Inside AFD
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Inside AfD: Der Bericht einer Aussteigerin – FRANZISKA SCHREIBER

31. Juli 2019

#68 Kurzmeinung
#WirLesenFrauen

 

Buchvorstellung

Seit September ist die AfD mit 92 Abgeordneten im Bundestag vertreten und inszeniert einen medienwirksamen Konfrontationskurs zu den etablierten Parteien. Doch was treibt die Partei hinter den Kulissen an – und ist die Fremdenfeindlichkeit eine geteilte Grundposition aller? Niemand kann darüber besser Auskunft geben als Franziska Schreiber, die noch 2017 im Vorstand der Jungen Alternativen, der Jugendorganisation der AfD, saß. Sie spricht Klartext über Antrieb, Ziele und Schwächen der AfD-Führung um Alexander Gauland sowie deren radikale Hetzer wie Björn Höcke.

Die heute 27-Jährige machte eine steile Karriere. Innerhalb eines Jahres wird sie die Vorsitzende der Jungen Alternativen in Sachsen. 2017 ist sie im Bundesvorstand angekommen. Gegen den immer stärker und radikaler werdenden Flügel um Björn Höcke bezieht sie an Frauke Petrys Seite Stellung. Entsetzt von den Aussagen, die innerhalb der AfD inzwischen üblich und akzeptiert sind, unternimmt sie mit anderen liberalen Mitgliedern im März 2017 einen letzten Versuch zur Kurskorrektur auf dem Bundesparteitag in Köln. Doch der Versuch scheitert. Es wird Zeit für eine Distanzierung. Sie übernimmt die Verantwortung, die Wähler über den Rechtsruck der Partei aufzuklären…

 

Kurzmeinung

  • Genre: Sachbuch, Autobiografie
  • Handlung: Franziska Schreiber erzählt von ihrem Weg zur AfD, warum sie in dieser Partei eine Alternative gesehen, welche Entwicklung diese Partei genommen hat, wie, wodurch und welche Veränderungen eingeleitet wurden und was der ausschlaggebende Punkt war, die AfD wieder zu verlassen und sich von ihr zu distanzieren.
  • Charaktere: Die Autorin war seit ihrem Eintritt 2013 eine wichtige Persönlichkeit der Partei. Innerhalb sehr kurzer Zeit war sie zur Vorsitzenden der Jungen Alternativen in Sachsen aufgestiegen, war stellvertretende Pressesprecherin und in 2017 wurde sie schließlich Mitglied im Bundesvorstand. Sie stieg jedoch kurz vor der Bundestagswahl im September aus der Partei aus. 
  • Spannung: Spannend im wörtlichen Sinne empfand ich ich Franziska Schreibers Weg. Sie geht sehr offen mit ihrem “Fauxpas” um.
  • Schreibstil: Diese Autobiografie ist sehr verständlich geschrieben und wird mit einigem untermauert, das man so in den Sozialen Medien wie Facebook, im Internet, auf Nachrichtenportalen und YouTube-Videos sehen konnte. Sie nennt zahlen und Daten und man kann ihren Ausführungen sehr gut folgen.
  • Ende: Es ist ja bekannt, dass die Autorin aus der AfD ausgetreten ist. Sie erkennt, dass Deutschland gar nicht so vor dem Abrund steht, wie die AfD-Blase sie hat glauben lassen. Mit einem neuen FB-Profil wird ihr nach langer Zeit bewusst, dass sie aufgrund des Algorithmus zusätzlich nur noch Nachrichten erhalten hatte, die alles schwarzgemalt hatten. Ihr Blick auf die Welt wurde wieder heller und sie hatte nicht mehr diese Angst, die sie damals festhielt, die die AfD unter ihren Mitgliedern, Sympathisanten und Fans streut.

