Kunstgeschichte als Brotbelag
Rezensionen | Sachbuch

[Buchvorstellung] Kunstgeschichte als Brotbelag – MARIE SOPHIE HINGST (Hg.)

27. Juni 2019

#293 Rezension

 

Vorab zur Herausgeberin


Zur Problematik der Herausgeberin Marie Sophie Hingst möchte ich nur kurz folgende Stellung nehmen:

Dass die Bloggerin Marie Sophie Hingst sich eine erfundene jüdische Identität zugelegt und die Vergangenheit ihrer Familie erfunden hat, verurteile ich. Moralisch gesehen ist das nicht richtig und sehr verwerflich. Dass sie das gemacht hat, zeigt mir, dass sie psychische Probleme hat, die behandelt gehören. Der Bloggerpreis “Bloggerin des Jahres 2017” wurde ihr bereits aberkannt. Dies ist eine Strafe. Zudem ist sie nun Schmähungen im Netz und sicherlich auch im realen Leben ausgesetzt. Ich wünsche ihr, dass sie versteht, dass das, was sie gemacht hat, falsch war und dass sie sich behandeln lässt.

Das Buch und ihre Idee bewerte ich aber unabhängig voneinander. Ich verurteile die Tat von Frau Hingst, ihr Buch aber finde ich sehr gelungen und empfehle es deshalb auch sehr gerne weiter.

Buchbeschreibung

Nie zuvor haben sich so viele Menschen so viel Mühe dabei gegeben, ihre Brote zu belegen: Mit gefülltem Kühlschrank, virtuosem Messerstrich und einer großen Prise Humor wagten sich zahlreiche Brot-Künstler am Frühstückstisch oder beim Abendbrot an allseits bekannte Meisterwerke von Leonardo da Vinci, Frida Kahlo oder Joseph Beuys. Mal erstaunlich nah am Original wie Vermeers »Mädchen mit dem Perlenohrring« aus Fleischwurst und Birne auf Vollkornbrot, mal mit etwas mehr künstlerischer Freiheit wie der in Papier gehüllte Brotlaib in Anlehnung an die Verpackungskünstler Christo und Jeanne-Claude.
Das Spektrum an unterschiedlichen Materialien und Techniken der kreativen Marmeladenbrote, Käsestullen und Wurstschnitten ist ebenso facettenreich wie die Kunstwerke selbst. Es reicht von pastosem Frischkäseauftrag über akkurate Avocadoanordnung bis hin zu filigraner Gurkenschnitzerei. So gerne hat man Kunstgeschichte selten verschlungen.

 

Meine Meinung

Diese Art der Kunst hatte ich ich im Laufe von 2018 auf Twitter entdeckt. Irgendwann war meine Timeline von vielen wundervollen, kunstvoll hergerichteten Brotscheiben geflutet. Dabei gab es richtige Brot-Kunstwerke und ich konnte kaum fassen, welchen Ideenreichtum manche Twitterer an den Tag legten. Ich selbst hatte mich nie daran beteiligt. Ich genoss lieber die Werke der anderen.

Kunstgeschichte als Brotbelag
© DuMont Verlag
© DuMont Verlag

Es wurden dabei sehr bekannte Gemälde nachgestellt, wie die von Vincent van Goch, Salvador Dalí, Paul Klee, Leonardo Da Vinci oder auch von Claude Monet unva. Die Twitterkünstler entpuppten sich zu wahren Brotmeistern.

Marie Sophie Hingst hat für dieses Büchlein eine große und unterschiedliche Auswahl an Brotkunstwerken ausgesucht. Dabei bleibt die Aufmachung des Ganzen sehr einfach und schlicht, was mir persönlich sehr gefällt. Neben einer Abbildung des Originals auf der linken Seite, bekommt man die Information zum jeweiligen Gemälde oder Kunstwerk. Auf der rechten Seite ist dann das Brotkunstwerk aggebildet. Ebenso erfährt man, aus welchen Zutaten die Brot-Kopie hergestellt wurde.

Bsp.:
links: CLAUDE MONET, Seerosenteich, 1899, ÖL AUF LEINWAND (S. 24)
rechts: GURKE, FRÜHLINGSZWIEBELN UND FRISCHKÄSE MIT SPINAT AUF ROGGENSAFTBROT (S. 25)

 

Im Vorwort erfährt man, wie die Idee zur Aktion entstanden ist. Am Ende des Büchleins gibt es einen Bildnachweis zu allen Bildern. So kann man auch herausfinden, welcher Twitterer welches Kunstwerk geschaffen hat.

