Pflaumenregen
Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Pflaumenregen – STEPHAN THOME

30. März 2022

#431 Rezension

 

Buchbeschreibung

Taiwan in den 1940er Jahren, am Ende der japanischen Kolonialzeit. Während der Pazifische Krieg unaufhaltsam näher rückt, wächst die achtjährige Umeko behütet in einer Kleinstadt im Norden der Insel auf. Sie ist stolz auf ihr gutes Japanisch und himmelt ihren älteren Bruder an, den Star des örtlichen Baseballteams. Als die Armee jedoch am Ortsrand ein Lager für ausländische Kriegsgefangene einrichtet, gerät ihr Leben in einen Strudel aus Schuld und Verbrechen, der die Familie siebzig Jahre später immer noch gefangen hält.

Stephan Thomes neuer Roman ist eine Liebeserklärung an seine Wahlheimat Taiwan und den zähen Überlebenswillen ihrer Bewohner. „Pflaumenregen“ entfaltet ein berührendes historisches Panorama, in dessen Zentrum eine familiäre Tragödie steht. Gleichzeitig zielen die darin aufgeworfenen Fragen auf unsere eigene zerrissene Gegenwart: Was stiftet Zugehörigkeit, wenn persönliche und nationale Identität viel weniger eindeutig sind, als wir glauben? Wie viel wissen wir von denen, die uns am nächsten stehen? Was wissen wir wirklich über uns selbst?

 

Meine Meinung

Wer historische Romane liest und liebt weiß, dass dieses Buch hier thematisch eine echte Perle ist! Ein Buch über die Vergangenheit Taiwains ist unglaublich selten, sodass man dieses hier auf jeden Fall gelesen haben muss.

Obwohl ich noch kein Buch des Autors gelesen habe, habe ich viel Positives über ihn gehört. Damit war es klar, „Pflaumenregen“ ist ein must read!

Und ich wurde nicht enttäuscht! Herausfordernd sind die vielen, mir nicht geläufigen Namen. Doch mit ein bisschen Mühe und Hilfe, zum Hörbuch gibt es ein Booklet mit den Namen der Hauptpersonen, ein Glossar über wichtige japanische, taiwanesische und chinesische Wörter, Ausdrücke und zwei Karten von Taiwan, kann man diese kleine Hürde gekonnt nehmen.

In zwei Handlungssträngen erfahren wir über die achtjährige Umeko, wie es der Bevölkerung als eine japanische Kolonie erging und wie sich alles wandelt, als Japan nach dem Zweiten Weltkrieg kapituliert und Taiwan an die Volksrepublik China fällt und besetzt wird.

Ich musste während des Lesens immer wieder Pausen machen, da ich mich im Internet intensiv mit Taiwans Historie auseinandergesetzt und belesen habe. In dieser Hinsicht war das Buch ein sehr spannendes „Projekt“.

Plötzlich bekam die Bevölkerung nicht nur eine neue Sprache, die sie von heute auf morgen erlernen und beherrschen musste, nein, auch die jeweiligen Namen der Menschen wurden geändert. So wurde aus der kleinen Umeko Lee Ching-mei. Auf diese Art wurden einfach andere Identitäten über die Menschen gestülpt, für die es nicht leicht war, diesen Eingriff anzunehmen und auszuhalten.

Im zweiten Handlungsstrang, dem der Gegenwart, lernen wir die Kinder und Enkel von Umeko kennen, die als Auswanderer in Amerika und England leben und arbeiten. Umekos jüngster Sohn Harry (Hua-li) und seine Nichte Julie (Zhu-li) fühlen sich Taiwan noch ziemlich verbunden und Besuchen Umeko, um ihren 80-sten Geburtstag mit ihr in Taiwan zu feiern. Harry spürt, dass ihm vielleicht nicht mehr viel Zeit mit seinen Eltern bleiben wird und versucht sich der Vergangenheit seiner Eltern zu nähern. Er versucht sich an einem Roman über ein junges taiwanesisches Mädchen, das seine Mutter sein könnte.

Im Zuge des Romans bewegen sich die beiden Handlungsstränge aufeinander zu und lüften die Geheimnisse über das Leben von Umeko, Taiwans Historie und die Familiengeschichte / -tragödie von Harry und Julie.

Stephan Thome schaffte es mich in den Bann zu ziehen. Ich konnte mir die Geschichte und ihre Figuren bildlich vorstellen. Ich litt mit ihnen und ihrem Schicksal.

Die Aktualität dieses Konflikts, im Hinblick auf den Ende Februar ausgebrochen Krieg in der Ukraine, lässt einen das Buch nochmal mit anderen Augen und Ohren lesen bzw. hören. Wird es der Ukraine und der ukrainischen Bevölkerung wie den Taiwanesen ergehen? Werden sie von Russland besetzt mit einer neuen Amtssprache, neuen Bräuchen usw.? Wird China sich Taiwan nun ganz einverleiben, wie Russland es mit der Ukraine versucht?

 

Zum Hörbuch

Die beiden Sprecher haben die Geschichte noch etwas greifbarer für mich gemacht! Es gibt Geschichten, die, wenn man sie hört und sich auch nur aufs Hören konzentrieren muss, noch verständlicher werden. Ich finde, dies ist so eine Geschichte. Als Hörbuch außerordentlich gelungen!

 

Fazit

Ein durch und durch interessantes und rundes Buch, das den eigenen Horizont erweitern kann. Ein echtes Highlight, das hoffentlich noch oft gelesen wird. Eine Geschichte, nicht nur für Asien-Interessierte und History-Liebhaber*innen!

 

Weitere Rezensionen

– wird nachgetragen –

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