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[Buchvorstellung] Die Kieferninseln – MARION POSCHMANN

18. Mai 2018

#213 Rezension

 


Buchbeschreibung:

„Willst du etwas über Kiefern wissen – geh zu den Kiefern.“ – Matsuo Bashō

Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide. 

Die Kieferninseln ist ein Roman von meisterhafter Leichtigkeit: tiefgründig, humorvoll, spannend, zu Herzen gehend. Im Teeland Japan mischen sich Licht und Schatten, das Freudianische Über-Ich und die dunklen Götter des Shintoismus. Und die alte Frage wird neu gestellt: Ist das Leben am Ende ein Traum?

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Ich möchte dieses Jahr viele Bücher von japanischen Autoren lesen. Ergänzend zur japanischen Literatur auch das eine oder andere Buch von Autoren, die über Japan schreiben. Da ich zudem auch ein paar Bücher, die für den Deutschen Buchpreis nominiert wurden auf meiner Leseliste habe, dachte ich, würden “Die Kieferninseln” von Marion Poschmann ausgezeichnet passen. Ein Buch, das Aussicht auf den Deutschen Buchpreis hatte, dem gehobene und poetische Sprache attestiert wurde, hat mich neugierig gemacht.

Wir lernen Gilbert Silvester kennen. Nach seinem Traum, seine Frau Mathilde hätte ihn betrogen, hat er am Ende des nächsten Tages immer noch ein ungutes und verstörtes Gefühl, dieser Traum könnte wahr sein. Denn nun, den Traum vor Augen, durchdenkt er einige Situationen aus letzter Zeit erneut und sieht den Betrug als bestätigt. Kurzerhand packt er seine Tasche und bucht den ersten Flug, der sich bietet. Er fliegt nach Japan. Anstatt dass diese Flucht ihn befreit, (denn viel weiter weg hätte er nicht mehr gehen können), befindet er sich nun in diesem fremden und etwas mystischen Land, hat sich des jungen Selbstmörders Yosa Tamagotchi angenommen, mit dem er den “besten” Ort finden möchte, an dem man in Japan angemessen aus der Welt treten kann. Doch eigentlich bemüht sich Gilbert den Spuren des Dichters Basho zu folgen, mit dem großen Ziel, die Kieferninseln.

Marion Poschmann verliert sich streckenweise in Beschreibungen über die Natur, über den Dichter Basho und die Kunst Haiku(s) zu schreiben. Gilbert (und auch Yosu) versucht sich an dieser Dichtkunst und schreibt an Mathilda: “Grüße aus Tokyo – Kirschbäume blühen nicht mehr, nur nackter Beton.” (Kann die Stelle aus dem Hörbuch leider nicht benennen.)

Ebenso erfährt der Leser etwas über den seltsamen japanischen “Suizidkult”. Gilbert besucht mit Yosa den “Selbstmörderwald”, jap. Aokigahara, der ein Teil des Fuji-Hakone-Izu-Nationalparks ist.

Leider konnten mich beide Charaktere, Gilbert wie auch Yosa, nicht überzeugen. Gilbert ist nicht nur unsympathisch, sondern auch nichtssagend. Durch seine arrogante Denkweise fand ich ihn und seinen Weg zudem auch noch über lange Strecken langweilig. Yosa wäre eigentlich interessant, wäre er nicht so still und ergeben. Bis auf ein, zwei längere Ausführungen hat er nicht viel zu sagen oder passt sich an oder hält Widerspruch für nicht angemessen. Zudem reichen seine Englischkenntnisse nicht aus, um sich mit Gilbert unterhalten und über tiefere Themen debattieren zu können.

Der Anfang ließ mich auf eine skurrile, etwas komische und interessante Geschichte hoffen: Ein Mann, der seinen Traum nicht abschütteln kann, sich diesen als Wahrheit zurechtbiegt und sich dann wundert, warum seine Frau ihn nicht um Entschuldigung bittet und ihn nicht mit anrufen bombadiert. Ich erwartete Verwicklungen, Missverständnisse, Lebensweisheiten. Die Geschichte entwickelt sich aber in eine ganz andere Richtung. Dabei geht die ursprüngliche Spannung verloren. Alles plätschert nur vor sich hin. Wahrscheinlich ist das so gewollt. Das Leben ist ein Fluß, eine Suche. Auch ich war auf der Suche, auf der Suche nach dem Sinn des Buches…

Das Ende lässt einen mit vielen Fragen zurück. Ein offeneres Ende geht kaum noch. Absolut keine Fragestellung, die sich zu Beginn oder im Laufe der Geschichte aufgetan hat, wird beantwortet. Für mich war das sehr unbefriedigend.

Zum Hörbuch:
Das Buch hätte ich abgebrochen, doch die Sprechart von Frank Stieren ließ mich am Ball bleiben und das Zuhören genießen. Ich mochte seine Interpretation der Geschichte und der Charaktere sehr. Mit ihm habe ich für mich einen neuen Sprecher entdeckt, nach dem ich gerne weiter Ausschau halten werde und der den zusätzlichen Stern absolut verdient hat!

Fazit:
Ein sehr philosophischer und streckenweise poetischer Roman, der auf mich zu gewollt wirkte. Wer wissen möchte, wie der “Konflikt” aufgelöst wird, der das Buch einleitet und künstlich von Gilbert geschaffen wurde, der lasse bitte seine Finger von dem Buch. Wer aber eine Einführung in Haiku(s) haben und eine philosophische Reise durch Japans Mystik möchte und dabei Interesse hat zu erfahren, was Kaffee- und was Teeländer sind, der könnte sich überlegen, das Buch zu lesen. Ich empfehle dann eher das Hören, um der grandiosen Stimme des Sprechers lauschen zu können.

Weitere Rezensionen:
+     Japanliteratur
+/- Wanda
+    Frankfurter Rundschau
+    Feuilleton FAZ

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Zu den “Kieferninseln”:
Beitrag aus Wikipedia.
– Dieser REISEARTIKEL machte mir jedoch Lust darauf, nach Matsushima zu fahren und diese wunderschöne Landschaft zu bewundern.

Zu “Deutscher Buchpreis”:
Homepage Deutscher Buchpreis.
– Die Buchloggerin hat eine tolle Übersichtsliste gemacht, auf der alle Bücher vorgestellt werden, die es ebenso auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises 2017 geschafft haben.

Zu Haiku:
Beitrag aus Wikipedia.
– Wer selber gerne mal versuchen möchte ein Haiku-Gedicht zu schreiben, kann es ja mal mit dieser ANLEITUNG versuchen.

Zum “Selbstmörder”-Aokigahara-Wald:
Beitrag aus Wikipedia.
– Beitrag aus Welt “Die Makabere Legende Aokigahara-Waldes

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