Kunstgeschichte als Brotbelag
© DuMont Verlag
Kunstgeschichte als Brotbelag
© DuMont Verlag

Fazit

Dieser kleine Bilderband erfüllt alle meine Erwartungen, die ich an ihn hatte. Ich wollte die Originale und die Brotkopien sehen. Sehr gut gefällt mir die Zutatenliste für die Brotkunst. Mehr wollte ich nicht, keine persönlichen und / oder geschichtlichen Hintergründe oder Portraits zu den Twitterkünstlern.

Dies ist ein schönes Büchlein, das man als Mitbringsel verschenken kann oder auch als Ideenratgeber für eigene Kreationen. Meine Kinder finden die Brote sehr gelungen und möchten gerne auch selber mal so ein Frühstückstoast kreieren.

 

 

Weitere Rezensionen

(wird nachgetragen)

 

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Ich danke vorablesen und dem Dumont Verlag, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Hallo Monerl,
    für meien Kinder habe ich Brote auch schon recht phantasievoll belegt um auch mal ein paar Vitamine einzuschmuggeln. Aber das her finde ich irgendwie etwas schräg. Und appetitlich finde ich das Ergebnis auch nicht. Aber jedem das Seine…
    Liebe Grüße
    Silvia

    1. Hallo Silvia,
      verstehe schon, was du meinst. Hier ging es jedoch nie darum, ansehnliche und appetitliche Brote (für Kinder) zu kreieren. Wenn es so gewesen wäre, würde ich dir recht geben. Hier sind es einfach nur Frühstücksbrote, auf die ein bekanntes Gemälde adaptiert wurde. Und die meisten Ideen finde ich echt gelungen. Ob sie schön sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber die Kreativität und die unterschiedlichen Ideen für die Zutaten finde ich grandios. Hast du damals die Bilder und die Aktion auf Twitter auch nicht mitbekommen, so wie Daniela Buchvogel?
      GlG, monerl

    1. Ich hatte das Buch bei Vorablesen gewonnen. Hatte mich auch total gefreut und dann wurde plötzlich überall über die Herausgeberin gesprochen. Ich wusste auch erst nicht, was ich nun mit dem Buch machen soll… Sie hat sich eine jüdische Vergangenheit zugelegt. Zum Hintergrund der Herausgeberin und der Problematik habe ich extra die Box mit den Vorabinformationen eingefügt. Da steht, worum es bei Frau Hingst genau geht. Hab auch nen Link hinzugefügt. Les dir das nochmal genauer durch, dann wirst du gleich wieder wissen, was Sache war.

      Das Büchlein ist dennoch sehr schön. Ich mag die Schlichtheit im Buch. Der Fokus liegt auf den Bildern. Genau so wollte ich es. Ich kann dir das Buch trotzdem guten Gewissens empfehlen.
      GlG und einen guten Start in die neue Woche,
      monerl

  2. Hi monerl,
    ich hatte davon noch nie gehört, bin von den Beispielen aber begeisert.
    Ich selbst hab keine Muße, mein Brot dergestalt zu belegen, aber ich finde toll, was andere Menschen alles hinbekommen!
    Auch von dem Skandal zur Hrsg. hab ich nur am Rande mitbekommen und würde auch dieses Werk von ihren Fehlern trennen wollen.
    LG
    Daniela

    1. Hi Daniela,
      du bist in Twitter nicht so regelmäßig unterwegs, oder? Man konnte letztes Jahr kaum an diesen Bildern vorbeikommen. 😉 Ich hatte hin und wieder mal kurz überlegt mitzumachen, doch es war mir zu aufwendig. Das Buch hat die vielen negativen Rezensionen aufgrund der Herausgeberin wirklich nicht verdient. Kannst ja mal in der Buchhandlung ins Buch blättern. Wird dir gefallen!
      GlG, monerl

        1. Ja, total seltsam, wie der Algorithmus arbeitet. Ich wurde überschwemmt, bis zu dir haben die Bilder es nicht geschafft. Wenn wir uns das nächste Mal treffen, bring ich dir das Buch mal zum Anschauen mit, wenn du magst. 🙂
          GlG, monerl

  3. Hey Monerl,

    wir haben uns ja schon ausführlich darüber unterhalten.
    Leid tut es mir für die Künstler selbst, dass das Buch sich nun durch die Gesamtsituation als Flop entwickelt hat.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Hey Petrissa,
      ja, wir haben schon viel darüber geredet und mir tut es fürs Buch richtig leid, da es mir sehr gut gefällt. Bin gespannt was du sagst, wenn du es mal ganz angeschaut hast. Vielleicht gefällt es dir doch besser. 🙂
      GlG, monerl

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