Unsere Farben
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[Buchvorstellung] Unsere Farben (Bd. 1 und Bd. 2) – GENGOROH TAGAME

18. März 2021

#ComicMärz
#21für2021

Und hier kommt schon die erste Vorstellung zum #ComicMärz. Ich fange mit einer Manga-Trilogie an, deren Band 1 und 2 in 2020 erschienen sind. Der letzte Teil wird voraussichtlich am 1. Juni 2021 erscheinen. Ich bin schon sehr gespannt!

#407 und #408 Rezension

Buchbeschreibung Bd. 1

Unsere Farben 1

Sora liebt seinen Klassenkameraden Yoshioka, doch seine Liebe ist geheim und unerwidert. Denn Sora hat nicht mal seiner Sandkastenfreudin Nao davon erzählt und Yoshioka macht sich mit seinen Freunden über „Homos“ lustig. Als es Sora zu viel wird, rennt er aus der Schule, an die Luft, an den Strand. Hier begegnet ihm ein älterer Mann – und dieser gesteht ihm, dass er in ihn verliebt ist…

 

Buchbeschreibung Bd. 2

Unsere Farben 2

Sora ist deprimiert. Er schafft es einfach nicht, sich offen zu seiner Sexualität zu bekennen. Aber immerhin darf er jetzt ein Wandbild in seinem „geheimen Café“ malen. Als seine Mutter sieht, wie Nao ihm dabei hilft, hält sie die beiden fälschlicherweise für ein Paar. Und auch Naos Freundin Mizuki lässt nicht locker. Wenn Nao mit Sora zusammen ist, dann soll sie dies doch bitte nicht vor ihr geheim halten. Sora und Nao zerbrechen sich den Kopf, wie sie all das klären sollen, und bitten schließlich den Café-Betreiber um Rat. Er macht immerhin kein Geheimnis daraus, dass er schwul ist. Und trotzdem scheint er in seiner Vergangenheit Fehler gemacht zu haben, die er jetzt sehr bereut…

Meine Meinung

Ich habe von dem Autor bereits die Reihe „Der Mann meines Bruders“ gelesen, die mich sehr begeistern konnte. Somit war ich auf die Trilogie „Unsere Farben“ sehr gespannt.

Auch hier geht es wieder um Homosexualität, doch dieses Mal ist es eine Coming-of-age Story.

Zu Band 1:
Wir lernen Sora kennen, der selbst weiß, dass er homosexuell ist, doch vor seinem Umfeld hält er es geheim. Dies führt immer wieder zu unangenehmen Situationen für ihn. In seiner Klasse lachen seine Klassenkameraden über homosexuelle Männer und ekeln sich vor ihnen. Er will nicht mitlachen, muss dennoch eine „Maske aufsetzen“ und so tun, als wäre er einer von ihnen. Doch er fühlt sich dabei schrecklich, sein eigentliches Ich so zu verleugnen.

Trotz der Kürze der Story, die natürlich auch dem Manga geschuldet ist, bringt Gengoroh Tagame Leser*innen dazu zu erkennen, was dieses Versteckspiel für den Protagonisten bedeutet. Es hat Auswirkungen auf seine Beziehung zur Mutter, zu Freunden und zu Menschen, die er neu kennenlernt. Heterosexuelle Leser*innen bekommen einen ersten Eindruck, wie sich das Leben eines*r Jugendlichen anfühlt, der*die ihr Coming-out noch nicht hatten. Sehr deutlich wird, wie sehr Sora einen Rückzugsort, wie das neu entdeckte Café, vermisst hat, wo er so sein kann, wie er wirklich ist und nicht aufpassen muss wie er sich gibt und was er sagt.

Der zweite Handlungsstrang erzählt die Geschichte des homosexuellen Café-Besitzers, dem Sora zufällig begegnet, sich mit ihm anfreundet und der der offen zu seiner Homosexualität steht. Doch seine Vergangenheit birgt ebenso Geheihmnisse. Wie viel wird er Sora aus seiner Vergangenheit erzählen? Wie war sein Coming-out? War es freiwillig oder wurde er goutet?

Zu Band 2:
Im zweiten Teil vertieft sich die schöne Freundschaft zwischen Nao und Sora, doch Nao muss Soras Coming-out erst einmal verarbeiten. Sie untersucht ihre Gefühle. War sie nicht doch ein kleines Bisschen in Sora verliebt? Hatte sie sich nicht ein wenig Hoffnung auf eine Beziehung gemacht? Soras Homosexualität bleibt ein Geheimnis zwischen ihm und Nao. Doch es wird immer schwieriger mit dem Umfeld, das davon nichts ahnt.

