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[Buchvorstellung] Lila, Lila – MARTIN SUTER

20. August 2018

#45 Kurzmeinung

Buchvorstellung

David liebt Marie. Aber Marie interessiert sich nicht groß für den Kellner, der da unbeholfen um sie herumschleicht. Dann macht David einen Fund. In der Schublade eines alten Nachttischs entdeckt er das Manuskript eines Romans. Es handelt von einer Liebe, so tief und rein, wie sie im zynischen postmodernen 21. Jahrhundert kaum mehr erfunden werden kann. Marie, die David für den Autor hält, ist hingerissen und bietet das Manuskript ohne sein Wissen einem Verlag an. “Lila, Lila” wird zu einem Bestseller- und Marie Davids Geliebte. Doch er schlüpft so in eine Identität, die ihm über den Kopf wächst.


Kurzmeinung

  • Genre: Roman, Liebe
  • Handlung: David kommt der Zufall zu Hilfe. Das Manuskript, das er in der Schublade des gerade gekauften Tisches entdeckt, begeistert Marie. Sie liest viel, möchte Literatur studieren und ist gleich Feuer und Flamme für David, als dieser ihr erzählt, dass er “Lila, Lila” geschrieben hat. Doch Lügen haben kurze Beine, wie der Volksmund sagt, und so verstrickt sich David zunehmend in seinem neuen Leben, das auf einer Lüge basiert. Er hat jedoch keinen Einfluss mehr auf die weiteren Entwicklungen und plötzlich erscheint jemand, der sich David zu erkennen gibt, der weiß, dass er “Lila, Lila” nicht geschrieben hat.
  • Charaktere: Martin Suter vereint verschiedene interessante Charaktere in seinem Buch. Eine verzwickte Dreiecksgeschichte entsteht, mit der zwei von dreien ganz unglücklich sind. David, der glücklose und etwas lethargische junge Mann, der plötzlich in den Vordergrund rückt und damit überhaupt nicht umgehen kann. Marie, eine aufgeweckte junge Frau, die weiß was sie will, bleibt an David hängen, da sie ihn für jemand andere hält. Ihre Beziehung funktioniert zu Beginn, da sie sich in den Autor David verliebt hat. In jemanden, der Literatur liebt und sogar ein Teil davon ist. Sie wundert sich zunehmend, warum ihre Beziehung, die Liebe zu David, langsam bröckelt. Diese Spannung zwischen Lüge und Leben zu verfolgen, emfpand ich als sehr gelungen. Leider bleibt David aber die ganze Geschichte über recht blass. Manchmal wirkt er regelrecht emotionslos und debil.
  • Spannung: Sie Spannung steigert sich durch den Auftritt eines Mannes, der behauptet, der Autor des Manuskriptes zu sein, das David im Nachtschränkchen gefunden hat. Wird er David auffliegen lassen? Wie weit wird David ihn sich in sein Leben drängen lassen? Wird Marie irgendwann klar werden, dass sie mit David nichts gemeinsam hat, und dass sie nur die Vorstellung eines Davids liebt, den sie sich ausgedacht hat? Der Verlag erwartet von David ein weiteres Buch. Wie wird er aus dieser Situation herauskommen?
  • Schreibstil: Martin Suter hat einen angenehmen Schreibstil, der sich sehr gut lesen liest. In den Passagen, die auf der Frankfurter Buchmesse spielen und das Verlagswesen darstellen, erkennt man auch die Kritik des Autors am Verlagswesen. Leider hat der Roman ein paar Längen, die einen dazu verleiten, sie überspringen zu wollen. Manch Beziehungsverwicklung weniger, dafür eine tiefere und emotionalere Darstellung des Protagonisten hätte der Geschichte sehr gut getan.
  • Ende: Das Ende hat mich dann doch noch ein klein wenig überrascht und ich finde es gelungen. Wo manche Autoren am Schluss versagen, gelingt Suter der Abschluss ausgezeichnet.
  • Fazit: Ein Buch, das erst ganz leicht daherkommt, sich als reine Liebesgeschichte tarnt, um dann doch weitereThemen zu entfalten. Als Leser kann man sich mit den Fragen beschäftigen, wie man selber in so einer Situation reagieren würde. Ist so eine Notlüge in Ordnung, wenn man damit sein Leben zum Positiven wenden kann? Ab welchem Zeitpunkt wäre es richtig gewesen, die Lüge aufzudecken? Lenkt man seinen Blickwinkel auf Marie, müsste man sich fragen, was man an einem Menschen / Partner eigentlich liebt. Sind es die inneren Werte? Redet man sich seine eigene Beziehung auch schön, um nicht sehen zu müssen, was falsch läuft? Insgesamt eine schöne Geschichte, die ich gerne gelesen habe, die aber noch etwas mehr “Kick” und einen Protagonisten gebraucht hätte, der eine echte Entwicklung vollzieht.

