Kurt
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[Buchvorstellung] KURT – SARAH KUTTNER

9. Mai 2019

#62 Kurzmeinung
#WirLesenFrauen

 

Buchvorstellung

“Die Welt bleibt nicht für eine beschissene Sekunde stehen. Sie zögert noch nicht einmal.”

Sarah Kuttner hat einen Roman über Trauer geschrieben, über die Kraft, die Menschen entwickeln können und darüber, dass es auf manche Fragen keine Antworten gibt. “Kurt” erzählt auf zarte, humorvolle, vor allem aber unaufgeregte Weise davon, wie man sich wiederfindet nach einem schrecklichen Verlust, und wie man für jemanden da sein kann, der untröstlich ist.

 

Kurzmeinung

  • Genre: Roman, fiktiv
  • Handlung: Wie gehen Menschen mit dem Tod eines kleinen Kindes um, die sich zwar gemeinsam um das Kind gekümmert haben, aber nicht beide die Eltern des Kindes sind? Sarah Kuttner erzählt in ihrem Roman von Lena, dem großen und dem kleinen Kurt, der eines Tages vom Klettergerüst fällt und tödlich verunglückt und damit bei allen Beteiligten eine große Lücke hinterlässt.
  • Charaktere: Lena ist die Protagonistin. Aus ihrer Sicht wird die Geschichte erzählt. Sie ist Kurts Lebensgefährtin aber nicht die Mutter des kleinen Kurt. Wir bekommen intensive Einblicke in das Leben von Lena, die plötzlich nicht mehr weiß was sie muss, was sie darf, was von ihr erwartet wird und was nicht. Der große Kurt verliert seinen Sohn und hat ebenso einiges zu bewältigen. Der Umgang mit seiner Ex-Frau, der Umgang mit Lena, der Umgang mit der Lücke, die der kleine Kurt hinterlassen hat.
  • Spannung: Dies ist ein Entwicklungsroman. Von Anfang an ist klar, dass der kleine Kurt sterben wird. Interessant ist danach, ob es die Charaktere schaffen, trotz dieses schrecklichen Ereignisses, mit der Situation und Miteinander umzugehen. Wird der Tod des kleinen Kurts die Beziehung von Lena und Kurt zerstören oder wird sie noch fester werden?
  • Schreibstil und Sprache: Der Schreibstil ist sehr flüssig und flott lesbar. Die Sprache ist recht bissig, mit scharzem Humor getränkt und mir oftmals zu salopp. Wohl typisch für die Autorin, aber nicht ganz so mein Geschmack.
  • Ende: Das Ende lies mich unzufrieden zurück. Einerseits ist alles klar und gesagt, andererseits gefiel mir das letzte Kapitel überhaupt nicht. Ich habe Sinn und Zweck dieses Endes nicht so ganz verstanden.
  • Hörbuch: Ich wollte das Hörbuch hören, da die Autorin selbst das Hörbuch besprochen hat. Mich interessierte ihre Interpretation der Geschichte. Sarah Kuttner liest auf ihre eigene Art und perfektioniert die saloppe Erzählweise. Ihre besondere Stimmfarbe macht das Hören zu einem schönen Erlebnis.
  • Fazit: Ein Buch mit einem wichtigen Thema, zu dem ich bisher noch nichts gelesen habe. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie man als Partner, aber nicht Elternteil eines Kindes, mit dem Tod des Kindes und der Trauerbewältigung umgehen soll, darf oder kann, welche Schwierigkeiten, Themen und auch Probleme auftreten könnten. Für jeden gibt es natürlich einen eigenen Weg. Sarah Kuttner beschreibt in ihrem Buch ein mögliche Situation und lässt und daran teilhaben. Insgesamt sehr schön, doch leider schaffte die Autorin es nicht, mir die Charaktere nahezubringen. Ich fühlte mich immer als distanzierter Beobachter. Ich war zwar traurig, aber ich war nicht richtig berührt vom Schmerz der Eltern und dem von Lena. Der kleine Kurt ist eine niedliche Figur, die ich sehr mochte. Dann ist sie weg. Und alles danach war mir zu kühl. Schade! Ich empfehle somit das (Hör)-Buch zwar gerne wegen des Themas. Wegen der für mich nicht ganz gelungenen Umsetzung aus sprachlicher und emotionaler Sicht vergebe ich aber nur 3 Sterne.


