Abbruch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Die Katze und der General – NINO HARATISCHWILI

16. Oktober 2018

#254 Rezension


Buchbeschreibung


Das neue Meisterwerk der preisgekrönten Autorin

Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen “Der General” genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.

Nino Haratischwili spürt in ihrem neuen Roman den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben. “Die Katze und der General” ist ein spannungsgeladener, psychologisch tiefenscharfer Schuld-und-Sühne-Roman über den Krieg in den Ländern und in den Köpfen, über die Sehnsucht nach Frieden und Erlösung. Wie in einem Zauberwürfel drehen sich die Schicksale der Figuren ineinander, um eine verborgene Achse aus Liebe und Schuld. Sie alle sind Teil eines tödlichen Spiels, in dem sie mit der Wucht einer klassischen Tragödie aufeinanderprallen.

Meine Meinung

Dieses Buch wurde sehr lange erwartet. Nino Haratischwili hat mit “Das achte Leben (für Brilka)” die Leser auf einer Ebene erreicht, sodass sie (auch ungewollt) größtmöglich auf ihr neues Buch gespannt waren. Die Lobeshymnen überschlugen sich: von Meisterwerk zu sprachliches Kunstwerk und noch vieles mehr. Auch ich konnte das Ganze nicht an mir vorbeiziehen lassen und entschied mich, “Das achte Leben” zu lesen. Doch mein Leben machte mir einen Strich durch die Rechnung, sodass ich dieses opulente Werk von ca. 1300 Seiten nach hinten schieben musste.

Umso mehr freute ich mich als ich sah, dass “Die Katze und der General” als ungekürztes Hörbuch erschienen ist. Ich lud es sofort runter, denn neue Bücher kann ich problemlos als Hörbücher in meine Leseplanung zwischenreinschieben. Die Zeit bis zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse reichte aus, um mit dem Buch bis dahin durch zu sein. Mit Georgien als Gastland, Haratischwilis neuem Buch, das sogar auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises gelandet war, fühlte ich mich bestens vorbereitet.

Doch leider wurde mein Enthusiasmus recht schnell gebremst. Konnte mich das Buch auf den ersten Hörstunden noch restlos begeistern, kippte meine Begeisterung ganz promt in Langeweile um. Solange es um Nura ging, die sehr charismatisch wirkte, ihre Zukunft noch vor sich sah und das Setting des Buches in Tschetschenien war, hing ich mit dem Ohr an der Geschichte. Kaum war das vorbei, konnte mich die Autorin mit dem Fortgang der Geschichte nicht mehr fesseln.

In Deutschland (Berlin) angekommen, langweilten mich die Protagonistin als auch alle Nebenfiguren. Sie durchleben das Gleiche wie fast alle Gastarbeiter, die nach Deutschland kamen und sich eine tolle Zukunft im Westen erhofften. Hier gab es (natürlich) keine neuen Erkenntnisse. Doch wurde mir dies zu episch dargestellt. Immer und immer wieder wurde betont, wie sehr man sich fremd fühlt und die Heimat vermisst. Gefühlt hatte ein jede (Neben)figur einen Lebenslauf parat, durch den ich mich quälen musste. Die Geschichte steckt lange Zeit fest und dreht sich im Kreis. Lang und ausschweifend wird erzählt, ohne dass ich absehen konnte, dass die Dialoge wichtig gewesen wären.

Wenn die Geschichte nicht ganz so reizt, dann vielleicht die Sprache? Hoch gelobt war der Schreibstil der Autorin, doch auch hier kann ich das Lob nicht nachempfinden. Nino Haratischwilis Sprachstil ist zwar gut lesbar, jedoch eher durchschnittlich und mit recht vielen Metaphern versetzt.  Erwartet hatte ich jedoch etwas anderes.

Wenn nun nach ca. 43% des Buches einen die Charaktere nicht überzeugen können und man sich nur so durch die Geschichte quält, ist es Zeit für einen Abbruch, auch, wenn viele Leser behaupten, dass das Ende sehr stimmig und der letzte Teil sehr spannend ist. Ein Buch, dass mich erst zum Schluss einfangen kann, ist kein Buch, das sich für mich zum Lesen bzw. Hören lohnt.

Ich gab dem Buch viele Chancen! Erst habe ich es weggelegt und Pause gemacht. Dann habe ich ein paar begeisterte Rezensionen gelesen und weiter gehört. Schließlich habe ich mir auf der Messe ein Interview mit der Autorin angehört, sie persönlich gesehen, doch der Funke sprang einfach nicht über. Die interessante Thematik des Buches konnte mich in der Umsetzung der Autorin einfach nicht begeistern. Die Diskrepanz zwischen dem genialen Plot und dem Geschriebenen war zu groß. Dieser Roman hatte in meinen Augen so viel Potential, das m.M.n. leichtfertig vergeben wurde.

