Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] – Die weiße Massai – CORINNE HOFMANN

15. Februar 2018
#190 Rezension
#Vom SuB befreit
#GelesenUndGehört
5 von 5 Sternen

Widmung der Autorin“Für Napirai”

 

 

Buchbeschreibung:

Auf einer Urlaubsreise durch Kenia begegnet Corinne Hofmann dem Massai-Krieger Lketinga – und verliebt sich auf den ersten Blick in ihn. Sie verläßt ihren Lebensgefährten, zieht in den kenianischen Busch zu den Massai und heiratet Lketinga. Abenteuerliche Jahre folgen, Jahre der Liebe, aber auch des Verzichts und wachsender Probleme: Die Verständigung ist schwierig, die Ernährung ungewohnt, das Rollenverständnis völlig anders. Als ihre Tochter Napirai geboren wird, scheint sich doch noch alles zum Guten zu wenden…

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Dieses Buch hat sehr, sehr lange in meinen Regalen ausharren müssen, bis ich es endlich vom SuB erlöst habe. Eine echte SuB-Leiche, da ich das Buch kurz nach der Veröffentlichung im Jahre 2000 gekauft hatte und dann beiseite legte. Nun schreiben wir das Jahr 2018…

Das tolle für mich war, dass ich das Buch bei BookBeat als ungekürzte Version gefunden habe und somit im Wechsel das Taschenbuch lesen und mir hin und wieder die Geschichte von Eva Gosciejewicz vorlesen lassen konnte.

Dass einen beim Verlieben schlagartig der Pfeil Amors treffen kann, beweist dieses Buch und die Liebesgeschichte der Autorin. Ebenso, dass Liebe Berge versetzten kann! Das grobe Gerüst der Geschichte war mir vor dem Lesen bereits bekannt, da das Buch damals nach der Veröffentlichung große Wellen geschlagen hatte. Es gab auch eine Verfilmung, die ich mir anschauen wollte und es am Ende doch nicht geschafft hatte.

Eine weiße Frau verlässt im Urlaub ihren Lebensgefährten für einen Massai-Krieger, in den sie sich von jetzt auf nachher schlagartig verliebt. Es klingt ein bisschen wie ein Märchen. Zu Anfang hat Corinne Hofmann dies wahrscheinlich auch so gefühlt. Die Liebe war so intensiv und allumfassend, sodass sie ihr altes Leben in der Schweiz, für diesen Mann aus einer einfachen Welt und einer völlig fremden Kultur als auch Lebenseinstellung, komplett aufgegeben hatte und mit ihm in den Busch zog. Dass diese Liebe nicht ein Leben lang gehalten hat, ist auch kein Geheimnis.

Ich begab mich also gedanklich mit Corinne auf die Reise nach Kenia und begleitete sie durch die vier Jahre Abenteuer, die sie als Ehefrau des Massai Lketinga erlebte. Ich war sprachlos, auf was alles ein Mensch verzichten kann, wenn er tief und ehrlich liebt. Sie verzichtete nicht nur auf Luxus, sondern sogar auf das Mindeste an einfachen Lebensumständen, die wir uns vorstellen können. Ihr Leben bestand aus Mahlzeiten, überwiegend Fleisch, Wasser musste aus dem etwas entfernt liegendem Fluss geholt werden, geschlafen wurde auf dem Boden in einer kargen, kleinen Hütte, in der man nicht stehen kann und diese Hütte mussten sie sich eine Weile mit der Schwiegermutter und der Nichte teilen. Die Außentoilette war im Busch, es gab kaum Waschmöglichkeiten und Töpfe wurden durch das Auskratzen der Reste mit den Nägeln gesäubert. Doch all das und noch viel mehr konnte sie nicht erschrecken, um zurück in die Schweiz zu gehen. Corinne Hofmann schaffte es sich anzupassen, war mutig genug mit ihrem Mann einen Shop aufzubauen und auch für den Lebensunterhalt zu sorgen. Kaufte ein Auto und versorgte das Dorf mit wichtigen Lebensmitteln, die sie auf waghalsigen Fahrten aus den weit entfernten Städten kaufte. Sie überstand mehrfach Malaria, Hepatits und brachte sogar eine gesunde Tochter auf die Welt.

Je mehr ich las, desto erstaunter wurde ich! Kann man so sehr und so intensiv lieben und sein Leben immer und immer wieder aufs Spiel setzen? Aber auch hier wird deutlich, Liebe kann nur gedeihen und fortbestehen, wenn zwei Menschen sich vertrauen und respektieren. Lketingas zunehmende Eifersucht und die Vorwürfe, Corinne würde ihn betrügen, ließen die Liebe bröckeln. Als auch noch Zweifel dazukamen, ob die Tochter Napirai seine wäre, zerstörte Corinnes Liebe zu ihrem Massai unwiederbringlich. Letztendlich war dieses karge Leben ohne Liebe nicht zu ertragen und die Autorin schaffte es mit ihrer Tochter das Land zu verlassen und zurück in die Schweiz zu fliehen. Letztendlich denke ich, das war ein großes Glück für die Tochter, die nun ein selbstbestimmtes Leben führen kann, dem grausigen Ritual der Mädchenbeschneidung entkommen ist und sich ihren Lebenspartner ebenso aus Liebe aussuchen darf. Ich bin nicht sicher, ob Corinne Hofmann sich bei all diesen, für uns Europäer wichtigen Punkten, erfolgreich gegen die Regeln, Gesetze und Traditionen der Massai hätte durchsetzen können.

