Historisch | Rezensionen

Buchvorstellung – Die Frau im hellblauen Kleid – BEATE MAXIAN

8. Dezember 2017
#166 Rezension
Rezensionsexemplar
2 von 5 Sternen 

 

Buchbeschreibung:

Wien. Marianne Altmann, einst ein gefeierter Filmstar, ist schockiert, als sie von Plänen ihrer Tochter Vera erfährt. Diese möchte einen Film über ihre Familie drehen. Marianne fürchtet, dass nun auch die Abgründe der Familie ans Tageslicht kommen könnten, und mit ihnen ein lange
zurückliegendes Vergehen. Es reicht zurück ins Jahr 1927, als ihre Mutter Käthe in einem geliehenen Kleid am Theater vorsprach. Der Beginn einer beispiellosen Karriere – und einer verhängnisvollen Bekanntschaft mit Hans Bleck, der zum mächtigen Produzenten der Ufa aufsteigen sollte …

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Eine Familiengeschichte über vier Generationen, von Ur-Großmutter zur Enkelin, verwoben mit tiefen Geheimnissen, beginnend in Wien, als 1927 das Mädchen Käthe den Mut aufbrachte, sich ihren Traum zu erfüllen.

Es versprach eine spannende Familiengeschichte zu werden. Vier Frauen, die sich vom Schicksal, das der 2. Weltkrieg über sie gebracht hat, nicht von ihrem Weg haben abbringen lassen und letztendlich eine Schauspieler-Dynastie begründeten, wie es in Österreich vorher keine gegeben hat. Dabei kommt einiges ans Licht, das lange Zeit verborgen geblieben war.

Der Rahmen des Romans ist sehr gelungen. Leider schafft es Beate Maxian aber nicht, ihre Geschichte sprachlich so umzusetzten, das man von ihr durchweg gefesselt ist. Der Erzähl- und Schreibstil ist sehr unrund. Oftmals wunderte ich mich über holprige und flache Dialoge. Inhaltlich enthüllten sie ein großes Geheimnis, doch Beate Maxians Charaktere nahmen dies einfach an ohne eine gewichtige Emotionalität, dich ich von den Figuren zur jeweiligen Enthüllung erwartet hätte. Somit wuchs zunehmend meine Distanz zu den Protagonistinnen. Ich konnte nicht mit ihnen fühlen, “sah” ihnen lediglich kopfschüttelnd zu.

Das Beziehungs-Hin-und-Her von Sophie, der letzten in der Reihe der “Altmann-Frauen”, das große Herzschmerzdrama und eine andauernde Sturheit ohne Einsicht, zerrte mehr und mehr an meinen Nerven. Die ständigen Wiederholungen zu Marianne, wie “Diva” und “betagte Dame”, über die ich vermehrt stolperte, störten meinen Lesefluss. Ich hangelte mich von Kapitel zu Kapitel und freute mich immer auf ein Kapitel zur Vergangenheit, das über Käthe, die Ur-Großmutter, berichtete. Diese Rückblicke in die Vergangenheit waren es, die die Spannung aufrecht hielten und mich bis zum Ende haben durchhalten lassen.

Nach Beendigung der Lektüre denke ich, hätte sich die Autorin ausschließlich auf die historische Geschichte eingelassen, wäre ihr wahrscheinlich ein sehr guter Roman gelungen. Denn dieser Erzählstrang war gut recherchiert, mit einer wundervollen und für sich einnehmenden Protagonistin ausgearbeitet und einer Liebesgeschichte, die viel Potential gehabt hätte. So wäre auch der Konflikt mit und von Jakob, der Jude war, noch besser zur Geltung gekommen und es wären die Emotionen und Erwartungen des Lesers, die das wunderschöne Cover geweckt hatte, erfüllt worden.

Fazit:
Ein thematisch sehr interessantes Buch, mit einem tollen Handlungsumfeld, spannenden Geheimnissen und vielversprechenden Charakteren, das leider an der Umsetzung scheiterte.

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Ich danke dem Heyne Verlag, der mir freundlicherweise dieses Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
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© Random House / Heyne Verlag
ISBN: 9783453422124

 

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    1. Hey,Wenn du dich so bei den Rezis zu dem Buch umhörst, wirst du sehen, dass meine eher schlechte Meinung nicht so durchschnittlich ist. Die meisten waren von dem Buch sehr begeistert. Ich kenne deine Mutte jetzt nicht, ich hoffe, damit entgeht ihr nicht eine Geschichte, die ihr gefallen hätte. 😉 :-PGlG, monerl

  1. Hallo liebe Andrea,ja, ich hatte mir viel von diesem Buch versprochen! Wenn deine Mama solche Geschichten liebt, dann empfehle ich dir die von TERESA SIMON oder auch BEATE RÖSLER z.B., siehe meine Rezis zu den Bücher der Autorinnen! Die sind klasse!GlG, monerl

  2. Hallo liebes Monerl,der Klappentext hört sich ja sehr interessant an und lässt viel erhoffen, aber da Du nicht wirklich von dem Buch überzeugt bist, werde ich das als Geschenk ausschließen. Meine Mutter mag gerne solche Bücher und wäre natürlich für Weihnachten perfekt gewesen. Dann werde ich mich noch ein wenig umsehen. Herzlichen Dank für die Rezi. Liebe GrüßeAndrae

  3. Liebe monerl,"Hitorische Geschichte" – kommt es mir nur so vor oder gibt es derzeit vermehrt derartige Geschichten, die in dieser Zeit spielen? Manchmal habe ich das Gefühl, es ist besser, eine Biografie aus dieser Zeit zu lesen. Danke für die ehrliche Einschätzung.Liebe Grüße, Anne

    1. Liebe Anne,ja, da hast du gar nicht Unrecht. Manch Biografie kann einem historisch die Zeit viel näher bringen. Es gibt sehr gute Romane aus der Zeit. Ich kann jetzt gar nicht sagen, dass mir aufgefallen wäre, dass es zurzeit vermehrt Geschichten aus dieser Zeit gibt. Ich lese ja breit gefächert und bin nicht immer im Bilde. Aber zu viele gleiche Geschichten stehen sich gegenseitig im Weg.GlG vom monerl

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