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[Buchvorstellung] Euphoria – LILY KING

11. Januar 2019

#52 Kurzmeinung
#19für2019

 

Buchvorstellung

Neuguinea, Anfang der dreißiger Jahre: Die amerikanische Ethnologin Nell Stone, bereits in ihrer Jugend berühmt, ist körperlich am Ende, als sie mit ihrem Mann Fen nach langer Feldforschung zu einer Kolonialstation zurückkehrt. Dort begegnen sie Andrew Bankson aus England, auch er Ethnologe, der ihnen eine Zusammenarbeit vorschlägt. Erschöpft von vergeblichen Versuchen, die Stämme am Sepik-Fluss zu erforschen, gelangt das Trio zu den Tam, einem von Frauen dominierten Stamm. Schon bald entwickelt sich zwischen Nell und Andrew mehr als nur eine enge Arbeitsbeziehung. Und je tiefer die Wissenschaftler die ungewöhnlichen Rituale der Tam erforschen, desto deutlicher treten individuelle Wünsche und Interessen hervor. Die Spannungen, denen sie bald ausgesetzt sind, enden dramatisch …

 

Kurzmeinung

  • Genre: Roman, fiktiv, von realen Ereignissen inspiriert
  • Handlung: Drei Menschen, die die Faszination teilen Naturvölker zu erforschen, geraten in eine unerwartete Dreiecksbeziehung, und dies “am Ende der Welt”. Was die Forschung angeht verbindet sie vieles. Sie können sich Impulse und Denkanstöße geben und sind ein gutes Team. Charakterlich aber driften sie weit auseinander.
  • Charaktere: Nell ist die Frau in diesem Gespann. Sie ist sehr klug, enthusiastisch, feinfühlig, sensibel und voller Ideen und Tatendrang. Ihr Mann Fen ist das glatte Gegenteil. Er ist ein großer Egoist, selbstherrlich und ein neidischer Jammerlappen. Ein charakterschwacher Mensch, der nicht mit dem Ruhm seiner Frau umgehen kann. Andrew Bankson ist der Dritte im Bunde, der sich in Nell verliebt, sie bewundert und auch versteht.
  • Spannung: Dieser Roman spielt nicht auf Spannung. Dennoch entwickelt sich ein eigenartiger Sog, der einen ins Buch zieht und die Frage bringt, was wird am Ende passieren. Wie kann diese eigenartige Dreiergeschichte enden? Auf was wird es hinauslaufen?
  • Schreibstil: Der Schreibstil ist wundervoll! Gekonnt schafft es die Autorin das Setting, die Forschung, die Charaktere sowie die Gefühle vor das innere Auge des Lesers zu projizieren. Ich hing regelrecht an ihrer Feder… Überwiegend erfahren wir als von Andrew Bankson, der als Ich-Erzähler fungiert. Damit das nicht zu einseitig wird, lässt uns die Autorin durch Nells Tagebucheinträge mehr von ihr wissen und wie sie alles erlebt. Beide Sichtweisen zusammen ergeben ein stimmiges Bild.
  • Ende: In zwei Worten ausgedrückt: schmerzhaft wundervoll! Es ist für mich das i-Tüpfelchen der ganzen Geschichte. Der Autorin ist ein absolut rundes Werk gelungen! Kein Kitsch, kein Hollywood-Ende und doch bin ich absolut zufrieden.

    Fazit: Dieser Roman ist fiktiv, wurde aber von realen Ereignissen aus dem Leben der Kultur-Anthropologin Margaret Mead inspiriert. Ich kenne sie und ihre Geschichte nicht, deshalb war mein Lesen völlig frei von diesem Hintergrundwissen.
    Ich fühlte mich sehr gut unterhalten und in ferne Länder versetzt. Inwieweit der Inhalt, der auf die Forschung und die Beschreibung/Kultur der Stämme stimmt, kann ich nicht beurteilen. Als erfundene Geschichte hat das Buch für mich funktioniert. Ich empfand das Zusammenspiel der Charaktere, die Probleme, die sich im Laufe der Zeit darstellten und den Schluss als sehr gelungen. Ich konnte mir Nell, Fen und Andrew sehr gut vorstellen und in sie hineinversetzten. Ein feiner Roman unter 300 Seiten, der mich begeistert hat und für den ich eine absolute Leseempfehlung ausspreche!
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Weitere Rezensionen

Weitere Recherche

Beitrag zu Ethnologin Margaret Mead auf Wikipedia.