Dieses Buch hat mir das Land und die Menschen Kenias näher gebracht. Ich war noch nie dort und doch habe ich nun eine kleine Ahnung, wie Menschen damals in den Städten und Dörfern gelebt haben und welche Unterschiede die Kenianer selbst zwischen den Stammesleuten, wie den Massai, und  Menschen aus den Städten, machen.

Zum Hörbuch:
Das Hörbuch ist wundervoll! Die Sprecherin trifft genau den richtigen Ton und lässt den Zuhörer tief in das Leben, die Liebe und das Scheitern der Autorin eintauchen. Ich ließ mir so gerne vorlesen, um die Distanz zu überbrücken und Teil der Geschichte zu werden. Dieses Hörbuch ist, wie auch das Buch mit den tollen Bildern, absolut empfehlenswert!

Fazit:
Ein Buch, das mich fasziniert und vereinzelt abgestoßen hat. Eine interessante Lebensgeschichte einer damals sehr jungen Frau, die sich als Weiße kopflos in den afrikanischen Busch verpflanzt und für die Liebe ihres Lebens gekämpft hat. Die spannendsten Geschichten sind die, die das Leben so schreibt. Und diese hier war keine einzige Minute langweilig! Es war mutig, das schöne und leichte Leben aufzugeben. Es war mutig, dem Tod mehrfach ins Auge zu sehen. Aber es war auch sehr, sehr mutig, sich einzugestehen, dass man gescheitert ist! Ich sage hier DANKE für die Offenheit und den Mut, diese Geschichte mit uns, der Welt, geteilt zu haben.

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© Knaur Verlag
ISBN: 9783426614969

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  1. Ich glaube, jeder, der gerne liest, hat von diesem Buch schon etwas mitbekommen, so bekannt ist diese Geschichte. Gelesen habe ich das Buch allerdings nicht. Aus Deiner Rezension kommt sehr deutlich rüber, dass es genau das liefert, was mich auch an diese Liebesgeschichte interessieren würde – wie lebt es sich in einer völlig fremden Kultur, mit der man nicht groß geworden ist; was kann Liebe alles verändern; und was, wenn die Liebe scheitert? Dass dieses Buch schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, macht wahrscheinlich überhaupt nichts aus, denn es ist bestimmt heute auch noch genauso aktulle. LG Gabi

    1. Hallo Gabi,absolut, das Alter des Buches kann bei dieser Geschichte vernachlässigt werden. Sie ist zeitlos. Es geht einfach um die Tatsache, zu was diese Frau bereit war, um ihre große Liebe zu erhalten und für sie zu kämpfen. Corinne Hofmann ist keine begnadete Schriftstellerin, doch das ist auch nicht nötig. Sie hat es auf ihre Weise geschafft, mich als Leser einerseits gut zu unterhalten und andererseits in eine Welt eintauchen zu lassen, in die ich sonst keinen Einblick bekommen hätte. Absolut Lesenswert!

  2. Liebe Monerl, dieses Buch wollte ich unbedingt lesen und habe es bis heute leider nicht getan. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob mich damals ein Interview, eine Reportage oder ähnliches auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Leider habe ich es dann wieder vergessen, bis zu deine tollen Rezension heute.Liebe GrüßeAnja

    1. Liebe Anja,so ging es mir bis vor ein paar Tagen auch! 🙂 Kann sehr gut sein, dass die in den Medien damals einiges über sie gehört / gelesen hast.Wenn du dir Zeit für das Buch freimachen kannst, schicke ich es dir sehr gerne! Gib mir einfach Bescheid. 🙂 Ich lese gerade ihr drittes Buch "Wiedersehen in Barsaloi". Nach 14 Jahren ist sie auf einen Besuch dorthin zurückgekehrt und hat Lketinga und die anderen getroffen und gesprochen. Sehr bewegend. :-)GlG, monerl

    1. Liebe Angela, kann verstehen, dass du nicht nachvollziehen konntest, was sie gemacht hat. Teilweise fiel mir das auch sehr schwer. Aber sie war sehr tapfer und mutig und hat wirklich alles versucht, damit es klappt. Das muss man wirklich anerkennen. Sie ist nicht bei der erstbesten Schwierigkeit davongelaufen. Habe gestern den Film geschaut und der ist noch eindringlicher! Wenn man so genau vor Augen bekommt, WIE das Leben so war, dann kann man noch weniger fassen, wie sich die Autorin für so ein karges und schweres Leben entscheiden konnte. Hast du den Film gesehen? Das Buch ist natürlich ausführlicher, aber das Wichtigste wurde in dem Film verarbeitet.GlG, monerl

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