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[Buchvorstellung] Die Hungrigen und die Satten – TIMUR VERMES

19. Oktober 2018

#50 Kurzmeinung

Buchvorstellung

Vom Autor von ER IST WIEDER DA!

“Ein großartiges Buch: lustig, böse, traurig!” KESTER SCHLENZ, STERN

Deutschland hat eine Obergrenze für Asylsuchende eingeführt, ganz Europa ist bis weit nach Nordafrika hinein abgeriegelt. Jenseits der Sahara entstehen riesige Lager, in denen Millionen von Flüchtlingen warten, warten, warten. So lange, dass man in derselben Zeit eigentlich auch zu Fuß gehen könnte, wäre das nicht der sichere Tod.

Als die deutsche Starmoderatorin Nadeche Hackenbusch das größte dieser Lager besucht, erkennt der junge Lionel die einmalige Gelegenheit: Mit 150.000 Flüchtlingen nutzt er die Aufmerksamkeit des Fernsehpublikums und bricht zum Marsch nach Europa auf. Die Schöne und die Flüchtlinge werden zum Quotenhit. Und während sich der Sender über Live-Berichterstattung mit Zuschauerrekorden und Werbemillionen freut, reagiert die deutsche Politik mit hilflosem Wegsehen, Kleinreden und Aussitzen. Doch je näher der Zug rückt, desto mehr ist Innenminister Joseph Leubl gefordert. Und desto dringlicher stellen sich ihm und den Deutschen zwei Fragen: Was kann man tun? Und in was für einem Land wollen wir eigentlich leben?

Timur Vermes’ neuer Roman ist eine Gesellschaftssatire, aktuell, radikal, beklemmend und komisch zugleich. DIE HUNGRIGEN UND DIE SATTEN fängt dort an, wo der Spaß aufhört.

“Wenn Timur Vermes’ Erstlingswerk ER IST WIEDER DA böse, realistisch und komisch ist, so ist sein zweiter Geniestreich böser, realistischer und komischer.” CHRISTOPH MARIA HERBST


Kurzmeinung

  • Genre: Roman, (politische) Satire
  • Handlung: Der Autor hat die derzeitige Situation der Flüchtlinge übernommen und in seinen Roman eingebaut. Europa schottet sich ab, Deutschland schottet sich ab und baut einen mächtigen Zaun, um die Massen an Flüchtlingen, die sich auf den weiten (Fuß)weg nach Deutschland gemacht haben, begleitet von einer Moderatorin und dem Life-TV, fernzuhalten. 
  • Charaktere: Zwei Protagonisten, die sich auf unterschiedlichen Seiten befinden, bilden den Roten Faden entlang der Fluchtroute. Zum einen ist das Nadeche Hackenbusch, die naive, überdrehte und wie ein Wasserfall redende Moderatorin, die mirnichtsdirnichts entscheidet, dass man diese armen Menschen im Lager nicht einfach so vor die TV-Kamera ziehen, um sich dann wieder, nachdem die Sendung im Kasten ist, auf den Rückweg in die schöne und sichere Welt im Westen machen kann und sein Leben weiter lebt wie bisher, als wäre nichts geschehen. Auf der anderen Seite nenne ich hier die deutschen Politiker, die sich mit der Tatsache beschäftigen müssen, was sie machen sollen, wenn all die Flüchtlinge, auch wenn sie nicht daran glauben, tatsächlich vor den deutschen Grenzen stehn würden und hinengelassen werden wollen.
  • Spannung: Timur Vermes schafft es eine bestimmte Spannung zu erzeugen, da man als Leser/Hörer natürlich unbedingt wissen möchte, was am Ende tatsächlich passiert. Welche Entscheidung wird die Politik treffen, um mit dem Problem “Massenansturm von Flüchtlingen” umzugehen. Werden sie sich für den Mensch und die humanitäre Lösung entscheiden oder werden sie sogar Gewalt und Waffen anwenden, um die deutschen Grenzen zu verteidigen? Wie wird sich die Bevölkerung entscheiden? Gibt es noch eine Moral oder fallen irgendwann alle Masken?
  • Schreibstil: Da dies eine Satire auf die aktuelle Situation ist, ist natürlich alles überzogen; die Charaktere als auch die Dialoge. Für meinen Geschmack ist alles aber zu sehr überzogen! Nadeche Hackenbusch hat nicht nur einen dämlichen Namen, nein, sie erscheint oftmals sogar ziemlich debil. Ihre Blödheit ging mir recht bald ganz stark auf die Nerven. Zudem verstärkt der Sprecher Christoph Maria Herbst diese Blödheit durch seine Art zu sprechen und Nadeche zu interpretieren noch zusätzlich.
  • Ende: Je mehr wir uns dem Ende nähern, wird der Roman tiefsinniger und realitätsnaher. Und weil ich diese Entwicklung so gut fand, störte mich der zu überdrehte satirische Charakter noch mehr! Insgesamt ein gutes und rundes Ende, das man sich nicht traut, vorher zu überlegen und vorzustellen.
  • Hörbuch: Was mir an “Er ist wieder da” durch den Sprecher besonders gefallen hat, störte mich im vorliegenden Buch, nämlich, die Interpretation des Sprechers! Hier ist es mir einfach ZU viel. Ein anderer Sprecher hätte die Geschichte für meinen Geschmack vielleicht besser stimmlich umgesetzt. In “Er ist wieder da” gibt Christoph Maria Herbst der Geschichte den richtigen Kick! Hier machte er für mich die Geschichte leider eher “kaputt”.
  • Fazit: Ein interessantes Buch zu einem sehr wichtigen Thema, da der Autor sich traut Fakten zu schaffen und die daraus resultierenden Konsequenzen aufzuzeigen. Es ist das, was die derzeitige Politik tunlichst vermeidet. Ich wäre sehr gespannt darauf, was unsere Regierung machen würde, stünden sie vor dem selben Problem wie die Regierung im Buch. Vermes schafft es zudem alle an dem Thema “Flüchtlinge” Beteiligten in seinen Roman einzubinden und vorzuführen, sei es die Medienindustrie, die Schlepper, die Politik oder gar die ach so “besorgten Bürger”. Das Hörbuch war mir leider zu überzogen und deshalb gibt es 3 Sterne dafür. Das gedruckte Buch könnte deshalb womöglich bis zu einen Stern mehr erhalten, da mein größter Kritikpunkt wegfällt.

