Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Ede und Unku – Die wahre Geschichte – LAUENBERGER / von WEDEMEYER

7. Juni 2018

Buchbeschreibung

Ede und Unku – mit über 5 Mio Exemplaren eines der meistverkauften Bücher in Deutschland. Die Erstausgabe erschien 1931, das Buch war viele Jahre Schullektüre und erzählt von der ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Arbeiterjungen Ede und dem Sintimädchen Unku während der Weimarer Republik. Doch was kaum jemand weiß: Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers wurde das Buch verboten und das »Zigeunermädchen« Unku in einem Konzentrationslager umgebracht. Der Musiker Janko Lauenberger ist Unkus Ur-Cousin. Er erzählt in diesem Buch ihre wahre Geschichte und gleichzeitig seine eigene als Sintikind in der ehemaligen DDR und später im  wiedervereinigten Deutschland.


Meine Meinung

Über Ede und Unku bin ich rein zufällig gestolpert, als ich vor kurzem auf Annes Blog die Rezension zum Buch gelesen hatte. In der DDR war das Buch Schullektüre, in der BRD nicht, soweit ich weiß.

Auf meinem Leseweg #GegenDasVergessen bin ich auf den Völkermord an den Sinti und Roma durch die Nationalsozialisten aufmerksam geworden und ich hatte den Wunsch, noch mehr Bücher zu diesem Thema zu lesen. So kam die Erstveröffentlichung von “Ede und Unku – Die wahre Geschichte” für mich genau zum richtigen Zeitpunkt.

Im vorliegenden Buch berichtet der Ur-Cousin Janko Lauenberger über Unku, die mit bürgerlichem Namen Erna Lauenburger hieß. Wir erfahren vieles über Unkus Familie, ihre Kindheit und Jugend und wie Sinti und Roma im damaligen Deutschland gelebt hatten. Ebenso geht der Autor darauf ein, wie Unku die Autorin Grete Weiskopf, die das Buch “Ede und Unku” 1931 unter dem Pseudonym Alex Wedding herausgebracht hat, kennenlernte.

Sich mit dieser Thematik zu beschäftigen ist nicht leicht. Nicht das Recherchieren, das Schreiben und auch nicht das Lesen. Das Ende ist klar und der Weg dorthin schmerzhaft. Aber es darf nicht vergessen werden, was diesen Menschen angetan wurde! Die Wenigsten haben überlebt und ihre Familien und die Nachkommen müssen sich auch heute wieder und immer noch mit Rassismus beschäftigen. So wie Janko, der Ur-Cousin von Unku, der 1976 geboren wurde. 

Dieses Buch nutze der Autor auch dazu, um seine Geschichte aufzuschreiben. Er erzählt wie er zu seinem Namen und Nachnamen kam, über seine Kindheit in der DDR und wie zerstreut seine große Familie vor dem Mauerfall im Westen und Osten war. Da er optisch als Sinti zu erkennen ist, hatte er in seiner zweiten Schule bereits mit Rassismus zu kämpfen, der ihm das Leben so sehr schwer machte, sodass er von den Behörden unberechtigter Weise von seiner Familie getrennt und 7 Monate in ein Waisenhaus zur Besserung eingewiesen wurde. Auf der Suche nach Unku, ihrer Vergangenheit und ihrem schlimmen Schicksal entblößt sich die traurige Geschichte der deutschen Sinti und Roma.

“Es ist mit Bestimmtheit anzunehmen, wenn die Männer [Unkus Mann Mucki, seine beiden Brüder und sein Vater] entlassen werden, dass sie die Arbeit bald wieder einstellen. Laubinger sowie seine Söhne haben noch nie feste Arbeit gehabt und auch noch nie den festen Willen gezeigt, sich um geregelte Arbeit zu bemühen, sondern sind stets nach Zigeunerart im Lande umhergezogen.” (S. 112)


Solche geschmacklos formulierte Ablehnungsbescheide, die Männer nicht aus den KZs zu entlassen, erhielt Hans, Unkus Schwiegermutter, auf jeden ihrer Briefe. Er zeigt sehr deutlich die Vorurteile, mit denen Sinti und Roma in Verbindung gebracht wurden. Daran hat sich bis heute leider nicht viel geändert. Formulierungen wie z.B., Zigeuner stehlen, sind schmutzig, faul, wollen nicht arbeiten… bekam selbst Janko Lauenberger oft genug zu hören. Umso mehr freut es mich, dass er und seine Familie zu ihrer Herkunft stehen und diese auch im Bandnamen unterstreichen, wie z.B. “Sinti Swing Qintett”, “Sinti Swing Berlin”.