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  1. Huhu (=

    Natürlich schade das die Geschichte dich nicht so einnehmen konnte – ich habe von Kuttner bislang nichts gehört oder gelesen, mir aber vor kurzem “Mängelexemplar” (Spricht auch sie) auf eine meiner Hörbuch-Apps gezogen. “Kurt” möchte ich irgendwann als Print hier haben, mir gefällt die Covergestaltung und ich glaube bei der Thematik ist das selbst Lesen für mich die intensivere Variante.

    Kuttner ist Kuttner, ihren Stil muss man wohl mögen, um ihre Geschichten zu mögen – ich schaue sie gerne im Tv und bin gespannt wie mir ihre (Hör)Bücher gefallen werden. Aber drei Sterne in der Endwertung sind ja trotz Kritik nicht schlecht und du hast mich nun besonders auf das Ende gemacht!

    Mukkelige Grüße :-*

    1. Halli hallo! 🙂
      “Mängelexemplar” habe ich vor zig Jahren gelesen und fand es super! Ihre Sprache passte dort einwandfrei. Mag ihren Stil eigentlich. Doch bei KURT führte er irgendwie zu mehr Distanziertheit. Vielleicht war das gewollt, weiß nicht. Ich hätte aber irgendwie mehr Nähe zum Thema und den Figuren gewollt. Ich fand das Buch ja nicht schlecht. Ich fand es gut, mit einigen Schwächen. Gib mir Bescheid, wenn du es gelesen hast, falls es an mir vorbei geht. Will doch wissen, ob unsere Meinungen übereinstimmen oder nicht. 🙂
      GlG, monerl

      1. Oh das wird dauern! 😀 Zu mindestens was “Kurt” betrifft, aber das Hörbuch wird noch in diesem Jahr gehört – hoffe ich, irgendwie nimmt das buchige hier gerade Überhand und ich muss mich echt mal sortieren! Nichts was ich nun erdrückend finde, aber aktuell will viel gelesen werden aufgrund von Rezensionsexemplare und Leserunden. Hörbücher gehen aber bei immer gut “zwischendurch” (=

        1. Ist doch schonmal was, wenn du mit dem Hörbuch startest. Wird dir sicherlich besser gefallen. 😉 Mir geht´s wie dir, Hörbuch geht immer! Und seit ich das BookBeat-Abo hab, gibt es kaum ein halten mehr. hihi Schön, oder? Mögen die tollen Geschichten nie enden! Rezi-EXe hab ich auch einige. Auf Leserunden verzichte ich seit Jahren. Mache nur ein- bis zweimal im Jahr ne Ausnahme. Das stresst mich total, in bestimmten Etappen zu lesen und dann was dazu zu schreiben und zu kommentieren. Das frisst sehr viel von meiner begrenzten Frei- und Lesezeit. Ich drück die Daumen, dass du bald wieder alles unter einen Hut bekommst. 🙂
          GlG, monerl

  2. Hi monerl,
    irgendwie sind Bücher zu solchen Themen schwierig. Über das reine Mitheulen hinaus sollten sie einen ja auch irgendwie weiterbringen, in Form von neuen Erkenntnissen – oder auch nur der Erkenntnis, sich einmal in so eine Situation reinzuversetzen. Ich wäre wahrscheinlich zu weich dafür, finde die Vorstellung so absolut schrecklich. Aber wenn ich mir dann ein Herz fasse und so ein Buch lese, und dann packt es nicht, sondern man bleibt so unbeteiligt, das finde ich noch viel seltsamer.
    LG
    Daniela

    1. Hey Daniela,
      ich weiß nicht genau aber ich denke, die Autorin wollte einfach zeigen, wie sich so ein Schicksalsschlag für Aussenstehende, die doch nicht ganz außenstehend sind, auswirkt. Das finde ich auch eigentlich sehr gelungen. Nur konnte mich einfach weder die Protagonistin noch der Inhalt so richtig emotional erreichen. Denn dass ist ja ein emotionales Erlebnis. Als der Punkt kommt, wenn der Junge stirbt, dass ist schon so ein Ohne-Worte-ohne-Atem-Moment. Doch der geht so schnell vorbei und dann kam bei mir nichts mehr an. Weiß auch nicht warum. Vielleicht lag es an der Sprache. Ich bin dem nicht richtig auf den Grund gekommen…
      GlG, monerl

