Helden der östlichen Zhou-Zeit
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[Buchvorstellung] Helden der östlichen Zhou-Zeit 1: Wege zum Ruhm 东周英雄传 第一册 – CHEN UEN 郑问

12. April 2019

#277 Rezension

 

Buchbeschreibung

Helden der östlichen Zhou-Zeit

Die östliche Zhou-Dynastie (770 v. Chr. bis 256 v. Chr) war in China, das damals ein Flickenteppich vieler Kleinstaaten war, eine Zeit großer Umbrüche.

Die Epoche war geprägt von Machtkämpfen, kriegerischen territorialen Auseinandersetzungen, dem Aufstieg und Niedergang von Staatswesen.

Doch diese von großen Unsicherheiten, politischem Niedergang, blutigen Konflikten und Grausamkeiten geprägte Zeit war ebenfalls das goldene Zeitalter der chinesischen Philosophie und des chinesischen Denkens.

Während dieser Epoche hervorgetretene Denker beeinflussen mit ihren Schriften bis heute die chinesische Gesellschaft und das chinesische Denken.

Die Comictrilogie des Taiwanesen Zheng Wen (Chen Uen) erzählt episodenhaft aus dem Leben historischer Figuren, die ihre Zeit prägten und ebenso von ihrer Zeit geprägt waren.

Es sind dies mächtige Herrscher und deren Minister, Kriegstrategen und Denker, Attentäter, Meuchelmörder und Krieger, Frauen, um deren Schönheit sich Legenden ranken, selbstlose Märtyrer, aber auch gewöhnliche kleine Leute, die unverhofft und schicksalshaft in das Getriebe der Machtkämpfe der Mächtigen hineingeraten sind und in der chinesischen Geschichtsschreibung ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben.

Die vielfach preisgekrönte Comictrilogie erschien vor mehr als 20 Jahren zum ersten Mal und gilt heute als Meilenstein des chinesischsprachigen Comics (chin.: Manhua).

 

Meine Meinung

Dies ist bereits mein zweiter Comic von Chen Uen und ich stelle fest, dass ich mich so langsam in den Zeichenstil, die Thematik und die Kultur eingelesen habe. Es fällt mir leichter die Bilder zu entziffern und zu deuten, wobei ich hin und wieder manches einfach so hinnehmen musste, da mir die Bedeutung nicht ganz klar war. Womöglich liegt das aber an der Tatsache, dass ich diesen kulturellen Kreis mit evtl. Anspielungen schlichtweg nicht verstehe(n) (kann).

Auch hier wird wieder der Comic mit einigen farbigen Zeichnungen eingeleitet und es geht dann schlichter mit schwarz-weiß weiter. Was ich sehr, sehr schade finde, denn ich muss zugeben, dass mir die farbigen Zeichnungen um einiges besser gefallen! Sie wirken viel lebendiger, anschaulicher und auch verständlicher, da das Auge durch die Farben viel besser durch das jeweilige Bild geführt wird.

 

Helden der östlichen Zhou-Zeit
© Chinabooks Verlag
Helden der östlichen Zhou-Zeit
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© Chinabooks Verlag
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Es erstaunt mich sehr, wie unterschiedlich der Zeichner die Gesichter darstellen konnte. Ein jeder Charakter ist wiederzuerkennen, auch in ganz kleinen Bildern mit vielen Menschen.

Im vorliegenden ersten Band der Trilogie bekommen wir acht verschiedene Geschichten präsentiert, die jeweils ein anderes Zeitalter betreffen. Chen Uen arbeitet sich von 770 v. Chr. bis 252 v. Chr vor und erzählt von einfacheren Menschen, die zu Helden wurden, über Konfuzius und Xi Shi, deren Schönheit Jahrtausende überdauert hat bis hin zur Kindheit von Ying Zheng, der der spätere Qin Shinhuangdi ist, alle Reiche unterwarf und als erste Kaiser des vereinten chinesischen Reiches bekannt wurde, und von dem man in der Comic-Biografie “Der erste Kaiser” mehr erfährt.

Ich staunte mal wieder über diese Masse an Intriegen, die Missgunst, kriegerischen Auseinandersetzungen, manch ausgeprägte Unterwürfigkeit wie auch den Drang zur Selbstopferung unvm, von dem die unterschiedlichen Geschichten handeln. Die letzte Geschichte hat noch eine große Priese Erotik, in die ich unerwartet gestolpert bin.

Chen Uen gelingt es unglaublich gut in kriegerischen Handlungen und Intrigen die Gewalt als auch den Schmerz in die Bilder zu zeichnen. Als Leser*in bzw. Betrachter*in der Zeichnungen konnte ich mir sehr gut vorstellen, wie furchtbar diese Zeit war und in welcher Angst die Menschen gelebt haben.

 

Helden der östlichen Zhou-Zeit
© Chinabooks Verlag
Helden der östlichen Zhou-Zeit
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Auch in diesem Band gibt es zu Beginn das Vorwort zur Neuausgabe, sowie Anmerkungen des Übersetzters, in denen man mehr zum Thema und den Schwierigkeiten der Übersetzung erfährt.