    “Heute gibt es keine Alternative mehr. Heute will ich bleiben wo ich bin. In Deutschland, das jetzt wieder viel heller, klarer und schöner ist.” (Zitat Hörbuchende)

  • Hörbuch: Ein Grund, warum ich  mich für das Hörbuch und nicht für das gedruckte Buch entschieden hatte war, dass die Autorin selbst das Buch und somit ihre Geschichte liest. Ich war gespannt, wie sich Franziska anhört und wie sie ihr Leben sprachlich interpretiert. Und sie hat das ausgezeichnet gemeistert!
  • Fazit: Dieses Buch hat mir sehr geholfen zu verstehen, warum die AfD in den östlichen Bundesländern sehr großen Zulauf erhalten hat. Auch wenn mir bereits einiges vorher bekannt und klar war, nennt Franziska Schreiber noch zusätzliche Aspekte, die damals zu Zeiten der Wiedervereinigung schlecht liefen und bis heute große Auswirkungen darauf haben, dass in den östlichen Bundesländern rechte, populistische und rasisstische Meinungen und Parteien stark vertreten sind. Ich habe durch die Ausführungen der Autorin die Geschichte der Partei sowie ihre Strukturen verstanden. Mir ist nun klar, warum Frauke Petry ausgestiegen ist und was alles noch andere ehemalige Mitglieder zum Ausstieg bewogen hat. Und genau das macht mir eigentlich Angst. Es wird deutlich, wie der Rechtsdruck in der Partei wächst und wie Rechte die Partei unterwandern und einnehmen. Eines ist nach dem Lesen vollkommen klar: Die AfD ist mittlerweile eine Partei für Rechte, Rechtsradikale und Rasissten. Wer jetzt nicht aussteigt, ist sich dessen bewusst und billigt dies! Jeder noch einigermaßen liberal denkende und freiheitsliebende Mensch steigt jetzt aus! Dieses Buch ist sehr interessant, sehr aufschlussreich aber auch beängstigend! Es zählt zu meinen Lesehighlights in 2019. Absolut lesens- und vorallem hörenswert!

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Literaturlounge

Rezension von Michael Blume, Religions- und Politikwissenschaftler auf Spektrum.de SciLogs vom 08.09.2018

 

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DW Deutsch (Deutsche Welle) / Am 12.08.2018 veröffentlicht

Vier Jahre lang war Franziska Schreiber die rechte Hand der Ex-AfD-Vorsitzenden Frauke Petry. Schreiber ist ausgestiegen und rechnet in ihrem Buch “Inside AfD“ mit der Partei ab. Sie sagt, die AfD sei eine gefährliche von “Rechtsradikalen dominierte Partei”.

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  1. Hi Monerl,

    Puh, schwieriges Thema, das du da aufgreifst. Was mich noch interessiert: Konntest du den Weg der Autorin nachvollziehen? Also hat sie in deinen Augen in ihrer Vergangenheit sinnvoll oder dumm gehandelt? Und findest du sie nach dem Hören des Buches sympathisch?

    Liebe Grüße,
    Nico

    1. Hey Nico,

      ich habe mich immer gefragt, wie Menschen auf die Idee kommen, die AfD zu wählen. Was sie bewegt, in dieser Partei eine Alternative zu sehen. Und Franziska Schreiber gibt eine Antwort darauf, IHRE Antwort auf ihren Weg. Und ich muss sagen, ich kann sie bis zu einem gewissen Grad verstehen. Für mich war ihr Furst von damals nachvollziehbar. Und auch, wie sie immer tiefer in diese Schleife gerutscht ist und geblendet war von dem Gerede der Partei. Denn, wenn sie eines können, dann Reden schwingen und alles verdrehen. Irgendwann bewegt sich ein AfDler ausschließlich in seiner AfD- und Angst-vor-dem-Islam-Blase, sodass nichts mehr von Außen da reinkommt. Irgendwann kam der Knackpunkt, als sie merkte, da läuft gehörig was schief. Das hatte mit dem Rechtsruck der Partei zu tun. Franziska Schreiber hatte noch genug Empathie, die ihr sagte, dass die Rechten falsch denken und handeln und nicht ihre Richtung ist. Dafür gehört auch ein gewissen Bildungsniveau, um das zu erkennen. Das wurde mir auch klar. Mir war die Autorin nach dem Hörbuch sehr sympathisch. Ich kann dir das Buch wirklich empfehlen!

