Rezensionen | Roman / Gegenwartsliteratur / Liebe / Romantik / Chick-Lit

[Buchvorstellung] Niemals ohne sie – JOCELYNE SAUCIER

11. Februar 2019

#270 Rezension

Buchvorstellung

Die Cardinals sind keine gewöhnliche Familie. Sie haben den Schneid und die Wildheit von Helden, sie haben Angst vor nichts und niemandem. Und sie sind ganze dreiundzwanzig. Als der Vater in der stillgelegten Mine eines kanadischen Dorfes Zink entdeckt, rechnet der Clan fest mit einem Anteil am Gewinn – und dem Ende eines kargen Daseins. Aber beides wird den Cardinals verwehrt, und so schmieden sie einen explosiven Plan, der, wenn schon nicht die Mine, so wenigstens die Ehre der Familie retten soll. Doch der Befreiungsschlag scheitert und zwingt die Geschwister zu einem Pakt des Schweigens, der zu einer Zerreißprobe für die ganze Familie wird.

Ein überwältigender und rührender Roman. In Niemals ohne sie schafft Jocelyne Saucier eine Welt, die aller Rauheit zum Trotz den Glauben an ein selbstbestimmtes, freies und gemeinschaftliches Leben feiert. So belebend und gewagt wie eine Utopie.

 

Meine Meinung

“In dieser Familie ging es nie darum, glücklich zu sein. Also kann man sich auch nicht beschweren, dass wir es nicht geschafft haben.” (Seite 222)

 

Mit dieser Geschichte zeigt die Autorin einmal mehr, dass sie eine echte Geschichtenerzählerin ist! Mit  “Niemals ohne sie” ist ihr ein wunderbares, trauriges und intensives Buch über eine ganz besondere Familie gelungen, die einen bis zu den Wurzeln ihrer Familienbande mitnimmt. Wir lernen -die Cardinals- kennen. Ein bunter Haufen Kinder, einundzwanzig an der Zahl, die mit ihren Eltern in einer für Erzsucher aufgebauten Minenstadt Norco leben. Ziel ist es, auf eine Ader zu stoßen, die ihr kärgliches und bisweilen hartes Leben umkehren könnte. Und möglich ist dies auch, da der Vater ein feines Näschen dafür hat, die ihn eines Tages sogar zum Jackpot führt. Dieser Fund wird ihnen jedoch gleichzeitig zum schönsten und schlimmsten Ereignis…

Mit diesem Wissen begleiten wir die Cardinals ins Luxushotel, in welchem dem einundachtzigjährigen Vater die Medaille “Erzsucher des Jahres” verleiht werden soll. Alle sind gekommen und versammeln sich zum ersten Mal nach 30 Jahren wieder. Doch irgendetwas stimmt nicht. Es gibt ein Familiengeheimnis, das die Familie so lange entzweit hat. Scheinbar wissen es alle, nur die Mutter und der Jüngste, Matz genannt, nicht. Und wenn es nach Jeanne d’ Arc, der ältesten Schwester, gehen soll, soll dieses Geheimnis auch weiterhin nicht aufgedeckt werden…

“Das Schweigen wurde zu Schmerz. Einem Schmerz, dessen Schärfe ich spürte und der uns zusammenbrachte, mich , der ich nichts verstand, und die anderen, die unter dem Ansturm der Sekunden versteinerten, in Erwartung der Antwort unseres Vaters.” (Seite 32)

 

Jocelyne Saucier schafft es eine kraftvolle Geschichte ganz unaufgeregt zu erzählen. Wir bekommen Einsicht in das damalige Familienleben und seine Strukturen durch die verschiedenen Erzählebenen einiger Geschwistern. Ein jeder hatte einen anderen Stand innerhalb der Geschwistergruppe und so wächst das Ganze Kapitel für Kapitel.

Sehr bewegt hat mich die Stärke des Leids und wie einjeder damit umgegangen ist. Dabei zeigt sich die Schreibkunst der Autorin. Sie hat eine Sprachgewalt, die einen sehr berührt und dabei erschafft sie ganz besondere Charaktere mit viel Tiefe und Autentizität. Die Liebe der Mutter zu all ihren Kindern ist jederzeit greifbar, obwohl sie gefühlt den ganzen Tag nur kocht, um die ganze Familie satt zu bekommen. Und obwohl sie müde und entkräftet ist, macht sie jeden Abend ihre Rund zu den Schlafplätzen ihrer Kinder, wechselt ein paar Worte mit ihnen und gibt dabei jedem einzelnen das Gefühl, einzigartig und wichtig zu sein.