Die Zeittafel als Abschluss des Comics zeigt nochmals schön und struckturiert die wichtigsten Eckpunkte der Frühlings- und Herbstperiode (770 – 476 v. Chr.) und die Zeit der Streitenden Reiche (475 – 221 v. Chr.). Zum Schluss gibt es noch eine ganz kleine Karte, in der die verschiedenen Reiche aus der jeweiligen Epoche eingezeichnet sind. Leider konnte ich mit dieser nicht so viel anfangen, da für mich keine Grenzen sichtbar waren und sie zudem einerseits zu schlicht und andererseits überfrachtet ist mit chinesischen Zeichen, die mir natürlich nichts sagen. Ich hätte mir verschiedene schöne, große Karten gewüscht, aus denen man herauslesen kann, wie sich die Grenzen über Jahrhunderte hinweg verschoben haben.

 

© Chinabooks Verlag
Helden der östlichen Zhou-Zeit
© Chinabooks Verlag

Das Buch wendet sich auch an Chinesischlernende, denn der Comic ist auf Deutsch und auf Chinesisch vorhanden. Die erste Hälfte des Bandes macht den Comic auf Deutsch aus, die zweite auf Chinesisch. Man liest das Buch untypischerweise von “hinten” nach “vorne”.

Ganz am Ende gibt es noch einen Zusatz in Form einer Vokabelliste, die auch den Inhalt in einfacher Sprache zusammenfast.

 

Fazit

Dieser erste Band “Wege zum Ruhm” (–> Leseprobe) der Trilogie “Helden der Östlichen Zhou-Zeit” hat mir sehr gut gefallen. Wenn man sich an den Stil der Tuschezeichnungen gewöhnt hat, fällt es nicht mehr schwer, sich auf den Inhalt, den sie darstellen, zu konzentrieren. Auch hier habe ich wieder einiges über Chinas Historie gelernt, wenn auch sehr komprimiert. Doch der erste Schritt zum Verständnis wurde gemacht. Ich fühle mich gewappnet, um nach weiterer Literatur aus diesem Bereich zu suchen, die kein Comic ist. Gerne möchte ich mal einen Roman darüber lesen.

 

Über Chen Uen

Chen Uen (Pinyin: Zheng Wen) wurde 1958 in Taiwan geboren und verstarb 2017. Er gilt in Ostasien als eine Art Jahrhundertgenie.

In vielen seiner Werke widmete er sich historischen Stoffen aus der langen chinesischen Geschichte. Sein technisch meisterhafter Zeichenstil weist starke Einflüsse der traditionellen chinesischen Tuschemalerei auf.

Den großen Durchbruch schaffte er in Japan in den frühen 1990er Jahren, als dort seine Reihe „Helden der Östlichen Zhou-Zeit“ von Kodansha serialisiert wurde. Die renommierte japanische Tageszeitung Asahi Shimbun schrieb über ihn als ein „Genie“ – innerhalb der letzten 20 Jahre sei in der Comicwelt kein Künstler hervorgetreten, der sich mit Chen Uen messen könne.

Japanische Medien betitelten ihn als einen „Schatz Asiens“. Nach seinem Tod gelangten Klassiker Chen Uens in Taiwan wieder ganz vorne auf die Bestsellerlisten. In Taiwan, Hongkong, Japan und China wurde nach Chen Uens Ableben umfangreich im Fernsehen und anderen Medien Nachrufe auf den Künstler gesendet. (Quelle: manhua.ch)

 


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    1. Liebe Daniela,
      jetzt bin ich total gespannt auf deine Meinung zu diesen Comics! Hoffentlich können sie dich auch in Echt überzeugen und nicht nur meine Rezi… 🙂
      GlG, monerl

    1. Hallo Mihaela,
      danke für deinen Besuch und dein Interesse. 🙂 Solche Comics sind auch für mich noch Neuland aber es macht mir großen Spaß das zu entdecken.
      GlG, monerl

    1. Hey Tinette,
      danke für die schnelle Info und den neuen Link! Hab ja deine List auf meiner FB-Seite geteilt, weil ich das so toll fand! Hab den neuen Link dort nun auch wieder bekannt gegeben… 😀
      GlG, monerl

  1. Liebes Monerl, so viel Mühe hast Du Dir mit diesem Beitrag gemacht. Wirklich beachtenswert! Wertvolles Wissen transportiert,,,ich wünsch Dir ein gutes WE mit einer erholsamen BlogPause und viel Zeit für DICH und die Familie,,,,
    LG Angela

    1. Guten Morgen liebe Angela,
      diese beiden Comics haben mir wirklich großen Spaß gemacht! Die Rezi ist so richtig geflutscht! hihi Und weil ich so viel dabei gelernt habe, wollte ich es in die Rezi transportieren. Vielleicht gibt es ja noch mehr solche wie mich, die mehr über China wissen wollen, aber keine richtige Orientierung für den Beginn finden.
      Das Wochenende war schön. Das Wetter war ok und wir hatten ganz liben Besuch. Was wil lman mehr!? Hoffe, dein WE war auch schön und dass du mit diesem Montag in eine angenehme Woche startest!
      GlG, monerl

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