 

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  1. Hallo Monerl,
    nachdem genau so ein Marsch, allerdings in Richtung USA, gerade stattfindet, ist dieses Buch sowas von mega aktuell. Ich habe mir das Hörbuch zugelegt, weil mir “Er ist wieder da” in der Hörversion so gut gefallen hat – nun bin ich wirklich gespannt, ob ich die gleichen Kritikpunkte feststelle wie Du. Ich kann es mir fast vorstellen, aber natürlich versuche ich erst mal, neutral an das Hörbuch ranzugehen. Ich bin schon sehr gespannt darauf.
    LG Gabi

    1. Hallo Gabi,
      entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Ich war die Woche auf Seminar und bin nicht so richtig zum Surfen am PC gekommen. Übers Handy Rezis kommentieren mag ich nicht so. Deshalb gehe ich jetzt gleich mal zu dir rüber, um zu sehen, wie dir das Buch gefallen hat! 🙂
      GlG, monerl

  2. HI monerl,

    ich lese gerade, in meinen Mittagspausen, “er ist wieder da” und find es bislang großartig. Eine so bittersüßböse Satire hab ich selten gelesen…
    Da interessiert mich dieses Buch natürlich sehr. Die komische Moderatorin schreckt mich aber leider ab. Allerdings SIND doch Moderatorinnen leider oft so, weshalb ich ja auch selten fernsehe.

    Ich bin schon in meinem aktuellen Buch auf das Ende gespannt…

    LG
    Daniela

    1. Hey Daniela,
      bin auf den Resümee zu “Er ist wieder da” gespannt. Mal sehen, ob du mit mir übereinstimmst. Das Buch konnte mich an sich so nicht ganz überzeugen. Das Hörbuch war da schon besser. Meine Kritikpunkte findest du in meiner Rezi.
      Ich würde jetzt nicht alle Moderatorinnen über einen Kamm scheren. Viele sind vielleicht oberflächlich, ich stimme dir zu. Die im Buch war das zu Beginn auch. Doch sie macht eine Entwicklung durch und wird moralisch. Das ist ein total guter Zug an ihr gewesen. Sie ist auch sehr naiv. Doch leider überziehen der Autor und der Sprecher noch mehr, diese Naivität so sehr, dass sie für mich schon an Debilität gegrenzt hat. Und das hätte absolut nicht sein müssen. Warum sich weiterhin lustig machen über einen Menschen, der am Ende das Richtige tut?! Ich war sehr enttäuscht. Das Buch ist vielleicht besser, weil man die Stimme nicht im Ohr hat.
      Am allerschlimmsten finde ich ja, das genau das jetzt vor der Toren Amerikas passiert. Menschen aus Mittelamerika, die keine Gegenwart und auch keine Zukunft in ihren Ländern haben haben sich auf den Weg gemacht, über Mexiko in die USA. Und Trump droht ihnen mit Soldaten. Es schmerzt mich sehr. Die Menschlickeit ist einfach am Ende…
      GlG, monerl

  3. Hallo Monerl,

    wir kommen auf das gleiche Ergebnis aber aus anderen Gründen. Ich fand Herbst toll als Sprecher, aber mir hat die Situationskomik gefehlt, es ist bissig und böse als Buch und ein wichtiges und schwieriges Thema, aber ich ich konnte nicht Lachen, und das macht doch eine Satire aus, oder? Und mir war selbst das gekürzte Hörbuch stellenweise schon zu langatmig und das Ende dann völlig abgehoben…

    1. Liebe Anja,

      ja, denke auch, dass Satire einen zum Lachen oder wenigstens zum Schmunzeln bringen sollte. Das war hier bei mir auch nicht der Fall. Es war alles zu sehr überspitzt. Herbst mag ich als Sprecher sehr, doch hier mochte ich ihn nicht. Nadesche ging mir so dermaßen auf die Nerven, dass ich wegen ihr, also, so wie Herbst sie gesprochen hat, fast abgebrochen hatte. Im Vorgängerbuch machte es mir noch Spaß ihm zuzuhören.

      GlG, monerl

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