Gute Geister
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[Buchvorstellung] Gute Geister – KATHRYN STOCKETT

15. Juli 2020

#375 Rezension
#WirLesenFrauen

 

Buchbeschreibung

Mississippi, 1962: Nach dem Studium verbringt Skeeter die Tage auf der elterlichen Baumwollfarm, als einzige ihrer Freundinnen ohne einen Ring am Finger. Und dann ist auch noch ihr geliebtes Kindermädchen spurlos verschwunden. Skeeter wünscht sich nur eins: Sie will weg aus dem engen Jackson und als Journalistin in New York leben. Um etwas zu verändern, verbündet sie sich mit zwei schwarzen Dienstmädchen: Aibileen zieht die Kinder ihrer Arbeitgeber auf – das Tafelsilber darf sie aber nicht berühren. Und Minny ist auf der Suche nach einer neuen Stelle. Sie ist bekannt für ihre Kochkünste, aber sie ist auch gefürchtet: Denn Minny trägt das Herz auf der Zunge. Gemeinsam beschließen die drei Frauen, gegen die Konventionen ihrer Zeit zu verstoßen und etwas zu wagen. Denn sie alle haben das Gefühl zu ersticken und wollen etwas verändern – in ihrer Stadt und in ihrem eigenen Leben.

 

Meine Meinung

Dies ist ein Buch, das nicht zu lange in den Regalen ein ungelesenes Dasein fristen sollte, wie es bei mir der Fall war. Einmal begonnen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen!

Kathryn Stockett lässt im Buch ihre drei Protagonistinnen erzählen. So erfährt man über die Geschehnisse aus Sicht von Aibileen, Minny und Miss Skeeter. Dies sorgt für intensivere Einblicke in die schwarze wie auch weiße Community von Jackson und steigert die Spannung. Zudem erzeugt dieser Schreibstil Nähe zu den Figuren.

Als Leser*in wird man regelrecht in die Zeit der 60er Jahre versetzt, als es die gesetzliche Rassentrennung und Diskriminierung von Schwarzen in den USA gab.

Viele reiche, weiße Haushalte leisteten sich ein schwarzes Dienstmädchen und behandelten es oftmals als Eigentum, mit dem man tun und lassen konnte, was man wollte. War das Arbeitsverhältnis zwischen der Familie und dem Dienstmädchen, wenn die Familie nicht (mehr) zufrieden war, aufgelöst worden, war es überaus schwer für das schwarze Dienstmädchen eine neue Arbeit zu finden. Die schwarzen Frauen waren abhängig von ihren weißen Arbeitgeber*innen, da es für sie kaum andere Arbeit gab.

Umso riskanter, wie auch gefährlich war es für Aibileen und Minny Miss Skeeter bei ihrem Buch zu helfen, legte es doch die wahren Geschichten offen, was schwarze Dienstmädchen bei ihren weißen Arbeitgebern so alles erlebten.

Die Spannung, wie das Buch ausgehen würde, war kaum auszuhalten. Mit dem Wissen, wie schnell seinerzeit schwarze Menschen verurteilt oder auch vom Ku Klux Klan getötet wurden, machten ein gutes wie auch schlechtes Ende möglich.

Ich habe die wunderschöne Sonderausgabe, deren Cover aus bedrucktem Ganzleinen ist, das sich wundervoll anfühlt. Zudem gibt es hier auch einige Kochrezepte aus dem Buch von Minny, der besten Köchin in Jackson.

 

Schokoladenkuchen
Minnys berühmt berüchtigter Schokoladenkuchen / Buch S. 455 © Kathryn Stockett / btb Verlag

Fazit

Ein wunderbares Buch, das aufklärt, aufrüttelt, Augen öffnet und aufzeigt wie schlimm es ist und wie furchtbar sich Menschen fühlen, wenn man sie zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Es blickt zurück in eine historisch traurige Zeit, die sich zwar gebessert hat, aber den Leser*innen, in Verbindung mit den derzeitigen Nachrichten, auch vor Augen bringt, dass wir heute weder in den USA, noch in Deutschland oder woanders auf der Welt es geschafft haben, Rassismus auszumerzen.
Solange es den Slogen #BlackLivesMatter gibt, so lange sind wir noch nicht am Ende mit der Aufklärung und dem Kampf gegen Rassismus!