      GlG, monerl

  2. Liebe Monerl,

    was ich ja am meisten unheimlich finde, dass die Parteispitze offen unwahrheiten Verbeitet bzw Dinge einfach umdreht und niemand (Ranghohes) sagt: Spinnt Ihr?! Ihr dürft doch nicht einfach die Wahrheit verdrehen.
    Aber, man sieht es an Trump, alternative Wahrheiten sind normal geworden. Und noch viel beunruhigener finde ich, dass es Leute gibt, die dem ohne nachzudenken zustimmen. Der Himmel ist grün? Ja klar, guck doch hin. Der Himmel ist grün! Und du bist ein dreckiger Lügner und Gutmensch, wenn du etwas anderes behauptest.

    *seufz*

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      wir leben in einer Zeit, in der nun so etwas leider möglich ist. Die Sprache hat sich verändert. Sie wird faschistisch und keiner findet, dass es so ist. Es gibt hier und da einen kleinen Aufschrei aber es hat keine Auswirkungen oder Konsequenzen. Das ängstigt mich schon.
      Wie du sagst, dass so jemand wie Trump regieren darf ist auch so ein Phänomen dieser hässlichen Zeit…
      GlG, monerl

  3. Hallo Monerl,
    ich habe das tatsächlich aus mehreren Gründen sacken lassen müssen.

    1. Ich habe erstmal gegoogelt was gute Frau heute macht.
    2. Ich doch entsetzt bin über die Diskussion auf FB unter dem Beitrag von Dir zu dem Buch.
    3. Wie gespalten unsere Nation doch immer noch ist.

    Ein Buch, das auf Grund der doch recht gespaltenen Gesellschaft polarisiert.
    Danke für Deine Vorstellung.

    LG Anja

    1. Liebe Anja,
      ich habe wirlich eine Weile überlegt, ob ich die Rezension in der Gruppe Büchereulen auf FB posten soll. Es ist die Größte Buchgruppe und hat somit auch verschiede Mitglieder. Man hofft ja immer, dass Menschen, die lesen, offen und klüger sind aber auch da gibt es Außnahmen. Mein Gedanke war dann, dass dieses Thema so wichtig ist und man einfach versuchen muss die Augen der Leute zu öffnen. Somit habe ich auch mit solchen Diskussionen gerechnet. Schlimm ist mit ansehen zu müssen, wie AfDler einfach verblendet sind und die Augen nicht öffnen wollen. Das wird im Buch nochmal ganz deutlich. Denn auch Franziska Schreiber hat so gedacht wie all die anderen! Sie erzählt im Buch sehr nachvollziehbar, wie sie immer mehr und mehr in diesen Lügen gefangen war und wie ihr erst nach dem Ausstieg klar geworden ist, dass alles gar nicht so schlimm ist, wie die AfD allen Leuten immer und immer wieder einbläut.
      Diese Spaltung der Nation, die du nennst, wird m.M.n. auch noch so lange bestehen bleiben, bis die Politik sich endlich wieder den Themen zuwendet, die die Menschen bewegen und die geändert werden müssen. Es ist ein großes Trauerspiel. Aber man darf diesen Rechten und Nazis Deutschland einfach nicht überlassen. Les das Buch, ich denke, auch du wirst es gut finden.
      GlG, monerl

  4. Hi monerl
    danke für die Vorstellung.
    Man hört ja immer wieder, dass sich die Partei gewandelt hat, von der Alternativpartei hin zu einer faschistischen Partei.
    Ich glaube auch, dass der Stadt-Land-Konflikt einen großen Anteil am Zulauf zur AfD hat. Medien u Politik fokussieren oft auf Stadt- und Großstadtthemen, aus der Sicht eines Landbewohners sind “die” abgehoben und diskutieren an einem Großteil der Menschen vorbei. Kleines Beispiel ist der eRoller. Was für ein Medienhype. Aber völlig irrelevant für das Land. Dinge wie fehlende Öffis etc, allgemeiner: Dinge, die für Land- u Kleinstadtbewohner relevant sind, kommen dagegen kaum vor. Das ist ein Gefühl, dass die Menschen nicht mehr vertreten werden. Und dieses Gefühl treibt einige in die Arme der AfD, ich kann die Beweggründe der Menschen dafür oft wirklich gut verstehen.
    Andererseits sind es eben Idioten, die AfD, die die Schwerpunkte nicht richtig setzen. Deutschland ist toll, aber nun auch nicht toller als andere Länder…
    LG
    Daniela