Bericht “Streit ums Paradies” zu Margaret Mead in Zeit online v. 30.03.2018

Beitrag zu Neuguinea auf Wikipedia. 

Web-Seite über Ethnologie von Hans-Jürgen Arfert

 

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  1. Hallo Monerl

    Kulturwissenschaft ist ein sehr interessantes Fachgebiet. Das eingeflochten in eine gute Geschichte klingt richtig gut. Du konntest dir alles bildlich vorstellen. Das ist bei einem Buch die halbe Miete. Schöne Kurzbesprechung von dir. Gefällt mir wie du die Rezi aufgegliedert hast.

    Liebe Grüße,
    Gisela

    P.S. Falls du dich gerade im Delirium befindest (siehe Sonntagsaktion) gehe ich jetzt liebe wieder. Will nicht stören …. kleines Scherzle 😉

    1. Hallo Gisela,
      bist du nun ins Delirium eingetaucht… 😉

      Ja, ich finde auch, dass diese Wissenschaften sehr interessant sind. Es gibt viel zu erfahren und zu lernen. Es gibt so viele verschiedene Möglichkeiten auf dieser Erde zu leben, die ursprünglichen finde ich total spannend! Das Buch wäre sicherlich auch was für dich.

      Ich habe für mich entschieden, dass ich nicht mehr zu lange und zu ausführliche Rezensionen schreiben möchte. Davon abgesehen, dass ich die Zeit nicht habe, finde ich diese Art von Kurzmeinung eigentlich sehr treffend. Freut mich, dass sie dir gefällt. Du wirst ihr in 2019 noch oft begegnen. 🙂
      GlG, monerl

  2. Hallo Monerl,

    jetzt habe ich neben Deiner Rezension auch die von Dir verlinkten gelesen.
    Da gehen ja die Meinungen stellenweise sehr auseinander.
    Vorneweg, es ist kein Buch für mich aber Deine Rezension stellt genau die Sichtweise dar, die wahrscheinlich die meisten Leser haben.

    Auf jedenfalls bin ich jetzt eine ganze Ecke schlauer rund um das Thema dieser Frau.

    LG Anja

    1. Liebe Anja,
      da warst du aber interessiert und fleißig! 😀 Freut mich zu erfahren, dass die verlinkten Beiträge wohl doch gelesen werden. Das erfährt man ja so nicht.

      Ich bin ganz wertfrei und unvoreingenommen an das Buch rangegangen. Habe vorher keine Rezis gelesen. Deshalb wusste ich auch nicht mehr, als auf dem Klappentext stand. Erst im Nachhinein habe ich nach all den Sachen recherchiert. Das hatte mir großen Spaß gemacht. Freut mich auch, dass du interessiert meine weitere Recherche genutzt hast. :-*
      GlG, monerl

  3. Hallo monerl!

    Ich finde unterschiedliche Stämme und ihre Kulturen immer wieder spannend. Bei vielen Dingen bin ich froh, dass es bei uns nicht üblich. Dennoch denke ich, wir sollten Stammeskulturen offen gegenüber treten. Sieht man sich unsere Gesellschaft an ist bei weitem nicht alles gut. Vielleicht gibt es in einem Stamm ja Verhaltens- und Lebensweisen, die sich auf unsere Gesellschaft positiv auswirken könnte.
    Während beispielsweise Altersarmut zu nehmend zu einem Problem wird, gibt es dann in einigen Stämmen gar nicht. Es ist selbstverständlich, dass man den Alten hilft und sie genießen für ihre jahrelangen Taten Anerkennung.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Hallo Sabrina,
      ich finde, vieles ist uns, auf dem Wege zu unserer heutigen Gesellschaft, abhanden gekommen. Hierzu zähle ich Natürlichkeit, Empathie, Nächstenhilfe… Das, was früher als selbstverständlich galt und in den Stämmen, die noch sehr naturverbunden leben, heute noch gilt. Denn davon hängt das Überleben ab. Davon haben wir uns abgekoppelt und sind recht egoistisch und selbstverliebt geworden. Wahrscheinlich wäre auch hier der mittlere Weg die Lösung. Wir müssen mehr für die Umwelt und die Natur tun und dabei wieder menschlicher werden.

      Ich denke, dieses Buch würde dir auch gefallen. Es ist eine schöne Mischung aus Wissenschaft- Abenteuer- und Liebesroman.
      GlG, monerl

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