Miroloi
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[Buchvorstellung] Miroloi – KAREN KÖHLER

9. Oktober 2019

#312 Rezension

 

Buchbeschreibung

Miroloi katapultiert uns direkt hinein in den Kopf einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gemeinschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, dürfen Frauen nicht lesen, lasten Tradition und heilige Gesetze auf allem. Was passiert in einem solchen Dorf, wenn man sich als Außenseiterin gegen alle Regeln stellt? Wenn man den Konjunktiv und heimlich lesen lernt, Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich, endlich einen Namen bekommt? Unbändig und feinfühlig könnte diese Geschichte an jedem Ort und in jeder Zeit spielen. Ein großer Roman, in dem jedes Detail brennt und leuchtet.

 

Meine Meinung

Hätte ich bloß auf mein Bauchgefühl gehört, denn dieses sagte mir sogleich, dass ich mit “Miroloi” nicht wirlich zufrieden sein würde. Und es hatte leider recht.

Ich lese NIE das Feuilleton. Doch dieses Mal wurden mir einige Kritiken in meine Timelines der sozialen Netzwerke gespült und ich entschied, sie doch zu lesen. Danach dachte ich, das Buch ist nichts für mich.

Doch dann überschlugen sich die positiven Meinungen in meinem Lese-Freundeskreis und ich dachte, vielleicht lag ich mit meiner Einschätzung falsch. Deshalb kaufte ich das ungekürzte Hörbuch und legte los.

Und schlussendlich hat mir das Buch nicht gefallen. Eine negative Rezension zu schreiben ist nicht immer leicht, auch wenn ich weiß, was ich nicht mochte. Dies alles so in Worte zu fassen, dass meine Kritik nachvollzogen werden kann und insgesamt sachlich bleibt, ist die große Herausforderung, der ich mich nun stellen werde.

 

Gefallen hat mir…
… die Idee, auch wenn sie nicht neu ist. Obwohl wir das Jahr 2019 haben werden in großen Teilen der Welt Frauen unterdrückt, misshandelt, schlecht behandelt. Sie dürfen sich nicht entfalten, frei entscheiden, frei wählen oder überall hin begeben, wohin sie wollen. Mancherorts müssen sie sich im Hintergrund halten oder gar auch verstecken.

… zum Teil auch die Protagonistin.  Sie ist ein Findelkind und hat somit den Blick von außen auf das Schöne Dorf der Insel, das (fast) abgeschnitten von der fortschrittlichen Welt, eine Art mittelalterliches Leben führt und auf jeglichen Luxus und die Vereinfachungen des Lebens verzichten.

Es stellt sich die Frage, warum sie das machen? Weil ein bestimmter Teil der Dorfbewohner entschieden hat, dass nur so ein gottgefälliges Leben möglich ist. Wem das nicht passt oder nicht an Götter glaubt, hat jedoch nicht die Freiheit einfach zu gehen. Nein, auch hier herrscht das Pech, im Geburtslotto verloren zu haben. Und auch ein namenloses Findelkind, das weniger Wert ist als das Nichts, wird nicht einfach von der Insel verjagt. Nein, es muss all die Gewalt und die Schmähungen demütig über sich ergehen lassen ohne Hoffnung auf Besserung.

Durch die erst namenlose Ich-Erzählerin bekommen die Leser*innen alles aus dieser Außensicht mit und dies bietet die Möglichkeit, sich der Protagonistin ganz nah zu fühlen. Bedingt funktioniert das auch.

 

Was mich am Buch stört, mir nicht gefallen hat…
… ist von Beginn an diese Unlogik über die Herkunft des 16-jährigen Findelkinds. Es wurde in einem Karton ausgesetzt, auf der Treppe des Bethauses. Der Betvater hat den Karton gefunden, deshalb wird er auch der Finder genannt. Doch in diesem Dorf ist NICHTS heimlich! Keine Frau kann schwanger sein und ein Kind bekommen, ohne dass die Gemeinschaft das weiß. Und auch keiner kann einfach so ungesehen auf die Insel kommen, mit einem Säugling unterm Arm und diesen in einem Karton vor das Bethaus legen und wieder verschwinden.

… der Schreibstil der Autorin hat mir sehr viel abverlangt! Diese permanenten Wiederholungen und Aufzählungen, bis sie an den Punkt kommt, um den es eigentlich geht, hat mir zum Großteil die Lust an der Geschichte genommen.

