Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] Summ, wenn du das Lied nicht kennst – BIANCA MARAIS

18. Mai 2018

#223 Rezension

Widmung der Autorin: 
“Für Maurna, meinen geliebten Schatz, und für Eunice, Puleng und Nomthandazo, die mir beibrachten, dass Rassentrennung keine Macht über die Herzen der Menschen hat, denn Liebe ist farbenblind und kann jede Mauer überwinden.”

Buchbeschreibung:

Südafrika 1976. Die neunjährige Robin wächst behütet in einem Vorort von Johannesburg auf. In derselben Nation, aber Welten von Robin getrennt, lebt Beauty Mbali, eine verwitwete Xhosa-Frau, die sich allein um ihre Kinder kümmert. Als Robins Eltern getötet werden und zur selben Zeit Beauty in den Wirren des Schüleraufstands von Soweto nach ihrer Tochter sucht, führt das Schicksal diese zwei Menschen zusammen, deren Wege sich sonst nie gekreuzt hätten. Bei Beauty findet Robin Geborgenheit, und es entspinnt sich eine innige Beziehung zwischen den beiden. Doch Robin fürchtet, Beauty wieder zu verlieren, sobald diese ihre Tochter findet. Verzweifelt trifft das Mädchen eine folgenschwere Entscheidung …

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Meine Meinung:

Mit dieser Geschichte bringt uns die Autorin zurück in das Südafrika in die Zeit der Apartheid, der Rassentrennung und -diskriminierung. Am 16. Juni 1976 gab es den großen Schüleraufstand in Soweto. Studenten und Schüler demonstrierten gegen die rassistische Bildungspolitik. Der gewaltfreie Protestmarsch wurde jedoch durch immense Polizeigewalt aufgelöst. Dabei wurden viele Demonstranten verletzt und es starben sehr viele Kinder.

An diesem Unglückstag, an dem die Unruhen stattfanden und somit die ganze Situation aufgeheizt war, verschwindet Beautys Tochter Nomsa, die, wie viele andere Schüler, auch auf der Demonstration war. Robins Eltern werden an diesem Tag von Schwarzen getötet und machen sie damit zu einer Vollwaise.

Eine schwarze, gebildete Lehrerin und ein weißes, kleines Mädchen. Optisch trennt sie alles, doch innerlich sind sie sich näher und ähnlicher, als sie sich zu Beginn vorstellen können. Das Schicksal bringt sie gezwungenermaßen zusammen und zeigt ihnen, dass alle Menschen gleich trauern, den gleichen Schmerz empfinden und gleich lieben.

Während Beauty alles in die Wege leitet, um ihre Tochter wiederzufinden, lernt sie weiße Menschen kennen, die sich für Belange von Schwarzen interessieren und eine Gleichheit anstreben. Menschen, die diese Ungerechtigkeit, die Apartheid nicht länger dulden wollen und tatsächlich etwas dagegen tun.

Robin indes lernt, dass die negative Einstellung ihrer Eltern zur schwarzen Bevölkerung nicht logisch und auch nicht nachvollziehbar war. Sie können ebenso klug sein wie Weiße, sie haben die gleichen Bedürfnisse und sind auch nicht schmutzig, wenn man sie anständig leben lässt. Robin muss im Laufe der Zeit einige Vorurteile revidieren und lernt Beauty lieben, so sehr, dass sie sie nie mehr wieder hergeben möchte.

Bianca Marais gelingt es den Leser ins Geschehen hineinzuziehen. Durch den permanenten Blickwechsel zwischen Robin und Beauty schafft sie Nähe zur jeweiligen Protagonistin herzustellen und dem Leser einen Informationsvorsprung zu geben. Dabei entstehen keine Längen durch unnötige Wiederholungen. Alles passt wunderbar ineinander und die Übergänge sind gelungen und nachvollziehbar.

Obwohl ich viel Gefühl für Robin, ihr Schicksal und ihre Schmerzen empfinden konnte, so war sie insgesamt aber immer etwas auf Distanz. Ich konnte keinen tiefen Zugang zu ihr finden, im Gegensatz zu Beauty und auch zu ihrer Tochter Nomsa.

So sehr der Roman an vielen Stellen bedrückend und traurig ist, von Tod und Gewalt berichtet, so gibt es auch auch viele Situationen, in denen Hoffnung zu spüren ist.

“Gute Menschen gibt es in allen Hautfarben, und sie sprechen viele verschiedenen Sprachen, genau wie böse Menschen. Und manchmal tun gute Menschen Böses, und manchmal sind böse Dinge das Einzige, was die Leute tun können, weil sie es nicht besser wissen.” (Seite 311)

 

Die Autorin findet ebenso Platz für den homosexuellen Victor wie auch für die jüdische Familie von Morrie, den Nachbarsjungen und Spielkameraden Robins und gibt ihr somit Halt durch Menschen aus Randgruppen und zeigt auch hier auf, dass wir Vorurteile überwinden müssen und gemeinsam eine neue Zukunft gestalten sollen. Das hat mir sehr gut gefallen und wirkte keinesfalls überladen. Viele Nebenfiguren, die sehr liebevoll ausgearbeitet wurden, geben diesem Roman den letzten Schliff. Das Ende jedoch hätte für mein Empfinden etwas zurückhaltender ausfallen dürfen. Das war ein bisschen zu viel des Guten.

Fazit:
Ein berührendes Buch über ein schlimmes zeitgeschichtliches Ereignis in Südafrika. Ein Ausschnitt über Ungerechtigkeit und Diskriminierung von Schwarzen, verbunden mit einer schönen Geschichte, die mich sehr unterhalten hat und die sehr lesenswert ist. Nicht nur für Leser, die sich intensiver mit Südafrika beschäftigen wollen.

Weitere Rezensionen:
++  Literaturgarten
+    sursulapitschi auf LB
+/-  julemausi89 auf LB

Weitere Recherche:
– Beitrag “Aufstand in Soweto” aus Wikipedia.
– Bericht “Zur Hölle mit Afrikaans” aus Spielgel Online vom 16.06.2916.
– Bericht “Dieses Bild trieb den Fotografen in den Ruin“; 1976 – Aufstand der Kinder in Soweto aus Welt vom 16.06.2016.

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Ich danke dem Wunderraum Verlag sowie Bloggerportal, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.

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  1. Huhu 🙂

    Ich habe gerade gesehen, dass du umgezogen bist und möchte dir alles Gute wünschen.
    Dein Blog schaut wieder einmal richtig schön aus, wenn nicht sogar noch schöner. Tolle Farben, tolle Schriftart!

    Ganz liebe Grüße
    Zeki

    1. Hallo liebe Zeki,
      willkommen auf meinem neuen Blog! Ich freue mich sehr, dass du mir hierher gefolgt bist und es dir hier auch so gut gefällt! Ich bin noch am tun und machen und ausprobieren und optimieren. Ist alles ganz anders hier und ich benötige viel Zeit, um mich aufzugleisen. Aber ich hoffe, dass ich es bald geschafft habe, das Wichtigste zu kapieren. hihi
      Falls du per Mail folgen willst, findest du das ganz unten im Footer und kannst dort gerne deine Mailadresse eintragen, um nichts zu verpassen.
      GlG vom monerl

    1. Hmmmm… Vielleicht im Spam? Theoretisch sollte man ja immer eine bekommen, so dachte ich auch. Habe nichts an den einstellungen geändert. Mal sehen, ob es noch andere solcher Rückmeldungen geben wird.
      Danke dir fürs Aufmerksammachen! :-*

      1. Nee, den Spam Report bekomme ich ja jeden Tag zugeschickt. Aber da ich Deine Antworten zugeschickt bekam, ist das mit dem Anmelden vielleicht eine einmalige Sache. Das wäre ja nett.

  2. Liebe monerl,
    ich hatte das Buch ja aus den Augen verloren und war froh, durch Dich wieder erinnert zu werden. Nun war ich ganz gespannt auf Deine Rezension. Irgendwie schreckt mich ein kleines bisschen der Satz “Verzweifelt trifft das Mädchen eine folgenschwere Entscheidung …” ab. Ich kann nicht sagen warum.
    Nach Deiner Rezension werde ich dem Buch aber wohl eine Chance geben.
    Schön finde ich, dass auch andere Randgruppen drinnen vorkommen.
    Ich glaube, von dem Aufstand habe ich gehört. War das nicht der Auslöser für den Widerstand und schließlich dem Ende der Apartheid?

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,
      ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dir das Buhch gefallen wird. Der Satz, der dir etwas Angst macht ist zwar folgenschwer, aber lesetechnisch überwindbar. Brauchst dir darüber keine Sorgen machen. Das sollte dich nicht davon abhalten, das Buch zu lesen.
      Und ja, nach diesem Aufstand formierte sich Widerstand noch mehr und wurde intensiviert.
      GlG vom monerl

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