Unter der Mitternachtssonne
Krimi / Thriller / Spannung / Abenteuer | Rezensionen

[Buchvorstellung] Unter der Mitternachtssonne – KEIGO HIGASHINO

18. Mai 2018

#215 Rezension


Buchbeschreibung:

Ein zwanzig Jahre alter Mord. Eine Verkettung unlösbarer Rätsel. Ein Detektiv, der entschlossen ist, das dunkle Geheimnis zu entschlüsseln.

Osaka, 1973: Der Pfandleiher Kirihara wird ermordet in einem verlassenen Gebäude aufgefunden. Der unerschütterliche Detektiv Sasagaki nimmt sich des Falls an, der von nun an sein Leben bestimmt. Schnell findet er heraus: Ryo, der wortkarge Sohn des Opfers, und Yukiho, die hübsche Tochter der Hauptverdächtigen, sind in das Rätsel um den Toten verwickelt. Beinahe zwanzig Jahre lang versucht Sasagaki mit zunehmender Verzweiflung, den Mord aufzuklären, in dessen Netz sich Täter, Opfer und Polizei verfangen haben. Bis über alle Grenzen hinaus, bis hin zur Obsession.

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Keigo Higashino zeigt in diesem Roman, dass er ein wahrer Meister des Kriminalromans ist. Auf über 700 Seiten konstruiert er einen Fall, der sich über 20 Jahre Ermittlungen zieht, da Kommissar Sasagaki so lange brauchen wird, bis er den Fall gelöst bekommt. Auch in seiner Rente kann Sasagaki mit diesem Fall nicht abschließen und ermittelt auf eigene Faust weiter. Dabei wird nach und nach klar, wie komplex die Handlungsstränge des Romans sind.

Unaufgeregt schreitet die Geschichte voran. Der Autor nimmt sich viel Zeit, um die Personen vorzustellen und das Handlungskonstrukt aufzubauen. Der Spannungsbogen wird stetig größer und der Kreis um den Mörder immer kleiner. Recht bald ist klar, wer der Mörder sein könnte, das Motiv bleibt jedoch im Dunkeln. Erst ganz zum Schluss finden alle Fäden zueinander und das ganze Ausmaß wird deutlich. Ich war begeistert von der Schreibkunst, die der Autor da an den Tag gelegt hat. Hat man das Gefühl, dass die Geschichte weit ausschweift, zeigt sich am Ende, wozu jeder einzelne Handlungsstrang und jede Person nötig waren.

Und bei der Personenanzahl hat Keigo Higashino nicht gegeizt! Über 20 Personen bilden das Grundgerüst. Hinzu kommt noch eine Vielzahl von Figuren, die ab und zu vorkommen und die ich nicht gezählt habe. Das ist für mich das einzige Manko an diesem Buch. So viele verschiedene japanische Namen begegnen einem und man ist kaum in der Lage, sie sich alle zu merken. Hin und wieder waren für meine Ohren einige Namen zu ähnlich, sodass das zusätzliche Verwirrung stiftete.

Schafft man es diese Namensflut zu überwinden, erhält man aber einen sprachlich schönen und geradlinigen Roman, der gänzlich ohne große Action und Blut auskommt.

Fazit:
Eine absolute Leseempfehlung für ein Buch, das sehr positiv aus dem Genre “Krimi” heraussticht. Auch geeignet für Leser, die keine eingefleischten Rätselrater sind, da die eigentliche Ermittlung in den Hintergrund rückt. Der Kommissar eröffent und schließt das Buch. Dazwischen erhält man viele einzelne Geschichten, die über Kriminalität, Schulalltag, Freizeit von Teenagern, Bankenbetrug unvm. berichten und sich dann wunderbar ineinander fügen und ein Krimi-Kunstwerk offenbaren.

Weitere Rezensionen:
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Ich danke dem Tropen Verlag sowie Netgalley, die mir freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben.
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  1. Liebe Monerl,

    ich denke tatsächlich, dass es ähnlich zu Yokoyama sein könnte vom Aufbau her.
    Denn auch da scheint die Geschichte sehr viel Aufbauarbeit zu leisten bevor es los geht.
    Stilistisch kann ich es nicht vergleichen mit 64 mangels der Vergleichbarkeit.

    Aber Deine Rezension ist toll.
    LG Anja aka Ana

    1. Ich komme erst jetzt dazu, dir zu antworten. Am Wochenende ist es für mich zu Hause immer etwas schwerer. Über Handy schreibe ich ungern. Und an den PC komme ich am WE kaum….

      Ich werde “64” dank dir also bald lesen und bin schon auf den Vergleich gespannt und werde berichten. 🙂
      GlG, monerl

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