Sora hadert mit seinen Gefühlen zu Yoshioka und fragt sich, ober er mit ihm immer noch so gut befreundet wäre, wenn Yoshioka über Sora Bescheid wüsste. Dagegen gerät Nao in einen Konflikt mit ihrer Freundin Mizuki, die weiß, dass Nao und Sora ein Geheimnis haben, das Nao ihr aber nicht verraten darf/kann.

Café-Besitzer Shiro öffnet sich Sora gegenüber ein bisschen und erzählt ihm von seiner Vergangenheit und was er bereut.

Dieser zweite Teil thematisiert deutlich mehr die Probleme, die es geben kann, wenn man sich anderen gegenüber outet oder nicht. Auf was es alles ankommt und dass persönliche Umstände betrachtet werden müssen, dass jede*r Betroffene seinen*ihren eigenen Weg finden muss. Und dann tritt Shiros Vergangenheit wieder in sein Leben und Sora und Nao sind Zeugen des Auftritts und ziemlich verwirrt.

Unsere Farben
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag (Buch 1)
Unsere Farben
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag (Buch 1)
Unsere Farben
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag (Buch 2)
Unsere Farben
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag (Buch 2)

Zur Buchgestaltung und Zeichenstil:
Dies ist eine sehr schöne Manga-Reihe. Sie wird nach der japanischen Leserichtung von hinten nach vorne gelesen. Wer das nicht weiß, wird auf der ersten Seite darüber aufgeklärt, dass man zum vermeintlichen „Ende“ blättern soll und dass dort die Geschichte beginnt. Das Cover ist in Farbe, der Rest schwarz-weiß.

Der Zeichenstil des Mangaka gefällt mir ausgesprochen gut! Seine Zeichnungen sind klar und schlicht, und er schafft es sehr gut Gefühle in den Gesichtern der Charaktere zum Ausdruck zu bringen.

Dieses „Maske aufsetzen“, wenn Sora sich verstellt, setzt er wortwörtlich zeichnerisch um, was ich wirklich genial finde!

Die einzelnen Panels sind unterschiedlich groß und die Seiten werden durch unterschiedlich viele Panels gestaltet. Von einem Panel bis zu sechs ist alles vertreten. Somit gibt es genug Abwechslung für die Augen.

 

Fazit

Diese ersten Beiden Teile der Trilogie sind sehr gelungen. Sie veranschaulichen punktuell sehr gut, wie es betroffenen Jugendlichen ergehen kann und wie man als heterosexueller Mensch auf sich und andere achten soll und sensibler werden und reagieren kann. Ich hoffe, dass der letzte Band dieser Trilogie einen krönenden Abschluss verleihen wird. Absolute Kauf- und Leseempfehlung!

Die Reihe

Unsere Farben 1
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Unsere Farben 2
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag
Unsere Farben 3
© Gengoroh Tagame / Carlsen Verlag

Über Gengoroh Tagame

Geboren 1964, Mangaka, Gay Erotic Artist

1986 schloss Gengoroh Tagame die Kunsthochschule  Tama ab und wurde Art Director. Neben dieser Arbeit veröffentlichte er bereits verschiedene Manga in Schwulenmagazinen und illustrierte Romane. Seit 1994 arbeitet Tagame hauptberuflich als Autor und veröffentlichte zahlreiche Yaoi-Manga, viele davon auch in andere Sprachen wie Englisch, Französisch, Italienisch oder Spanisch.

Gengoroh Tagame ist als Künstler vorwiegend ausserhalb Japans aktiv. Er nahm an Austellungen in Paris Berlin und New York teil. Zahlreiche seiner Werke finden sich ausserdem in verschiedenen Anthologien und Artbooks wieder.

Der studierte Grafiker kam schon 1982 zum Manga zeichnen. In „Der Mann meines Bruders“ war es ihm als offen lebender Homosexueller ein Bedürfnis, seine Mitbürger für die Rechte von Schwulen und Lesen zu sensibilisieren. Dies ist seine erste All-Age-Serie, die einem breiten Publikum bekannt wurde.

 

Weitere Rezensionen

– wird nachgetragen –


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