Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Ida – KATHARINA ADLER

26. September 2018

#48 Kurzmeinung

Buchvorstellung

Sie ist eine der bekanntesten Patientinnen des 20. Jahrhunderts: Dora, das jüdische Mädchen mit der petite hystérie und der verschlungenen Familiengeschichte. Dora, die kaum achtzehn war, als sie es wagte, ihre Kur bei Sigmund Freud vorzeitig zu beenden, und ihn, wie er es fasste, “um die Befriedigung brachte, sie weit gründlicher von ihrem Leiden zu befreien”. Von ihr, die eigentlich Ida hieß, handelt dieser mitreißende Roman.

Katharina Adler erzählt mit großem gestalterischen Können von einem weitreichenden Leben – von Welt- und Nervenkriegen, Ehe und Exil, Analyse und Erinnerung.


Kurzmeinung

  • Genre: biografischer Roman
  • Handlung: Katharina Adler ist die Urenkelin von der unter dem Namen Dora berühmt gewordenen Patientin Sigmund Freuds. In dieser Biografie schreibt die Autorin über das Leben ihrer Urgroßmutter. Dabei sollte das Bild von Ida umfassender gefasst werden. Was war das für eine Familie, in der sie aufgewachsen war? Wie kam es dazu, dass Ida zu Freuds Patientin wurde? Was war danach? Was für ein Leben hat Ida gehabt? Wie hat sie den Zweiten Weltkrieg er- und überlebt? Dieser biografische Roman versucht wohl, Ida ganzheitlicher zu erfassen.
  • Charaktere: Protagonistin ist natürlich Ida. Katharina Adler hat es geschafft, Ida eine Entwicklung mitzugeben. Wir lernen Ida in einem längeren Zeitabschnitt kennen. Dabei wird sie uns als Mädchen, junge und auch ältere Frau vorgestellt. Insgesamt empfand ich Ida jedoch als keine angenehme Person. Es schein nicht leicht gewesen zu sein, mit ihr guten Umgang zu pflegen. Hierbei bekommen wir einige Familienstreitigkeiten mit und das schwierige Verhälnis von Ida zu ihrem Sohn Kurt. Die Autorin arbeitet in ihren Roman Idas Sitzungen mit Sigmund Freud ein. Diese waren kaum zu ertragen, da Freuds Psychoanalyse einem die Haare zu Berge stehen ließ. Es gibt keine Aussage von Ida, die durch Freud nicht in eine sexualisierte Richtung gedreht wurde. Wie furchtbar muss das für Ida als knapp Achtzehnjährige gewesen sein, die bis dato in Sachen Liebe, durch die sexuellen Übergriffe eines familiären Freundes, eher die negative Seite kennengelernt hatte. Auch Idas Bruder Otto Bauer, der in der österreichischen Politik eine Rolle gespielt hat, nimmt ab der Hälfte einen recht großen Bereich des Romans ein, der mir zu intensiv war.
  • Spannung: Die Handlung, die ich zu Beginn als sehr spannend und interessant empfunden hatte, langweilte mich im letzten Drittel zunehmend. Ein Buch, das so gar keine Sympathieträger aufweisen kann, hat es immer sehr schwer. Dies war hier der Fall. Auch der aufkeimende Nationalsozialismus, der Ida zur Flucht trieb, ist ein Teil des Buches, der aber für meinen Geschmack nicht ausreichend ausgearbeitet wurde.
  • Schreibstil: Der Schreibstil ist etwas sprunghaft. Dadurch, dass nicht chronologisch erzählt und vieles  in Rückblicken eingeflochten wird, muss man sehr aufpassen, um alles mitzubekommen.
  • Hörbuch: Mit der Sprecherin wurde ich leider nicht so richtig warm. Sie konnte mich mit ihrer Sprechweise nicht mitreißen. Es war mir alles ein bisschen zu emotionslos.
  • Fazit: Ein biografischer Roman, der stark beginnt und dann zu sehr abfällt. Ein interessantes Debüt mit zu viel politischem Geschehen, das nicht immer nachvollziehbar war und zu wenig über die Problematik von Ida als Jüdin und die notwendige Flucht im Zweiten Weltkrieg aufzeigt. Zu viel Nörgelei, zu wenig ganzheitlich. Thematisch ein gutes Buch, dessen Umsetzung mir aber nicht so gut gefallen hat und in mir leider keine Begeiserung auslösen konnte.

  • Katharina Adlers Buch “Ida” ist eines von sechs Büchern, das im Finale für den “aspekte”-Literaturpreis 2018 steht. Der Preisträger oder die Preisträgerin des ZDF-“aspekte”-Literaturpreises 2018 wird am Freitag, 5. Oktober, in “aspekte” (23 Uhr) bekannt gegeben.

 

Weitere Rezensionen

Weitere Recherche

Beitrag “Ida Bauer (Patientin) – Der Fall Dora” auf Wikipedia.

Interview zum Buch mit Katharina Adler.

Finalisten des Aspekte Literaturpreises 2018

Aspekte Literaturpreisgewinner 1979 – 2017


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  1. Hi monerl,
    ich mag ja solche Biographien, vor allem, wenn sie einen großen Bogen schlagen. Von Freuds übersexualisierter Therapie halte ich auch nicht viel, auch wenn er natürlich auch viel Verdienstvolles getan hat. Dass Ida nicht so ganz einfach war – nun, so ist das Leben :D.
    Dennoch springt bei mir eher der Funke der Nichtbegeisterung über 😉
    Danke für die Vorstellung!
    LG – Daniela

    1. Hi Daniela,
      in erster Linie hatte ich Schwierigkeiten mit der Umsetzung, dem Stil des Buches. Für meinen Geschmack waren die Schwerpunkte nicht ganz so gut gesetzt. Klar, man kann nicht mit jedem Menschen, so auch nicht mit jeder Romanfigur, auch wenn es die Figur tatsächlich gegeben hat. Wenn dann aber vieles im Ganzen für einen nicht stimmt, hat´s das Buch schwer, zu überzeugen. 😉 Es ist ja nicht schlecht, konnte mich aber nicht vom Hocker reißen. Die Passagen mit Freud waren für mich tatsächlich die interessantesten. Auch wenn sie mich in Rage gebracht hatten. hahaha
      Ich würde sagen, du verpasst nichts, wenn du das Buch nicht liest… Viele sind aber von dem Buch begeistert. Vielleicht läuft es dir mal in nem Bücherschrank über den Weg. Dann solltest du evtl. doch zugreifen. 😉
      GlG, monerl

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