Ikon
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[Buchvorstellung] IKON – SIMON SCHWARTZ

20. März 2020

#346 Rezension
#6 #ComicMärz

Weiter geht es mit einer düsteren, historischen Comic-Biografie, die nicht so leicht zu lesen ist. Für Comic-Anfänger vielleicht nicht das richtige Einsteigerbuch. Ich bin sehr gespannt, ob sich jemand traut diesen Comic als Gewinnerpreis auszusuchen!

 

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Wie? Siehe Ankündiungspost und Teilnahmebedingungen! <–

 

Buchbeschreibung

IKON folgt dem Russen Gleb Botkin, der als Sohn des Leibarztes des russischen Zaren die Oktoberrevolution miterlebt und dabei seine engste Vertraute verliert – die Zarentochter Anastasia.

Jahre später, im amerikanischen Exil, trifft der spirituell entwurzelte Ikonenmaler Botkin eine psychisch kranke Frau, die vorgibt, seine verlorene Anastasia zu sein und Anspruch auf den russischen Thron erhebt. Botkin, der sein ganzes Seelenheil auf diese tragische Gestalt projiziert, verliert erneut den Halt und verschreibt sich mit Leib und Seele seiner wiedergefundenen Ikone.

IKON ist eine – auf wahren Begebenheiten basierende – Erzählung über Verlust, Projektion und die Liebe zweier verlorener Seelen, die von der Brutalität des 20. Jahrhunderts gezeichnet wurden.

 

Meine Meinung

Ikon, das / Ikone, die

Bedeutung:
1. Kultbild der orthodoxen Kirche mit der Darstellung heiliger Personen oder ihrer Geschichte

2. Person oder Sache als Verkörperung bestimmter Werte, Vorstellungen, eines bestimmten Lebensgefühls o. Ä.

Synonyme:
Galionsfigur, Idol, Kultfigur, Legende, Leitbild, Leitfigur, Star, Symbolfigur; (bildungssprachlich) Mythos
(Quelle: Duden)

 

Dieser Comic ist sehr schwierig zu lesen. Ich habe einige Zeit gebraucht, um reinzukommen und die zeitlichen Ebenen zu verstehen. Diese wechseln nämlich sehr häufig und das auch noch immer nach recht wenigen Seiten.

Es gibt drei Handlungsstränge: der Handlungsstrang der psychisch kranken Frau, die die Zarentochter Anastasia sein soll, der Handlungsstrang der historischen Erzählung, wie Gleb Botkin als Kind die Zarenfamilie kennengelernt hat und der, der Gleb Botkin als Erwachsenen in den USA zeigt.

Dabei geht Schwartz einerseits auf die Entstehung und die Grundlage der Ikonen der orthodoxen Kirche ein, wie auch auf die übertriebene Verehrung des Gleb Botkin gegenüber der Zarentochter Anastasia, die lebenslang anhielt.

 

Ikon
Ikonen der orthodoxen Kirche © Avant Verlag
Ikon
© Avant Verlag

Die Zeichnungen sind schwarz-weiß, sehr düster und bringen den Irr- und Wahnsinn sehr gut hervor. Diesen Comic zu lesen macht schon thematisch keine richtige Freude. Die Figuren und ihre Mimik ist streng, der Zeichenstil von Simon Schwartz recht eigen. 

Ich habe mir auch mit diesem Zeichenstil sehr schwer getan, da er mich nicht unbedingt anspricht.

Ikon
© Adrian Verlag

Insgesamt spannend finde ich aber, dass dies nun ein Comic ist, der auf wahren Begebenheiten beruht. Ganz deutlich wird dies nochmal durch den Anhang, der mit der Bezeichnung “Archiv” versehen wurde.

Darin finden die Leser*innen Abbildungen von Originalfotos der Zarenkinder, von Gleb Botkin und seinem Vater Dr. Jewgeni Botkin, den Leibarzt des russischen Zaren, der ebenso die Oktoberrevolution nicht überlebte. Auch gibt es Fotos von der jüngern wie auch alten, vermeintlichen Zarentochter Anastasia, die in Wirklichkeit Franziska Czenstkowski hieß.

Dieser Anhang füllt die Lücken, die sich beim Lesen des Comis womöglich ergeben und regt Interessierte zur weiteren Recherche an.

 

Fazit

Ein Comic, der aufgrund der Thematik und des Zeichenstils wahrscheinlich nicht unbedingt den Geschmack der breiten Masse treffen wird. Schwierig zu lesen und m.M.n. nicht für Comic-Anfänger geeignet.
Wer jedoch etwas Außergewöhnliches und / oder Historisches im Comicbereich sucht, der könnte mit diesem Comic vielleicht richtig liegen.

 

Über Simon Schwartz

Simon Schwartz, geboren 1982, ist einer der bekanntesten deutschen Comickünstler. Er debütierte 2009 mit “drüben!”, der berührenden Graphic Novel über die Ausreise seiner Eltern aus der DDR. Seine zweite große Arbeit “Packeis” über den afroamerikanischen Seemann und Nordpol-Entdecker Matthew Henson wurde von der Kritik begeistert aufgenommen und u. a. 2012 mit dem Max und Moritz-Preis als “Bester deutschsprachiger Comic” ausgezeichnet. 2014 erschien mit “Vita Obscura” ein Sammelband von Schwartz’ gleichnamigen Comicstrip aus der Wochenzeitung der Freitag, in der er auf mannigfaltige Weise skurrile Lebensläufe und Biografien illustrierte. Im Jahr 2017 ehrte der Deutsche Bundestag Simon Schwartz mit der Einzelaustellung “Das Parlament” in der Abgeordnetenlobby des Reichstagsgebäudes. Ferner erscheinen Schwartz’ Comics und Illustrationen regelmäßig in diversen Zeitungen und Magazinen, u. a. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, der Freitag, GEOonline und Die Zeit.
Er lebt und arbeitet in Hamburg.

 

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  1. Liebe Monerl,

    ich finde es toll, wie Comics sich auch total ernsten und politischen Themen annehmen und es längst nicht immer nur um Superhelden oder Gut gegen Böse geht. Das Thema von “Ikon” interessiert mich ehrlicherweise nicht so sehr und auch deine Aussagen zur Verständlichkeit der Zeitebenen schrecken mich ein wenig ab 🙂 Trotzdem finde ich deine Vorstellung ein gutes Beispiel, wie gesellschaftliche und politische Themen in Comicform behandelt werden können.

    Liebe Grüße,
    Nico

    1. Hallo lieber Nico,
      ja, das ist etwas, das ich auch total spanned finde! Ich habe viele solcher Comics gefunden, wie du schon bemerkt hast 😉 und bin begeistert, dass sich Comiczeichner solcher Themen annehmen. Damit kann mit solchen Büchern eine breitere und auch ganz andere Masse erreicht werden, was auch wichtig ist.
      GlG, monerl

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