Offizieller Filmtrailer "The Help"

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Ich habe gleich am nächsten Tag den Film geschaut und bin auch von der filmischen Umsetzung sehr begeistert! Die Schauspielerische Leistung ist grandios. Zudem hält sich der Film, bis auf 2 kleine Stellen, voll und ganz an die Buchvorlage. Ganz klasse und eine klare Empfehlung für einen tollen Kinoabend!

 

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  1. In meinem Lesekreis haben einige das Buch auch bereits gelesen. Ich selbst kenne es noch nicht. Vielleicht sollte ich es wirklich nicht mehr vor mir herschieben! Du hast mich (wieder) neugierig gemacht.

    Liebe Grüße
    Mona

    1. Das freut mich, dass ich dich (wieder) neugierig gemacht habe! 🙂 Das Buch lohnt sich und der Film auch. Kann mir sehr gut vorstellen, dass das auch ein Buch für deine Große wäre. Das Thema ist wichtig und man muss bei der jungen und jüngeren Generation anfangen, sie dafür zu sensibilisieren. Als Belohnung für das dicke Buch ist dann danach der Film. Ein netter Familien-Kinoabend. 😉
      GlG, monerl

  2. Ich fand das Buch auch gut zu lesen, hatte aber ein kleines Problem damit, dass die ganze Geschichte (schon wieder) aus einer weißen Sicht erzählt wurde.

    Und dann gibt es da noch die – aus Fristgründen abgewiesene – Klage rund um die Buchveröffentlichung, weil die Haushälterin, die jahrelang für den Bruder der Autorin arbeitete, nicht glücklich damit war, dass ihre Lebensgeschichte auf diese Weise verwendet wurde. So sehr ich den Roman beim Lesen genossen habe, diese Elemente hinterlassen dann doch einen unangenehmen Nachgeschmack.

    1. Ich denke, dass es sicherlich nun immer mehr und mehr solche Bücher von “own voices” geben wird. Dafür plädiere ich auch. Alles verändert sich gerade und das finde ich gut. Rassismus muss bekämpft werden und gerade BPoC sollten sich auch mehr trauen solche Romane zu schreiben. Es gibt viele Menschen, die Wurzeln in die dunkle Vergangenheit der Rassentrennung und Versklawung haben. Sie sollten Mut fassen ihre Geschichten zu erzählen. “The Help” gibt es schon seit 2011, oder? Da war die Welt wieder ein bisschen anders.

      Danke für die Info zu dem damaligen Hausmädchen. Das war mir nicht bekannt! Dieser Aspekt gefällt mir auch nicht. Es hätte, wenn man gewollt hätte, sicherlich Möglichkeiten gegeben, sich mit ihr abzusprechen. Man hätte sie als Co-Autorin auch berücksichtigen können usw. Sehr schade! Das macht mich traurig. Ich hoffe wirklich sehr, dass wir nun ein Zeitalter der Sensibilisierung angebrochen haben und BPoC und ihre Anligen ernst genommen werden.
      GlG, monerl

      1. Ich habe gerade mal nachgeschaut und festgestellt, dass “The Help” 2009 erschienen ist. Ich habe die deutsche Ausgabe im Dezember 2012 gelesen und bin da dann schon über die (vergebliche) Klage gestolpert. Kathryn Stockett selber hat wohl damals behauptet, dass sie die Haushälterin ja kaum gekannt hätte (und dementsprechend gar nicht ihre Lebensgeschichte hätte stehlen können).

        Es wäre auf jeden Fall gut, wenn es auch zu diesem Thema mehr Own-Voice-Titel gäbe. Immerhin sehe ich gerade in meiner US-Timeline sehr viel Aufrufe von Verlagen und Agenten, die an BPoC gerichtet sind, die doch bitte ihre Manuskripte, Romanideen einreichen sollen. Vielleicht bewegt sich da ja wirklich etwas in den kommenden Jahren.

        Mir ist zumindest im Kinder- und Jugendbuch-Bereich aufgefallen, dass es (im englischsprachigen Raum) eine deutlich größere Auswahl an Own-Voice-Titeln in den letzten Jahren gibt.

        1. Hab gerade bei Wiki gesehen, dass auch dort das mit dem Rechtsstreit erwähnt wird. Ich muss mal richtig googeln und mehr dazu lesen. Das interessiert mich jetzt.

          Ich hoffe auch, dass BPoC mutiger werden und sich auf die Aufrufe melden. Jetzt ist genau die richige Zeit dafür.