… die sehr einfache Sprache, in der die ganzen “Strophen” geschrieben sind. Zu Beginn ist dies dem geschuldet, dass die Protagonistin nicht lesen und schreiben kann, sehr naiv ist und einfach keine Bildung hat. Das ändert sich, als sie lesen und schreiben lernt, doch die Sprache verändert sich nur unmerklich. Sie lernt mehr Wörter und stellt Fragen und versteht die Lügen, doch gleichzeitig wird dies alles weiterhin sehr einfach ausgedrückt.

flache Dialoge, die durch das Hören noch viel mehr auffallen, da man nicht schnell liest oder überfliegt sondern tatsächlich hinhören muss.

… für meinen Geschmack völlig unnötige sexuelle Passagen, die teilweise zu derb und uninteressant waren. Das Findelkind wird darüber aufgeklärt, dass Frauen eine Knospe haben, mit der sie sich selbst befriedigen können. Na prima! Warum das für den Fortgang der Geschichte wichtig ist, wurde mir nicht klar. Auch der eine oder andere Gschlechtsverkehr war in dieser Tiefe nicht nötig.

… es gibt viel Gewalt, Missbrauch, Tötung, Ungerechtigkeit, Strafen usw., so viel Negatives aber fast nichts, das positive Leseatmosphäre schafft. Sehr oft langweilte mich das Geschriebene, da entweder zu kurz angerissen, zu oberflächlich oder zu viel auf einmal. Die Vermischung von zig Religionen und religiösen Handlungen, Namen aus allen möglichen Ländern und Kulturen (Jakup, Kristof, Sanis, Vikram, Dimitri, Lazarus, Janis, Mariah, Sofia, Nura, Alina, Nizra, Panagiota, Ida, Irini), ohne dass sich nach und nach ein Weg abzeichnet. Es war mir ein zu großes Durcheinander.

… und am allermeisten haben mich die Prallelen zum Islam, den extremen Auslegungen des Islams, geärgert. Ja, diese Unterdrückung der Frauen gibt es, sogar in vielen islamisch geprägten Ländern dieser Welt. Sie sind furchtbar und rückständig, aber warum müssen sie jetzt hier in dieser Geschichte auftauchen? Sie sind weder alt noch dystopisch und obwohl die Autorin vordergründig die Religionen vermischt, wie z. B. die Khorabel (das Kofferwort aus Koran, Thora und Bibel), die das Gebetsbuch des Schönen Dorfes ist,  driftet mir die Ausuferung des Dorfes am Ende zu sehr und zu einseitig in Richtung extreme Auslegung des Islams.

… das Ende ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Man mag es als hoffnungsvoll auslegen, für mich ist es unausgereift. Karen Köhler hätte m.M.n. eine Entscheidung treffen und die Geschichte nicht in der Luft hängen lassen sollen. Mindestens das wäre sie den Leser*innen schuldig gewesen.

… das Hörbuch wurde von der Autorin selbst besprochen. Ich wusste das nicht, hatte beim Kauf nicht darauf geachtet, wer die Sprecherin ist. Nachdem mir die Lesung nicht gefallen hatte schaute ich nach und erkannte erst da, dass Karen Köhler selbst die die Sprecherin ist. Leider mochte ich ihre Stimme und die Art des Sprechens nicht.

 

Fazit

Es bleibt nur zu sagen, dass dieses Buch und ich nicht zusammengepasst haben. Vielleicht hätte es mir als gedrucktes Buch einen Ticken besser gefallen, vielleicht. Aber insgesamt gefiel mir die Umsetzung in vielen Punkten nicht. Sie ging mir nicht genug in die Tiefe. Zu oberflächlich und einfach stellt die Autorin alles da, ohne dass ich einen Mehrwert am Ende herausziehen kann. Denn ich wusste auch vorher schon, dass Diktaturen schlecht sind und Gewalt anwenden, dass keine Bildung gefügig macht, dass Wissen Macht ist, dass oftmals Männer Frauen unterdrücken, dass patriarchale Strukture keinesfalls ihre Macht und Oberhand einfach so abgeben wollen. Insgesamt ein Buch ohne Hand und Fuß und aus meiner Sicht nicht empfehlenswert.

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  1. Liebe Monerl,
    ich finde deine Rezension sehr gelungen! Auch wenn ich davon ausgehe, dass mir manches evtl anders vorkommen würde (wenn man das Buch liest statt hört, wenn man sich mit dem Islam nicht so gut auskennt oder es einem egal wäre), gibt es noch genügend Gründe, warum mir das Buch sehr wahrscheinlich auch nicht gefallen würde. Diese Unlogik würde mich ganz massiv aufregen, ebenso die einfache Sprache und die Wiederholungen. Ich hasse Wiederholungen und frag mich immer, ob der Autor denkt, der Leser ist zu blöd, um es sich zu merken.