 

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LILA LILA Trailer – Die romantische Komödie mit Daniel Brühl, Hannah Herzsprung und Henry Hübchen in den Hauptrollen. Nach dem Bestseller von Martin Suter.

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    1. Hallo Gisela,
      das ist ja super! Ich denke, dass es dir gefallen wird! 🙂 Ich möchte mir die Tage mal den Film anschauen. Ich mag Daniel Brühl als Schauspieler total gerne.
      PS.: DU kannst gar nicht die Autorin sein, es ist nämlich ein männlicher Autor. Les das Buch, dann weißt du warum! hihi 😛
      GlG, monerl

  1. Hi monerl,
    ich überlege, wie oft das geschieht, dass Menschen nicht ihren Partner an sich lieben, sondern die Vorstellung eines idealisierten Partners – oder auch nur die Vorstellung, in einer Partnerschaft zu sein.
    Lebenslüge? Oder ist das notwendig für manche Menschen, die anders vielleicht nicht lieben können?
    Und doch – wir alle wollen doch gesehen werden und um unser selbst willen geliebt werden!
    Von Martin Suter hab ich noch nichts gelesen, bin mir auch unsicher, ob ich das tun will. Ich hab noch genügend Bücher aufm Stapel, die mich mehr reizen – dennoch find ich das angesprochende Thema (philosophisch) interessant.
    LG
    Daniela

    1. Hallo Daniela,
      ich denke, dass es genug Menschen gibt, die einfach nicht alleine sein wollen / können und deshalb auch eine ganz kaputte Beziehung in Kauf nehmen. Oder es gibt zu große finanzielle Abhängigkeiten … Ja, wir alle wollen ganz sicher um unser selbst geliebt werden. Manche sehen das klarer andere wiederum nicht. Glück für die, die das eher naiv nicht merken. hihi
      Martin Suter hat einen interessanten Schreibstil! Wenn ich dir Bücher von ihm vorschlagen müsste, dann würde ich tatsächlich “Elefant” und “Die dunkle Seite des Mondes” empfehlen. Das könnte dich inhaltlich reizen.
      GlG, monerl

  2. Hallo Monerl. ich gestehe bin kein Suter–Fan! Drei Bücher habe ich von ihm gelesen und mich teilweise gelangweilt. Sein Schreibstil ist ruhig mit vielen Untertönen , aber dennoch,,,, zum Glück sind auch die Lesegeschmäcker sooo unterschiedlich!
    LG Angela

    1. Liebe Angela,
      ja, manchmal liegt einem ein Autor so gar nicht! Welche Bücher von ihm hast du schon ausprobiert und für langweilig empfunden? Eines, das mich ganz arg fasziniert hat, war “Die dunkle Seite des Mondes”! Ein Thriller ohne ein Thriller zu sein! Ich habe es während meiner ersten Schwangerschaft gelesen. Da hatte ich Blogpause. Deshalb gibt es keine Rezi aufm Blog. Immer wieder denke ich aber daran, noch eine Kurzmeinung zum Buch zu verfassen. Ich fand es echt toll! Den Film dazu wollte ich mir auch schon immer mal anschauen. 😉
      GlG, monerl

        1. Ah, ok! Diese Bücher kenne ich nicht. Vom Koch habe ich schon öfters was gehört und dachte, dass es evtl. auch was für mich wäre. Die drei Bücher, die ich oben genannt habe, sind aber durchaus lesenswert und könnten dir gefallen. 🙂

  3. Huhu, Monerl,
    in meiner Suter-Phase ist mir auch dieses Buch in die Finger geraten. Ist aber schon lange her. Ich weiß noch, dass ich über den Schluss so enttäuscht war. Weil es keine Auflösung gab. Aber die Thematik fand ich durchaus spannend.

    LG, Mira

    1. Halli hallo Mira,
      dieses Buch ist schon älter, das stimmt. Ich habe den Autor vor paar Jahren zufällig entdeckt. Habe sein Buch “Die dunkle Seite des Mondes” gewonnen, gelesen und war fasziniert. Danach kam mir “Elefant” in die Finger und ich mochte auch dieses Buch sehr. So war ich dann auf der Suche, welches seiner Bücher mir noch gefallen könnte und landete bei “Lila, Lila”. Ist eigentlich ein tolles Buch und ich mag den Schreibstil des Autors. Doch bei “Lila, Lila” hat er nicht ganz das Potential ausgeschöpft, das ich mir gewünscht hätte.
      Bei nächster Gelegenheit musst du mir mal sagen, was dir am Schluss nicht gefallen hat. Den fand ich nämlich sehr gelungen. 😀
      GlG, monerl

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