    1. Hallo Daniela,
      man hört das nicht nur, sondern man kann das regelrecht in der Öffentlichkeit verfolgen. Die Parteiführung ist ja nicht auf den Mund gefallen. Sie inszeniert sich oft und gerne und was sie so von sich geben ist für meine Ohren eindeutig faschistisch. Ich gebe dir recht bzgl. des Stadt-Land-Konflikts. Das ist natürlich ein Problem. Was für die einen gilt, tangiert die anderen nicht. Das muss die Politik selbstverständlich berücksichtigen und Lösungen für alle suchen.
      Ich verstehe, warum einige Menschen zu Beginn die AfD gewählt haben. Die Politik hat versagt. Sie dreht sich im Kreis und berücksichtigt überhaupt nicht die großen Probleme des Landes: Familie, Armut, Rentner, Gesundheitswesen, Altenpflege, Schulbildung usw. Man könnte da noch viel mehr nennen. Aus meiner Sicht wäre es ein Einfaches, die Leute wieder für sich einzunehmen. Die Politik müsste nur endlichlich damit anfangen, sich diesen Problemen zuzuwenden. Dann gäbe es auch den Sozialneid auf Flüchtlinge nicht. Aber die Politik macht es sich leicht und betreibt selber Flüchtlings-Bashing. Sie reitet auf diesem Thema darauf herum, weil sie Wähler einfangen wollen. Und somit drehen wir uns alle im Kreis und nichts verändert sich. Echt schlimm.
      Doch nun muss ich einschränken. Die AfD bietet ihren Wählern eben immernoch nichts außer Draufhauen auf Flüchtlinge und Muslime und der rechte Flügel ist erstarkt. Das kann man sehr gut durch Franziskas Buch nun nachverfolgen. Vieles wird klar und deutlich, warum die AfD so gar keine Alternative mehr ist und auch nie sein wird. Les das Buch, es lohnt sich absolut.
      GlG, monerl

      1. Hi monerl,
        ja, das stimmt … echte Alternativen oder überhaupt nur Lösungsvorschläge höre ich von der AfD nicht. Dazu dieses rückwärtsgewandte Frauenbild und das Niedermachen des “Nichtdeutschen”. Klimawandelleugner sind es auch noch…

        Die Alternative zur jetzigen Politik wäre eher ein Politikwandel an sich, die Stärkung der Direkten Demokratie; mehr Emanzipation von allen. Findest du nicht auch, dass die #FridaysforFuture-Bewegung Mut gibt, auch uns alten Säckeln? 🙂

        LG
        Daniela

        1. Ja, die Bewegung #FridaysforFuture finde ich großartig. Aber auch da sieht man, wie kurzsichtig die Politik ist! Sie verurteilt das, Schulen vergeben Strafen an Schüler, die daran teilnehmen usw. Ich kann es nicht fassen. Der Klimawandel ist sicht- und greifbar und nicht mehr wegzureden. Es geht um unser aller Zukunft, insbesondere der, der jungen Menschen und heutigen Schüler. Anstatt jetzt politisch da anzusetzen, wird es belächelt… und nichts gemacht. Das Übliche eben…

          Die Politik krankt zur Zeit sehr! Das ist das Schlimmste an der Sache! Politiker denken nur soweit bis zu ihrem Geldbeutel und der Wiederwahl. Für alles andere haben sie keine Zeit und Kapazitäten übrig. Die echten Probleme, die den Frust bringen, werden nicht angegangen, schon gar nicht bewältigt. Und so steigt der Frust, die Gewalt, der Zulauf zu populistischen und rechtsradikalen Parteien. Ich sehe derzeit keine Besserung. Leider! 🙁

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