Fazit

Ein sehr lesenswertes und informatives Buch, das ein literarisches Mahnmal dafür ist, was einem Volk aus einer Randgruppe angetan wurde, das bis heute um Aufmerksamkeit kämpfen muss. Durch Ergänzungen mit Bildern schafft es eine noch größere Nähe zu Unku und ihrer im KZ ermordeten Familie. Es hat mich sehr berührt und ich bin unglaublich froh, es gelesen zu haben. Als Ergänzung dazu, werde ich jetzt “Ede und Unku”, die ursprüngliche Geschichte, lesen. Ich bin sehr gespannt auf das Buch, das Janko Lauenberger schon sein ganzes Leben lang begleitet hat.


Weitere Rezensionen

 ++ Lesen eine Leidenschaft fürs Leben 

 Buchvogel* 

Hundertmorgenwald*

*(Rezensionen dieser Blogs stehen noch aus)



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Im Rahmen des Projektes „Lokale Geschichte sichtbar machen” stieß ein Projekt des Alternativen Jugendzentrums Dessau-Roßlau bei Recherchen darauf, dass Dessau die Heimat von „Unku” war –ein reales Mädchen, das die jüdische Schriftstellerin Grete Weiskopf alias Alex Wedding zu ihrem Roman „Ede und Unku” inspirierte, der in der DDR-Zeit zur Pflicht-Schullektüre gehörte. Unku hieß eigentlich Erna Lauenburger und war eine Sintessa — weshalb ihr Leben wie das ihrer Familienmitglieder beispielhaft das Schicksal der Sinti und Roma zur NS-Zeit zeigt. Die Jugendlichen haben ihre akribischen Archivrecherchen und
Zeitzeugenbefragungen zu dem 35-minütigen Film „Was mit Unku geschah” zusammengetragen.

Projektleitung: Jana Müller, Alternatives Jugendzentrum Dessau


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Sinti Swing Trio Memorial Django Reinhardt 08. & 09. Juli 2011 Hildesheim Germany

Next Memorial Django Reinhardt 06. & 07. Juli 2012

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Ich danke dem Gütersloher Verlagshaus sowie Bloggerportal, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Moin, liebes monerl,
    ich finde es so schön, dass sich jemand hingesetzt hat und Unkus Lebensweg erzählt hat.
    Ich verstehe nicht, dass die Bundesrepublik erst 1982 offiziell den nationalsozialistischen Massenmord an den Sinti und Roma anerkannte. Die Zahlen der Opfer sprachen doch für sich.

    “Ede und Unku” ist derzeit auch meine Lektüre. Vielen Dank für die Verlinkung.

    Liebe Grüße, Anne

    1. Moin, moin liebe Anne!

      was Sinti und Roma angeht liegt vieles noch im argen, finde ich. Verstehe auch nicht, warum nicht mehr darüber berichtet wird. Es gibt zu diesem Völkermord kaum Literatur.

      Ich fand das Buch toll und freue mich, dass der Ur-Großcousin von Unku es geschrieben hat. So ist er doch ein Teil ihrer Familie. Der Teil, der überlebt hat.

      Freue mich auf deine Rezi. Petrissa und Daniela haben das Buch auch. Bin sehr gespannt, wie ihr drei es empfinden werdet.

      Hab ein schönes WE,
      glG vom monerl

      1. Na ja, es muss sich ja jemand finden – ein Überlebender oder ein Nachfahre – der den Mut hat, darüber zu berichten. Und da die Vorurteile diesen Menschen gegenüber heute immer noch aktuell sind, muss jemand, der dann wirklich dazu bereit ist, auch jemanden zur Unterstützung finden, dem er vertrauen kann. Alles nicht so einfach, denke ich mal.

        Mal eine Frage: Ich würde mein kleines Ede-und-Unku-Buch von Grete Weiskopf gerne auf Wanderschaft schicken. Hättest du Interesse dran?

        1. Danke für dein Angebot! Habe es gestern aber nicht erwarten können und mir gleich das Hörbuch gekauft und geladen und heute bereits angefangen zu hören! hihi
          Die Idee mit der Wanderschaft finde ich aber dennoch ganz toll. Mach doch das Angebot unter deiner Rezi und dann auch unter der Rezi von dem Buch von Janko Lauenberger.
          GlG, monerl

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