werde ich mir sehr geren durchlesen.
          GlG, monerl

  2. Das Buch klingt wirklich interessant. Mich würde das mit der Zucht auch interessieren, ich hab das mit der Rückzucht nämlich gerade nicht verstanden. Zu viel dürfte es wohl aber nicht werden.
    Hab es nicht auch eine wahre Geschichte zum “Wettbewerb” zwischen zwei Zoos während des Zweiten Weltkriegs? Mir will das Buch gerade nicht einfallen. Das klang jedenfalls auch interessant.
    Kennst du “Winterpferde” von Philip Kerr? Das Buch könnte ich auch sehr empfehlen. Es geht hier um ein Naturreservat in der Ukraine bzw. ein jüdisches Mädchen, das sich versteckt hält und seltene Pferde rettet. Sehr bewegend und toll erzählt.

    Liebe Grüße,
    Mona

    1. Hallo Mona,

      ich empfehle das Buch auch weiter, mit der Einschränkung, dass man weiß, worauf man sich einlässt. Es ist eben kein Roman, den man einfach so runterliest. Wenn man das weiß, ist es bestimmt anders. Im Buch wird ab und an diese Rückzucht erwähnt. Ich fand schon krass, dass die Nazis quasi für ihre Arier auch noch arische Tiere haben wollten, damit sie auch “standesgemäß” auf die Jagd gehen könnten. Im Film gibt es dazu auch ein paar Worte.

      Bei mir klingelt was bzgl. dieses Wettbewerbs. Müsste aber danach googeln.

      Danke für den Tipp mit “Winterperfde”. Das Buch kannte ich bisher nicht. Aber Ukraine + #GegenDasVergessen passt sehr gut in meine Leseplanung. Mal sehen, ob ich das Buch über TT günstig kriege. hihi Damit hätte ich ein Buch für zwei Challenges. Sehr gut, Mona! <3

      GlG, monerl

  3. Moin, liebes monerl,

    bei mir ist das Lesen des Buches schon eine Weile her. Deinen Kritikpunkt habe ich aber gar nicht so negativ empfunden. Ich fand das ganz interessant. Aber so hat halt jeder seine Lesart.
    Helfende Menschen waren damals wirklich äußerst mutig, mussten sie doch schon mit der Todesstrafe rechnen, wenn sie einem Juden auch nur einen Becher Wasser gegeben haben. Das habe ich noch aus meinen Notizen in Erinnerung.
    Hoffentlich wird es nie nötig sein, solchen Mut unter Beweis stellen zu müssen.

    Liebe Grüße, Anne

    1. Liebe Anne,
      ich war noch nie in meinem Lesefluss so sehr behindert, wie bei diesem Buch. Ich hatte mich gleich darauf gestürzt, weil ich so gespannt war. Aber diese sachliche Art und der distanzierte Schreibstil wollten nicht so richtig an mich ran. Deshalb landete das Buch ersmal nach ca. einem Viertel auf dem Pausen-SuB und kam da nicht mehr runter. Gut, dass ihr für das Buch gestimmt habt! Fühle mich jetzt so richtig befreit. hihi
      Ich hoffe auch, dass solcher Mut nie mehr wieder bewiesen werden muss. Aber die Politik und manche Menschen machen mir heute wieder etwas Angst und Sorge…
      GlG, monerl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.