  3. Liebe monerl, von diesem Buch habe ich schon viele tolle Meinungen gehört, daher war ich sehr gespannt zu lesen, wie du es empfunden hast. Ich wusste gar nicht, dass es um den Tod eines Kindes geht, aber dass es eben sehr traurig sein soll (und an sich lese ich gerne Bücher, die auch mal von den schmerzhafteren Seiten des Lebens erzählen) Ich möchte es auch mal lesen, auch wenn ich nicht weiss, ob das Thema zum jetzigen Zeitpunkt, da ich gerade selbst erst Mama geworden bin, passt. Evtl. etwas später;) Allerdings muss ich sagen, dass ich mir dieses Buch ohne die vielen positiven Kritiken wohl eher nicht auf die Leseliste gesetzt hätte. Ich hab vor vielen Jahren Mängelexemplar gelesen und das hat mir damals gar nicht gefallen, mir war es viel zu oberflächlich für das ernste Thema geschrieben. Den Film dazu hingegen fand ich wiederum super gemacht (gerade die innere Kind-Stimme kam so toll rüber). Vielleicht liegt das aber auch daran, dass ich ein paar Jahre älter geworden bin und viel Zeit zwischen Buch und Film lag. Also, ich gebe der Autorin wohl nochmal eine Chance:-) Lg, Kathrin

    1. Liebe Kathrin,
      ich verstehe total was du meinst! Das war auch erst meine Sorge, dass mich das Buch zu sehr mitnehmen würde. Meine sind ja keine Babys mehr aber immer noch kleiner als Kurt, wenn er vom Klettergerüst fällt. Und gerade, was die Emotionalität angeht, hat mich das Buch so gar nicht abgeholt. Der kleine Kurzt spielt in seiner Abwesenheit die Hauptrolle, klar. Aber er war nicht greifbar für mich. Es ist sehr kurios. Ich jedenfalls musste nicht weinen oder bibbern. Ich habe das Buch recht teilnahmslos gehört. Das hat mich etwas verstört.
      “Mängelexemplar” habe ich nur gelesen und fand es genial. Den Film kenne ich nicht. Vielleicht schaue ich ihm mir bald mal an. Kann mir sehr gut vorstellen, dass das Buch als Film viel besser wirkt als das Buch. Mal sehen, vielleicht bekommen wir die Gelegenheit.
      GlG, monerl

  4. Hallo monerl!

    Das Buch möchte ich auch noch unbedingt lesen. Ich bin aufgrund des Thema etwas unschlüssig. Da es sich irgendwie so weit weg von meiner persönlichen Welt anfühlt.

    Gerade den saloppen Schreibstil von Sarah Kuttner finde ich genial und mochte ihn in ihrer anderen Büchern sehr. Deshalb bin ich froh zu lesen, dass sie dem auch hier treu bleibt. Schade, dass dir gerade das noch so gut gefallen hat. Wieder einmal schön zu sehen, wie ein und der selbe Punkt unterschiedlich wahrgenommen wird.

    Liebe Grüße
    Sabrina

    1. Hallo Sabrina,
      ja, ich verstehe was du meinst. Dieses Thema ist aber auch weit weg von meiner persönlichen Welt. Ich war nie in dieser Art betroffen und kenne auch niemanden. Ich wollte es lesen, weil mir “Mängelexemplar” vor so vielen Jahren so sehr gefallen hat und weil ich tatsächlich noch nie ein Buch zu diesem Thema gelesen habe. Deshalb denke ich, du kannst dich ruhig trauen! Mir gefiel ja das Thema, die Autorin und das Buch. Leider fehlte mir das “ins-buch-hineingezogen-werden”. Es gibt viele Emotionen im Buch, keine Frage. Aber sie kamen nicht richtig bei mir an, nicht so, wie ich es hätte haben wollen. Ja, das Thema ist traurig, aber die Geschichte beim Lesen / Hören irgendwie nicht. Ich habe Rezensionen gelesen, in denen steht, dass die Leser heulen mussten, weil sie so berührt waren. Das hätte ich auch gerne gehabt, doch ich war weit davon entfernt. hahaha
      Bin gespannt, ob du dich traust. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es dir gefallen wird 😉
      GlG, monerl

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