Es tut mir sehr leid, für die Autorin und das Buch, doch das war nichts. Nun freue ich mich auf “Das achte Leben (für Brilka)”, weil ich fast ganz sicher bin, dass auch mich dieses Vorängerbuch begeistern wird.


Weitere Rezensionen

++   Buchsichten

+/-  Bookster HRO

+/-  Travel Without Moving

–      Leckere Kekse

–      Buchrevier

–      Petras Bücherapotheke


Vielleicht interessiert dich auch

Loading Likes...

Only registered users can comment.

  1. Liebe Monerl,

    hast du also wirklich abgebrochen! Es gefällt mir, wie du darüber schreibst. Ich habe ehrlich gesagt meist keine Lust über abgebrochene Bücher zu schreiben. Aber gelesen habe ich Deine Begründung sehr gerne und ich finde sie absolut stimmig.

    Ich wünsche Dir viel Spaß bei Brilka. Das wird dir sicher gefallen.

    Viele Grüße
    Astrid

    1. Liebe Astrid,
      ja, habe abgebrochen. Nachdem wir uns ausgetauscht hatten gab ich dem Buch noch eine weitere Chance aber ich langweilte mich so, meine Gedanken schweiften immer wieder ab und ich wusste, das hat einfach keinen Sinn, weiter zu machen. 😉

      Ich breche nicht sehr häufig ab, da ich mittlerweile meinen Lesegeschmack recht gut kenne. Doch hier muss ich sagen, habe ich auch nur deswegen eine so ausführliche Rezension geschrieben, weil das Buch gerade “IN” ist, die Autorin wegen Georgien und der Buchmesse in aller Munde war und das Buch dann auch noch für den Deutschen Buchpreis nominiert war. Ansonsten hätte ich wohl keine Abbruch-Rezi geschrieben. Das stiel einem ja auch viel (Lese)zeit, gell!

      Dass mit Brilka wird noch ein klein wenig dauern. Aber ich werde berichten. Freue mich jetzt umso mehr auf das Buch! 😀
      GlG, monerl

      PS.: Dein Tipp zu “Guten Morgen, Genosse Elefant” war super! Habe gestern das Buch ausgehört und ich fand es sehr gut. Danke nochmal!

  2. Du hattest es ja schon gesagt, trotzdem ist es noch einmal interessant es auch zu lesen, wo deine Kritikpunkte waren. Da hätte ich auch abgebrochen, vor allem bei so einem Batzen an Buch!
    Schade drum 🙁

    1. Ich habe mir auch viele Gedanken gemacht, wie ich die Rezi verfassen soll. Es war mir wichtig, dass mein Abbruch nachvollziehbar erscheint. Schön, wenn mir das gelungen ist! Die Autorin interessiert mich aber immer noch. Ich werde ihr noch Chancen über ihre andere Bücher geben. “Das achte Leben” liegt ja bereits im Regal und wartet. 😉
      GlG, monerl

  3. Liebe Monerl,

    ich finde es ja immer noch so schade, weil mich das Thema einfach so reizt.
    Na ja, ich hoffe darauf, dass die Gespräche über das Buch nun nach der Messe abflauen und ich es vergessen werde, ^^

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      ich kann dich absolut verstehen! Das Thema ist wirklich grandios. Aber mit der Umsetzung konnte mich die Autorin leider nicht begeistern. Ich habe lange gehadert und dann doch abgebrochen. Kannst das Buch ja mal in der Bücherei ausleihen und reinlesen. Vielleicht gefällt es dir letztendlich doch…
      GlG, monerl

  4. Liebe Monerl,

    Du spiegelst all das wieder, was ich bei vielen anderen auch gelesen habe.
    Für mich ein klares Indiz, dass ich von diesem Buch die Finger lassen werde.

    Danke für Deine Eindrücke und Deine Begründung für den Abbruch, die für mich sehr stimmig ist.

    LG Anja aka Ana

    1. Liebe Anja,
      wenn du opulente Geschichten, die sich mega in die Länge ziehen, nicht magst, dann ist es besser, die Finger von dem Buch zu lassen! Du sparst dir viele Nerven und kostbare Lesezeit. 😉
      Freue mich, dass meine Abbruch-Rezi nachvollziehbar ist. Ich habe alles versucht, um keinen Verriss zu schreiben. Ich wollte wirklich darlegen, warum das mit dem Buch und mir nichts war.
      GlG, monerl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu