Ich ein Kind der kleinen Mehrheit
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Ich, ein Kind der kleinen Mehrheit – GIANNI JOVANOVIC / OYINDAMOLA ALASHE

23. März 2022

#428 Rezension

 

Buchbeschreibung

Was für eine Geschichte! Gianni Jovanovic hat mit 43 Jahren mehr erfahren als andere in ihrem ganzen Leben: 1978 in Rüsselsheim geboren, erlebten er und seine Familie immer wieder rassistische Anfeindungen. Mit 14 verheirateten seine Eltern ihn. Mit 17 war er bereits zweifacher Vater, Anfang 20 outete sich Gianni Jovanovic als schwul. Inzwischen ist er seit 18 Jahren mit seinem Ehemann zusammen, zweifacher Großvater und die wohl bekannteste Stimme der Rom:nja und Sinti:zze in Deutschland.
Gemeinsam mit der Journalistin Oyindamola Alashe erzählt er diese Geschichte einer Selbstermächtigung und entwirft dabei auch seine Vision einer antirassistischen, diversen Gesellschaft. Gianni Jovanovic‘ Geheimwaffen: Charme und Humor. Besonders auch dann, wenn es weh tut.

 

Meine Meinung

Ich hatte vor diesem Buch noch nichts von Gianni Jovanovic gehört. Zufällig wurde sein gerade erschienenes Buch in meine Timeline gespült und da solche (Auto)Biografien genau mein Ding sind, habe ich sie mir gleich als eBook gekauft und angefangen zu lesen. Einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören. In drei Tagen hatte ich alle Seiten durch und kann immer noch nicht glauben, wie aus einem Menschen, mit solch einer Vergangenheit, so ein fröhlicher, humorvoller, Energie sprühender, reflektierter und lernwilliger Mensch werden konnte!

Gianni Jovanovic wendet sein Innerstes nach außen und macht sich wiederholt verletzbar. Das Buch wird von unterschiedlichen Menschen gelesen werden und nicht alle werden Gutes darüber berichten.

Schon allein die Form der gendergerechten Schreibweise wird vielen aufstoßen und sie werden sich nicht mehr auf den Inhalt konzentrieren können. Was natürlich sehr schade ist, da Gianni sehr viel zu erzählen und zu berichten hat.

Die Leserschaft lernt viel über Bräuche und Traditionen der Rom*nja und Sinti*zze, die sehr stark patriarchalische Strukturen aufweisen. Der Autor klärt uns auf wie er als Rom in Deutschland aufgewachsen ist und welche Erwartungen an ihn gestellt wurden, die er erfüllen musste und zum Teil wollte, um Teil der Familie zu sein (bleiben). Dabei war es kein Vorteil, dass er recht früh merkte, dass er schwul ist und auf Männer steht.

Gefangen in einer nicht gewollten Ehe mit zwei Kindern, selbst gefühlt noch ein halbes Kind, mit der Verantwortung für seine kleine wie auch erweiterete Familie erlebte er gewalttätige und erniedrigende Zeiten, innerhalb wie außerhalb der Familie.

Gianni Jovanovic zeigt auf, wie er aufgrund seiner Herkunft rassistisch beschimpft und strukturell von Behörden diskriminiert wurde. Mit Förderunterricht startete sein Schulleben, umso erstaunlicher ist es, dass er aus eigener Kraft heute einen Bachelorabschluss vorweisen kann und als erfolgreicher Unternehmer und politischer Aktivist tätig ist.

Hier ist ein Mensch, der zeigt, wie er alle Steine, Felsen, ja – sogar Berge überwinden konnte und sich für Therapie und Vergangenheitsbewältigung öffnete, sein Leben und sich reflektierte und eigene Wege gehen konnte. Einfach bewundernswert! Sein starkes Selbstbewusstein war ihm dabei sicherlich ein guter Wegbegleiter.

 

Fazit

Ich ziehe den Hut vor so viel Mut und Lebenskraft sein Schicksal anzunehmen, es dann zu wenden und dies auch noch zum Guten! Der Autor kämpfte einst für sich und nun auch für andere. Wer mehr über Gianni Jovanovic, seine Familie, seine schreckliche Kindheit in Hessen und Bayern wissen möchte, der sollte unbedingt dieses Buch lesen! Es ist eine echte Bereicherung!

 
 

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– wird nachgetragen –

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