    Richtig schade finde ich auch, wenn ein Autor sein Hörbuch verhunzt, in dem er es selber vor liest. Es gibt einfach wenige, die da ein Naturtalent sind und ich frage mich immer, was einen Autor dazu veranlasst. Eitelkeit? Geld sparen? So wie Autoren gelernt haben (sollten) zu schreiben, haben Sprecher halt das Sprechen gelernt.

    Ich hoffe, dass es nun genug Flops für dieses Jahr waren und du für die letzten Wochen Knallerbücher hast.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      es gibt viele gute Gründe, warum einem das Buch gefallen könnte. Den meisten gefällt es auch. Mich hat es so gar nicht erreicht. Ich hatte nicht einmal eine besondere Erwartung an das Buch, was ja auch wiederum ein großer Pluspunkt war. Ich merke aber, dass mir solche Geschichten, die nicht in die Tiefe gehen und nicht genug begründen und mir nichts Neues bringen, keinen Spaß mehr machen. In letzter Zeit habe ich öfters das Gefühl, ich habe schon so viele Bücher gelesen, dass mich gewisse Geschichten irgendwie nicht mehr erreichen. Dies ist wirklich kein 0815-Buch aber es war mir sprachlich viel zu schlicht. Sowas geht nicht mehr an mich ran.

      Und ja, es ist auch wie du sagt, auf das Hörbuch bezogen. Manchmal interessiert mich, wie die Autor*innen sprachlich ihr Buch interpretieren und höre es gerade deswegen. Oftmals passt es, hier leider nicht. Es ist kein Vergleich von richtig ausgebildeten Sperecher*innen und Schauspieler*innen zu so Laien. Ich jedenfalls werde kein Buch mehr von ihr besprochen hören. 😀

      Ich hoffe jetzt auch auf ein paar Knüllerbücher! Da war der September insgesamt besser gewesen. 😉
      GlG, monerl

  2. Liebe Monerl,
    ich gehöre zu denen, die von dem Buch begeistert sind! Was aber nicht heißt, dass ich Deine Kritik nicht nachvollziehen kann. Ich allerdings habe das Buch als Entwicklungsroman aufgefasst und weniger als Emanzipationsgeschehen. Vielleicht hätte es Dir mit den Augen gelesen auch besser gefallen? Vielleicht wären Dir andere Dinge mehr aufgefallen? Aber das ist letztendlich egal. Deine Rezension zeigt auf, was Dich abgestoßen hat. Die Geschmäcker sind eben verschieden. Und für jeden Leser ist etwas anderes wichtig. Bei anderen Büchern sind wir uns bestimmt wieder einig. Bis dahin liebe Grüße von Gabriele.

    1. Liebe Gabriele,
      willkommen auf dem Blog! Freue mich sehr über deinen Kommentar! 🙂
      Ich habe gerade deine Rezension gelesen und kann auch alles nachvollziehen. Für mich hat das Gesamtpaket einfach nicht gestimmt. Ich ertappte mich immer wieder im denken: “Ja, ja, das ist klar, kenne ich… und nun?” Es war vieles so bekannt und ausgelutscht, was die Handlung betraf, und dabei langweilte ich mich sehr. Die Sprache und der Stil haben ihres beigetragen.
      Die Protagonistin erfährt eine enorme Entwicklung. War mir schon fast (nicht nachvollziehbar) zu viel in der kurzen Zeit. Auch hätte ich gerne gewusst, was der Finder damit bezweckt hat. Wieso hat er ihr lesen und schreiben beigebracht? Dass es sie noch verzweifelter macht, noch mehr Außenseiter, ihr Leben auf der Insel noch unerträglich… war eigentlich klar und logisch. Also, warum? Nur, damit die Autorin aufzeigen kann, welche Kraft Bildung hat? Das ist mir wiederum zu einfach. Verstehst du, was ich meine?
      Es macht mir großen Spaß mich über solche Bücher auszutauschen! Gerade, wenn man es so gegensätzlich aufgefasst und bewertet hat, gibt es viel zu sagen. 😀 Wie du sagst, Geschmäcker sind verschieden, glücklicherweise, und es speielt auch noch so viel anderes mit rein (Zeitpunkt, eigenes Befinden, Erlebnisse und Erfahrungen…) und deshalb liest jeder ein Buch anders.
      Auf all die vielen Bücher, die uns austauschen lasse!
      Ganz liebe Grüße vom monerl

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