“Ausgeruht von der kleinen Pause, die sie sich am Abend gegönnt hatte, vergaß sie die Hektik des Tages und drehte eine Runde von einem Bett zum anderen, um jedes ihrer Kinder genau so zu sehen, wie es gewesen war, als sie es zur Welt gebracht hatte. Jetzt wurde es ihr schlafend zurückgegeben, entspannt, friedlich, unschuldig, so wie sie es für immer in Erinnerung behalten wollte.” (Seite 55)

“Diese Frau kennt uns besser als wir selbst. Sie hat uns aus der Wolle iherer Seele gestrickt, sie kennt uns auf rechts und auf links, sie findet jede verlorene Maschie wieder.” (Seite 236)

 

Ein jedes Kind kennt seinen Platz in der Familie. Manche Plätze setzen Machtkämpfe voraus, manche ergeben sich einfach so. Nur eines fällt aus dem Rahmen. Es nimmt nicht einfach alles so hin, wie es ist. Es ist zwar ein Cardinal, macht aber hin und wieder gerne “Ferien” von der Minenstadt, dem kargen Leben und der hektischen und lauten Familie. Für manche ist es schwer mit ihr, aber noch schwerer ohne sie…

 

Fazit

Wem “Ein Leben mehr” gefallen hat, der wird sich auch für diese Geschichte hier begeistern können. Ein Buch voller Tragik und Schreibkunst, die einen an den Buchstaben kleben und das Buch nicht wieder aus der Hand nehmen lässt, bis man bis zum Ende durchgedrungen ist. Eine Familiengeschichte der etwas anderen Art, ein Familiendrama, das einen sehr berührt. Wer ein interessantes Buch sucht, das im Regal bleiben soll, muss zu diesem hier greifen! Absolute Leseempfehlung!

 

Weitere Rezensionen

++  Astrolibrium
++  Literaturgarten
+    Sommerleses Bücherkiste
+    Buchvogel

 

____________________________

Ich danke vorablesen und dem Insel Verlag, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

____________________________

 

Vielleicht interessiert dich auch:

       

 

 

Loading Likes...

Only registered users can comment.

    1. Liebe Angela,
      ich freue mit soo sehr, dass ich dich durch meine Rezi mit dem Buch zusammengebracht habe, und dass es dir auch noch so wahnsinnig gut gefallen hat! 🙂 Jetzt musst du nur noch das andere Buch der Autorin lesen, das ich persönlich noch besser finde. HIER kannst du nochmal reinlesen und dich informieren, falls du magst.
      GlG, monerl

    1. Hey Daniela,
      ja, das ist ne Menge Kinder, gell! 😀 Es kommen im Buch nicht alle Kinder zu Wort, nur die wichtigsten. Aber die Eltern konnten alle auseinanderhalten, mit Namen und Spitznamen. Das Buch könnte dir gefallen. Nachdem ich es jetzt an Ela schicke, könnte ich glatt wieder ein Wanderbuch draus machen. Mal sehen, wer es noch so alles lesen will. Kannst mir ja mal Bescheid geben, ob du es dann auch tatsächlich haben möchtest. Eilt aber nicht. Jetzt macht es sich ersmal auf den Weg in den Norden. 🙂
      GlG, monerl

        1. Wie toll! Das Hörbuch muss super sein! Ich will es auch noch hören, unbedingt!
          Hab die ganzen Namen vergessen… Waren so viele 😀
          Ein paar kommen schon zu Wort.
          GlG, monerl

            1. Liebe Daniela,
              freue mich sehr, dass dir das Hörbuch so gut gefallen hat! Das HB werde ich auch noch hören. Deine Rezi habe ich gelesen und auch hier bei mir verlinkt.
              GlG, monerl

  1. Liebe Monika,

    tolle Rezension.
    Ich bin unglaublich begeistert und seufze still vor mich hin, denn ich überlege aktuell, ob Klonen eine Möglichkeit wäre…

    Vielen herzlichen Dank für diesen wundervollen Beitrag und die Buchvorstellung.

    Liebe Grüße Anja von Tii & Ana‘s

    1. Hallo meine liebe Anja,
      danke dir! Sehr schön, dass ich dir mit meiner Rezi Lust aufs Buch machen konnte! 🙂 Ja, wo soll die ganze Lesezeit für so viele tolle Bücher herkommen? Ich weiß es leider auch nicht… Kann dir das Buch aber trotzdem ans Herz legen. hihihi
      GlG, monerl

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu