Historisch | Rezensionen

[Buchvorstellung] – Tyll – DANIEL KEHLMANN

12. Februar 2018

3 von 5 Sternen

 


Buchbeschreibung:

Tyll Ulenspiegel – Vagant und Schausteller, Entertainer und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem Dorf geboren, in dem sein Vater, ein Müller, als Magier und Welterforscher schon bald mit der Kirche in Konflikt gerät. Tyll muss fliehen, die Bäckerstochter Nele begleitet ihn. Auf seinen Wegen durch das vom Dreißigjährigen Krieg verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: Gelehrten, Ärzten, Henkern und Jongleuren, einem exilierten Königspaar, und nicht zuletzt einem Weltweisen, dessen
größtes Geheimnis darin besteht, dass er seine aufsehenerregenden Versuchsergebnisse erschwindelt und erfunden hat. Ihre Schicksale verbinden sich zu einem Zeitgewebe, zum Epos vom Dreißigjährigen Krieg. Und um wen sollte es sich entfalten, wenn nicht um Tyll, jenen rätselhaften Gaukler, der eines Tages beschlossen hat, niemals zu sterben.

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Auf dieses Buch war ich sehr gespannt und hatte mich sehr gefreut, als ich es bei BookBeat im Abo als ungekürzte Version entdeckt habe! Viele von mir geschätzte Blogger, die einen ähnlichen Buchgeschmack wie ich haben, waren sehr begeistert. Leider kann ich mich nicht ungeingeschränkt ihrer Meinung anschließen.

Mich reizte am Buch die Figur Tyll Ulenspiegel sowie die Thematik des Dreißigjährigen Krieges. Letzterer ist der große Rahmen, der rote Faden des gesamten Buches. Geschickt bedient sich Daniel Kehlmann der Figur Tyll Ulenspiegel, die als Gaukler das ganze Land bereist, sogar darüber hinaus kommt und so auch die Möglichkeit hat mit den Armen, den Bauern, den Bürgerlichen, Königen wie auch dem Kaiser in Kontakt zu treten. Spiel, Spass und Narretei für Groß und Klein, Dick und Dünn, Alt und Jung.

So lernt der Leser Tyll als Jungen kennen, seine Familie und die Umstände für seine Flucht. Gemeinsam mit Nele kämpft er sich durch und lernt bei Gaukler Pirmin die ersten Schritte und Notwendigkeiten, um sein Leben als Narr bestreiten zu können. Neben Hungersnöten, Aberglaube und Hexenverbrennungen ist es immer wieder der harte, lange Krieg, der die Menschen verschwinden lässt und Gewalt zur Tagesordnung macht. Ausgelöst durch die Leichtsinnigkeit des Friedrich V., der unbedingt Friedrich I. werden wollte, nach der Krone griff und dabei letztendlich auch sein Kurfürstentum für immer verlor. Der Winterkönig und seine Frau Elisabeth Stuart sind immer wieder im Vordergrund der Geschichte. Doch, wenn es spannend und interessant wurde, gab es immer wieder Sprünge zu Dichtern, Gelehrten, der Auseinandersetzung zur deutschen Schriftsprache und Jesuiten als Drachenfängern unvm. Dieses ständige Hin und Her, die nicht chronologische Erzählweise und die vielen Themen, die dabei nur oberflächlich gestreift wurden, stoppten nicht nur meinen Hörfluss, sondern auch mein Interesse und meine Freude am Buch.

Wenn man wie ich, was dieses Zeitalter und die historischen Persönlichkeiten angeht, im Vorfeld nicht ausreichend Kenntnisse hat, kann man sich nicht so richtig in die Geschichte fallen lassen. Erst durch nachträgliche, eigene Recherche habe ich manche Andeutungen und Anspielungen Kehlmanns verstanden.

Sprachlich ist das Buch ein reiner Genuss. Der Autor versteht es seine Erzählung mit Humor, Sarkasmus, Tragik und auch vielen Gewaltbeschreibungen zu spicken, die, verbunden mit der Idee und der nicht chronologischen Erzählweise ein Plot-Kunstwerk darstellt, an das ich mich aber leider nicht so richtig gewöhnen konnte. Der Plot ist keinesfalls trivial.

Zum Hörbuch:
Der Sprecher Ulrich Noethen ist in Tyll eine Top-Besetzung! Ich habe ihm sehr gerne zugehört. Leider erschwert das Medium -Hörbuch- das Verfolgen der Geschichte, da man speziell bei BookBeat (nach so langer Zeit immer noch) keine Lesezeichen setzten kann. Im gedruckten Buch ist Markieren und das Zurückblättern möglich, was bei Hörbüchern auch wegfällt.

Fazit:
Ein Buch, das intelligent gedacht und ausgeführt wurde, dessen Umsetzung mir speziell jedoch nicht so lag. Viele Personen, viele Themen, von allem etwas und von nichts tief genug. Dem Hörbuch ist das Print vorzuziehen, wenn man historisch nicht so versiert ist, einige Hörpausen machen muss und mit nicht chronologischem Aufbau nicht so gut zurecht kommt.

Weitere Rezensionen:

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Gelesen von: Ulrich Noethen
Spieldauer: 11 Stunden 16 Minuten
Version: ungekürzt
© Argon Verlag
Erscheinungsdatum: 09. Oktober 2017

 

 

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  1. Hey 🙂

    Stimmt, wenn ich deine Rezi so lese, fällt mir auch auf, dass wir eigentlich dieselben Dinge an diesem Buch nicht mochten. Darüber hinaus ziehe ich meinen Hut vor dir, denn ich glaube, als Hörbuch hätte ich es abgebrochen. Ich hatte es mir allerdings als E-Book aus der Onleihe geholt, damit ging wenigstens das Lesen etwas leichter und ich konnte auch die langwierigen Passagen leichter überfliegen.

    Liebe Grüße
    Ascari

    1. Hey Ascari,

      das fand ich total lustig, als ich deine Rezi gelesen hatte, dass wir wirklich die gleichen Punkte kritisiert haben. 🙂

      Durch die Weltenbummler-Challenge breche ich dieses Jahr wirklich nur im schlimmsten Notfall ab. Ich wähle die Bücher gut und gebe ihnen etwas mehr Chancen. Zudem finde ich auch nicht schlecht, Rezis zu Büchern zu teilen, die man wirklich schlecht fand. Klar, Zeit ist kostbar usw., das weiß ich absolut! haha Irgendwie habe ich das Gefühl nicht ganz authentisch zu sein, wenn ich meine Meinung nur zu Büchern niederschreibe und veröffentliche, wenn ich die Geschichten ausgezeichnet fand. Ich ertappe mich selbst dabei, wenn ich Blogs oder Profile auf z.B, LB/Amazon besuche, auf dem es so gar keine negative Rezi gibt, dass ich denke, wie doof ist das denn? Irgendwie fehlt die zweite Seite. Ich frage mich immer, was mag diese Person denn nicht…

      Abgesehen davon, fand ich “Tyll” ja nicht grottig. Er hat gute 3 Sterne bekommen. 😉
      GlG, monerl

      1. Ich weiß nicht genau, ob ich das Buch überhaupt gelesen hätte, wenn wir es nicht bei meiner Leserunde (also die reale, meine ich) ausgesucht hätten. Das waren dann natürlich schon andere Voraussetzungen als bei dir, schätze ich …

        Und du weißt ja eh, wie ich zu negativen Rezensionen stehe, ich finde sie genauso wichtig wie die Positiven, manchmal sogar noch wichtiger, denn ich mache mir gern ein Rundum-Bild von einem Buch, ehe ich es kaufe und/oder lese.

        Der Aspekt mit der Persönlichkeit des Lesers ist mir dabei zwar noch nicht so durch den Kopf gegangen, aber da ist ganz sicher was dran. Irgendwie wirkt so ein Profil ein wenig unvollständig, wenn man nur sieht, was jemand gut findet.

        Und klar, 3 Sterne sind ein guter Mittelwert, von dieser Meinung werde ich nicht abweichen, auch wenn gewisse Portale das vielleicht anders sehen.

        Liebe Grüße
        Ascari

        1. Ja genau, ich finde schlechte Bewertungen zu einem Buch, das ich kaufen möchte, auch sehr wichtig. Die lese ich eigentlich als erstes. Dann noch zwei sehr gute und eine durchschnittliche Bewertung und entscheide dann, ob ich es lesen möchte.

          Bei einer Bewertungsskala von 1-5 sind 3 Sterne sogar überdurchschnittlich. Denn keine Sterne vergebe ich grundsätzlich nicht. Deshalb steht in meiner Bewertungspyramide bei 3 Sternen auch “ein gutes Buch”. Gut, aber nicht herausragend und nicht besonders.

          Danke für deinen sehr ausführlichen Kommentar zu dem Thema. 🙂
          GlG, monerl

  2. Liebe Monerl,du hast genau die Punkte getroffen, die man im Vorfeld erwägen muss. Ich hatte mich vorab über den geschichtlichen Hintergrund informiert, ansonsten versteht man vieles nicht. Zudem hätte ich es als Hörbuch auch nicht so positiv bewertet, da in der Printausgabe die Zeitsprünge besser nachzuvollziehen sind.Ich habe allerdings ein Faible für a-chronologisches Erzählen, von daher fand ich den Roman richtig gut. Aber so unterschiedlich ist der Lesegeschmack,liebe GrüßeTina

    1. Ja, liebe Tina, hätte ich diese Punkte vorab so gewusst, hätte ich mich auf sie vorbereiten können. 😉 Aber gut zu wissen, dass du das Hörbuch auch anders bewertet hättest. Insgesamt habe ich nichts gegen a-chronologisches Erzählen, doch hier war mir Tyll als Vergindungsglied nicht genug. Aber es kann ja auch nicht jeder jede Geschichte lieben, gell!?GlG vom monerl

    1. Liebe Mira,es beruhigt mich, dass ich mit meiner Meinung nicht ganz so alleine stehe. 🙂 Wenn es zu 90% positive Buchbesprechungen zu einem Buch gibt, dann fragt man sich schon ein bisschen, warum man selbst das Buch so anders wahr genommen hat…Danke für die Verlinkung!Herzliche Grüße zurück,monerl

    1. Liebe Angela,wenn du das Buch nicht nur wegen dem Hype lesen willst, sondern ehrliches Interesse am Autor, am Dreißigjährigen Krieg, dem Winterkönig hast und zudem wissen willst, wie der Autor es schafft aus dem Eulenspiegel den Ulenspiegel zu machen, dann lese es!Ansonsten lies ein anderes und spannenderes Buch. hihiGlG vom monerl

  3. Liebes Monerl,vielen Dank für deine Eindrücke. Das mit der Springerei war mir schon beim Reinlesen aufgefallen. Das mag ich auch nicht wirklich, vor allem, wenn ich so wie du nicht viel Hintergrundwissen zum geschichtlichen Rahmen habe. Liebe Grüße, Heike

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