          Durch die Bevölkerungsgröße insgesamt und auch den prozentualen Anteil von BPoC in den USA ist es schon nachvollziehbar, dass dort im Kinder- und Jungedbereich mehr veröffentlicht wurde. Hier in Deutschland sind wir noch am Anfang des Ganzen. Es wäre aber zu wünschen, dass das auch hier Fahrt aufnimmt. Auch wir haben eine Kolonialgeschichte, die aufgearbeitet gehört!

          1. Die haben wir definitiv – auch wenn es (zumindest zu meiner Zeit) recht wenig dazu im Schulunterricht zu erfahren gibt.

            Da so viele Bücher, die in Deutschland erscheinen, “nur” Übersetzungen sind, hoffe ich sehr, dass die diverseren Titel so auch hier ankommen. Wobei es ja auch so viele Bücher zu anderen Minderheiten im englischsprachigen Raum gibt, die auch nicht hier ankommen (oder bei der Übersetzung dann wieder entdiversifiziert werden *grummel*).

            1. Ich grüble auch schon seit ein paar Wochen, was ich darüber in der Schule gelernt habe und komme auf kein Ergebnis. Kann mich absolut nicht erinnern, dass wir die deutschen Kolonien irgendwie durchgenommen haben. Vielleicht gab es mal einen Nebensatz aber der ist mir nicht in Erinnerung geblieben. 1988 war ich in der 5. Klasse. Bis zum Abi war das kein großes Thema. Ich hoffe, dass sich das jetzt bald ändern wird.
              Ich kenne den englischsprachigen Markt nicht, da ich nicht auf Englisch lese. Aber das ist ja total doof, was du sagst. Hast du mir evtl. ein Beispielbuch, das auf Deutsch “entdiversifiziert” wurde? Das interessiert mich jetzt schon! 🙂

              1. Ich erinnere mich auch nur an einen Nebensatz in der zehnten Klasse, aber so richtig ein Thema war das nicht …

                Da ich über die ganzen Beispiele in der Regel bei Twitter stolpere, habe ich natürlich auf die Schnelle meiner Erinnerung nicht so konkret auf die Sprünge helfen können, wie es mir lieb gewesen wäre. *g* Aber wenn ich mich recht erinnere, dann ist es so, dass in den “Murderbot Diaries” von Martha Wells im Englischen die Hauptfigur non-binary ist, während im Deutschen der erzählenden Figur ein Geschlecht zugewiesen wurde, weil es angeblich keine entsprechenden Pronomen im Deutschen gäbe. (Was es sehr wohl gibt, auch wenn anscheinend verschiedliche Personen unterschiedliche Varianten bevorzugen, aber da hätte man sich ja kundig machen und für eine Variante entscheiden können.)

                Ebenso gibt es wohl in der deutschen Übersetzung von Seanan McGuires “Warward Children”-Geschichten ein Problem mit der Figur Kade, der im Englischen ganz klar ein trans Mann ist, was aber im Deutschen nicht immer glücklich ausgedrückt wird, wenn ich Rike (Rike Random) richtig verstanden habe. Sie hatte auf ihrem Blog darüber geschrieben, wenn du nach der “Back to Wonderland”-Rezi von ihr schaust.

                1. Ich danke dir für die Mühe und die ausführliche Darlegung. Ich werde mal danach schauen und auch mal bei Rike nachlesen. 🙂
                  Solche Sachen sollten bei Übersetzungen keinesfalls passieren! So arm ist unsere Sprache nun auch wieder nicht. Und wenn sie doch nichts hergibt, gehört darüber gesprochen. Bis dahin verwendet man eben die englischen Ausdrücke, wie man es z.B. auch mit BPoC, BIPoC, PoC macht.

  3. Hallo liebes Monerl

    Dein erster Satz spricht mich persönlich an. *Gute Geister* subt seit ca. 7 Jahren bei mir. Ich besitze die Weltbildausgabe. Noch in Folie verpackt. (Entschuldigung Greta)! Die ist auch sehr schön. Dein Fazit schreit förmlich danach: Befreie das Buch vom SuB!

    Liebe Grüße,
    Gisela

    1. Liebe Gisela,
      du musst das Buch unbedingt vom SuB befreien! Meines war auch seit ca. 4 Jahre oder so im Regal verschollen. Aber es lohnt sich wirklich zu lesen. Ich hab´s in 3 Tagen gelesen, ICH, die so gar keine Lesezeit hat aber ich konnte nicht auffhören. Hab alles stehen und liegen lassen und jede Sekunde, die ich ermöglichen konnte, gelesen. hihi
      Les es bald! 😀
      GlG, monerl

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